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Die Sorge um sich oder der vollkommenen Vernunft. Ein Vergleich zwischen Foucaults und Hadots Interpretation antiker Lebenskunst

Titel: Die Sorge um sich oder der vollkommenen Vernunft. Ein Vergleich zwischen Foucaults und Hadots Interpretation antiker Lebenskunst

Hausarbeit , 2017 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Philosophie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Pierre Hadot bedauert den frühen Tod von Foucault ebenfalls sehr, da er zeit seines Lebens, die antike Lebenskunst untersuchte. Gerne wäre er in einen umfangreicheren Dialog mit Foucault getreten, denn Foucaults Anreiz an den Untersuchungen der Selbsttechniken, stammt wesentlich von seinen Veröffentlichungen zur antiken Lebenskunst. Wäre ein erweiterter Dialog zustande gekommen, hätte sich Hadot jedoch kritisch gegenüber Foucaults Interpretationen der antiken Lebenskunst geäußert. In einer kleinen Schrift, welche im Sammelwerk Spiele der Wahrheit von 1991 veröffentlicht wurde, stellt Hadot einige kritische Punkte an Foucaults Interpretation der antiken Lebenskunst dar. Es geht ihm vor allem um die Interpretation der Zielsetzung der antiken Lebenskunst, welche für ihn das Endziel im Überschreiten des Selbst mit einhergehenden spirituellen Einsichten hat und nicht nur eine reine Selbstformung ist, wie Foucault die Lebenskunst auszulegen scheint. Aus dem Text kristallisieren sich demnach folgende drei Hauptkritikpunkte gegen Foucaults Interpretation heraus:
1. Das Gefühl der Zugehörigkeit, sich als Teil der ganzen Welt zu fühlen, ist das wesentliche Element an den Übungen der Lebenskunst und nicht die Lust an sich selbst. Es geht nicht darum, eine neue Subjektivität für sich zu wählen, sondern sein Selbst zur universellen Vernunft zu transzendieren.
3. Foucault blendet die Selbstüberschreitung aus. Durch die Anwendung der praktischen Lebenskunst lebt man nicht mehr in der gewöhnlichen Welt, sondern in der Welt der Natur oder Physik. Man erlebt eine neue Art, in der Welt zu sein.
Foucault entlehnte seine Ideen zur Veränderung des Selbst durch Techniken wesentlich aus Hadots Schriften. Jedoch hat er anscheinend den Sinn antiker Lebenskunst stark abgewandelt. Diese Hausarbeit soll daher Hadots drei wesentliche Kritikpunkte näher beleuchten, prüfen und einen Vergleich beider Interpretationen der antiken Lebenskunst darstellen. Inhaltlich ist die Hausarbeit analog zu den drei Kritikpunkten aufgeteilt. Die Einstiegsfrage, wie nach Foucault eine Umformung der Persönlichkeit, eine Neusubjektivierung, praktisch vollzogen werden kann, wird anhand des vierten Abschnitts Übungen zur Erkenntnis des Selbst- und Natur versucht zu beantworten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Unterschied zwischen Lust und Freude

3. Die Freude am Ich oder an der göttlichen Vernunft

3.1 Das wahre Gute bei Seneca

3.2. Die Freude an sich selbst bei Foucault

4. Übungen zur Erkenntnis des Selbst und der Natur

4.1 Foucaults Ästhetik der Existenz

4.2 Die Therapie des Selbst

4.3 Die eidetische und onomastische Meditation

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch den Vergleich zwischen Michel Foucaults Interpretation der antiken Lebenskunst und der Sichtweise von Pierre Hadot. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie eine Umformung der Persönlichkeit nach Foucault praktisch vollzogen werden kann und inwiefern Hadots Vorwurf, Foucault vernachlässige die Überschreitung des Selbst zur universellen Vernunft, berechtigt ist.

  • Vergleich von Foucaults und Hadots Interpretationen antiker Selbsttechniken
  • Analyse der stoischen Handlungstheorie und des Begriffs des "wahren Guten"
  • Untersuchung der Differenz zwischen Lust und Freude im Kontext der Philosophie
  • Diskussion der spirituellen Übungen zur Selbsterkenntnis und Naturerkenntnis

Auszug aus dem Buch

4.2 Die Therapie des Selbst

Die Sorge um das Selbst ergibt sich primär aus der Affektlehre der Stoiker, die sich an die wesentliche Annahme der materiellen Seele, dem Hegemonikon und ihren Eigenschaften anschließt. Im Mittelpunkt der Affektlehre steht der Begriff des Pathos. Er bezeichnet die Krankheit, unter welcher die Seele leidet, wenn sie ausschließlich von ihren Trieben geleitet wird.55 Das Mädchen aus meinem Beispiel leidet unter dieser Krankheit, indem es ihr nicht gelingt, an einer Antwort festzuhalten. Ihr gelingt es nicht, weil sie keine Kriterien hat, unter welchen sie die richtige Antwort findet, also geht sie dem nach, was ihr am meisten Wohlfühlfreude bringt und verlässt sich auf ihre Triebe. Durch die ständig verlangenden und abneigenden Triebimpulse, wird die Seele in einen unruhigen Gemütszustand versetzt, der sie krank macht. Der Trieb zieht wie ein unerzogener Hund ununterbrochen an ihrer Leine, weshalb sie sich alsbald den Arm auskugelt.

Foucault scheibt, dass die Stoiker Wohlfühlfreude, Genuss oder Leidenschaften als physische Krankheit ansehen, die einen bestimmten Verlauf nimmt. Zuerst trägt die individuelle Veranlagung zu einer Leidenschaft bei, dann folgt die unvernünftige Triebhandlung der Seele, welches die eigentliche Krankheit, das Pathos, ist. Als drittes folgt der chronische Krankheitszustand, aus dem der permanente Krankheitszustand hervortritt und als letztes ein Zustand der vollkommenen Triebbesetzung der Seele, wenn der Trieb mit seinen Leidenschaften die Seele vollkommen in Besitz genommen hat.56

Doch niemand kann sich alleine von dieser Krankheit befreien, irgendjemand muss den Kranken zur Hilfe kommen, so auch Seneca in seinem 52. Brief an Lucilius57. Foucault belegt in diesem Zusammenhang eine interessante Tatsache, dass die Stoiker als Philosophen die Selbstpraxis als medizinische Handlung definierten58. Der Philosoph ist der Heiler der Krankheit, der mit den Lehren der Selbstpraxis eine Heilung vollzieht. Die Verbindung von Philosophie und Medizin und zugleich von Körper und Seele, lassen sich in einer Reihe von Techniken entdecken, die als Seelenpraxis anzusehen sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Michel Foucaults Interesse an der antiken Lebenskunst und führt die kritischen Einwände von Pierre Hadot ein, der Foucault vorwirft, die Bedeutung der Selbstüberschreitung zur universellen Vernunft zu unterschätzen.

2. Der Unterschied zwischen Lust und Freude: Das Kapitel analysiert Hadots Kritik an Foucaults Ethik der Lust und arbeitet heraus, dass Foucault Freude und Lust oft gleichsetzt, während die Stoa eine scharfe Trennung zwischen dem oberflächlichen Genuss und der dauerhaften Freude am wahren Guten zieht.

3. Die Freude am Ich oder an der göttlichen Vernunft: Es werden die philosophischen Grundlagen der Stoa hinsichtlich der Seele und Vernunft untersucht und Hadots Kritik auf ihre Berechtigung hin geprüft.

3.1 Das wahre Gute bei Seneca: Dieses Unterkapitel widmet sich der stoischen Handlungstheorie, bei der die Vernunft als höchste Instanz über die Triebe und Vorstellungen entscheidet, um zur Vollkommenheit zu gelangen.

3.2. Die Freude an sich selbst bei Foucault: Foucaults Umgang mit den stoischen Techniken wird unter Einbeziehung seiner Vorlesungsreihe Hermeneutik des Subjekts kritisch hinterfragt.

4. Übungen zur Erkenntnis des Selbst und der Natur: Das Kapitel behandelt die verschiedenen Übungen, die Foucault als Selbstpraktiken beschreibt, und konfrontiert diese mit Hadots Auffassung der Transzendierung des Ich.

4.1 Foucaults Ästhetik der Existenz: Hier wird der Prozess der Subjektumformung erläutert, wobei die Bedeutung der Aufklärung durch Andere für das Werden zum Subjekt im Vordergrund steht.

4.2 Die Therapie des Selbst: Der Philosoph wird hier als Heiler dargestellt, der die Seele von den pathologischen Zuständen der Triebe und Laster befreit, was als notwendige erste Stufe der Lebenskunst angesehen wird.

4.3 Die eidetische und onomastische Meditation: Das Kapitel erläutert fortgeschrittene Übungen zur objektiven Erkenntnis, die über die bloße Triebkontrolle hinausgehen und auf das tatsächliche Wesen der Dinge zielen.

5. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und argumentiert, dass Foucaults Fokus auf die Sorge um sich eine notwendige, an Seneca orientierte Vorstufe zur tieferen Naturerkenntnis darstellt.

Schlüsselwörter

Michel Foucault, Pierre Hadot, Stoa, Seneca, Lebenskunst, Selbsttechniken, Subjektivität, Vernunft, Pathos, Lust, Freude, Selbstsorge, Naturerkenntnis, Eidetische Meditation, Philosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit vergleicht die Interpretation der antiken Lebenskunst durch Michel Foucault mit der Kritik von Pierre Hadot, insbesondere in Bezug auf die Ziele der stoischen Selbstpraktiken.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die Unterscheidung zwischen Lust und Freude, die stoische Affektlehre, Foucaults Ästhetik der Existenz sowie die Bedeutung der Selbsterkenntnis und der Naturerkenntnis.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie eine Umformung der Persönlichkeit nach Foucault praktisch umgesetzt werden kann und diskutiert Hadots Einwand, dass Foucault die spirituelle Selbstüberschreitung zur universellen Vernunft ausblende.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer philologisch-philosophischen Analyse, die primäre Quellentexte Foucaults und Senecas mit der interpretativen Literatur von Pierre Hadot vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die stoische Handlungstheorie, die Rolle der Vernunft gegenüber den Trieben, therapeutische Aspekte der Philosophie als "Heilkunst" und spezifische Meditationsübungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind die Begriffe Lebenskunst, Selbsttechniken, Sorge um sich, Vernunft, Pathos sowie die Namen Foucault, Hadot und Seneca.

Wie definiert Seneca im Kontext der Arbeit das "wahre Gute"?

Das wahre Gute ist laut Seneca eine freie, aufrichtige Seele, die nicht den wechselhaften Trieben folgt, sondern der göttlichen Vernunft, und alles in sich selbst trägt.

Warum hält Hadot Foucaults Interpretation der Stoa für teilweise falsch?

Hadot wirft Foucault vor, die Stoa als eine "Ethik der Lust" misszuverstehen, da für die Stoiker das Glück nicht in der Selbstbezogenheit liege, sondern in der Transzendierung des Selbst zur universellen Weltvernunft.

Was ist die "eidetische und onomastische Meditation"?

Dabei handelt es sich um eine fortgeschrittene geistige Übung, bei der das Subjekt ein Objekt oder einen Begriff von seiner subjektiven Bewertung löst, um es in seiner wahren, objektiven Natur zu erfassen.

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Details

Titel
Die Sorge um sich oder der vollkommenen Vernunft. Ein Vergleich zwischen Foucaults und Hadots Interpretation antiker Lebenskunst
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
23
Katalognummer
V496863
ISBN (eBook)
9783346008428
ISBN (Buch)
9783346008435
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sorge vernunft vergleich foucaults hadots interpretation lebenskunst
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2017, Die Sorge um sich oder der vollkommenen Vernunft. Ein Vergleich zwischen Foucaults und Hadots Interpretation antiker Lebenskunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496863
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Leseprobe aus  23  Seiten
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