Märchen und Fabeln im philosophischen Unterricht

Unterrichtsentwurf am Beispiel von "Aschenputtel"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

25 Seiten, Note: 13 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung zur Thematik

2. Vorstellung des Stundenthemas

3. Lernziele und Kompetenzen
3.1 Kompetenzbereiche
3.2 Ausgewählte Kompetenzen der Unterrichtseinheit
3.3 Lernziele der Unterrichtsstunde

4. Bemerkungen zur Lerngruppe

5. Sachanalyse

6. Handlungsbezogene Begründung

7. Didaktische Analyse

8. Exemplarischer Stundenverlaufsplan

10. Literaturverzeichnis

11. Anlagen
- Text „Aschenputtel“
- Bildimpuls
- Arbeitsblatt

1. Hinführung zur Thematik

Die Verwendung des Wortes „Märchen“ kann bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Der heutige bekannte Begriff „Märchen“ wird allerdings erst seit dem 18. Jahrhundert verwendet. Der Begriff stammt von dem Wort „Maere“ ab, was so viel wie „Kunde, Bericht, Erzählung, Gerücht.“ Bedeutet.1 Durch die Gebrüder Grimm bekam das Märchen große Popularität und steht noch heute für eine phantastische Erzählung. Eine genaue Begriffsbestimmung entstand in Deutschland vor allem durch ihr Werk der „Kinder- und Hausmärchen“. Sie unterschieden dort erstmals zwischen poetischen Märchen und historischen Sagen. Was die Erzähltraditionen der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm angeht, ist bekannt, dass die meisten Märchen aus mündlicher Überlieferung stammen und ein Fundus aus zusammengetragenen, volkstümlichen, nachbearbeiteten Erzählungen sind, die die Gebrüder hauptsächlich aus dem Kasseler Stadtbürgertum, aus dem sie auch selbst stammten, schöpften.2

Man unterscheidet zudem zwischen zwei Arten von Märchen, den Volks- und den Kunstmärchen. Das Volksmärchen stellt dabei die ursprüngliche Form des Märchens. Diese Erzählungen kommen, worauf der Name bereits hinweist, aus dem Volk. Durch die mündliche Überlieferung dieser Erzählungen gab es keine feste Form und auch keine bekannten Autoren. Die Gebrüder Grimm waren die ersten, die diese Märchen in Deutschland gesammelt haben.3 Die Kunstmärchen hingegen wurden bewusst von Autoren verfasst und haben meistens eine Binnen - und Rahmenhandlung. Der berühmteste Vertreter ist hier sicherlich der Däne Hans Christian Andersen. Kunstmärchen sind philosophischer und romantischer. Sie wurden bewusster geschrieben orientierten sich aber in ihren Grundzügen an den klassischen Volksmärchen.

Erst durch die Märchensammlung der Gebrüder Grimm wurde über die genauen Merkmale eines Märchens nachgedacht, vor allem, um es dieses von anderen literarischen Formen wie z.B. Sagen und anderen Prosaerzählungen abzugrenzen.

Das wohl bekannteste Märchenmerkmal ist die Anfangs- beziehungsweise Endformel („Es war einmal...“ „und wenn sie nicht gestorben sind...“). Orts- und Zeitangaben fehlen, manchmal wird auf ein weit entferntes Land verwiesen. Sie sind abstrakt und reine Fiktion. „Das Märchen beschreibt nicht die äußere Wirklichkeit unserer Welt und unseres Lebens, sondern es erzählt von der inneren Wirklichkeit des Menschen.“4

2. Vorstellung des Stundenthemas

Ich beziehe mich auf den Lehrplan Ethik für den Gymnasialen Bildungsgang für die Jahrgangsstufen 5-13 des Bundeslandes Hessen. Für die dargestellte Unterrichtseinheit habe ich mich für das Inhaltsfeld „Selbst und Welt“ entschieden. Dieses Inhaltsfeld berücksichtigt die Auseinandersetzungen mit sich selbst aber auch mit dem eigenen Umfeld. Thema der dargestellten Unterrichtseinheit ist das Märchen „Aschenputtel“. Anhand von Märchen können die SuS unterschiedlichste Kompetenzen erwerben. Der Fokus soll in dieser Unterrichtseinheit auf der Erarbeitung der literarischen Figuren im Märchen und der Auseinandersetzung mit Rollenstereotypen liegen. Durch das Märchen „Aschenputtel“ sollen die SuS sich kritisch mit den typisch männlichen und typisch weiblichen Eigenschaften und Rollenbilder, die in diesem Märchen vermittelt werden auseinander setzen und erfahren wie sich Rollenstereotypen auf die Wahrnehmung der einzelnen Figuren auswirken kann. Anschließend sollen die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler kritisch hinterfragt werden. In der Unterrichtsstunde zum Märchen „Aschenputtel“, sollen die SuS außerdem den Inhalt des als Hausaufgabe gelesenen Märchens wiedergeben und die einzelnen Charaktereigenschaften der im Märchen dargestellten Figuren erarbeiten können.

3. Lernziele und Kompetenzen

3.1 Kompetenzbereiche

Folgende Kompetenzbereiche lassen sich durch die Unterrichtseinheit, sowie das Stundenthema erarbeiten und vertiefen:

- Reines Wahrnehmen
- Wahrnehmen & Deuten
- Analysieren & Reflektieren I
- Analysieren & Reflektieren II
- Interagieren & Sich-Mitteilen
- Argumentieren & Urteilen I
- Argumentieren & Urteilen II und erstes Sich-Orientieren & Handeln

3.2 Ausgewählte Kompetenzen der Unterrichtseinheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten5

3.3 Lernziele der Unterrichtsstunde

Schwerpunktziele:

- Die Schülerinnen und Schüler verstehen das Märchen ,Aschenputtel‘.
- Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit den verschiedenen dargestellten Geschlechterstereotypen im Märchen auseinander.
- Die Schülerinnen und Schüler können die im Märchen dargestellten Rollenbilder kritisch reflektieren.

Weitere Lernziele der Stunde:

- Die SuS üben sich darin, einem längeren Text zu lesen und ihn inhaltlich wiedergeben zu können.
- Die SuS können die Charaktereigenschaften der dargestellten Figuren in Partnerarbeit erarbeiten.
- Die SuS nehmen das Verhalten der Märchenfiguren als Anlass zur Stellungnahme für eigene Vorstellungen über Rollenbilder
- Die SuS lernen ihre eigenen Ergebnisse und die ihrer Mitschüler/innen kritisch zu hinterfragen und zu bewerten.
- Die SuS hören ihren Mitschülern zu und können kritisch auf die Beiträge ihrer Mitschüler eingehen.

4. Bemerkungen zur Lerngruppe

6 Die Schülerinnen und Schüler im Ethikunterricht setzen sich aus der gesamten Klassenstufe sechs zusammen. Der Großteil der SuS stammen aus der 6a, diese Klasse ist sehr leistungsstark, mit einer sehr guten und harmonischen Klassengemeinschaft, welche sich auch auf das das gesamte Lern - und Arbeitsklima im Ethikunterricht auswirkt. In der Ethikklasse befinden sich elf Jungen und vierzehn Mädchen, es herrscht also ein sehr ausgewogenes Geschlechterverhältnis zwischen Jungen und Mädchen. Obwohl es keine Gruppenbildung oder Ausgrenzung innerhalb der sechsten Klasse gibt, sitzen die Mädchen oftmals von den Jungen in den einzelnen Klassen getrennt, dies spiegelt sich auch in der Sitzordnung der Ethikklasse wieder. Die aktuelle Lehrkraft der Ethikklasse hat die Schule zum Halbjahr verlassen und ist in Mutterschutz, daher übernehme ich den Ethikunterricht vertretungsweise. Die Schülerinnen und Schüler beteiligen sich mit viel Freude und Engagement am Unterrichtsgeschehen. Sie zeigen sich offenen gegenüber meiner Unterrichtsmethoden und es fällt Ihnen leicht in Gruppen- oder Partnerarbeit zusammen zu arbeiten. Auch Diskussionen, die sich mit der Thematik des Unterrichts befassen, führen bei dieser Ethikklasse meistens zum gesetzten Lernziel der Stunde. Des Weiteren sind die Schüler und Schülerinnen durch Feedbackregeln, welche sie am Anfang des Halbjahres mit ihrer Deutschlehrerin erarbeitet haben, in der Lage sich gegenseitig konstruktiv zu kritisieren und sich ein reflektiertes Feedback zu geben, was auch für meinen Ethikunterricht, sowie für die dargestellte Unterrichtseinheit von großem Vorteil ist.

5. Sachanalyse

Die dargestellte Unterrichtseinheit findet in einer Doppelstunde statt. Normalerweise beginne ich eine Einstiegsphase gerne mit einem Bildimpuls, da das Märchen „Aschenputtel“ allerdings sehr lang ist, habe ich den Schülerinnen und Schülern als Hausaufgabe aufgegeben das Märchen zu lesen. Da „Aschenputtel“ eine Fülle von Ereignissen beinhaltet, haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich zunächst frei zum Text zu äußern, bevor der Inhalt kurz wiedergegeben werden, sowie evtl. anfallende Verständnisfragen zum Märchen geklärt werden sollen. Gegebenenfalls nennen die SuS hier auch Märchen­Merkmale, die sie im Märchen erkannt haben.

Ein guter Einstieg ist eine der wichtigsten Kriterien für einen guten Unterrichtsverlauf, da er Interesse wecken, motivieren und den Schülerinnen und Schülern den weiteren thematischen Verlauf der Stunde transparent machen kann. Auch ist es wichtig Fragen direkt zu klären, damit die SuS dem weiteren Verlauf der Stunde folgen können. In der folgenden ersten Erarbeitungsphase habe ich mich für die Sozialform der Partnerarbeit entschieden. Bei einer Partnerarbeit müssen zwei, maximal drei Schülerinnen und Schüler, in der Regel die Banknachbarn gemeinsam eine Aufgabe bearbeiten. Partnerarbeit ist in jeder Unterrichtsphase einsetzbar und eine Form der Binnendifferenzierung. Sie gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit sich innerhalb der Partnergruppe konstruktiver einzubringen. Daher ist die Beteiligung jedes einzelnen in einer Partnerarbeit in der Regel höher, als in einer Gruppenarbeit, da die Schülerinnen und Schüler sich noch selbstständiger und kommunikativer beteiligen müssen7. Auch der soziale Lerneffekt bei den Schülerinnen und Schülern ist in einer Partnerarbeit sehr hoch, da sie sich gegenseitig helfen und unterstützen, müssen um gemeinsam die gestellte Aufgabe zu bewältigen. Die Fähigkeit zum selbstständigen und zielorientierten Arbeiten beider Partner ist Grundvoraussetzung für die Sozialform der Partnerarbeit, daher muss man sich darauf verlassen können das beide Teilnehmer einer Partnerarbeit sich gleichermaßen und zielgerichtet an der gestellten Aufgabe beteiligen.

[...]


1 Vgl. Rölleke, Heinz (2004): Die Märchen der Brüder Grimm. Eine Einführung. Stuttgart: Philipp Reclam jun. Verlag. S. 8.

2 Vgl. Lange, Günter (Hrsg.) (2010): Märchen - Märchenforschung - Märchendidaktik. 2., unveränderte Aufl., Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren.

3 Vgl. Rölleke, Heinz (2004): Die Märchen der Brüder Grimm. Eine Einführung. Stuttgart: Philipp Reclam jun. Verlag.

4 Knoch, Linde (Hg.) (2013): Praxisbuch Märchen. Verstehen - Deuten - Umsetzen. 5. Aufl. Gütersloh: Gütersloher Verl.-Haus

5 Im Folgenden: SuS

6 Anm.: Die beschriebene Lerngruppe stellt kein exemplarisches Beispiel dar, sondern ist eine tatsächlich existierende Ethikklasse in der ich durch mein Praxissemester und meine Stelle als Vertretungslehrkraft Unterricht halte.

7 Vgl. Meyer, Hilbert (2009). Leitfaden Unterrichtsvorbereitung. Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Märchen und Fabeln im philosophischen Unterricht
Untertitel
Unterrichtsentwurf am Beispiel von "Aschenputtel"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Philosophie)
Veranstaltung
Vertiefungsseminar Didaktik
Note
13 Punkte
Autor
Jahr
2019
Seiten
25
Katalognummer
V496911
ISBN (eBook)
9783346009043
ISBN (Buch)
9783346009050
Sprache
Deutsch
Schlagworte
märchen, fabeln, unterricht, unterrichtsentwurf, beispiel, aschenputtel
Arbeit zitieren
Natalie Kellermann (Autor), 2019, Märchen und Fabeln im philosophischen Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496911

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