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Musikalische Momente als Überwindung des Wertezerfalls

Im Hinblick auf "Hiob. Roman eines einfachen Mannes" von Joseph Roth und "1918. Huguenau oder die Sachlichkeit" von Hermann Broch

Titel: Musikalische Momente als Überwindung des Wertezerfalls

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2017 , 24 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sophia Henze (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit hat den Anspruch, die titelgebende These, dass es die musikalischen Momente, bzw. die musikalischen Kunsterfahrungen sind, die in beiden Werken die Möglichkeit der Erkenntnis und der Überwindung der Separation darstellen, zu bestätigen.

Untersucht werden jeweils zwei exemplarische Szenen aus beiden Romanen. Die Ergebnisse werden dann unter den gemeinsamen Teilaspekten, in einem Dreischritt, bestehend aus dem Problem (Kommunikationslosigkeit), der Bedingung für die Erkenntnis (Auflösung der Zeit) und der Lösung bzw. Nicht-Lösung (Akzeptanz), vergleichend zusammengetragen.

Die Textstellen werden nacheinander behandelt und ihrer Analyse wird jeweils ein Überblick über die Auffassung des Autors von der Intermedialität von Literatur und Musik sowie dem generellen außerliterarischen Verständnis von Kunst vorangestellt, wodurch die Arbeit sich in einen "Broch-Teil" und einen "Roth-Teil" gliedert.

Die zentrale These Hermann Brochs lautet, dass sich seit dem christlich geprägten Mittelalter, in dem der integrative, religiöse Zentralwert die Orientierung darstellte, die einzelnen Wertgebiete verselbstständigen würden und eine Auflösung der Gesellschaft und völliges gegenseitiges Unverständnis ihrer Mitglieder die Folgen seien. Dieser extreme Individualismus münde in Gewalt und Zerstörung. Im dritten Teil seiner Romantrilogie "Die Schlafwandler" baut er die, auf dieser These aufbauenden, Überlegungen zum "Zerfall der Werte" ein.

Auch Joseph Roth beschäftigt sich in seinem Werk "Hiob – Roman eines einfachen Mannes" mit der Frage nach einer Größe, die Orientierung bietet, der Frage nach "richtig" und "falsch".

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Kunstverständnis Hermann Brochs

2.1 Intermedialität von Literatur und Musik

2.2 Außerliterarische Kommentare

3. Paradigmatische Analyse innerliterarischer Umsetzung des Kunstverständnisses in 1918 – Huguenau oder die Sachlichkeit

3.1 Kessel, Pasenow, Kuhlenbeck und die Brahms’sche Cellosonate e-moll op. 38

3.2 Der Wechselgesang des Majors, Huguenaus sowie Herr und Frau Echs

4. Das Kunstverständnis Joseph Roths

4.1 Intermedialität von Literatur und Musik

4.2 Entwicklungen in Roths Kunstverständnis

5. Paradigmatische Analyse musikalischer Motive in Joseph Roths Hiob – Roman eines einfachen Mannes

5.1 Die musikalische Erziehung des Lehrers Mendel Singer

5.2 Menuchims Lied

6. Vergleichende Zusammentragung der Textbetrachtung

6.1 Die Nichtmöglichkeit der Kommunikation

6.2 Die Überwindung der Zeitlichkeit durch eine musikalische Kunsterfahrung

6.3 Die Möglichkeit zur Akzeptanz

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern musikalische Momente in Hermann Brochs "Die Schlafwandler" (insb. "1918 – Huguenau oder die Sachlichkeit") und Joseph Roths "Hiob – Roman eines einfachen Mannes" als Mittel dienen, um den Zerfall sozialer und ethischer Werte zu überwinden und eine übergeordnete Erkenntnis zu ermöglichen.

  • Intermediale Beziehungen zwischen Literatur und Musik in der Moderne.
  • Die Krise der Kommunikation und die Isolierung des Individuums.
  • Die Rolle der Musik bei der Überwindung von Zeitlichkeit und Separation.
  • Vergleichende Analyse musikalischer Motive und Szenen in beiden Romanen.
  • Die Bedeutung von Akzeptanz und individueller Verantwortung in einer Welt ohne absolute Werte.

Auszug aus dem Buch

3.1 Kessel, Pasenow, Kuhlenbeck und die Brahms’sche Cellosonate e-moll op. 38

In dieser Szene spielt Dr. Kessel, in Erinnerung an seine verstorbene Frau, für Major Pasenow und den Oberstabsarzt Kuhlenbeck die Brahms’sche Cellosonate e-moll op. 38. Diese musikalische Darbietung ist unabhängig von ihrer Qualität erfüllend für den Major und Kuhlenbeck.

[D]enn die lärmende Stummheit dieser Zeit, ihres Getöses stummer und undurchdringlicher Schall, aufgerichtet zwischen Mensch und Mensch, eine Wand, durch die des Menschen Stimme nicht hinüber, nicht herüber mehr dringt, so daß [sic!] er erbeben muß [sic!], – aufgehoben war die entsetzliche Stummheit der Zeit, es war die Zeit selbst aufgehoben und sie hatte sich zum Raum geformt, der sie alle umschloß [sic!], da nun Kessels Cello erklang, aufsteigend der Ton, den Raum aufbauend, den Raum erfüllend, […]. (KW 1; S. 632)

Dieser musikalische Moment deutet auf die der Kunst innewohnenden Kraft hin. Es ist ein Moment der Erkenntnis. Erkenntnis vermittelt durch den stilvollen Ausdruck des Menschengeistes in der Musik. Denn durch die Musik kann das Irrationale des bloßen Erlebens fassbar und mitteilbar gemacht werden, indem sie die Zeit zum Stehen bringt. Weil es die Zeit ist, in der die Dunkelheit des Irrationalen am deutlichsten sichtbar ist. Sie repräsentiert das Empirische schlechthin für das Leben des Menschen, indem sie dahinfließt zur Zukunft führt und im Tod endet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit stellt die These auf, dass musikalische Kunsterfahrungen in den untersuchten Werken als Mittel zur Überwindung von gesellschaftlicher Isolation und Wertezerfall dienen.

2. Das Kunstverständnis Hermann Brochs: Es wird erörtert, wie Broch Musik als ein absolutes, ordnungsstiftendes Medium begreift, das in einer zerfallenden Welt Orientierung bieten kann.

3. Paradigmatische Analyse innerliterarischer Umsetzung des Kunstverständnisses in 1918 – Huguenau oder die Sachlichkeit: Anhand ausgewählter Szenen wird gezeigt, wie Musik im Roman die Zeitlichkeit aufhebt und Kommunikation über das rein Rationale hinaus ermöglicht.

4. Das Kunstverständnis Joseph Roths: Das Kapitel analysiert Roths Nutzung musikalischer Elemente im Sprachstil und seine Suche nach Werten im Kontext seines späteren, konservativer geprägten Schaffens.

5. Paradigmatische Analyse musikalischer Motive in Joseph Roths Hiob – Roman eines einfachen Mannes: Es wird untersucht, wie die musikalische Erziehung und insbesondere "Menuchims Lied" zur Heilung und zur Versöhnung des Protagonisten mit seinem Schicksal beitragen.

6. Vergleichende Zusammentragung der Textbetrachtung: Die Analyse führt die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht, dass beide Autoren Musik als einzigen Ausweg aus der Kommunikationslosigkeit und als Werkzeug zur Akzeptanz der Fragmentierung sehen.

Schlüsselwörter

Hermann Broch, Joseph Roth, Musik, Literatur, Intermedialität, Wertezerfall, Zeitlichkeit, Kommunikation, Hiob, Huguenau, Erkenntnis, Kunst, Moderne, Musikalisches Motiv, Akzeptanz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die Funktion von Musik und musikalischen Momenten in ausgewählten Romanen von Hermann Broch und Joseph Roth als Mittel, um soziale Isolation und den Verlust von Werten in der Moderne zu überwinden.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf dem Verhältnis von Literatur und Musik, der Problematik der Kommunikationslosigkeit, der Auflösung von Zeitlichkeit durch Kunst sowie der Frage nach der individuellen Verantwortung in einer wertepluralistischen Welt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu belegen, dass musikalische Kunsterfahrungen in den Werken als "Fluchtpunkt" fungieren, die es den Charakteren ermöglichen, kurzzeitig aus der Isolation auszubrechen und eine Form der Erkenntnis zu erlangen, die über das rationale Sprachvermögen hinausgeht.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl theoretische Grundlagen (Kunstverständnis der Autoren) als auch eine textnahe, paradigmatische Analyse konkreter Schlüsselszenen anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zunächst werden Brochs "1918 – Huguenau oder die Sachlichkeit" und anschließend Roths "Hiob – Roman eines einfachen Mannes" analysiert. Abschließend erfolgt eine vergleichende Zusammenführung der Ergebnisse.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Intermedialität, Wertezerfall, Identitätsverlust, musikalische Kunsterfahrung, Zeitlichkeit und die Suche nach Sinn in der Moderne charakterisieren.

Welche Bedeutung hat die Musik für die Figur des Menuchim bei Joseph Roth?

Die Musik ist für Menuchim sowohl ein Weg zur Heilung von seiner Stummheit als auch ein Ausdruck seiner Genesung; sie wird zum integralen Bestandteil seiner Identität und ermöglicht seinem Vater schließlich die Versöhnung mit der Welt.

Warum wird im Kontext des "Huguenau"-Romans von einer "lärmenden Stummheit" gesprochen?

Dieser Begriff thematisiert die existenzielle Kommunikationslosigkeit der Charaktere, die zwar sprechen, sich aber in ihrer Isolation nicht wirklich verständigen können – ein Zustand, der erst durch das kollektive Erleben von Musik in Momenten der Ekstase aufgehoben wird.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Musikalische Momente als Überwindung des Wertezerfalls
Untertitel
Im Hinblick auf "Hiob. Roman eines einfachen Mannes" von Joseph Roth und "1918. Huguenau oder die Sachlichkeit" von Hermann Broch
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Autor
Sophia Henze (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
24
Katalognummer
V496919
ISBN (eBook)
9783346008046
ISBN (Buch)
9783346008053
Sprache
Deutsch
Schlagworte
musikalische hermann sachlichkeit huguenau roth joseph mannes roman hiob hinblick wertezerfalls überwindung momente broch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sophia Henze (Autor:in), 2017, Musikalische Momente als Überwindung des Wertezerfalls, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/496919
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  24  Seiten
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