Stadtentwicklung von Oslo als norwegischer Metropole


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
18 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Oslos Geschichte im norwegischen Zusammenhang

3. Oslos Weg im 20. Jahrhundert

4. Oslo heute
4.1 Oslo in Zahlen
4.2 Stadtexpansion, Migration und Dezentralisierungspolitik
4.3 Oslo als touristisches Zentrum in Norwegen
4.4 Regierung und Verwaltung
4.5 Die norwegische Monarchie

5. Zusammenfassung

6. Literatur

1. Einleitung

Die Hausarbeit soll Informationen über die Entwicklung des Verdichtungsraums Oslo hin zur norwegischen Metropole, aber auch einige ausgewählte, grundlegende Informationen über Norwegen im Ganzen vermitteln. Hinführend wird zunächst die Geschichte Oslos im gesamtnorwegischen Zusammenhang behandelt, bevor explizit auf die Entwicklungen im 20. Jahrhundert eingegangen wird.

Anschließend werden einige zentrale Daten zu Oslo genannt, bevor die Stadtexpansion, Migration und Dezentralisierungspolitik angerissen werden.

Die Bedeutung des Tourismus für Oslo im norwegischen Kontext wird ein weiteres Thema sein, die Regierung und Verwaltung sowie die monarchischen Strukturen werden danach behandelt.

Eine kurze Zusammenfassung schließt die Arbeit ab.

2. Oslos Geschichte im norwegischen Zusammenhang

Oslo liegt im Südosten Norwegens, am nördlichen Ende des etwa 100 km langen Oslofjordes und gehört zur zweitgrößten Provinz des Landes, Östland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Norwegen und Oslo

Die Ansiedelung, über der sich heute die norwegische Metropole Oslo erhebt, wurde im Jahre 1050 durch König Harald Sigurdsohn (später: Harald Hårdråde = Der Strenge) gegründet. Ursprünglich war an dieser Stelle aufgrund der naturräumlich günstigen Lage am Ende eines geschützten Seeweges mit Naturhafen ein Handelsplatz gelegen. Während seiner Regentschaft machte Harald Oslo zum vornehmen Königssitz, unter seinem Nachfolger wurde die Stadt 1062 (Glässer 1978, S.172) sogar Bischofssitz und somit kirchlich-geistiges Zentrum Norwegens (Brandhorst 1999, S. 334).

Ursprünglich war Oslo als Administrationszentrum angelegt, sollte jedoch auch als Ladeplatz für Überschusswaren genutzt werden, um diese dann später ins Landesinnere transportieren zu können. Der Hafen gewann in dieser Zeit zunehmend an Bedeutung, und sein Umsatz vermehrte sich stetig. Es folgten Bürgerkriege und Unruhen, erst unter Hakon V. Magnusson kam wieder Struktur in die Osloer Expansion. 1299 zum König gekrönt, wählte er Oslo statt Bergen als ständigen Amtssitz und instruierte weitere einflussreiche Personen, sich auch in Oslo niederzulassen. Diese bildeten dann später den gut ausgebildeten Beamtenstand. Unter König Hakon wurde etwa um 1300 auch die mächtige Festungsanlage Akerhus errichtet, die symbolisch für die gleichzeitige Etablierung des Lehnswesens steht und sich noch heute als Oslos bekanntestes Wahrzeichen über der Stadt erhebt (Glässer 1978, S. 171).

Dem raschen Aufstieg folgte eine Zeit der Depression, nach Hakons Tod fehlte die ordnende Hand, und der Einfall der Pest im Jahr 1349 reduzierte die Bevölkerung um die Hälfte auf nur noch 175.000 (Kuchendorf 1979, S. 136). Oslo wurde mit Dänemark vereinigt und verlor somit seine politische Eigenständigkeit. Ebenso wurden der Königssitz und Hauptstadtstatus nach Kopenhagen verlegt, welches nun das kulturelle und administrative Zentrum des Nordens war.

Als im Jahr 1500 die Hansemacht zerbrach (die für die Stadt weniger bedeutsam war als für andere skandinavische Städte), war Oslo nur noch eine kleine, abhängige, relative unbedeutende Stadt unter vielen, ähnlich einer Kolonie. Und ihre Lage am „Rande der Welt“ (Aring 2004, S. 165) sorgte dafür, dass sich dies in absehbarer Zeit auch nicht ändern sollte. Auch wirtschaftlich war Oslo im Nachteil, denn eine der Hauptwaren des Mittelalters, der Fisch, war an der Westküste Norwegens zahlreicher vorhanden und einfacher zu fangen, was der Stadt Bergen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil einräumte (Aring 2004, S. 165).

Im Jahr 1624 brannte Oslo komplett nieder und musste vollständig neu angelegt werden. Die Stadt war schon mehrfach von Bränden heimgesucht worden, da das zu verschiffende Holz gestapelt und in Hafennähe aufgestellt wurde.

Die Stadt wurde nach dem verheerenden Feuer streng schematisch-schachbrettartig (siehe Abb. 2[1]) nach holländischem Muster, welches noch heute für den Stadtkern bestimmend ist, mit 15 Meter breiten Strassen nördlich der Festung Akerhus angelegt. Um die Brandgefahr in Zukunft gering zu halten, wurden nur Häuser aus Stein oder Ziegelwerk genehmigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das Schachbrettmuster der Osloer Innenstadt

Als neuen Namen der Stadt veranlasste König Christian IV. Christiania. Von nun an wuchs die Stadt wieder rasant, nach einem wiederholten Brand 1687 wurde sie erneut erweitert und reguliert, mehrere Vororte wurde in die Stadt integriert. Durch das schnelle Wachsen der Stadt, günstige Wirtschaftskonjunktur und verbesserte Infrastruktur wurde Christiania das wichtigste Kommunikationszentrum des Landes (Lynneberg 1973, S. 19).

Doch woher kam der plötzliche Wirtschaftswandel, wo Oslo doch jahrelang als rückständige Provinz galt? Dies ist vor allem der geänderten Nachfrage nach Bedarfsgütern zuzuschreiben. Verbunden mit der Reformation in Europa brachen die Absatzmärkte für Fisch weg, Holz hingegen wurde Europa aus vermehrt nachgefragt. Dies hatte Südnorwegen und die Osloer Region im Überfluss zu bieten, somit erhöhte sich deren Wert für den dänischen König Christian IV. erheblich, was wohl auch der Grund für seine Anstrengungen zur Neustrukturierung war. Die Lage unterhalb der Festung Akerhus spricht für den Weitblick des Königs, den unter ihr war die neu angelegte Stadt gut geschützt.

Im Zuge dieses Neubaus der Stadt etablierten sich im 17. und 18. Jahrhundert erste Produktionsbetriebe in Christiania, wie z. B. Brauereien, Werften und Mühlen.

1814 kam die Trennung zwischen Dänemark und Norwegen zu Stande. Der Grund für die Trennung lag darin begründet, dass Dänemark Norwegen nach den Napoleonischen Kriegen abgesprochen und Schweden zugeteilt wurde.

Jedoch nutzten norwegische Reformer die Wirren der Transformation zu Beginn des 19. Jahrhunderts, schufen eine Verfassung und erklärten die norwegische Unabhängigkeit. Ein Krieg zwischen Norwegen und Schweden konnte umgangen werden, indem ein Kompromiss geschlossen wurde. Norwegen verwaltete sich innenpolitisch selbst, außenpolitisch wurde es von Schweden vertreten. Somit war Norwegen teilautonom, was eine deutliche Verbesserung des vorherigen Zustandes als dänische Kolonie bedeutete. Gleichzeitig bekam Christiania den Hauptstadtstatus zurück, was für eine vollkommen neue Entwicklung in der Stadtplanung sorgte (Aring 2004, S. 167).

Plötzlich waren Regierungsgebäude nötig, was eine rege Bautätigkeit in Christiania zur Folge hatte, auch die Kultur war deutlich unterrepräsentiert. Mit knapp 10.000 Einwohnern war Christiania keine sonderlich große Stadt, es fehlte an nahezu allem, was eine Hauptstadt ausmacht. Zahlreiche auch heute noch zentrale Gebäude der Stadt mussten zu der Zeit geplant und umgesetzt werden. Hierzu zählen unter anderem die Universität (heute die größte des Landes), den Bahnhofsmarkt, mehrere Theater, die Nationalbank und verschiedene Museen. In dieser durch Stadtausbau gekennzeichneten Zeit dehnte sich die Stadt vom Zentrum gesehen fächerförmig aus (Glässer 1978, S. 171).

Angekurbelt durch den Städtebau zog es auch zunehmend die Landbevölkerung in die Stadt, die dort auf bessere Lebensbedingungen hoffte. So hatte Christiania 1850 bereits 40.000 Einwohner.

Auch die Wirtschaft wuchs rasch, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierten sich viele neue Betriebe, wie z. B. Druckereien und Holz verarbeitende Industriezweige, die direkt an die starke Forstwirtschaft Norwegens angeschlossen waren und die Nutzung der Ressource Wald optimierten. Anschub für diese Entwicklung war der Import neuer Techniken in Fertigung und Verarbeitung, insbesondere die Nutzung von Dampf- und Wasserkraft. Die Industrialisierung hatte auch Norwegen erreicht.

Bis ins Jahr 1875 wuchs die Bevölkerung Christianias auf 100.000 an. Die Stadt bot sich als Ausgangspunkt der Industrialisierung in Norwegen an, denn es war der am dichtesten besiedelte Raum des Landes, die Absatzmärkte waren hier am größten. Außerdem war hier das nötige Kapital zur Etablierung der neuen Anlagen vorhanden (Aring 2004, S. 168).

Die Expansion, bei der auch neue Gebiete wie Frogner oder Majorstua erschlossen und bebaut wurden, hielt bis 1899, dem Jahr des wirtschaftlichen Zusammenbruchs, ungebremst an. Die Stadt zählte, auch aufgrund zahlreicher Eingemeindungen, mittlerweile 230.000 Einwohner.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Grundlagen für das heutige Kommunikationssystem Oslos, wie z. B. der Bau der ersten Eisenbahnstrecke 1854 oder die Fertigstellung der Straßenbahn 1894, bereits abgeschlossen (Lynneberg 1973, S. 19f).

3. Oslos Weg im 20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte zunächst Stillstand im Wohnungsbau und Bevölkerungszuwachs, jedoch nicht im öffentlichen Bauwesen. Hier fand gerade der 1814 begonnene Stadtum- und ausbau zur Hauptstadt sein Ende, Christiania war nun auch baulich für ihre Aufgabe als Hauptstadt gerüstet (Aring 2004, S. 168). Zahlreiche Schulen befanden sich immer noch im Bau, ebenso Kirchen, Regierungsgebäude oder Museen (Lynneberg 1973, S. 20).

1905 wurde die Union mit Schweden aufgelöst, die Unstimmigkeiten zwischen beiden Ländern wurden einfach zu groß, und Norwegen wurde wieder ein eigenständiges Königreich. Eine anhaltende Phase der Expansion, gestützt durch die immer noch starke Industrialisierung, bis zum 2. Weltkrieg schloss sich an, nur kurz unterbrochen durch den 1. Weltkrieg. Das Stadtbild wurde homogenisiert, Erholungszonen wie Parkanlagen und Spielplätze geschaffen, Schrebergartenkolonien wurden eröffnet, Kinos und Taxen prägten das Stadtbild.

Die Modernisierung Christianias schritt immer mehr voran, das Telefonnetz wurde automatisiert, elektrische Straßenbeleuchtungen errichtet, ein Rundfunkprogramm etabliert.

Im Zuge der 300-Jahr Feier Christianias wurde beschlossen, ihr den alten Namen Oslo wieder zu geben. Dieser Beschluss trat am 01.01.1925 in Kraft. Die Umbenennung ist ein Stück Vergangenheitsbewältigung, denn sie ist als Emanzipationsprozess gegenüber der dänischen Kolonialzeit zu sehen. Es ist ein Versuch, sich von der dänischen Periode abzugrenzen und sich auf die eigene Kultur und Kontinuität zu berufen (Aring 2004, S. 167).

Eine umfassende Stadterneuerung wurde in der Folgezeit betrieben, indem Einzelgebäude oder ganze Viertel abgerissen und durch modernere, der immergrößer werdenden Nachfrage angepasste Häuser errichtet wurden. Am Ende dieser Entwicklung etwa im Jahre 1944 war nahezu der gesamte bebaubare Boden Oslos auch wirklich bebaut.

[...]


[1] http://www.oslo.kommune.no/dok/felles/publ/brosjyrer/oslotall/oslofacts.pdf

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Stadtentwicklung von Oslo als norwegischer Metropole
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Skandinavien
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V49704
ISBN (eBook)
9783638460866
ISBN (Buch)
9783640353255
Dateigröße
1155 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtentwicklung, Oslo, Metropole, Skandinavien
Arbeit zitieren
André Sperlich (Autor), 2005, Stadtentwicklung von Oslo als norwegischer Metropole, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49704

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