Zwischennutzungen als Teil einer nachhaltigen und kreativen Stadtentwicklung


Hausarbeit, 2018
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leerstand
2.1 Die Entstehung von Leerstand
2.2 Brachen

3. Zwischennutzungen
3.1 Rahmenbedingungen

4. Potenziale der Zwischennutzung

5. Probleme und Hemmnisse

6. Strategien der Zwischennutzung

7. Kritische Auseinandersetzung mit Zwischennutzungen als Stadtentwicklungskonzept

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aufgrund des gesellschaftlichen Strukturwandels, der geprägt ist von kurzlebigen Projekten, Flexibilität und Dynamik, sind Zwischennutzungen ein aktuelles Thema in der Stadtentwicklung. Diese entstehen durch Leerstände und Brachflächen, verursacht durch den Wandel der Gesellschaft. Sie füllen Lücken, die durch Unsicherheiten über zukünftige Nutzungen von leerstehenden Gebäuden und Flächen entstanden sind und gewinnen insbesondere durch die Effekte der Stabilisierung und der Imagebildung von Standorten zunehmend Aufmerksamkeit.

In Anbetracht des Seminarkontexts stellt sich nun die Frage, ob und inwiefern Zwischennutzungen zu einer kreativen und nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen.

Die vorliegende Arbeit führt in das Konzept der Zwischennutzung ein, untersucht das Potenzial der Zwischennutzungen sowie Probleme und Hindernisse. Außerdem bezieht sich diese Arbeit auf relativ neue Strategien der Stadtentwicklung, die sich mit dem stadtplanerischen Phänomen der Zwischennutzung auseinandersetzen. Ein besonderes Augenmerk wird hier auf den Spagat zwischen informeller und formeller Stadtplanung gelegt. Da Zwischennutzungen nicht nur ein Mehrwert für die Gesellschaft sind, sondern auch kritisch betrachtet werden müssen, endet diese Arbeit mit einem kritischen Blick auf Zwischennutzungen hinsichtlich der nachhaltigen Entwicklung von Stadtplanung unserer heutigen Zeit. Ziel ist es, einen umfangreichen, reflektierten Einblick in das Konzept der Zwischennutzung zu generieren und die Nachhaltigkeit, hinsichtlich guter Lebensbedingungen für die Gesamtheit der Bevölkerung, kritisch zu analysieren.

Da Zwischennutzung im stadtplanerischen Geschehen ein eher neues Phänomen ist, gibt es kaum Langzeitbeobachtungen auf wissenschaftlicher Grundlage, sodass für eine Beurteilung, ob Zwischennutzung dem nachhaltigen und kreativen Anspruch der Stadtentwicklung entspricht, lediglich mögliche Prognosen erstellt werden können. Aus diesem Grund werden keine konkreten Beispiele genannt, da diese nur eine spezifische Urteilung ermöglichen.

2. Leerstand

Leerstehende, ungenutzte Flächen und Gebäude sind die Grundvoraussetzung für die Möglichkeit der Zwischennutzung. Es handelt sich hierbei um Räume, für die es in dem Moment keine mittel- oder langfristigen Vermarktungschancen gibt.

2.1 Die Entstehung von Leerstand

Zwischennutzungen sind heutzutage das Produkt des ökonomischen Strukturwandels in den Städten. Alte Industrien mit hohem Flächenbedarf verschwinden oder es entstehen Industrien mit einem deutlich geringeren Flächenverbrauch. Die Einsparung von Lagerhaltungsflächen dient der Kostensenkung in der Materialwirtschaft. Lagerhaltung findet nun in Güterverteilzentren in der jeweiligen Region statt. Große Zwischenlager werden durch „Just in time“- Transporte überflüssig gemacht (vgl. Lange, Misselwitz, Oswalt, Overmeyer, Rudolph, Stevens, Voigt 2007: 21).

Seit den 1970er Jahren entstanden durch den Rückzug von Bahn, Post und Militär große Brachflächen und leerstehende Gebäude, zum Teil in zentralen Lagen (vgl. Reiß- Schmidt 2013: 71). Aufgrund der Verlagerung von Industrieproduktionen in Billiglohnländer und die fortschreitende Rationalisierung der Produktionen, entstand in den letzten Jahrzehnten ganz europaweit ungenutzter Raum. Außerdem trägt die Bildung von neuen Zentren und Subzentren für Arbeits-, Freizeit- und Konsumprogramme dazu bei, dass es zu enormen Leerständen von Ladenzeilen und Bürobauten in den Innenstädten kommt. Beispielhaft sind hier Einkaufszentren, Freizeitparks und Büroquartiere zu nennen. Zudem entstehen leerstehende Wohngebäude beispielsweise durch Abwanderung und geringere Geburtenraten u.a. in den Außenbezirken von Städten. Es bilden sich Zonen der Stagnation und Schrumpfung, wo es überdurchschnittlich viel ungenutzten Raum gibt. Hinzu kommen Fehlplanungen von Bauprojekten für große Entwicklungsgebiete, sodass Planungsziele drastisch reduziert werden mussten und erhebliche Leerstände entstanden (vgl. Oswalt, Overmeyer, Misselwitz 2014: 7ff).

2.2 Brachen

Der Begriff Brachen bezeichnet im städtischen Kontext eine aufgegebene, liegengelassene und von der ursprünglichen Nutzung teilweise oder vollständig verlassene Wohn-, Industrie oder Gewerbefläche und deren Gebäude. Die planungsrechtliche Funktion bleibt erhalten, doch sind Stadtbrachen zunächst undefiniert und können für eine bestimmte Zeit zwischengenutzt werden. Leerstehende Gebäude und Flächen können einen negativen Eindruck in der Bevölkerung hinterlassen, da sie die Möglichkeit von Vandalismus und Verfall bieten (vgl. Institut für Stadt- und Regionalplanung. Technische Universität Berlin 2006: 109).

Diese freien Flächen und Gebäude haben eine trennende Funktion in der Stadt, denn sie bilden Barrieren zwischen den Quartieren und verlängern die Wege. Es gilt also diese Räume wieder in die Stadt zu integrieren, die Infrastruktur dort aufzubauen und die Quartiere miteinander wieder zu verbinden (vgl. Junge- Reyer 2007: 17).

Ihre Gestaltung und Nutzung ist zum Thema öffentlichen Interesses und zur kommunalpolitischen Aufgabe der Stadtplanung geworden (vgl. Hunger, Giseke, Schmidt 2004: 96).

3. Zwischennutzung

Um Zwischennutzung zu erklären, ist es wichtig auch die Begriffe der Ursprungsnutzung, Umnutzung und Neunutzung einzuführen.

Nach Valda und Westermann wird unter einer Ursprungsnutzung die letzte industrielle oder gewerbliche Nutzung verstanden, zu deren Zweck die Fläche oder das Gebäude ursprünglich genutzt werden sollte. Unter Umnutzung werden alle Nutzungsänderungen verstanden, die nicht Teil der Ursprungsnutzung sind. Die Umnutzung ist der Oberbegriff für die temporäre Zwischennutzung und die finale Neunutzung. Zwischennutzungen sind alle Nutzungen, die von temporärer Natur sind und in der Regel von der primären Nutzung abweichen. Sie können so lange bestehen bleiben, bis der Eigentümer des Raumes eine ertragssteigernde Umnutzung vornimmt. Neunutzungen sind Nutzungen, die für mehrere Jahrzehnte eine Gültigkeit haben können. Sie verursachen Neuinvestitionen, die für Investoren mit einem Planungs­und Marktrisiko verbunden sind (vgl. Valda, Westermann 2004: 9).

Eine Zwischennutzung zeichnet sich dadurch aus, dass die ursprüngliche Nutzung eines Gebäudes oder einer Fläche aufgegeben wurde und eine konkrete Nachnutzung entweder gewünscht oder geplant ist. In seltenen Fällen entstehen Zwischennutzungen durch Hausbesetzungen. Charakteristisch für die Zwischennutzung ist die Flexibilität von Nutzern und Nutzung.

Die Arten der Zwischennutzungen sind sehr vielfältig. Sie unterscheiden sich in der Flächenausdehnung, des Standortes, der Rechtsform, der Zugänglichkeit und der Dauer der Nutzung. So können Zwischennutzungen durch verschiedene Standortgruppen differenziert werden. Als Zwischennutzungen eigenen sich beispielsweise Reserve- und Stadtentwicklungsflächen, Industrie-, Militär und Infrastrukturbrachen, Baulücken, Ladenlokale und Kaufhäuser, öffentliche Gebäude und Bürobauten sowie Wohngebäude. Auch die Nutzung kann von Grünflächen und Kunst und Kultur bis hin zu Szenelocations und durchgeplanten Großprojekten reichen und ist damit ebenso sehr unterschiedlich (vgl. Schlegelmilch 2008:1).

Zwischennutzungen gelten als ein neues urbanes Experiment. Sie sind überall dort zweckmäßig, wo in Zukunft ein erneuter Baubedarf erwartet werden kann. Kostengünstige und gleichzeitig ansprechende Zwischennutzungen sind vermehrt von der Stadtpolitik gefragt, da kein Wechsel der Eigentümer und keine Änderung des Planungsrechts nötig ist. Zudem lassen Zwischennutzungen die Option einer künftigen Bebauung offen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen sie städtebaulichen Missstand abschwächen und neue Qualitäten durch neue Nutzung und Gestaltung bewirken (vgl. Hunger, Giseke, Schmidt 2004: 96).

Zwischennutzungen stellen Anforderungen an die Akteure, die über die üblichen planungsrechtlich geregelten Verfahren der Beteiligung und Abwägung hinausgehen. Daher ist die Organisation, Gestaltung und Unterhaltung einer Zwischennutzung so zu gestalten, dass sie Akzeptanz bei den Anwohnern findet, sich stabilisierend auf die angrenzenden Wohnmilieus auswirkt, flexibel in den Angeboten für unterschiedliche Nutzungsgruppen ist und hinsichtlich späterer Erweiterungen und Reduzierungen reversibel und räumlich variabel bleibt (vgl. Hunger, Giseke, Schmidt 2004: 96).

Die Akteure, die bei einer Zwischennutzung beteiligt sind, sind einerseits die Eigentümer der leerstehenden Gebäude und Flächen, die Verwaltungen der Quartiere und mögliche Zwischennutzungsagenturen als Vermittler, andererseits die ausübende Seite der Zwischennutzer. Eine gute Zusammenarbeit dieser Akteure ist Voraussetzung einer erfolgreichen Zwischennutzung.

Zwischennutzungen werden vor allem in Groß- und Mittelstädten praktiziert. Der Grund hierfür ist zum einen, dass der Problemdruck hinsichtlich Einwohnerzahl, Größe und Lage der Flächen groß ist. Zum anderen erfordert die Organisation von Zwischennutzungen häufig einen besonderen Personaleinsatz, der durch Verwaltung und Bürgerschaft von Kleinstädten nur bedingt leistbar ist. Die meisten Zwischennutzungen sind in innerstädtischen Quartieren lokalisiert, da sie hier Mangel an verfügbarem Freiraum und öffentlichen Räumen kompensieren. Entsprechend groß ist das Interesse der Bevölkerung, die die Zwischennutzungen annehmen (vgl. Hunger, Giseke, Schmidt 2004: 98).

3.1 Rahmenbedingungen

Ein kreativer Umgang mit leerstehenden Flächen kann dort funktionieren, wo öffentliche und private Akteure kooperativ zusammenarbeiten. Dafür müssen die Rahmenbedingungen sowohl für die Eigentümer, als auch für die Träger der Zwischennutzung und der Stadtteilbevölkerung stimmen. Die Nutzung wird mit den Eigentümern vertraglich geregelt, wobei Vorteile auf beiden Seiten ausgehandelt werden müssen. So erhalten die Zwischennutzer Nutzungs- und Gestaltungsrechte, während Eigentümer beispielsweise der Verkehrssicherungspflicht entbunden werden können. Die gesetzliche Neuerung des „Baurecht auf Zeit“ (§9 Abs. 2 BauGB) erleichtert die Regelung und Ermöglichung von Zwischennutzungen, indem sie für besondere städtebauliche Situationen die Möglichkeit zur Festsetzung befristeter oder auflösend bedingter Nutzungsfestsetzungen einführt. Damit gibt es die Möglichkeit, im ordnungsgemäßen Bebauungsplan- Verfahren zeitliche Nutzungsabfolgen festzusetzen. Die Kosten für die Herstellung, Pflege und Unterhaltung von Zwischennutzungen hängen von der gewollten Nutzungs- und Gestaltungsintensität und von dem Engagement der ehrenamtlichen Helfer ab (vgl. Hunger, Giseke, Schmidt 2004: 101 ff).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zwischennutzungen als Teil einer nachhaltigen und kreativen Stadtentwicklung
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V497059
ISBN (eBook)
9783346009029
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zwischennutzungen, teil, stadtentwicklung
Arbeit zitieren
Maya Janecke (Autor), 2018, Zwischennutzungen als Teil einer nachhaltigen und kreativen Stadtentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497059

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