Figurengestaltung und libertine Liebesbeziehungen im intermedialen Transfer

Der Briefroman "Les Liaisons dangereuses" von Choderlos de Laclos (1782) und dessen filmische Umsetzung "Cruel Intentions" von Roger Kumble (1999)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung und Abkürzungsverzeichnis

2. Einleitung

3. Zum Begriff „Intermedialität“

4. Vom Buch zum Film: Kritik

5. Choderlos de Laclos‘ Briefroman Les Liaisons dangereuses
5.1. Entstehungszeit und Wirkung des Romans
5.2. Marquise de Merteuil

6. Roger Kumbles Film Cruel Intentions
6.1. Entstehungszeit und Wirkung des Films
6.2. Vergleich mit dem Roman und Besonderheiten der Verfilmung
6.3. Kathryn Merteuil

7. Conclusion

8. Literaturverzeichnis

Hausarbeit

Figurengestaltung und libertine Liebesbeziehungen im in- termedialen Transfer

Der Briefroman Les Liaisons dangereuses von Choderlos de Laclos (1782) und dessen filmische Umsetzung Cruel Intentions von Roger Kumble (1999)

1. Vorbemerkung und Abkürzungsverzeichnis

In der gesamten Arbeit wird der besseren Lesbarkeit wegen durchgängig das generische Mas- kulinum verwendet, das sowohl männliche als auch weibliche Referenten einschließt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einleitung

Les Liaisons dangereuses von Choderlos de Laclos bildet den zentralen Aspekt dieser Arbeit mit dem Titel „Libertine Liebesbeziehungen im intermedialen Transfer. Der Briefroman Les Liaisons dangereuses von Choderlos de Laclos (1782) und dessen filmische Umsetzung Cruel Intentions von Roger Kumbles (1999)“.

Inmitten der Umbruchstimmung eines vorrevolutionären Frankreichs erzielt der ehemalige Ar- meeleutnant Choderlos de Laclos beim Erscheinen seines Briefromans Les Liaisons dange- reuses einen regelrechten Skandalerfolg, da er bei seinen zeitgenössischen Lesern auf Ab- lehnung stieß und als „abominable, pernicieux, immoral“ (Köhler 1984: 72) beschimpft wurde. Themen wie Liebe, Machtspiele und Intrigen sind stets aktuell, was die zahlreichen an den Roman angelehnten Verfilmungen erklärt. Zu nennen sind vier Adaptationen für die große Leinwand: Les Liaisons dangereuses von Roger Vadim (1959), Dangerous Liaisons von Ste- phen Frears (1988), Cruel Intentions von Roger Kumble (1999) sowie Les Liaisons dangereu- ses von Josée Dayan (2003). Im Rahmen dieser Arbeit wird jedoch nur Roger Kumbles Film behandelt. Bei Cruel Intentions handelt es sich um eine Aktualisierung von Laclos‘ Briefroman, bei der die Handlung in die späten 90er Jahre des 20. Jahrhunderts übertragen wird.

Ziel dieser Arbeit ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Briefroman Les Liaisons dangereuses und der Verfilmung Cruel Intentions hinsichtlich der Liebesbeziehun- gen, der Libertinage und den Machtverhältnissen der handelnden Charaktere herauszuarbei- ten und diese zu durchleuchten.

Zum besseren Verständnis wird zunächst in Kapitel drei auf den Begriff der Intermedialität eingegangen.

In Kapitel vier sollen in Form einer Gegenüberstellung von Roman und Film die Vor- sowie Nachteile beider Medien im Allgemeinen angeführt werden.

Kapitel fünf bzw. sechs beschäftigt sich mit Choderlos de Laclos‘ Briefroman Les Liaisons dangereuses bzw. mit Roger Kumbles Film Cruel Intentions. Entstehungszeit und Wirkung auf den Leser bzw. Zuschauer werden beleuchtet und die Besonderheiten beider Medien hinsicht- lich ihrer Inhalte erörtert. Die Themen Libertinage, Liebe und Macht werden ebenfalls als wich- tiger Teil behandelt. Außerdem wird hier die Marquise de Merteuil bzw. Kathryn Merteuil im Hinblick auf ihre geschlechtsspezifische Rolle detailliert untersucht.

Der Briefroman Laclos‘ wird in seiner Ausgangssprache Französisch zitiert, während die Zitate aus Kumbles Film auf Deutsch wiedergegeben werden.

3. Zum Begriff „Intermedialität“

In der Literaturwissenschaft hat sich in den letzten zwanzig Jahren ein Nebenstrang heraus- gebildet, und zwar die von der Semiotik initiierte Diskussion zur Intertextualität – ein Begriff, der vor allem durch Julia Kristeva (1972) ins Spiel gebrachten worden war. Durch die stetige Entwicklung der digitalen Medien im 20. Jahrhundert wird die Differenzierung sowie Zuordnung von Medienprodukten, u. a. durch die Hybridisierung der Medien, immer komplexer. Damit entstand eine neue Ausrichtung der Debatte unter dem Oberbegriff der Intermedialität, der sich ab den 90er Jahren fest etablierte. Heutzutage wird Intermedialität zum Trendbegriff, wodurch es mittlerweile als veraltet gilt, mediale Ausdrucksformen voneinander zu isolieren (vgl. Paech 1998: 14).

Mediale Ausdrucksformen und Gattungen, die sich aufeinander zu bewegen, sich mischen, sich gegenseitig durchdringen oder aufeinander Bezug nehmen, gab es schon früher (vgl. Rajewsky 2002: 1). Als Beispiele hierfür zu nennen wären textliche Beschreibungen von Ge- mälden, die Oper oder das Drama. Auch zwischen Literatur und Film hat es derartige Bezie- hungen bereits gegeben. In diesen Fällen sprach man von „Literaturverfilmung“, aber nicht von Intermedialität zwischen Literatur und Film. Dies würde implizieren, dass Intermedialität ein innovatives Konzept darstellt, das eine signifikante Veränderung in der Beziehung der Medien untereinander zur Folge hat, und dass sich mit dem neuen Begriff auch ein neues Forschungs- gebiet eröffnet.

Intermedialität ist somit als eigenständige Forschungsdisziplin in die wissenschaftliche Diskus- sion eingegangen. Im Allgemeinen gilt sie als Hyperonym „aller Mediengrenzen überschrei- tende[s] Phänomen[.]“ und untersucht die Beziehung und Wechselwirkung zwischen mindes- tens zweier als konventionell distinktiv wahrgenommener Medien (Rajewski 2002: 13):

Im Gegensatz zur Intertextualität, die sich auf den Kontakt eines Textes zu einem an- deren oder einer Gruppe von (Prä-)Texten ohne Rücksicht auf das Medium bezieht, wäre Intermedialität jedoch ganz allgemein zu bestimmen als Kontakt zwischen ver- schiedenen Medien (Wolf 1996: 86).

Innerhalb der Intermedialitätsforschung unterscheidet Rajewski (2002: 15) drei Subkategorien der Intermedialität:

Als erstes führt sie den Begriff der Medienkombination ein, welcher ein Produkt von mindes- tens zwei gleichzeitig präsenter Medien darstellt. In der Medienwissenschaft nennt man dieses Phänomen auch Multimedialität, Plurimedialität oder Mixed media (vgl. Rajewsky 2002: 15). Die Oper z. B. kombiniert die Medien Gesang, Tanz sowie Musik, wobei jedes Medium sowohl für sich alleine als auch im Zusammenspiel mit anderen Medien funktionieren kann. Medien- kombination kann somit auch dazu führen, dass sich neue Mediengattungen herausbilden.

Die zweite Subkategorie der Intermedialität stellt der Medienwechsel dar, welcher die Umar- beitungen von Kunstwerken beschreibt, wie zum Beispiel Literaturverfilmungen. Hierbei wer- den Inhalte eines Mediums auf ein anderes übertragen oder umgeschrieben. Weder der Inhalt noch das Medium stehen im Vordergrund, sondern der Prozess der Übertragung der alten Inhalte auf das neue Medium in aktualisierter Form (vgl. Rajewsky 2002: 16). Hier lässt sich fragen, wie und ob die Elemente im Zielmedium transformiert und umgesetzt werden können.

Bei letzterer Subkategorie handelt es sich um intermediale Bezüge. Hier wird in Analogie zur Intertextualität untersucht, auf welche Weise Produkte eines bestimmten Mediums auf Pro- dukte aus anderen Medien Bezug nehmen. Im Unterschied zu intertextuellen Bezügen – die aus Sicht der Intermedialitätsforschung auch intramedial genannt werden – findet hier eine Überschreitung der Mediengrenzen statt. Dies wirft die Frage auf, wie ein Medium Elemente aus einem anderen Medium aufgreift (vgl. Rajewsky 2002: 17).

Bei allen drei Arten ist es entscheidend, dass es sich nicht um eine Verschmelzung von zwei Medien handelt, sondern mit Hilfe eines Mediums ein neues Medium (re)präsentiert wird.

4. Vom Buch zum Film: Kritik

„Das Buch war wesentlich besser als der Film.“ Nach einem Kinobesuch mit Freunden ist es gefühlt der meistgehörte Satz. Literaturverfilmungen stoßen nicht in jedem Fall auf Akzeptanz.

Das Buch als Medium ist abstrakt. Jedes geschriebene Wort steht für ein Bild, das jeder ein- zelne Leser individuell imaginiert. Somit ist das Buch auch ein intimes Medium, da die Vorstel- lungen des Lesers bezüglich Figuren und Situationen auf persönliche Erfahrungen basieren. Der Film dagegen spiegelt die Imagination einer bestimmten Gruppe, sprich Regisseure, Dreh- buchautoren etc., wider.

Hinzu kommt die große Herausforderung, den imaginativen Charakter eines literarischen Tex- tes mit filmischen Mitteln in die Visualität umzusetzen. Statt des geschriebenen Wortes stehen Ton, Musik, Bildausschnitt und Montage zur Verfügung, wodurch die Vorlage zwangsweise modifiziert wird. Hierbei wird sie nach visuellen Gesichtspunkten gekürzt und verdichtet. Wäh- rend in der Literatur Gefühle durch die erzählerische Innenwahrnehmung ausgedrückt werden, so muss im Film mit Körpersprache und Handlung gearbeitet werden. Außerdem hat der Film den Vorteil, das Bild der Umgebung, das im literarischen Kontext sonst nur vom Leser imagi- niert wird, als Teil der Narration zu nutzen. Ein unmittelbarer Nachteil einer Verfilmung bildet der Verzicht auf Handlungsnebenstränge sowie literarische Abschweifungen. Auch Nebenfi- guren können nur verkürzt dargestellt werden, um der Komplexität der Protagonisten gerecht zu werden. Der Grund hierfür stellt der Faktor Zeit dar. Ein Film kann die Handlung eines Buches nur verdichtet darstellen, so dass für zahlreiche Seiten eines Buches dem Film nur ein bis zwei Stunden zur Verfügung stehen.

Des Weiteren ist ein Film unabhängig. Wie stark sich der Inhalt des Films an der Literatur orientiert, hängt ab von Verhandlungen zwischen Buchautor und Filmemachern, Budget, den Mitteln und vor allem von dem persönlichen Geschmack der Filmemacher. Nach Franz-Josef Albersmeier (1992: 172) ist die Literaturverfilmung ein offenes Genre, bei der niemand dem Drehbuchautor oder Regisseur vorschreiben kann, wie er einen literarischen Text verfilmt.

Letzten Endes lassen sich Vergleiche zwischen Buch und Film nicht vermeiden. Paech (1997: 151) beschreibt eine negative Sichtweise der Entwicklung der Literatur und des Films:

Die Entwicklung der Beziehung zwischen Literatur und Film verläuft von nun an zuneh- mend widersprüchlich: Auf der einen Seite wird der Film das Sprechen lernen und als Kino- und später Fernseh- und Video-Film die Kulturindustrie mehr und mehr dominie- ren; die Literatur wird als Futter für diesen unersättlichen Moloch herhalten müssen und das literarische Erzählen wird den Konsumenten als filmisch wiederkehren. Film wird sich in den Erzähltraditionen einrichten, in die Institutionen der Literatur und Kunst ein- dringen und dort mit den literarischen Medien konkurrieren.

Von einer „wechselseitigen Erhellung der Künste“ ist laut ihm nicht die Rede (Paech, 1998: 15). Der Film gilt hier eher als Abklatsch der literarischen Werke. Nach Moninger (2004: 9) dagegen soll nicht mehr in bessere Literaturwerke und einfachere Literaturverfilmun- gen unterschieden werden. Verfilmungen sollen als Erweiterung der Eindrücke dienen, so dass „neue Horizonte der Wahrnehmungen“ eröffnet werden können.

Schlussendlich stellen Buch und Film zwei Medien dar, die einen Stoff auf zwei unterschiedli- che Weisen behandeln. Insofern ist es wichtig, die Qualität des Films anhand von medienspe- zifischen Kriterien, nämlich Filmkriterien, zu beurteilen, anstatt es ausschließlich auf das Buch zu verweisen. Beide Künste können koexistieren und dem Rezipienten eine komplexere und erweiterte Sichtweise auf den Stoff ermöglichen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Figurengestaltung und libertine Liebesbeziehungen im intermedialen Transfer
Untertitel
Der Briefroman "Les Liaisons dangereuses" von Choderlos de Laclos (1782) und dessen filmische Umsetzung "Cruel Intentions" von Roger Kumble (1999)
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Romanische Sprachen und Literaturen)
Veranstaltung
Choderlos de Laclos - Les Liaisons dangereuses
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
24
Katalognummer
V497151
ISBN (eBook)
9783346016065
Sprache
Deutsch
Schlagworte
figurengestaltung, roger, intentions, cruel, umsetzung, laclos, choderlos, liaisons, briefroman, transfer, liebesbeziehungen, kumble
Arbeit zitieren
Eda Sarikaya (Autor), 2018, Figurengestaltung und libertine Liebesbeziehungen im intermedialen Transfer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497151

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Figurengestaltung und libertine Liebesbeziehungen im intermedialen Transfer


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden