Im Rahmen der Reflexion meines Praxissemesters an der XY-Realschule in H. möchte ich mich mit dem Thema "mündliche Sprachkorrektur im Unterrichtsgespräch mit DaZ-Schülern" beschäftigen. Das Interesse für dieses Thema hat sich insbesondere bei der Durchführung meines eigenen Unterrichts entwickelt. Im Unterrichtsgespräch kam es des Öfteren zu teilweise erheblichen sprachlichen Fehlern seitens der Daz-Schüler, weshalb ich vor der Frage stand, ob, inwiefern und zu welchem Zeitpunkt ich sie korrigieren soll.
Gespräche mit Lehrerkollegen haben gezeigt, dass es sowohl Befürworter als auch Gegner der mündlichen Sprachkorrektur gibt. Besonders herauskristallisiert hat sich die Ansicht, dass man die Fehler ignorieren solle, um Demotivation bei den Schülern zu vermeiden. Zudem ginge es zunächst nur darum, dass die Schüler die Sprache aktiv benutzen und es von allein zum Fortschritt käme. Einige andere Lehrkräfte hingegen waren der Meinung, dass es wichtig sei, die Korrektur im Unterricht durchzuführen, um den Sprachlernprozess zu fördern.
Neben der Frage nach der Notwendigkeit von mündlichen Korrekturen ist die Art und Weise des Korrigierens von hoher Bedeutung, weshalb ich in dieser Arbeit darauf eingehen möchte. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Zeitpunkte, in
denen man Korrekturen vornehmen kann: Unmittelbar nach dem Auftreten? Erst nach dem geäußerten Beitrag? Oder in einer anderen Phase? Welche Vor- und Nachteile gibt es dabei?
Um diesen Fragen nachzugehen, werde ich zunächst unterschiedlichste Standpunkte der Theoretiker erläutern. Darauf aufbauend geht es um die Ambivalenz der Korrekturen. Bevor ich einen Fazit ziehe, erläutere ich, was die theoretischen Ansätze für meine eigene Professionalisierung als angehender Lehrer bedeuten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Theorien zu mündlichen Korrekturen
2.1. Zur Frage nach der Notwendigkeit
2.2. Unterschiedliche Korrekturarten
2.3. Zu den Zeitpunkten
3. Zur Ambivalenz der Korrekturen
4. Bezug zur eigenen Professionalisierung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Reflexionsarbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Herausforderung mündlicher Sprachkorrekturen durch Lehrkräfte in Unterrichtsgesprächen mit Schülern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist (DaZ-Schüler), um basierend auf theoretischen Diskursen eine professionelle Haltung für das eigene Lehrerhandeln zu entwickeln.
- Die fachliche Notwendigkeit mündlicher Fehlerkorrektur im Unterricht
- Differenzierung zwischen verschiedenen Arten und Zeitpunkten der Korrektur
- Die Ambivalenz von Korrekturmaßnahmen (Motivation vs. Lernförderung)
- Einflussfaktoren wie Schülercharakter, Unterrichtsphase und Fehlerqualität
- Reflexion des Lehrerhandelns im Kontext pädagogischer Antinomien
Auszug aus dem Buch
2.1. Zur Frage nach der Notwendigkeit
In diesem Kapitel geht es darum, unterschiedliche Theorien bezüglich der Notwendigkeit der mündlichen Sprachkorrektur von Lehrkräften im Unterrichtsgespräch mit DaZ-Schülern vorzustellen. Nicht nur unter Lehrkräften, sondern auch unter Sprachwissenschaftlern ist die Meinung bezüglich der mündlichen Sprachkorrektur gespalten (Vgl. Einleitung). Im Folgenden werden sowohl Standpunkte der Befürworter, als auch die der Gegner vorgestellt.
Hendrickson zum Beispiel spricht sich gegen die mündliche Korrektur aus. Seiner Ansicht nach sollen Lehrende das Auftreten der Fehler als ein natürliches Phänomen und als Zeichen für einen fortschreitenden Lernprozess betrachten. Das Korrigieren der Fehler habe zur Folge, dass Lerner ihr Selbstbewusstsein verlieren und dadurch die Gefahr bestünde, dass sie sich aus den Unterrichtsgesprächen zurückziehen (Vgl. Hendrickson, 1987, 357). Auch Wulf ist Gegner der mündlichen Korrektur. Seiner Meinung nach müsse man vorsichtig sein und überlegen, wie man auf diese Fehler außerhalb des Unterrichts reagieren würde. Als Beispiel bringt er die alltägliche Kommunikation, in der die Fehler nicht immer korrigiert werden (Vgl. Wulf, 2001, 118).
Kleppin steht der mündlichen Korrektur eher gespalten gegenüber. Ihrer Meinung nach könne sie sich negativ auf die Motivation des Lernenden wirken, da sie zu einer Bloßstellung innerhalb der Gruppe führen könnte. Dabei bezieht sich Kleppin auf eine Studie von Virgil und Oller aus dem Jahre 1976, die zu dem Ergebnis kam, dass das Ignorieren von sprachlichen Fehlern eine lernförderliche Atmosphäre schafft. Dadurch würde der Lernerfolg des Lernenden wahrscheinlicher (Vgl. Kleppin, 1998, 69). Zudem führt Kleppin an, dass mündliche Fehlerkorrekturen sehr zeitaufwendig seien und keine Spuren hinterlassen, weshalb sie bei dem Lerner in Vergessenheit geraten könnten. Ihrer Meinung seien schriftliche Korrekturen zwar produktiver, dennoch könne man auf mündliche Korrekturen nicht verzichten (Vgl. Kleppin, 1998, 74).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung motiviert das Thema durch die eigene Praxiserfahrung als Lehramtsstudierender und skizziert die wissenschaftliche Relevanz der Korrekturdebatte.
2. Grundlegende Theorien zu mündlichen Korrekturen: Dieses Kapitel vergleicht konträre theoretische Positionen hinsichtlich der Notwendigkeit, der methodischen Korrekturarten sowie der optimalen Zeitpunkte für Feedback.
3. Zur Ambivalenz der Korrekturen: Es wird die Zwickmühle zwischen notwendiger Lernförderung und dem Risiko der Demotivation oder Störung des Redeflusses beleuchtet.
4. Bezug zur eigenen Professionalisierung: Der Autor überträgt die theoretischen Erkenntnisse auf seine zukünftige Rolle als Lehrkraft und definiert professionelles Handeln als situatives Abwägen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass es kein allgemeingültiges Rezept gibt, sondern pädagogisches Fingerspitzengefühl im Umgang mit Antinomien erforderlich ist.
Schlüsselwörter
DaZ-Unterricht, mündliche Sprachkorrektur, Fehlerkorrektur, Unterrichtsgespräch, Lehrerprofessionalisierung, Lernsteuerung, Fehleranalyse, Didaktik, sprachliche Bildung, Korrekturarten, pädagogische Antinomien, Lernerfolg, Motivation, Lehrerhandeln, Zweitspracherwerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Reflexionsarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Lehrkräfte im Unterrichtsgespräch mit Schülern, die Deutsch als Zweitsprache lernen, mit sprachlichen Fehlern umgehen sollten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Notwendigkeit der Korrektur, die verschiedenen methodischen Arten der Fehlerverbesserung und die Wahl des richtigen Zeitpunkts für diese Interventionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, das eigene Lehrerhandeln zu professionalisieren, indem ein begründeter Umgang mit der Ambivalenz zwischen notwendiger Korrektur und der Vermeidung von Schülendemotivation erarbeitet wird.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven kommen zur Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf didaktische Theorien (u.a. von Kleppin, Hendrickson und Storch) sowie auf das Konzept der pädagogischen Antinomien von Helsper.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil analysiert theoretische Standpunkte zur Fehlerkorrektur und diskutiert Faktoren wie den Charakter der Schüler, die Unterrichtsphase und die Schwere der Fehler für eine fundierte Entscheidungsfindung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind DaZ-Unterricht, Fehlerkorrektur, Lehrerprofessionalisierung, Korrekturarten und pädagogische Antinomien.
Warum ist die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Korrektur so wichtig?
Direkte Korrektur kann den Redefluss unterbrechen und Schüler bloßstellen, während indirekte Korrektur versucht, den inhaltlichen Fokus beizubehalten, jedoch Gefahr läuft, vom Schüler überhört zu werden.
Welche Rolle spielt die "Differenzierungsantinomie" für den Autor?
Sie beschreibt die tägliche pädagogische Herausforderung, einerseits alle Schüler gleich zu behandeln und andererseits individuell auf unterschiedliche Bedürfnisse und Potenziale einzugehen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Mündliche Sprachkorrektur von Lehrkräften im Unterrichtsgespräch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497173