Studieren im digitalen Zeitalter. Hermeneutischer Zirkel vs. Lösungsüberfluss a la Google & Co


Hausarbeit, 2016
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Lernen
2.1 Behaviorismus
2.2 Kognitivismus
2.3 Konstruktivismus
2.4 Konnektivismus

3 Das digitale Zeitalter
3.1 Was ist das digitale Zeitalter?
3.2 Beginn des digitalen Zeitalters

4 Studium im analogen Zeitalter
4.1 Zugangsmöglichkeiten
4.2 Lehrmethoden
4.3 Lernmethoden
4.4 Der Hermeneutische Zirkel

5 Studieren im digitalen Zeitalter
5.1 Zugangsmöglichkeiten
5.2 Zielsetzungen
5.3 Lehrmethoden
5.4 Status Quo

6 Studenten im digitalen Zeitalter
6.1 Lebenswelt
6.2 Nutzung digitaler Studienangebote
6.3 Lernprozess
6.3.1 Vor- und Nachteile

7 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das digitale Zeitalter hat begonnen und unser Leben stark verändert. Die Digitalisierung hat dabei so gut wie alle Lebensbereiche erreicht, auch die Nutzung des Internets ist nicht mehr wegdenkbar, nutzen es doch bereits fast 80 % aller Deutschen.1 Bei den Jugendlichen in Deutschland sind es sogar bereits 99 %.2

Das ganze Leben wird zunehmend digital abgewickelt. Seien es Bankgeschäfte, Wochenendeinkäufe, News oder Kommunikation. Kaum eine Tätigkeit, die sich nicht digital erledigen und dadurch oft vereinfachen lässt. Auch wenn der digitale Fortschritt immer wieder Dämpfer, sei es durch Datenpannen oder Überwachungsskandale erhält, scheint er nicht mehr aufhaltbar.

Dass das digitale Zeitalter auch keinen Halt vor der Lehre und dem Lernen machen würde, war daher vorhersehbar. Die Frage, wie sich das Studium hierbei verändert hat und welche Einfluss dies wiederum auf die Studierenden und ihren Lernerfolg hat, soll Gegenstand dieser Arbeit sein.

Es soll beleuchtet werden, wie sich das Studieren und damit auch die Hochschulen durch die fortschreitende Digitalisierung verändert haben. Welche neuen Möglichkeiten gibt es etwa um heute ein Studium zu absolvieren und wie haben sich gegebenenfalls auch die Ziele eines Studiums verändert? Daraus sollen ersichtlich gemacht werden, inwiefern dies Einfluss auf die Studenten genommen hat und wie diese sich und ihren Lernprozess dadurch verändert haben.

Nachdem in Kapitel zwei zunächst auf grundlegende Lerntheorien eingegangen wird, versucht Kapitel drei im Anschluss zu klären was das digitale Zeitalter ist und wann es in etwa begonnen hat. Darauf folgt in Kapitel vier eine kurze Darstellung des Studiums im analogen Zeitalter, gefolgt von einer Gegenüberstellung des Studiums im digitalen Zeitalter (Kapitel fünf). Es wird gleichzeitig darauf eingegangen wie sich dadurch auch die Hochschullehre verändert hat. Danach folgt in Kapitel sechs als Schwerpunkt die Betrachtung der Studierenden, die Veränderung ihres Lernprozesses und der sich daraus ergebenden Vor- und Nachteile.

2 Lernen

Um herauszufinden wie sich das Lernen im digitalen Zeitalter verändert hat, muss zunächst verstanden werden wie es funktioniert. Die Gegenüberstellung des Lernens im analogen und digitalen Zeitalter, soll im Rahmen der in diesem Abschnitt erklärten vier Lerntheorien erfolgen.

2.1 Behaviorismus

Kernpunkt dieser Lerntheorie ist das Verhalten des Lernenden. So soll dem Lernenden durch eine andere Person Wissen vermittelt werden und er dadurch in seinem Verhalten geändert werden. Dabei geht es meist um reines Basis- bzw. Faktenwissen.3 Wichtig bei diesem Ansatz ist auch die jeweilige Reaktion, die der Lernende auf sein Verhalten erhält. Richtiges Verhalten soll durch positive Reaktionen verstärkt, falsches Verhalten durch negative Reaktionen abgeschwächt werden.4

2.2 Kognitivismus

Hierbei handelt es sich um das Lernen durch Einsicht. Es steht die Aneignung prozeduralen Wissens im Vordergrund. Also das Erlangen methodischer Kompetenzen, die der Lernende benötigt, um zukünftige Probleme lösen zu können. Erreicht werden soll dies durch das eigenständige Erarbeiten von Lösungen und den Austausch darüber. Es geht auch darum eigene Ideen zu reflektieren und ggf. gemeinsam den richtigen Weg zu finden. Der Dialog zwischen den Lernenden und dem Lehrenden ist dabei genauso wichtig wie der zwischen den einzelnen Lernenden.5

Es kommt demnach zum Lernerfolg, wenn der Lernende die Einsicht erlangt - durch Denken oder Handeln - das er die richtige Lösung gefunden hat.

2.3 Konstruktivismus

Diese Theorie geht davon aus, dass der Lernende am besten durch persönliche Erfahrung lernt. Die Lernsituation und die Problemstellung soll hierbei so nah wie möglich an der Realität angelehnt sein. Probleme sollten also im späteren Tätigkeitsfeld tatsächlich auch so vorkommen. Der Konstruktivismus enthält dabei auch soziale Komponenten, denn der Lernprozess soll möglichst mit anderen Personen zusammen stattfinden, damit jeder in die unterschiedlichen Rollen schlüpfen kann.6

Es geht darum, den Lernenden in eine simulierte Lernumgebung zu versetzen und so Situationen zu erleben, aus denen er dann eigene Schlüsse ziehen kann.

2.4 Konnektivismus

Der Konnektivismus ist die jüngste der vier Lerntheorien. Entwickelt von George Siemens im Jahr 2004, als Weiterentwicklung der zuvor genannten.7 Er erkannte das die anderen Theorien nicht mehr uneingeschränkt auf das digitale Zeitalter anwendbar waren und schaffte daher den Ansatz des vernetzten Lernens.

Im Kern dieser Theorie steht das vom Lernenden ausgehende Netzwerk aus z. B. Wissen, Quellen oder Personen, mit denen der Lernende ständig in Interaktion steht. Dabei geht es für ihn nun vielmehr darum, das vorhandene Netzwerk zu ordnen und zu bewerten, um daraus seine Schlüsse und letztendlich den Lernerfolg zu ziehen. Es geht vielmehr darum zu überblicken, wo Wissen gefunden werden kann, als es abzuspeichern.8

Wie sehr diese Theorie, die auf den Veränderungen des digitalen Zeitalters beruht, im heutigen Lernverhalten sichtbar wird, wird zu einem späteren Zeitpunkt betrachtet.

3 Das digitale Zeitalter

Um das analoge vom digitale Zeitalter abgrenzen zu können, muss zunächst geklärt werden worum es sich beim digitalen Zeitalter handelt. Ebenso ist es notwendig einen Zeitpunkt als Beginn zu bestimmen, um von einem Davor und einem Danach reden zu können.

3.1 Was ist das digitale Zeitalter?

Als digitales Zeitalter wird der Zeitraum bezeichnet, in dem die Digitalisierung unseres Lebens überhandgenommen hat. Dies bedeutet wiederum, dass Informationen und Daten vielmehr nicht in analoger, physischer Form (Papier, Schallplatten, Dias etc.), sondern als Bits & Bytes vorliegen.9 Diese Definition lässt sich aber nicht nur auf die reine Speicherung von Daten beschränken, auch der Einfluss, der durch das Internet entstandenen Möglichkeiten muss hierfür herangezogen werden. Mittlerweile unterliegt das gesamte Leben einer immer weiter fortschreitenden Digitalisierung. Dabei sind viele Möglichkeiten, die hierdurch entstanden sind, bereits in den Alltag integriert und kaum mehr wegzudenken. So ist es für heutige Generationen völlig normal ihre gesamte Kommunikation digital abzuwickeln, Hotel und Flüge online zu buchen oder mal eben den Wochenendeinkauf über das Internet zu erledigen.

3.2 Beginn des digitalen Zeitalters

Ein genauer Zeitpunkt für den Beginn des digitalen Zeitalters lässt sich, ob des fließenden Übergangs, kaum bestimmen. Durch verschiedene Theorien und Statistiken lässt sich der entscheidende Zeitraum auf die Jahrtausendwende eingrenzen. So erlebte die Internetnutzung in Deutschland beispielsweise von 1997 bis zum Jahr 2000 einen Zuwachs von 64 % um dann bis 2003 nochmals um 22 % zu steigen. Anschließend bewegte sich das jährliche Wachstum nur noch im niedrigen einstelligen Prozentbereich.10 Eine andere Kenngröße ist die weltweite Speicherkapazität für Informationen. Während geschätzt wird, das 1993 nur 3 % der Kapazität zur Speicherung von Informationen digital war, konnten im Jahr 2002 erstmals mehr Informationen digital als analog gespeichert werden.11

Daher wird für Vergleiche zwischen analogem und digitalem Zeitalter in dieser Arbeit die Jahrtausendwende als Grenzzeitpunkt herangezogen.

4 Studium im analogen Zeitalter

Vieles was heute zum Standard an Hochschulen gehört, konnte sich vor nicht allzu langer Zeit niemand vorstellen. Wie das Studieren zum Ende des letzten Jahrtausends, also kurz vor Beginn des digitalen Zeitalters, aussah, wird im Folgenden kurz dargestellt.

4.1 Zugangsmöglichkeiten

Jahrhundertelang war das Studieren an Hochschulen auf reine Präsenzstudiengänge beschränkt. Die Studenten mussten sich dem vorgegebenen Lehrplan anpassen und Vorlesungen besuchen. Das Vertiefen des Lehrstoffs und eventuelle Recherchen zum Thema fanden in den Bibliotheken der Universitäten statt.

Die einzige Alternative waren die - damals noch als Korrespondenzkurse bezeichneten - Fernstudiengänge. Studenten erhielten hierbei Briefe mit dem zu lernenden Stoff, der Austausch mit den Dozenten erfolgte ausschließlich auf postalischem Wege. Die erste reine Fernschule Deutschlands war das „Rustinische Lehrinstitut für Selbstunterricht“, gegründet 1913.12 Sie blieb auch die einzige bis in die 1960er Jahre. Als erste Fernuniversität Deutschlands wurde 1974 die Fernuniversität Hagen gegründet, die heute mit derzeit 75.511 (Wintersemester 2015/2016) aktiven Studenten Deutschlands größte Universität darstellt.13

4.2 Lehrmethoden

Wie bereits beschrieben, fand der Hauptteil des Studiums in Hörsälen und Bibliotheken statt. Ziel des Studiums war die reine Wissensvermittlung, getreu der Theorie des Behaviorismus (s.a. Kapitel 2.1). Die Dozenten trugen alles Wissen in sich und versuchten den Studenten dieses zu vermitteln. Andere Wissensquellen waren für die Studenten nicht vorgesehen. Vorlesungen beschränkten sich fast ausschließlich auf Zuhören und Mitschreiben.14 Begleitende Lehrmaterialien waren rar gesät, gab es doch selbst in den 1970er Jahren noch nicht einmal Kopierer an den Hochschulen.15 Die bis dahin gebräuchlichen Matrizendrucker16 waren zwar an Schulen gebräuchlich, für Hochschulen aber unpraktisch, schafften sie meist kaum mehr als 100 Abzüge je Matrize, die jeweils von Hand hergestellt werden mussten.17

Ein weiteres Ziel war es, den Diskurs zwischen den Studenten und damit das eigenständige Denken zu fördern. Hierfür gab es vorwiegend Seminare, in denen Studenten mit Professoren oder auch unter einander, Wissen erarbeiten und diskutieren konnten. Hier findet sich die Theorie des Kognitivismus wieder (s. a. Kapitel 2.2).

4.3 Lernmethoden

Die zuvor genannten Einschränkungen beeinflussten natürlich auch das Lernen der Studenten. In den Vorlesungen musste stets alles, was der Dozent vortrug, mitgeschrieben werden. Ebenso war es nötig Tafelbilder in die eigenen Aufzeichnungen zu übertragen. Was nicht aufgezeichnet wurde, war später nicht mehr verfügbar und konnte nicht zum Lernen genutzt werden. Weiterführende Literatur gab es fast nur in Form von Büchern. Sie in den großen Bibliotheken zu finden war aufwändig. So war es nur anhand einer Schlagwortkartei möglich unbekannte Literatur zu einem Thema zu recherchieren. War diese zeitaufwendige Prozedur beendet musste die Literatur gesichtet und wichtige Passagen ggf. abgeschrieben werden. Erst mit dem Einzug der Kopierer verbesserte sich die Situation.

Auch Computer waren kaum verbreitet. Ihr Siegeszug begann erst zum Ende der 1980er Jahre, so hatte sich die weltweite Anzahl von Computern in Privatbesitz von 1986 bis 1990 etwa verdoppelt.18 Dies bedeute aber zunächst nur eine Erleichterung bei Schreibarbeiten, waren viele Computer anfangs doch nur „bessere Schreibmaschinen“. Eine signifikante Veränderung oder Verbesserung des Lernens konnten sie noch nicht bewirken.

Interaktion mit anderen Studierenden beschränkte sich nur auf den direkten Bekannten- und Mitstudierendenkreis. Trotzdem waren und sind gerade solche Lerngruppen, Lesezirkel etc. entscheidend für den Lernerfolg. So wurde beispielsweise in Harvard, in einer jahrelangen Studie festgestellt, dass Studenten dann besonders erfolgreich sind, wenn sie im Team an einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten.19 Eine weltumfassende Kommunikation wie sie heute üblich ist, war zur damaligen Zeit weder vorhanden, noch denkbar.

Es lässt sich sagen, dass sich das Lernen meist nur auf das Wiederholen des vorgetragenen Stoffes beschränkte, damit es anschließend in Prüfungen wiedergegeben werden konnte.

4.4 Der Hermeneutische Zirkel

Ein wichtiges, verstehenstheoretisches Konstrukt ist der Hermeneutische Zirkel. Im Grundsatz beschreibt er die Verarbeitung von Texten im Zuge des Verstehensprozesses.

[...]


1 Vgl. ARD/ZDF, ARD/ZDF Onlinestudie, 2015.

2 Vgl. Shell, Shell Jugendstudie, 2015.

3 Vgl. Erpenbeck, John, So werden wir lernen, 2013, S. 37.

4 Vgl. Erpenbeck, John, a.a.O., S. 37.

5 Vgl. Erpenbeck, John, a.a.O., S. 38f.

6 Vgl. Erpenbeck, John, a.a.O., S. 39ff.

7 Vgl. Siemens, George, Conenctivism, 2004.

8 Vgl. Erpenbeck, John, So werden wir lernen, 2013, S. 41f.

9 Vgl. Lemke, Claudia; Brenner, Walter, Einführung Wirtschaftsinformatik, 2015, S. 13f.

10 Vgl. ARD/ZDF, ARD/ZDF Onlinestudie, 2015.

11 Vgl. Hilbert, Martin; Lopez, Priscilla, World's Technological Capacity, 2011, S. 62.

12 Vgl. Fernstudium direkt, Geschichte des Fernstudiums, 2012.

13 Vgl. Fernuniversität Hagen, Zahlen und Daten, 2016.

14 Vgl. Handke, Jürgen, Hochschullehre digital, 2015, S. 30f.

15 Vgl. unicut hochschul.tv, Studieren früher und heute, 2009, 01:10-01:20.

16 Matrizendrucker, auch Spiritusdrucker genannt, können von einer händisch erstellten Vorlage (Matrize) Kopien erstellen. Die Matrizen können mit Stift oder Schreibmaschine erstellt werden. Dabei wird eine Wachsschicht auf die Matrize aufgebracht, die bei der Vervielfältigung auf leeres Papier übertragen wird. Dadurch ist die maximal mögliche Anzahl an Kopien je Matrize beschränkt.

17 Vgl. Zimmermann & Heitmann, Zimmermann & Heitmann - Matrizendrucker.

18 Vgl. Rutenfranz, Uwe, Wissenschaft im Informationszeitalter, 1997, S. 91.

19 Vgl. Light, Richard J., Making the most of college, 2004, S. 33f.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Studieren im digitalen Zeitalter. Hermeneutischer Zirkel vs. Lösungsüberfluss a la Google & Co
Hochschule
Fachhochschule für Finanzen Königs Wusterhausen
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V497180
ISBN (eBook)
9783346010827
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Studieren, Digitalisierung, Hermeneutischer Zirkel, Lernen, Lernprozess
Arbeit zitieren
Robert Losensky (Autor), 2016, Studieren im digitalen Zeitalter. Hermeneutischer Zirkel vs. Lösungsüberfluss a la Google & Co, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497180

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Studieren im digitalen Zeitalter. Hermeneutischer Zirkel vs. Lösungsüberfluss a la Google & Co


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden