Das Thema der Arbeit ist der Sachverständigenrat (SVR) zur Begutachtung und Entwicklung im Gesundheitswesen. Zunächst geht der Autor auf den rechtlichen Rahmen des Sachverständigenrats, die Gründung und die historische Entwicklung ein. Anschließend werden die Aufgaben und der Stellenwert des SVR erläutert und eine Einschätzung des SVR als zuverlässige Quelle gegeben. Danach widmet sich der Autor der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen in Deutschland und führt hierzu den von Hartmut Reiners geprägten Begriff "Rationalitätenfalle" an. Abschließend legt der Autor den Einfluss des Alterns auf die Gesundheitsausgaben dar.
Inhaltsverzeichnis
1 Der Sachverständigenrat zur Begutachtung und Entwicklung im Gesundheitswesen
1.1 Rechtlicher Rahmen des Sachverständigenrates (SVR)
1.2 Gründung und historische Entwicklung des SVR
1.3 Aufgaben und Stellenwert des SVR
1.4 Vetrauenswürdigkeit als zuverlässige Quelle
2 Kostenentwicklung im Gesundheitswesen
2.1 Begriffsbestimmung „Kostenexplosion“
2.2 Daten zur Entwicklung der Gesundheitsausgaben
3 „Rationalitätenfalle“ bei Reiners
3.1 Homo oeconomicus
3.2 Rationalitätenfalle in der privaten Krankenversicherung
4 Einfluss des Alterns auf die Gesundheitsausgaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Kostenentwicklung im deutschen Gesundheitswesen kritisch und setzt diese in Bezug zu gängigen Thesen wie der „Kostenexplosion“ sowie dem Einfluss des demographischen Wandels. Das Ziel ist es, durch die Analyse statistischer Daten und theoretischer Modelle zu prüfen, ob die medial oft proklamierte Kostenexplosion wissenschaftlich haltbar ist und welche ökonomischen Faktoren, wie etwa die „Rationalitätenfalle“ oder die Auswirkungen der Altersstruktur, tatsächlich die Ausgaben beeinflussen.
- Strukturelle Analyse und Rolle des Sachverständigenrates (SVR)
- Statistische Untersuchung der Gesundheitsausgaben von 1992 bis 2011
- Kritische Beleuchtung des Begriffs „Kostenexplosion“
- Untersuchung der „Rationalitätenfalle“ bei Reiners
- Analyse des demographischen Wandels im Kontext steigender Gesundheitskosten
Auszug aus dem Buch
Rationalitätenfalle in der privaten Krankenversicherung
Im Kontext der privaten Krankenversicherung zitiert Reiners die grundlegenden Arbeiten von Arrow und Pauly. Arrow stellt die unterschiedliche Verteilung von Krankheit und das damit verbundene individuell variierende Gesundheitsrisiko heraus. Die private Krankenversicherung fokussiere dabei auf Versicherte mit einem günstigen Gesundheitssituation, die sie spezifisch insbesondere in den jungen Jahren bewerbe. Das Alter werde durch Beitragsanpassungen teurer, bestimmte Gesundheitsrisiken seien vorab ausgenommen. Arrow kommt zu dem Schluss, dass eine öffentliche Versicherung durch eine große Versichertenzahl sowie Kosten- und Risikostreuung zu favorisieren sei. Mark Pauly vertritt die Ansicht, dass ein privates Krankenversicherungssystem die vermehrte Inanspruchnahme von Leistungen und Ressourcen im Sinne der subjektiven Maximierung von persönlichem Nutzen fördere. Die Prämienzahlung sei insbesondere nicht von der Intensität der Inanspruchnahme von Leistungen abhängig und somit aus einer ökonomischen Betrachtung heraus problematisch. Steigerungen der Gesundheitsausgaben und somit Prämienerhöhungen seien die Folge.
Bei Pauly wird im Kontext der individuellen Nutzenmaximierung durch Inanspruchnahme von Leistungen des Versicherungssystems von „moral hazard“ gesprochen. 1982 beschreibt Herder-Dorneich dies inhaltsgleich mit dem Begriff „Rationalitätenfalle“. Hierunter versteht man somit das als „Falle“ klassifizierte Problem erheblich steigender Gesundheitsausgaben der Gesellschaft aufgrund der subjektiv rational erscheinenden Denk- und Handlungsweise, maximal mögliche Leistung zu beanspruchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Sachverständigenrat zur Begutachtung und Entwicklung im Gesundheitswesen: Dieses Kapitel erläutert die gesetzliche Basis, die Historie sowie die beratende Funktion und Unabhängigkeit des SVR.
2 Kostenentwicklung im Gesundheitswesen: Hier werden statistische Daten zur Ausgabenentwicklung zwischen 1992 und 2011 analysiert, um den Begriff der „Kostenexplosion“ kritisch zu hinterfragen.
3 „Rationalitätenfalle“ bei Reiners: Dieses Kapitel widmet sich dem ökonomischen Modell des „Homo oeconomicus“ und erklärt, wie Anreizstrukturen innerhalb des Versicherungssystems zu übermäßigem Leistungsverbrauch führen können.
4 Einfluss des Alterns auf die Gesundheitsausgaben: Die Arbeit diskutiert hier, warum das absolute Alter nicht als primärer Kostentreiber gilt und ordnet den demographischen Wandel wissenschaftlich ein.
Schlüsselwörter
Gesundheitswesen, Kostenentwicklung, Kostenexplosion, Sachverständigenrat, SVR, Rationalitätenfalle, Homo oeconomicus, Private Krankenversicherung, Demographischer Wandel, Moral Hazard, Gesundheitsausgaben, Politikberatung, Gesundheitsökonomie, Apparatemedizin, Versorgungsdefizite
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Analyse des deutschen Gesundheitswesens, insbesondere mit dem Ziel, die Entwicklung der Gesundheitsausgaben fundiert zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Rolle des Sachverständigenrates, der empirischen Datenlage zu den Gesundheitsausgaben, theoretischen Modellen wie dem Homo oeconomicus und dem Einfluss des Alterns auf die Kosten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Überprüfung der These einer „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen und die Identifikation der tatsächlichen Faktoren, die zu Ausgabensteigerungen führen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, eine datengestützte Untersuchung statistischer Zeitreihen des Statistischen Bundesamtes sowie die Anwendung wirtschaftstheoretischer Erklärungsmodelle.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des SVR, die Analyse von Statistiken, die Erläuterung der „Rationalitätenfalle“ bei Reiners und eine Diskussion des demographischen Wandels als „red herring“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Wichtige Begriffe sind Gesundheitskosten, Rationalitätenfalle, Kostenexplosion, SVR, demographischer Wandel und moral hazard.
Warum wird der Begriff „Kostenexplosion“ kritisch gesehen?
Die Datenanalyse zeigt, dass der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP über den Beobachtungszeitraum weitgehend konstant geblieben ist, was einer explosiven Kostenentwicklung widerspricht.
Was bedeutet der Begriff „red herring“ in diesem Zusammenhang?
Damit wird das Argument bezeichnet, dass das chronologische Altern der Bevölkerung als alleinige Ursache für steigende Gesundheitskosten angeführt wird, wobei andere Faktoren wie technischer Fortschritt oder Behandlungsintensität unberücksichtigt bleiben.
- Arbeit zitieren
- Manuel Anhold (Autor:in), 2014, Begutachtung des Gesundheitswesens durch den Sachverständigenrat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497196