Bitcoin und Blockchain-Technologie. Wie sinnvoll sind Kryptowährungen?


Fachbuch, 2020

81 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Vorwort

2 Was ist Geld? – Begriffserklärung
2.1 Historie des Geldes
2.2 Funktionen des Geldes
2.3 Eigensschaften des Geldes
2.4 Werttheoretische Grundlagen
2.5 Geldformen
2.6 Dynamiken des Zahlungssystems

3 Blockchain Technologie
3.1 Private Keys und Public Keys
3.2 Teilnehmer im dezentralen Transaktionssystem
3.3 Mining
3.4 Wallets
3.5 Forks
3.6 Altcoins

4 Rechtliche Einordnung

5 Vergleich von Bitcoin und klassischen Zahlungssystemen

6 Anwendungsmöglichkeiten und Chancen der Blockchain Technologie

7 Kritik an Bitcoin und anderen Kryptowährungen

8 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vergleich BIP und Geldmenge in der Eurozone (Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Eurostat; Federal Reserve Bank of St. Louise)

Abbildung 2: Entwicklung der Geldmenge im Euro Raum (Tagesgeldvergleich)

Abbildung 3: Rai Steine auf der Insel Yap (c3network)

Abbildung 4: Vernetzung der Knoten im dezentralen Netzwerk (slideshare)

Abbildung 5: Weltweite Verteilung der Bitcoin-Nodes (bitnodes.earn)

Abbildung 6: Bestandteile eines Blocks (eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Berentsen / Schär)

Abbildung 7: Blockchain Model - Verbindung der Blocks (heise.de)

Abbildung 8: Hashwerte der gültigen Blöcke - Bitcoin (blockchain.info/blocks)

Abbildung 9: Entwicklung der Hash Rate 2017-2018 (blockchain.info)

Abbildung 10: Kursentwicklung Bitcoin 2017-2018 (finanzen.net)

Abbildung 11: Marktkapitalisierung Kryptowährungen TOP

Abbildung 12: Entwicklung Transaktionsgebühren Bitcoin 2017-2018

Abbildung 13: Formen der Blockchain Technologie

1 Vorwort

Am 3. Januar 2009 wurde unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto mit dem „Genesis Block“ der Bitcoin ins Leben gerufen. Eine Idee, die das heutige Zahlungssystem revolutionieren sollte. Auf Basis der Blockchain Technologie ermöglicht Bitcoin den Austausch von Werten in einem dezentralen Netzwerk ohne Intermediäre. Im Programmcode des Genesis Blocks hinterließ Satoshi Nakamoto eine Nachricht: "The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks“ (Bergmann 2014). Dies war zugleich die Überschrift eines Artikels der London Times am 3. Januar 2009 (Vgl. ebenda). Ob Satoshi mit dieser Nachricht nur das Datum für die Entstehung der ersten Blockchain zementieren wollte oder dies eine indirekte Kritik am Bankensystem und der Finanzwelt war, bleibt bis heute ungeklärt. Bis heute spalten Bitcoin und andere Kryptowährungen, die der Idee eines dezentralen Transaktionssystems folgten, die Massen. Die Meinungen zum Kryptomarkt und der Blockchain Technologie könnten gegensätzlich kaum sein. Anhänger sehen darin eine disruptive Technologie, welche die Welt ähnlich wie das Internet verändern wird, während Gegner von einem irrationalen Hype um die Technologie und einer riesigen Spekulationsblase sprechen (Vgl. Antonopoulos 2017 ; Gerard 2017).

Die folgende Arbeit setzt sich mit den Grundlagen des heutigen Geldsystems und der Geldtheorie auseinander. Kryptowährungen, insbesondere Bitcoin, und die Blockchain Technologie werden von einer technischen und wirtschaftlichen Seite betrachtet. Anschließend wird der Frage nachgegangen, ob sich Bitcoin als Zahlungsmittel für eine Volkswirtschaft eignet. Es folgen mögliche Anwendungsbereiche und Chancen für die Blockchain Technologie sowie eine kritische Betrachtung der Kryptowährungen. Die Arbeit verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der die Disziplinen der Informatik, der Kryptografie und den Wirtschaftswissenschaften verbindet. Dabei setzt sich die Arbeit aus drei Hauptkapiteln zusammen.

Das erste Kapitel versucht den Geldbegriff zu definieren und bezieht sich dabei auf unterschiedliche Erklärungsansätze. Es folgt eine historische Betrachtung des Geldes und seiner Entwicklung bis in die Gegenwart. Die drei Grundfunktionen, die Geld zum Zahlungsmittel eines Wirtschaftssystems machen, werden erläutert. Anschließend wird dargestellt, welche Eigenschaften Geld haben sollte und wie dessen Wert definiert wird. Der Schluss des Kapitels setzt sich mit dem heutigen Kreditgeldsystem und dessen Chancen und Risiken auseinander.

Im zweiten Kapitel wird die Funktionsweise der Blockchain Technologie anhand mehrerer Beispiele dargestellt. Danach folgt eine Auseinandersetzung mit den Grundbegriffen der Kryptowährungen und der zugrundeliegenden Technologie. Die technischen Hintergründe werden anhand der Kryptowährung Bitcoin beschrieben.

Der Frage, ob Bitcoin sich im heutigen Wirtschaftssystem als Zahlungsmittel eignet und welche Herausforderungen damit verbunden sind, wird im dritten Kapitel thematisiert. Danach folgen mögliche Anwendungsfelder der Blockchain Technologie, sowie die Risiken, die sich durch Kryptowährungen für die Gesellschaft ergeben. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einem Ausblick, der den Erkenntnisstand der Arbeit widerspiegelt.

2 Was ist Geld? – Begriffserklärung

Die vermeintlich banale Frage „Was ist Geld?“ lässt sich schwer in einer Definition mit ein oder zwei Sätzen erklären. In der einschlägigen Literatur befassen sich ganze Bücher mit eben dieser Frage (Vgl. Eckardt 2013; Brandl 2015; Nishibe 2016). Frederic Mishkin (2004) ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler bestätigt: „there is no single, precise definition of money or the money supply, even for economists“ (Mishkin 2004, S.44 zit.n. Brandl 2015, S.1). Die Frage nach dem Wesen des Geldes bewegte in der Vergangenheit nicht nur Wirtschaftswissenschaftler, sondern auch Philosophen, Soziologen und Historiker (Vgl. Brandl 2015, S. 9f).

Fern von der Ökonomie kann Geld als eine Art Sprache beschrieben werden. Menschen drücken damit Werte aus. Bedeutsam ist, dass sie dies in einer Gemeinschaft mit vielen anderen Menschen tun. Bestände keine Gemeinschaft, wäre keine Sprache notwendig. Beispielhaft hierfür ist die Robinson-Crusoe-Wirtschaft. Die Geschichte um Crusoe erzählt die eines Seemannes, der schiffbrüchig auf einer einsamen Insel lebt. In dieser Ein-Mann-Wirtschaft ist kein Geld notwendig, da keine Tauschpartner im System existieren. Gegenstände wie Gold oder Silber, denen Menschen seit Jahrtausenden einen Wert beimessen, sind auf einer einsamen Insel wertlos. Es fehlt die Möglichkeit, ihren Wert zu kommunizieren. (Vgl. Brandl 2015, S.255; Nishibe 2016, S.31). Mit Geld bekunden Menschen ihre Wertschätzung gegenüber einer Dienstleistung oder einem Produkt. Wenn der Service in einem Restaurant überzeugen konnte, drücken Menschen dies in der Regel durch ein höheres Trinkgeld aus. Ein großzügiges Trinkgeld hat die Intention der Bedienung zu signalisieren, dass gute Arbeit geleistet wurde (Vgl. Antonopoulos 2017, S.66).

Ein Ansatz der modernen Geldtheorie beschreibt Geld als Gedächtnis. Dieses Gedächtnis kann bei kleinen Personenkreisen, z.B. in der Familie oder dem Freundeskreis beobachtet werden. In diesen Gruppen werden häufig Gefälligkeiten ausgetauscht. Freunde werden zum Essen eingeladen, von der Arbeit abgeholt oder ihnen wird die Kinokarte bezahlt. Diese Gefallen speichern Menschen in ihrem Gedächtnis ab (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.7f). Ist dieses sogenannte Gift-Giving nur einseitig, kann dies zu erheblichen Spannungen in der Freundschaft oder Beziehung führen. Entscheidend dafür, ob dieses System des Gift-Giving funktioniert ist die richtige Balance. Gibt es Meinungsverschiedenheiten, ist eine Einigung zu finden, ohne die es im schlimmsten Fall zum Abbruch der Beziehung kommt. In komplexen Gesellschaften, in denen nicht jede Person mit der Anderen vertraut ist, wird dieses Gedächtnis durch Geld ersetzt. Die Balance wird durch das Geld hergestellt, das die „Schuld“, die durch eine Gefälligkeit entsteht, begleicht. Die Gefälligkeiten werden zur Dienstleistung oder zur Übergabe der Ware (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.8). „Geld führt Buch über den globalen Austausch von Gefälligkeiten“ (Berentsen / Schär 2017, S.8).

Die Vielzahl an Theorien, die über Geld, dessen Wesen und Funktionsweise verfasst wurden, machen eine Begrenzung der Thematik unumgänglich. Dabei kann die Geldtheorie in zwei Hauptstränge, die des Metallismus und des Chartalismus, unterteilt werden. Diese gehen in ihren Grundgedanken bis auf die Zeit Platons und Aristoteles zurück. Das heutige Verständnis der Gesellschaft wird maßgeblich von den Theorien des Metallismus und des Chartalismus geprägt.

Der Metallismus besagt, dass der Wert des Geldes inhärent ist und somit dem Wert des dafür verwendeten Materials, beispielsweise Gold oder Silber, entspricht. Carl Menger (1840 – 1921), dessen Position dem Metallismus zugerechnet wird verweist im Zuge seiner Geldtheorie auf den Marktmechanismus (Vgl. Brandl 2015, S.7). Angebot und Nachfrage entscheiden darüber, welche Tauschobjekte beliebt sind und einfach getauscht werden können. Es etabliert sich durch den Tauschverkehr ein universelles Zahlungsmittel, das von allen Marktteilnehmern mit einer bestimmten Menge an Gütern in Verbindung gebracht wird. Der große Vorteil des universellen Tauschmittels ist die Unterteilung des Tauschprozesses in Einkauf und Verkauf. Dadurch entfällt die Problematik, dass nicht alle Güter untereinander getauscht werden können. Die eigens angebotenen Güter werden gegen Geld getauscht, um dies wiederum selbst gegen Güter eintauschen zu können (Vgl. Sixt 2017, S. 53). Die Denkweise des Metallismus beschreibt, dass Geld einen materialistischen Wert besitzen oder durch einen solchen gedeckt sein sollte. Aus heutiger Sicht kann der Metallismus kritisch betrachtet werden. Da das aktuelle Geldsystem auf Buchgeld beruht und die Golddeckung längst aufgehoben wurde, stellt sich die Frage, warum die Kaufkraft des Geldes immer noch existent ist (Vgl. Sixt 2017, S. 53).

Während im Metallismus dem Geld selbst ein Wert beizumessen ist, fußt dieser beim Chartalismus allein auf gesellschaftlicher Akzeptanz des Zahlungsmittels. Der Begründer des Chartalismus Georg Friedrich Knapp (1842-1926) war der Meinung, dass Geld allein durch den Staat und dessen Rechtssystem geschaffen wird (Vgl. Brandl 2015, S.7). Der Wert ist nominal und nicht wie bei Gold- oder Silbermünzen nach dem Gewicht zu definieren. Die Macht des Staates spielt bei dieser Geldtheorie eine wichtige Rolle. Dieser bestimmt, was Geld ist und was nicht (Vgl. Gaertner 2011, S. 9). Fortschrittliche Gesellschaftsformen besaßen seit jeher einen Geldkreislauf, durch den gesellschaftliche Schulden beglichen wurden. Dies geschah in Form von Steuern, die der Staat von seinen Bürgern verlangte. Dabei definiert der Staat die Währung, in der Steuern gezahlt werden, wodurch diese Währung zum standardmäßigen Zahlungsmittel avanciert (Vgl. Sixt 2017, S. 54). Der Chartalismus ist vom Glauben geprägt, der Staat könne Geld ohne Barrieren produzieren. In der Theorie wird Geld erzeugt, bevor es über Steuereinnahmen zum Staat zurückfließt. Die Problematik des Chartalismus besteht darin, dass er nicht erklärt wie die Kaufkraft des Geldes zustande kommt, weshalb diese Geldtheorie unvollendet bleibt (Vgl. tracksofthoughts 2010).

Dietrich Eckardt, der ein Buch mit dem Titel „Was ist Geld?“ verfasste, definiert das Geld des heutigen Kreditgeldsystems wie folgt:

„Geld ist die Gesamtheit der quantitativ bewerteten und symbolisch vergegenständlichten Tilgungsversprechen“

(Eckardt 2013, S.22).

2.1 Historie des Geldes

Auf die Frage, wann Geld erstmals in der menschlichen Geschichte Verwendung fand, gibt es keine eindeutige Antwort. Historisch gesehen spielte der Tauschhandel in der Zeit der Jäger und Sammler noch keine Rolle. Die Menschen lebten in kleinen Gruppen zusammen und steuerten Nahrungsmittel für das Kollektiv bei. Dabei blieben die Waren im Besitz der Gruppe und nicht eines einzelnen Mitglieds. Als Menschen sesshaft wurden, um Viehzucht und Ackerbau zu betreiben entwickelte sich der Tauschhandel. Es wurde Fleisch gegen Brot oder Leder gegen Werkzeug getauscht. Diese Entwicklung förderte die Spezialisierung der Menschen auf eine für die Gesellschaft notwendige Arbeit (Vgl. Stoll 2008). Dennoch war es schwierig zu einem Konsens zu kommen, wenn der ausgewählte Tauschpartner nicht an dem Tauschprodukt interessiert war. Hatten die Tauschgüter unterschiedliche Werte, war eine Stückelung des Gutes oft nicht möglich (Vgl. Insignitus 2014).

Um die umständlichen Aspekte des Tauschhandels zu eliminieren nutzten die Menschen Gegenstände denen ein allgemeiner Wert beigemessen wurde. Sie einigten sich auf den Tauschhandel mit „natürlichem Geld“. Beispiele für solche Naturalien sind Gewürze, Muscheln oder Metalle. Der monetäre Wert dieses Naturalgeldes wurde anhand seines materiellen Wertes bemessen. Dabei war der Wert des Naturalgeldes abhängig von der Region in der es genutzt wurde (Vgl. Insignitus 2014). So sind Muscheln in einer Küstenregion als Tauschmittel ungeeignet, da ihnen die Eigenschaft der Seltenheit fehlt und ihr Wert dementsprechend gering ist.

Eines der bekanntesten Zahlungsmittel, das viele Jahrhunderte vor der Münze genutzt wurde war die Kaurischnecke. Bereits im alten China wurde sie vor ca. 3500 Jahren als Vorreiter des Geldes eingesetzt. Sie hatte Eigenschaften, die ein geeignetes Tauschmittel haben sollte (Vgl. Stoll 2008). Die Kaurimuschel ist klein und somit leicht zu transportieren. Anders als Lebensmittel die verderblich sind, besitzt die Kaurimuschel eine lange Haltbarkeit wodurch ihre Wertstabilität gegeben ist. In vielen Ländern Asiens und Afrika sowie in Ozeanien war die Kaurimuschel als Zahlungsmittel im Umlauf. Mancherorts wurde sie bis ins 20. Jahrhundert genutzt (Vgl. Van Damme / nbb Museum).

Münzgeld wurde erstmals im 7. Jahrhundert vor Christus im Königreich Lydien eingesetzt. Auf dem Boden der heutigen Türkei wurden die Münzen aus Gold und Silber hergestellt. Der Wert wurde durch die Prägung eindeutig festgelegt. Dadurch wurde das vormals zur Wertermittlung notwendige Wiegen der Gold- und Silberstücke überflüssig und die Münzen konnten gezählt werden (Vgl. Stoll 2008 / Insignitus 2014).

Eine erste Form des Papiergelds wurde vor ca. 1000 Jahren in China eingesetzt. Der Transport von Metallmünzen war umständlich und gefährlich, weshalb sich die Kaufläute Belege ausstellten, die den Wert von Münzen oder Gütern repräsentierten. Bald darauf griff der Staat ein und beanspruchte das Monopol für die Produktion von Papiergeld für sich. Die Sicherheiten, die für das Papiergeld hinterlegt wurden waren Silber und Seidenstoffe (Vgl. Kulke 2016).

In Europa wurde Papiergeld erstmals Ende des 15. Jahrhunderts in Spanien in Umlauf gebracht. Es wurde als Alternative für fehlende Münzen eingesetzt. Menschen wurden verpflichtet, das Papiergeld als Zahlungsmittel anzuerkennen (Vgl. Insignitus 2014). Nachfolger der Spanier waren 1609 die Niederländer sowie Schweden 1661 und England 1694 (Vgl. Kulke 2016). Dem Papiergeld standen die Menschen in Europa mit viel Misstrauen gegenüber. Dies war verständlich, da der tatsächliche Wert des Papiergeldes nicht annähernd dem Wert entsprach der auf den Schein gedruckt wurde. Das Vertrauen in das Papiergeld wurde dadurch gestützt, dass Banken einen Austausch in Münzen garantieren mussten (Vgl. Insignitus 2014).

Im 19. Jahrhundert bestand in vielen europäischen Ländern die Problematik, dass Silber zur Münzprägung knapp geworden war. In Frankreich galt zu diesem Zeitpunkt eine Gold-Silber Relation von 1: 15,5 (Gold : Silber). Der französische Staat besaß eine Doppelwährung, die von anderen Staaten wie Belgien (1832), Italien (1862) und der Schweiz (1850/60) übernommen wurde (Vgl. Metzler 2005, S. 261f). Aufgrund der enormen Goldförderung, die Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA aber auch in Australien begann, stand das lange Zeit solide Gold-Silber-Verhältnis auf unsicheren Beinen. Das überbewertete Gold konnte vergleichsweise günstig für Silber eingetauscht werden, da die Tauschrelation von 1 : 15,5 (Gold : Silber) gesetzlich vorgeschrieben war. Der Staat musste dementsprechend die beiden Edelmetalle zu dieser Relation tauschen. Mit dem Silber wurde der asiatische Mark bedient, da indische Waren wie Seide und Gewürze sehr gefragt waren (Vgl. North 2009, S.148ff). Im Jahr 1867 wurde auf der Internationalen Währungskonferenz dem Gold die beste Aussicht für eine weltweite Währungsharmonisierung zugesprochen. Dies führte über die Jahre in in den europäischen Staaten zum sogenannten Goldstandard, der sicherstellte, dass die ausgegebenen Banknoten jederzeit in Gold umgetauscht werden konnten (Vgl. North 2009, S.150).

Im Jahr 1873 führte Deutschland, zwei Jahre nach der Gründung des Deutschen Reichs, die Goldmark ein. Bereits im Jahr 1876 als die Reichsbank gegründet wurde fand der erste bargeldlose Zahlungsverkehr in Deutschland statt. Jedes Kreditinstitut in Deutschland besaß ein Konto bei der Reichsbank. Vertreter der Kreditinstitute trafen sich regelmäßig, um gesammelte Schecks und Überweisungen untereinander zu verrechnen. Die Ergebnisse dieser Abrechnungen wurden auf den Kontenbüchern der Reichsbank niedergeschrieben. Infolgedessen wurde in diesem Zusammenhang von Buchgeld gesprochen (Vgl. Insignitus 2014).

Der Goldstandard wurde in Deutschland zum Beginn des ersten Weltkriegs 1914 aufgelöst, um die für den Krieg notwendige Erhöhung der Geldmenge zu ermöglichen. Die Kriegskosten und die zu leistenden Reparationszahlungen überstiegen die Menge an Geld, die durch Gold gedeckt werden konnte. Geldscheine wurden ausgegeben ohne, dass für sie ein Gegenwert bestand, woraufhin die Mark immer weiter an Wert verlor. Es folgte im Jahr 1923 eine Hyperinflation. Für eine Goldmark musste zu dieser Zeit eine Billion Papiermark bezahlt werden (Vgl. Insignitus 2014).

Kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs im Jahr 1944 entstand durch das Bretton-Woods-System eine neue internationale Währungsordnung. Der Goldstandard sollte für alle Staaten, die diesem System beitraten über einen Umweg erfüllt werden. Sie konnten zu einer festgelegten Kursspanne ihre Währung gegen den Dollar tauschen. Dieser wiederum war teilweise mit Gold hinterlegt. Eine Feinunze Gold konnte zu einem festen Preis von 35 Dollar erworben werden (Vgl. Seidel / Koller 2014).

Ein Meilenstein in der Geschichte des Geldes war die erste Kreditkarte, die 1950 in den USA auf den Markt kam. Damals konnte man mit dieser Kreditkarte in einer Reihe von amerikanischen Restaurants bezahlen. Im Laufe der Zeit akzeptierten immer mehr Geschäfte die Kreditkarte, die bereits 1956 in Deutschland eingeführt wurde (Vgl. Insignitus 2014).

Für den nächsten großen Wandel der Geldgeschichte sorgte die Einführung des Internets. Im Oktober 1995 war es Kunden der Presidential Savings Bank in den USA erstmals möglich, ihre Geldgeschäfte online durchzuführen. Nach einer Statistik des Eurostat aus dem Jahr 2016 nutzten 53% der Deutschen Online-Banking. Spitzenreiter in dieser Statistik ist Dänemark, wo 88% der Bevölkerung ihre Bankgeschäfte online abwickelt (Vgl. Brandt 2017).

2.2 Funktionen des Geldes

In einer modernen Volkswirtschaft, die aus dem Tauschhandel und einer Arbeitsteilung hervorgeht, werden dem Geld drei Hauptfunktionen zugesprochen:

Funktion des Tauschmittels: Da nicht alle Naturalien, die als Tauschmittel eingesetzt werden, optimale Geldeigenschaften besitzen, sind Tauschgeschäfte mit Schwierigkeiten verbunden. Etwa wenn der Transport des Tauschmittels aufwendig ist oder das Naturalgeld keine Stückelung zulässt. Dabei spielen auch die Assoziationen die durch das Naturalgeld aufkommen eine Rolle. Denn nicht alle Tauschpartner sehen in Naturalgeld wie beispielsweise Muscheln, Metallen oder Gewürzen einen Wert, für den es sich zu tauschen lohnt. Ein erfolgreiches Tauschgeschäft verlangt von beiden Parteien eine Tauschbereitschaft. Diese sogenannte doppelte Übereinstimmung der Bedürfnisse erschwert das Zustandekommen eines Tauschgeschäftes (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.12). Generell gilt, je mehr Güter und Dienstleistungen in einem Wirtschaftssystem angeboten werden, desto mehr Tauschmöglichkeiten existieren. Damit einher geht ein erhöhter Aufwand bei der Suche nach einer doppelten Übereinstimmung, die zur Realisierung des Tauschgeschäfts führt (Vgl ebenda). Das Geld als dominantes Gut das vom Wirtschaftssystem akzeptiert wird, vereinfacht den Gütertausch und mindert die Transaktionskosten (Vgl. Gischer et al. 2012, S.4). Die Problematik der doppelten Übereinstimmung der Bedürfnisse wird eliminiert. Das Tauschgeschäft wird in zwei Schritte aufgeteilt: Gut X wird gegen Geld getauscht, um anschließend Geld wieder gegen Gut Y zu tauschen (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.12).

Funktion der Recheneinheit: Eine universelle Vergleichbarkeit der Werte im reinen Gütertausch ist sehr aufwendig zu gestalten. In einer Ökonomie mit Millionen Produkten und Dienstleistungen müsste für jedes Produkt eine Vielzahl von Preisen ausgegeben werden. Eine Packung Butter würde beispielsweise einer halben Schachtel Zigaretten, oder einem Kilo Bananen entsprechen. Diese Tauschrelation müsste für Tauschpaare angegeben werden. Bei drei Produkten auf dem Markt entstehen 3 Preise, während bei 30 Produkten bereits 435 Preise entstehen. Geld schafft mit der Funktion als Recheneinheit eine Vergleichbarkeit der Güter. Das Geld dient als Bezugsgröße, mit der Waren bewertet und addiert werden können. Dabei kommt ein Gut mit genau einem Preis aus (Vgl. Gischer et al. 2012, S.4; Berentsen / Schär 2017, S.14; Brandl 2015, S.44).

Funktion als Wertspeicher: Geld fungiert als Wertspeicher für Personen des Wirtschaftssystems, die mehr Geld einnehmen, als sie ausgeben. Genau genommen wird durch das Geld ein Versprechen gespeichert, dieses zu einem späteren Zeitpunkt gegen Güter und Dienstleistungen eintauschen zu können. Viele Formen des Naturalgelds haben die Eigenschaft verderblich zu sein, weshalb sie nicht als Wertspeicher geeignet sind. Die Aufbewahrungsfunktion des Geldes bietet den Menschen einer Volkswirtschaft die Möglichkeit, für größere Investitionen zu sparen. Spareinlagen schaffen Sicherheit gegenüber unvorhergesehenen Ausgaben (Vgl. Gischer et al. 2012, S.4; Berentsen / Schär 2017, S.15f).

2.3 Eigensschaften des Geldes

Alle drei Grundfunktionen des Geldes setzten die Erfüllung wichtiger Eigenschaften voraus, die nachfolgend erklärt werden:

Homogenität: Geldeinheiten müssen untereinander homogen, das heißt, bei gleichem Nennwert konvertibel sein. Beispielsweise besitzen zwei 10 €-Scheine den gleichen Wert wie ein 20 €-Schein. Ebenso verfügt ein 50 €-Schein der bereits 10 Jahre im Umlauf ist über denselben Wert wie ein 50 €-Schein, der lediglich 1 Jahr im Umlauf ist (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.16).

Haltbarkeit: Um als Wertspeicher zu dienen, darf ein Zahlungsmittel nicht verderblich sein. Insbesondere Nahrungsmittel eignen sich nicht als universelles Tauschgut. Als Wertspeicher empfehlen sich zudem Güter, die geringe Lagerkosten verursachen (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.16).

Transaktionsfähigkeit: Die Übertragung von Eigentum sollte mit dem Tauschmittel ohne Barrieren möglich sein. Dies gilt insbesondere bei der physischen Übertragung von Tauschmitteln. Sind sie schwer und unhandlich, können sie nicht ohne größeren Aufwand bewegt werden. Anfallende Transaktionskosten sollten gering sein, damit das Tauschmittel nicht seine Akzeptanz verliert. Zudem ist eine Wertanlage nur sinnvoll, wenn zu einem späteren Zeitpunkt deren Transaktionsfähigkeit bzw. Liquidierbarkeit gegeben ist (Vgl. ebenda).

Teilbarkeit: Eine Stückelung der Geldeinheit ist von großer Bedeutung, damit Tauschgeschäfte getätigt werden können. Im Supermarkt sorgt beispielsweise das Wechselgeld für einen reibungslosen Zahlungsverkehr. Da Geldscheine oder Münzen nicht direkt teilbar sind, muss die Kasse über ausreichend Wechselgeld in kleinen Stückelungen verfügen (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.16).

Wertstabilität: Ohne eine Stabilität der Kaufkraft können die Funktionen des Geldes nicht erfüllt werden. Erhöht sich die Kaufkraft des Tauschmittels im Zeitverlauf signifikant, sind Menschen nicht gewillt dieses in Umlauf zu bringen. Sie nutzen es als Wertspeicher. Nimmt die Kaufkraft des Tauschmittels im Zeitverlauf ab, verliert es als Wertspeicher nach und nach seine Bedeutung. Bei einer starken Volatilität des Zahlungsmittels geht dessen Funktion als Recheneinheit verloren. Der Markt müsste bei einer starken Volatilität ständig seine Güterpreise anpassen, woraufhin die Käuferschaft verunsichert wird (Vgl. ebenda).

Verifizierbarkeit: Das Tauschmittel muss eine Verifizierbarkeit aufweisen, d.h. seine Echtheit muss bewiesen werden können. Bedeutsam sind dabei Sicherheitsmerkmale, mit denen eine Fälschung identifiziert werden kann. Wäre ein Tauschmittel einfach zu fälschen, wäre dessen Werterhalt gefährdet (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.16).

Seltenheit / Wert: Ist ein Gut in nahezu unbegrenzter Menge vorhanden besteht keine Notwendigkeit, dieses im Handel als Tauschmittel zu nutzen. Gold steht in der Geschichte des Geldes stellvertretend für ein seltenes Gut. Aufgrund der Seltenheit und der hohen Nachfrage wird Gold ein hoher Wert zugeschrieben. Zudem gilt Gold als Ressource die nicht vermehrbar ist. Die Funktion als Wertspeicher werden nur solche Güter haben, denen ein Wert zugerechnet werden kann (Vgl. ebenda).

2.4 Werttheoretische Grundlagen

Welchen Wert eine Geldeinheit besitzt hängt von mehreren Faktoren ab, die nachfolgend genauer erläutert werden. Dabei sind drei wesentliche Elemente zu nennen: Der Fundamentalwert, das Zahlungsversprechen und das Vertrauen in die Geldeinheit.

Unter dem Fundamentalwert bzw. inneren Wert wird der materielle Eigenwert des Tauschmittels verstanden. Der innere Wert beschreibt den Nutzen, der sich durch den Konsum bzw. Besitz der Ware ergibt. (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.17). Dieser beträgt bei Papier- und Münzgeld nur wenige Cent, während Gold oder Silber im Vergleich dazu einen sehr hohen Fundamentalwert besitzen. Der Euro ist beispielsweise ein unterwertiges Geld, da dessen Nennwert stets unter dem Materialwert liegt. Als vollwertiges Geld ist die Kurantmünze zu nennen, da ihr Nennwert gleich ihrem Materialwert entspricht. Liegt der Nennwert einer Münze unter ihrem Materialwert wird von einer Scheidemünze gesprochen (Vgl. Asche Magazin; von Heintze 2006, S.51).

Das Zahlungsversprechen ist nicht körperlich an ein Zahlungsmittel gebunden. Beispielhaft hierfür ist das Guthaben einer Privatperson auf dem Girokonto einer Bank. Das Guthaben ist nichts anderes als ein Zahlungsversprechen der Bank, dieses der Privatperson im Bedarfsfall in Form von Bargeld auszuzahlen. Die Privatperson hat eine Forderung gegenüber der Bank, während die Bank eine Verbindlichkeit gegenüber der Privatperson hat. Auch Gutscheine bei Restaurants oder Kaufhäusern sind Zahlungsversprechen. Ist das Restaurant bankrott und nicht in der Lage den Gutschein zu begleichen, entfällt das Zahlungsversprechen komplett (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.18f).

Das Geld im heutigen Wirtschaftssystem ist nicht durch Goldreserven gedeckt. Mit der vollständigen Verabschiedung der USA von der Golddeckung des US-Dollars 1971 verschwand der Goldstandard endgültig (Vgl. North 2009, S.228). Der Wert des Geldes stützt sich seither allein auf Vertrauen. Allein der Glaube der Bürger und Unternehmen, für ihr Geld in Zukunft Waren und Dienstleistungen zu erhalten rechtfertigt dessen Wert (Vgl. Handelsblatt 2018; Hellwig 2017).

2.5 Geldformen

Im Laufe der Geschichte entstanden drei bedeutsame Geldformen, die im Folgenden näher erläutert werden.

Warengeld: Diese Form des Geldes besitzt immer einen materiellen Wert und einen stofflichen Nutzen, sei es als Schmuck, Nahrungsmittel oder Werkzeug. In Warengeld ist somit ein Fundamentalwert enthalten. Beispiele für Warengeld aus historischer Sicht sind Gewürze, Stoffe, Zigaretten oder Metalle. Auch Vieh und Getreide wurden getauscht, obgleich ihre Eigenschaften als Tauschmittel nicht optimal sind (siehe Eigenschaften von Geld).

Kreditgeld: Unter Kreditgeld wird ein Zahlungsversprechen verstanden, das ein gewisses Vertrauen voraussetzt. Die Leistung muss für das Kreditgeld erst in der Zukunft erbracht werden. Ein Geschenkgutschein, der im Warenhaus gekauft wird muss sofort bezahlt werden, während die Leistung erst beim Einlösen des Gutscheins erbracht wird. Jedes Darlehen einer Bank an eine Privatperson oder ein Unternehmen ist Kreditgeld. Für die Bank spielt das Vertrauen des Kreditnehmers eine große Rolle bei der Kreditvergabe. Je geringer das Eigenkapital und die Einkünfte des Kreditnehmers sind, desto mehr Zinsen muss der Kreditnehmer bezahlen. Die Bank verlangt für höheres Risiko zur Kompensation höhere Zinsen (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.19).

Fiatgeld: Der Begriff „Fiat“ ist vom lateinischen „fiat lux“ abgeleitet, was so viel heißt wie „es werde Licht“ – ein bekanntes Zitat aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Fiatgeld würde - wörtlich übersetzt - „es werde Geld“ heißen (Vgl. Sixt 2017, S.50). Die Übersetzung beschreibt sehr deutlich, wie Fiatgeld entsteht. Es wird von Zentralbanken quasi aus dem Nichts erschaffen. Dabei ist das Geld nicht durch Rohstoffe wie Gold oder Silber gedeckt und besitzt somit keinen Fundamentalwert. Staatliche Währungen wie der Franken, der Euro oder der US-Dollar sind Fiatgeld. Dieses Geld wird vom Staat gesetzlich als Zahlungsmittel vorgeschrieben. Die Zentralbanken der Staaten haben das exklusive Recht, Banknoten zu drucken und Münzen zu prägen (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.20). Im Euro-Währungsgebiet arbeiten die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken bei der Produktion des Bargelds zusammen. Über das jeweilige Produktionsvolumen der nationalen Zentralbanken entscheidet die EZB (Vgl. EZB). Hauptaufgabe der Zentralbanken ist es, die Wertstabilität der Währung und somit des Fiatgelds zu gewährleisten (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S.20). Das Fiatgeld ist gemessen an der langen Historie des Geldes eine sehr junge Geldform. Sie entstand nachdem 1971 die Golddeckung in den USA aufgehoben wurde. Dies führte dazu, dass andere Staaten, die ihre Währung mit dem US-Dollar im sogenannten Bretton-Woods-Abkommen koppeln konnten, ebenfalls ihre indirekte Golddeckung verloren (Vgl. Sixt 2017, S.51).

2.6 Dynamiken des Zahlungssystems

Den meisten Menschen in den entwickelten Industrienationen ist nicht bewusst, wie das Geldsystem funktioniert, mit dem sie nahezu tagtäglich in Berührung kommen. Henry Ford beschreibt dieses Phänomen wie folgt: „It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning“. Nachfolgend sollen die Mechanismen erklärt werden, die zur Geldschöpfung führen. Zusätzlich soll auf die Dynamiken des Finanzsystems eingegangen werden.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Geldschöpfung. Sie kann kompetitiv oder monopolistisch erfolgen. Das Schürfen von Gold wird als kompetitive Geldschöpfung betrachtet, da prinzipiell jeder daran teilnehmen kann. Dabei muss abgewogen werden, ob die aufzubringenden Kosten es lohnenswert machen, Gold zu schürfen. Übersteigen die Kosten der Produktion den Ertragswert des Goldes, wird diese auf lange Sicht eingestellt (Vgl. Berentsen / Schär 2017, S. 23ff).

Bei der monopolistischen Geldschöpfung hat allein eine zentrale Instanz die Erlaubnis, Geld in Umlauf zu bringen. Aus dieser Machtposition geht große Verantwortung hervor, da diese zentrale Instanz – in der Europäischen Währungsunion ist es die EZB – einen aktiven Einfluss auf die sich im Umlauf befindende Geldmenge hat (Vgl. Gischer et al. 2012, S. 43f).

Der Begriff der Geldschöpfung kann irreführend sein, da bei der Geldschöpfung gleichzeitig eine Kreditschöpfung stattfindet. Beteiligt am Geldschöpfungsprozess sind neben den Geschäftsbanken die Zentralbanken. Gesamtwirtschaftlich betrachtet steigt die Geldmenge, wenn Geschäftsbanken an Privatpersonen oder Unternehmen Kredite vergeben (Vgl. ebenda, S.65).

Für die Kreditvergabe werden nicht die Einlagen der Sparer weitergereicht, sondern das Geld entsteht sprichwörtlich aus dem Nichts. In der Bilanz der Bank erhöht sich dabei die Aktiv- und die Passivseite, was Bilanzverlängerung genannt wird. Beispielsweise verlangt ein Kunde A bei einer Bank X nach einem Kredit von 1000 €. In der Bilanz wird auf der Aktivseite eine Forderung von 1000 € gegenüber dem Kreditnehmer vermerkt. Auf der Passivseite erhöht sich die Sichteinlage des Kreditnehmers um 1000 €. Diese Sichteinlage stellt gleichzeitig eine Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Kreditnehmer dar. Dementsprechend sind Forderungen und Verbindlichkeiten der Bank im gleichen Umfang gestiegen (Vgl. Bundesbank 2018a).

Mit der gleichen Systematik nehmen Geschäftsbanken Kredite bei der Zentralbank auf, um beispielsweise ihren Bargeldbedarf zu decken. Die Zentralbank ist sozusagen die Bank der Banken. Verlangt eine Geschäftsbank bei der Zentralbank nach einem Kredit, wird auf dem Konto, das die Geschäftsbank bei der Zentralbank hält, eine Sichteinlage gutgeschrieben. In anderen Worten ausgedrückt, die Zentralbank erschafft Geld. Bei der entstandenen Sichteinlage handelt es sich um Zentralbankgeld, das sich die Geschäftsbank jederzeit in bar auszahlen lassen kann. Infolge der Auszahlung kommen Werttransportunternehmen zum Einsatz, die das Bargeld sicher von der Zentralbank zur Geschäftsbank bringen.

Das gesamte sich im Umlauf befindende Bargeld ist Zentralbankgeld und unterscheidet sich vom Buchgeld der Geschäftsbanken (Vgl. Bundesbank 2018b). Denn Bargeld, genauer die Banknoten, sind in der EU-Währungsunion das einzige gesetzliche Zahlungsmittel ohne Beschränkung. Die Annahmepflicht bei Münzen dagegen ist auf 50 Stück pro Zahlung beschränkt (Vgl. Bundesbank 2018c). Das Buchgeld, auch Giralgeld genannt, ist im Gegensatz zu den Banknoten kein gesetzliches Zahlungsmittel. Trotzdem wird es allgemein als Zahlungsmittel akzeptiert, auch wenn es für Kontoinhaber lediglich ein Zahlungsversprechen der Bank darstellt. Im Euroraum lag 2017 die Gesamtmenge des Buchgelds, auf das Sparer täglich zugreifen konnten, bei 6.384 Milliarden Euro. Das Gesamtvolumen des sich im Umlauf befindenden Bargelds betrug 1.092 Milliarden Euro (Vgl. Bundesbank 2018d).

Im Zuge der Geldschöpfung stellt sich die Frage, wozu die Bank Einlagen von Sparern oder Kredite von anderen Banken benötigt, wenn sie doch für die Kreditvergabe das Geld durch eine Bilanzverlängerung einfach erzeugen kann.

Um zurück auf das Beispiel zu kommen: Die Bank X vergibt an Kunde A einen Kredit in Höhe von 1000 €, wodurch die umlaufende Geldmenge um 1000 € zunimmt. Nun benötigt der Kunde A diese 1000 € für die Anschaffung eines neuen Sofas. Er überweist die 1000 € von seinem Konto auf das Konto eines Möbelhauses Y der Bank Z. Die Bank X hat nun auf der Aktivseite (Mittelverwendung) immer noch Forderungen in Höhe von 1000 € an Kunde A. Auf der Passivseite (Mittelherkunft) jedoch ist das Geld vom Konto des Kunden A verschwunden. Im besten Fall wäre das Konto des Möbelhauses Y ebenfalls auf der Bank X, wodurch kein Handlungsbedarf bestände. Da das Geld jedoch auf ein Kundenkonto der Bank Z wanderte, muss Bank X den Kredit „refinanzieren“. Sie hat beispielsweise die Möglichkeit mit einem attraktiven Zins für Sparer zu werben. Diese könnten dann mit ihrem Geld eine langfristige Spareinlage von 1000 € schaffen und der Kredit wäre refinanziert. Ein weiterer Weg wäre die Aufnahme eines täglich fälligen Kredits in Höhe von 1000 € bei der Bank Z, die aufgrund der Sichteinlage des Möbelhauses Y bereit ist, diesen zu gewähren. Dadurch ständen den Forderungen in Höhe von 1000 € an Kunde A auf der Aktiva, 1000 € Verbindlichkeiten an Bank Z gegenüber. Die Bank X kann dadurch ihre Bilanz ausgleichen und hat den Kredit an Kunde A erfolgreich refinanziert. In diesem Beispiel erhöhte sich die umlaufende Geldmenge aufgrund der Geldschöpfung durch Bank X um 1000 €, die auf das Konto des Möbelhauses bei der Bank Z flossen. Die tausendfache Vernetzung der Banken, die Kredite gewähren und Sparkonten anbieten sowie die Zinszahlungen die in der Realität anfallen, wurden für dieses Beispiel zur Vereinfachung ausgeklammert (Vgl. Bundesbank 2018a).

Um zurück auf die Frage zu kommen, warum Banken Spareinlagen benötigen, kann zusammenfassend gesagt werden, dass sie dadurch einerseits Kredite refinanzieren können und andererseits Spareinlagen für Banken eine Verringerung des eigenen Liquiditätsrisikos darstellen, da der Kunde das Recht abtritt, jederzeit auf das Guthaben zugreifen zu können. Mit diesem Geld kann die Bank frei verfügen und dieses beispielsweise an der Börse in Aktien investieren (Vgl. Bundesbank 2018a). Anders ausgedrückt: „[…] im Rahmen eines „risikogeleiteten“ Rentabilitätskalküls ist dies für die Bank ein geldwerter Vorteil, weshalb sie bereit ist, dem Kunden einen Zins auf seine Spareinlage zu zahlen […]“ (Bundesbank 2018a).

Eine weitere Möglichkeit der Buchgeldschöpfung von Geschäftsbanken bietet der Ankauf von Vermögenswerten. Der Vermögenswert wird auf der Aktivseite vermerkt, während sich auf der Passivseite das Guthaben des Verkäufers erhöht. Auch in diesem Fall handelt es sich um eine Bilanzverlängerung.

Zusätzlich kann Geld auch im Passivtausch von Nichtbanken geschaffen werden, wenn sie ihre langfristigen Spareinlagen in täglich abrufbare Sichteinlagen tauschen. Der Grund hierfür kann sein, dass die Kunden ihre Liquidität verbessern wollen. Langfristige Spareinlagen, die nicht zur Geldmenge gezählt werden, sind durch den Passivtausch zur Geldmenge umgewandelt worden (Vgl. Bundesbank 2017, S.20).

Bei der Geldschöpfung von Buchgeld darf nicht vergessen werden, dass es ebenso auch vernichtet werden kann. Dies geschieht im einfachsten Fall, wenn Kreditnehmer ihre Schulden tilgen, wodurch ihr Guthaben und gleichzeitig die Forderung der Bank vermindert werden. Zudem kann die Bank ihre gekauften Vermögenswerte wieder verkaufen, wodurch ebenfalls eine Geldvernichtung stattfindet (Vgl. Bundesbank 2017, S.23).

Um die Ausweitung der Geldmenge zu begrenzen sind die Kreditinstitute angehalten, bei der Zentralbank eine Mindestreserve zu hinterlegen, die sich restriktiv auf die Geldschöpfung auswirkt. Diese Mindestreserve bzw. das Mindestreserve-Soll einer Geschäftsbank ist das Produkt aus Reservesatz und der Mindestreservebasis. Der Reservesatz liegt aktuell bei 1 % (Vgl. Bundesbank 2018e). Unter die Mindestreservebasis fallen alle Einlagen von Nichtbanken mit einer Laufzeit von unter 2 Jahren. (Vgl. Gischer et al. 2012, S.282).

Weitere restriktive Faktoren der Geldschöpfung bilden die Bargeldhaltungsquote und die Eigenkapitalanforderungen der Geschäftsbanken bei risikobehafteten Kreditgeschäften. Mit steigenden Kundeneinlagen muss die Bargeldhaltungsquote erhöht werden, um zu gewährleisten, dass Bargeld jederzeit ausgezahlt werden kann (Vgl. ebenda, S.71).

Im Jahr 2010 wurden vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht strengere Vorschriften für die Eigenkapitalanforderungen der Geschäftsbanken beschlossen. Das Regelwerk Basel III umfasst Forderungen an eine Erhöhung der Eigenkapitalquote und deren Qualität. Basel III kann als direkte Antwort auf die Finanzkrise 2007 gewertet werden. Diese hatte Schwächen der bisherigen Regulierungsmaßnahmen nach Basel II offenbart (Vgl. Bundesbank 2018f).

Die folgenden Schaubilder verdeutlichen die Geldmengenausweitung in der Eurozone über die letzten Jahrzehnte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vergleich BIP und Geldmenge in der Eurozone (Eigene Darstellung, Daten entnommen aus: Eurostat; Federal Reserve Bank of St. Louise)

Während das Bruttoinlandsprodukt der 19 EU-Währungsländer nahezu einen linearen Wachstumsverlauf aufweist, ist bei der Geldmenge ein exponentieller Trend zu erkennen.

Bei einer Vergrößerung der Zeitspanne wird das exponentielle Wachstum der Geldmenge deutlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entwicklung der Geldmenge im Euro Raum (Tagesgeldvergleich)

Die Grafik zeigt einen exponentiellen Verlauf der aggregierten Geldmenge im Euro- Währungsgebiet. Während die Geldmenge M1 täglich fällige Einlagen und Bargeld umfasst, enthält die Geldmenge M2 neben M1 zusätzlich Einlagen mit einer bis zu 2 jährigen Laufzeit und einer gesetzlicher Kündigungsfrist von bis zu 3 Monaten. Die Geldmenge M3 umfasst die Geldmengen M1, M2 sowie Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren (Vgl. Bundesbank 2018g).

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte entwickelte sich das Wirtschaftswachstum der Industrienationen weltweit nahezu linear mit einer Tendenz jährlich sinkender Wachstumsraten (Vgl. Bourcarde /Anschau, S.14). Auf der Gegenseite entkoppelt sich die Finanzwirtschaft zunehmend von der Realwirtschaft. Diese Entwicklung ist in Abbildung 1 zu erkennen. Lag die umlaufende Geldmenge der Eurozone 1995 noch deutlich unter dem Bruttoinlandsprodukt der Euro–Länder, ist 2017 das Gegenteil der Fall. Grund für das exponentielle Wachstum der Schulden und Vermögen ist unteranderem der Zinseszinseffekt. Dieser ist mitverantwortlich dafür, dass die Entwicklungen der Real- und Finanzwirtschaft auseinanderdriften. Eine Realwirtschaft kann nicht wie das Vermögen durch den Zinseszinseffekt exponentiell wachsen. Liegen die Zinssätze oberhalb des Wirtschaftswachstums, ist es für Unternehmen rentabler, Geld am Finanzmarkt zu verleihen, anstatt es in die Realwirtschaft zu investieren (Vgl. Bourcarde / Anschau, S.11ff).

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Ausweitung der Geldmenge durch Geldschöpfung tendenziell zu Investitionen und einer Erhöhung der Produktionsaktivität in einer Volkswirtschaft führt. Die Wirtschaft wird angekurbelt und die Weichen für ein Wachstum werden gelegt. Wird die Geldmenge übermäßig erhöht, kann dies zu einer Inflation führen, die gleichermaßen, Vermögen und Schulden durch Geldentwertung verringert (Vgl. Bundesbank 2018b).

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Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
Bitcoin und Blockchain-Technologie. Wie sinnvoll sind Kryptowährungen?
Autor
Jahr
2020
Seiten
81
Katalognummer
V497309
ISBN (eBook)
9783960957645
ISBN (Buch)
9783960957652
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transaktionssystem, Mining, Bitcoin, Wallets, Private Key
Arbeit zitieren
Ruben Altmann (Autor), 2020, Bitcoin und Blockchain-Technologie. Wie sinnvoll sind Kryptowährungen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497309

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