Die deutsch-britischen Beziehungen nach Ende des Ersten Weltkriegs


Hausarbeit, 2019
34 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nachkriegsdiplomatie? - Die Folgen der Konferenz von Versailles für Deutschland

3. Die Konferenzen ohne Teilnahme Deutschlands
3.1 Die Konferenz von San Remo
3.2 Entwicklungen der Reparationsfrage auf der Konferenz von Hythe
3.3 Eine vorläufige Reparationssumme - Die Konferenz von Boulogne

4. Die Konferenzen mit deutscher Teilnahme
4. 1 Die Vorbereitung der Konferenz von Spa
4.2 Die deutsche Delegation in Spa
4.3 Ein ähnliches Versailles? - Die Konferenz von Spa

5. Die Konferenz von Brüssel

6. Die Konferenz von Paris

7. Annehmen oder nicht? - Londoner Konferenz und das Ultimatum

8. Die Konferenzen von Cannes und Genua 1922 bis zur Ruhrbesetzung 1923
8.1 Ein deutsch-sowjetischer Vertrag - Die Konferenz von Genua
8.2 Die französische Ruhrbesetzung 1923

9. „Ein Silberstreifen an dem sonst düsteren Horizont“ - Der Dawes-Plan auf der Londoner Konferenz

10. Überwindung der deutschen Isolation – Locarno

11. Fazit

12. Quellenverzeichnis

13. Literaturverzeichnis

14. Akten

15. Internetlinks

1. Einleitung

„Heute morgen [sic!] wurde der Locarno-Pakt im Außenamt unterzeichnet. Ich bete, dieses Ereignis möge viele Jahre Frieden bedeuten. Warum nicht für immer?“ Diese Worte schrieb der britische König Georg V. (reg.1910-1936) am 01. Dezember 1925 in sein Tagebuch.1 Sieben Jahre nach dem Ersten Weltkrieg schien es für kurze Dauer eine europäische Friedensphase zu geben. Wie kam es dazu?

Im Jahr 1919 wurde nach dem Waffenstillstand vom November des Vorjahres ein Friedensvertrag von den Alliierten für Deutschland in Versailles ausgearbeitet. Das deutsche Kaiserreich war mit Österreich/Ungarn und weiteren wenigen Staaten als Mittelmächte verbündet und war einer der Verlierer des Ersten Weltkrieges. Ein entscheidender Punkt in dem Vertrag von Versailles war die Zahlung von finanziellen Reparationen und Sachleistungen. Da es diesbezüglich insbesondere zwischen den Alliierten Großbritannien und Frankreich immer wieder zu Streitigkeiten kam, wurde die Reparationsfrage auf verschiedenen Nachkriegskonferenzen erörtert, bis mit dem Dawes-Plan 1924 eine vorerst endgültige und wirtschaftssichere Lösung gefunden wurde.

Die Reparationen waren für Deutschland zwar wichtig, jedoch fast zweitrangig. In Artikel 231 des Versailler Vertrages wurde festgeschrieben, dass „Deutschland und seine Verbündeten als Urheber [des Ersten Weltkrieges] für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind“2. Diese moralische Schädigung war sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik der erst neu entstandenen Weimarer Republik geradezu demütigend. Deshalb war es entscheidend als gleichberechtigter Partner unter den anderen Staaten aufzutreten. Auf lange Sicht hin war das Ziel in den 1920 gegründeten Völkerbund einzutreten, um sich als friedlicher und diplomatischer Staat zu zeigen und zu beweisen. Realisiert wurde dies 1926 nach der Konferenz von Locarno vom Jahr 1925.

Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich das Verhältnis zwischen Deutschland als ein Verlierer nach dem Krieg und Großbritannien als einer der Siegermächte im Verlaufe der verschiedenen Nachkriegskonferenzen entwickelte. Dabei ist das deutsch-britische Verhältnis fast durchweg eingebettet in die europäischen Verhältnisse, allen voran in die deutsch-französischen Beziehungen.

2. Nachkriegsdiplomatie? - Die Folgen der Konferenz von Versailles für Deutschland

Am 18. Januar 1919 trafen sich im französischen Schloss zu Versailles die ehemaligen Alliierten des Ersten Weltkrieges (1914-1918), um einen Friedensvertrag für Deutschland auszuarbeiten. Das Datum und der Ort wurden von ihnen bewusst gewählt. An diesem Tag im Jahr 1871 fand mitten im Deutsch-Französischen Krieg (1870-1871) die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches im Spiegelsaal des Schlosses statt. Dabei wurde der preußische König Wilhelm I. (1861-1888) zum deutschen Kaiser ausgerufen. Das Schloss, welches einst dem Sonnenkönig gehörte3, war dadurch für die Franzosen mit preußischem Militarismus versehen worden.

Nach dem deutsch-französischen Krieg wurde Frankreich zu einer Zahlung von fünf Milliarden Goldfranc gezwungen und musste das wirtschaftlich bedeutsame Elsass-Lothringen an das neue deutsche Kaiserreich abtreten. Das Verhältnis der Siegermächte vom Jahr 1918 zu Deutschland war aber nicht nur dadurch entsprechend negativ geprägt. Deutschland sei der Hauptverantwortliche des Ersten Weltkrieges gewesen, so war die gängige Meinung der Alliierten, sodass die Verhandlungen gegenüber diesem revisionistischer Art waren.4

Es war insbesondere Frankreich, welches Deutschland nach diesem Krieg so hart wie möglich bestrafen wollte. Die Franzosen sahen in einem vorläufigen Vertrag für Deutschland so hohe Forderungen vor, dass selbst die anderen Alliierten zugaben, Deutschland könne diese nicht erfüllen.5 Die anderen ehemaligen Siegerstaaten gaben sich generell diplomatischer auf dieser Konferenz. Sie befürworteten die Bestrafung Deutschlands u.a. mit Reparationen, wollten aber keinesfalls ein Übergewicht Frankreichs auf dem europäischen Kontinent riskieren. Insbesondere Großbritannien war der Meinung, dass sich dadurch das europäische Mächtegleichgewicht in Gefahr befände. Im Wesentlichen waren die Briten bereits dadurch befriedet, als dass sie wieder eine konkurrenzlose Seemachtstellung einnehmen konnten.6

Am 28.06.1919 unterzeichneten der deutsche Reichsaußenminister Hermann Müller (1876-1931) und Reichsverkehrsminister Johannes Bell (1868-1949) der zweiten Weimarer Regierung den Versailler Vertrag. Im Wesentlichen sah dieser vier bedeutsame Bedingungen zur Erfüllung vor.7 In den Artikeln 31-117 wurde die Abgabe deutscher Gebiete an andere bzw. neugegründete Staaten (wie die Tschechoslowakei) aufgezählt. Darunter fielen neben den Kolonien wie Deutsch-Südwestafrika auch europäische Gebiete wie z.B. Elsass-Lothringen, das demnach erneut an Frankreich gelangte. Für Deutschland entfielen dadurch neben 73485 km2 Fläche mit insgesamt 7 325 000 Einwohnern wichtige Wirtschaftsgebiete. Das Saargebiet und Großstädte am Rhein wie Köln, Koblenz und Mainz wurden, so ursprünglich vorgesehen, bis 19358 bzw. vorläufig bis 1930 besetzt. Damit verbunden waren Besatzungskosten in Goldmark, die Deutschland an Belgien, Frankreich und die anderen oben genannten Alliierten zu zahlen hatte.

Im Rheinland wurde eine entmilitarisierte Zone errichtet, wonach Deutschland auf dem linken Rheinufer und nach einer 50 Kilometer langen neutralen Zone rechts des Rheins keine militärischen Streitkräfte, Stützpunkte und Befestigungen besitzen durfte. An diese Entmilitarisierung angeschlossen wurden in den Artikeln 160 bis 213 festgelegt, dass das Landheer nur aus 100 000 Mann bestehen darf und die Produktion und der Einsatz von U-Booten verboten wurde.

Die Artikel 231 bis 247 befassten sich mit den Wiedergutmachungen, die Deutschland zu leisten hatte. Der sogenannte Kriegsschuldartikel (Art. 231) war für Deutschland besonders demoralisierend. Darin wurde festgeschrieben, „daß [sic!] Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind […]“9. Gemäß Artikel 233 sollte ein sogenannter Wiedergutmachungsausschuss bis zum 01. Mai 1921 einen Gesamtbetrag festlegen und einen Vorschlag vorlegen, der die Bezahlungsmodalitäten in den darauffolgenden 30 Jahren regeln sollte. Devisen und Sachwerte, wie Kohle, mussten nach dem Artikel in Höhe von 20 Milliarden Goldmark geleistet und zugleich sollte die deutsche Handelsflotte an die Alliierten ausgeliefert werden.10 Weiterhin wurde für die Weimarer Republik neben Sachleistungen wie Kohle und Stahl, eine finanzielle Summe in Goldmark vorgesehen. Da die Summe der finanziellen Reparationen nicht geklärt werden konnte, wurde die Reparationsfrage als Hauptbestandteil der folgenden Konferenzen erörtert. Die deutsche Innen-, Wirtschafts-und Außenpolitik war bis 1924 (Dawes-Plan) mit dieser Geldfrage konfrontiert.

Die deutsch-britischen Beziehungen hatten 1919 nicht die günstigste Ausgangslage. Trotzdem lässt sich in Versailles die auf den Folgekonferenzen immer deutlich werdende britische Vermittlerrolle zwischen den Siegerstaaten und später zwischen Deutschland und den anderen Alliierten erkennen.

3. Die Konferenzen ohne Teilnahme Deutschlands

3.1 Die Konferenz von San Remo

Zwischen den ehemaligen Alliierten Großbritannien und Frankreich kam es nach dem Abschluss des Versailler Vertrages zu verschiedenen Reparationskonferenzen. Beide Teilnehmer waren sich uneinig über die endgültige finanzielle Summe, die Deutschland zu zahlen hatte. Ursprünglich sollte dieses Thema auf der vom 19.-26. April 1920 im italienischen San Remo stattfindenden Konferenz besprochen werden. Da sich dieses Problem vorerst nicht lösen ließ, wurde die finanzielle Reparationsfrage auf die übernächste Konferenz verschoben. Für weitere Konferenzen, so schlug der britische Premierminister David Lloyd George (1863-1945) in San Remo vor, sollte Deutschland als Teilnehmer zugelassen werden. Er argumentierte gegenüber Frankreich, dass Deutschland durchaus berechtigt sei, seine Ansicht bezüglich der Reparationskosten gegenüber den Alliierten vorzustellen und an einer Konferenz mit den Alliierten teilzunehmen.11 Lloyd Georges Ziel war es, die deutsche Kredit- und Zahlungsfähigkeit wieder herzustellen. Er verhandelte bezüglich eines Finanzierungsplans für Deutschland mit dem französischen Wirtschaftsminister Joseph Avenol (1879-1951). Darin wurde festgelegt, dass eine Minimalsumme an Reparationen pro Jahr gezahlt werden sollte.12 Eine vorläufige Summe wurde später in Boulogne festgelegt.

Lloyd George trat wie Frankreich als grundsätzlicher Gegner Deutschlands auf der ersten Reparationskonferenz auf und forderte ebenso große finanzielle Reparationssummen. Er legte jedoch die typische britische Vermittlungsdiplomatie an den Tag. Es war ihm gelungen Frankreich als Erbfeind Deutschlands zu überzeugen, dass eine Konferenz mit diesem als Teilnehmer zustande kommen sollte. Die Einsicht Großbritanniens, Deutschland als Teilnehmer einzuladen, war deshalb so geschickt, da dieses die bereits seit dem Wiener Kongress 1815 bestehende europäische „Balance of Power“ um jeden Preis erhalten wollte. Die Befürchtung von britischer Seite war, dass sich Frankreich insbesondere nach Osten ausdehnen könne und so eine erneute Hegemonialmacht werde.

Die deutsch-britischen Beziehungen waren zwar nach wie vor unverändert eher negativ geprägt, trotzdem gab es mit dieser Konferenz eine geringe, wenn auch indirekte diplomatische Annäherung an Deutschland. Der britische Vorschlag wurde im Juli 1920 bei der Konferenz von Spa in die Tat umgesetzt.

3.2 Entwicklungen der Reparationsfrage auf der Konferenz von Hythe

Frankreich und Großbritannien trafen sich u.a. wegen der deutschen Reparationsfrage zunächst im Mai 1920 im englischen Hythe, bevor sie nochmals im Juni im französischen Boulogne konferierten. Die Auswahl der Orte beruhte hierbei auf alliierter Gegenseitigkeit, sodass jeweils ein Staat Gast des anderen wurde.

In Hythe wurde beschlossen, dass eine Expertenkommission einen Mindestbeitrag der Reparation ermitteln soll, den Deutschland zahlen kann. Außerdem wurde erstmals festgelegt, dass die Alliierten verschiedene Prozentsätze bekommen sollten. Die genaue Festlegung der Summen wurde auch hier nochmals vertagt.13 Lloyd George hatte allerdings auf dieser Konferenz bereits einen Reparationsplan für die Deutschen ausgearbeitet. Darin festgeschrieben stand neben einem theoretischen Betrag, eine zusätzliche, sich nach der deutschen Wirtschaftskraft richtenden Summe. Dieser Plan war für den neuen französischen Ministerpräsidenten Alexandre Millerand (1859-1943) inakzeptabel und wurde demnach abgelehnt.14 Die Verhandlungen verzögerten sich deshalb erneut. Großbritannien bestand nochmals darauf, dass eine Konferenz mit Deutschland stattfinden müsse. Die Alliierten entschieden sich dafür nicht ohne Grund für das belgische Spa (siehe Kapitel 4).

Die Konferenz von Hythe hat in der Forschungsliteratur sehr wenig Aufmerksamkeit erfahren. In weiteren Quellen findet sich kaum etwas dazu, was der Plan von Lloyd George vorsah, wie hoch die Summen für Deutschland waren und ob dieser Plan annähernd wirtschaftlich realistisch ausgearbeitet war. Auch David Lloyd George selbst schrieb 1932 in seinem Werk „Die Wahrheit über Reparationen und Kriegsschulden“ nirgends von diesem Plan.

Die Konferenz von Hythe ist nur insofern ein Bestandteil der deutsch-britischen Beziehungen, als dass Großbritannien dem inzwischen erneut zweifelnden Frankreich eindeutig deutlich machte, dass eine Konferenz mit Deutschland notwendig sei. Der Nationalliberale Lloyd George zeigte hierbei großes Durchsetzungsvermögen, um den zunehmend konservativ werdenden französischen Ministerpräsidenten Millerand zu überzeugen. Erneut bewies sich britische diplomatische Verhandlungspolitik als durchsetzbar.

3.3 Eine vorläufige Reparationssumme - Die Konferenz von Boulogne

Im Juni 1920 trafen sich in Boulogne-sur-Mer neben Großbritannien und Frankreich auch die anderen ehemaligen Alliierten wie Griechenland (es war auf finanzielle Mittel von auswärtigen Mächten, wegen seiner misslichen Wirtschaftslage angewiesen), Belgien (das im ersten Kriegsjahr als neutrales Land von deutschen Soldaten betreten wurde, wonach Großbritannien in den Krieg einzog), Italien (ab 1915 auf alliierter Seite) und Japan (ebenfalls auf alliierter Seite).

Auf dieser Konferenz fertigten sie einen Zahlungsplan aus, der für die Konferenz von Spa im Juli 1920 vorgesehen war. Dieser sah für Deutschland eine Zahlung von 269 Milliarden Goldmark vor.15 Dabei sollte in einem Zeitraum von 42 Jahren diese finanzielle Leistung er-bracht werden und pro Jahr eine Zahlung von drei, aufsteigend bis zu sieben Milliarden Goldmark getätigt werden.16

Die Alliierten erwarteten ein akzeptables Angebot, das Deutschland Ihnen vorschlagen würde. Der Hauptdelegierte der britischen Reparationskommission John Bradbury (1872-1950) schlug daher nach der Konferenz dem Delegierten der deutschen Reparationskommission Carl Bergmann (1874-1935) vor, die Deutschen sollen für die nächste Konferenz ihre berechnete theoretische Reparationssumme wesentlich höher ansetzen, als es eigentlich vertretbar gewesen wäre. Der psychologische Kniff lag damit auf der Hand: Würde das Angebot der deutschen Seite höher sein, wäre die Chance geringer, dass die Alliierten es als inakzeptabel betrachten und zurückweisen würde.17 Erneut zeigte sich die britische Diplomatie im Gespräch als gelungen. Bradbury erteilte in dieser Problematik Bergmann persönliche Vorschläge. Damit bekam das Verhältnis zwischen den beiden Staaten eine persönliche Note, die zuvor nicht existierte. Von französischer Seite wäre das nicht zu erwarten gewesen, da diese bis 1923 eine enorme Aversion gegenüber Deutschland hatte.

Das Gespräch der beiden Diplomaten war das erste, welches die deutsch-britischen Beziehungen voranbrachte. Die Annäherung beider Staaten zeigte, dass die Briten durchaus bereit waren, Deutschland bei der vorläufigen Ausarbeitung eines für alle Seiten akzeptablen Reparationsplanes entgegenzukommen.

4. Die Konferenzen mit deutscher Teilnahme

4.1 Die Vorbereitung der Konferenz von Spa

Die bisherigen Konferenzen sind zwar indirekt Ansatzpunkte für die deutsch britischen Beziehungen, bedeutsamer und vor allem in der Forschungsliteratur sehr gut recherchiert worden ist aber die Konferenz von Spa. Sie gilt als die erste „wahre“ Reparationskonferenz, da bei ihr Deutschland als ehemaliger Gegner teilnahm. Trotzdem hatten hierbei die Deutschen nach wie vor unter den Alliierten keinen gleichberechtigten Stand. Lloyd George sah dennoch in dieser Konferenz die Gelegenheit zur Wiederherstellung des „wirtschaftlichen und politischen Friedens in Europa.“18 Für die Politiker der noch jungen Weimarer Republik (1919-1933/34) war das zwar eine Chance ihre Ansichten erstmals auf einer internationalen Konferenz zu repräsentieren, das Endergebnis war jedoch für die deutsche Delegation eher enttäuschend als zufriedenstellend.

Von deutscher Seite gab es bei den Vorbereitungen erhebliche Schwierigkeiten. Es fehlte in erster Linie an Persönlichkeiten, die mit Überzeugungskraft das bestmögliche für ihr Land herausholen konnten. Die Weimarer Republik stellte nach einem Jahr ihrer Gründung bereits die dritte Regierung. Diese sozialdemokratische Regierung bestand nicht einmal volle drei Monate (27.03.-21.06.1920). Vier Tage später kam eine erste Minderheitenregierung unter dem Zentrumspolitiker Constantin Fehrenbach (1852-1926) ins Amt. Sie war die erste Regierung seit Februar 1919, die aus tendenziell konservativeren Parteien, dem Zentrum, der Deutschen Volkspartei und der Deutschen Demokratische Partei, bestand. So ergaben sich klare Unterschiede gegenüber der vorigen Regierung hinsichtlich der Festlegung einer Reparationssumme für die folgende Konferenz.19 Das Auswärtige Amt tat sich demnach sehr schwer ein klares Reparationsangebot abzugeben, das alle politischen Akteure befrieden würde.

Die Deutschen waren insofern unsicher und verängstigt, als dass die Alliierten einem solchen Plan ablehnend gegenüberstehen könnten. Grund dafür wären die als indiskutabel eingestuften deutschen Leistungen gewesen, obwohl Deutschland hoffte beim liberalen Großbritannien auf Verständnis zu stoßen. Für die deutsche Seite war das Hauptargument gewesen, auf die schwierige wirtschaftliche Lage hinzuweisen. Die Politiker argumentierten weiterhin, dass aufgrund der anderen Bestimmungen des Versailler Vertrages (z.B. die militärische Abrüstung oder die Sachleistungsabgaben wie Kohle und Stahl) eine zusätzliche Belastung bestand, sodass an derart umfängliche Reparationsleistungen in finanzieller Hinsicht nicht zu denken war.

Die deutsche Delegation reiste schließlich mit drei Reparationsdenkschriften nach Spa, in denen es um die deutsche Zahlungsfähigkeit, Deutschlands Steuerbelastung und ein detailliertes Gutachten deutscher Wirtschaftsexperten und Sachverständiger über die Wirtschaftslage ging.20 Eine Erklärung an Frankreich und Belgien bezüglich geschätzter Schadensersatzsummen wurde bereits im Mai 1920 an die jeweiligen Regierungen gesendet. Darin wurde die Summe für Frankreich auf 7 319 240 00 und die für Belgien auf 2 187 992 000 Milliarden Goldmark geschätzt.21 Diese wurden von beiden Staaten abgelehnt und als zu niedrig eingestuft. Über weitere Summen sollte ursprünglich auf dieser Konferenz diskutiert werden. Das Thema der Sachleistungen überwog allerdings, sodass es keine Einigung bezüglich einer Reparationssumme gab.

[...]


1 zitiert aus: Nicolson, Harold: König Georg V, München 1954, S. 445.

2 vgl. http://www.documentarchiv.de/wr/vv08.html, zuletzt aufgerufen: 28.02.2019, 09 Uhr.

3 König Ludwig XIV.; lebte von 1638 bis 1715, regierte von 1643 bis 1715; vgl. https://www.paris360.de/magazin/ludwig-xiv-sonnenkoenig-frankreich, zuletzt aufgerufen: 18.02.2019, 19 Uhr.

4 Die wichtigsten Staaten waren neben Frankreich Großbritannien, Italien und die USA.

5 vgl. Graf Lambsdorff, Hans Georg: Die Weimarer Republik. Krisen-Konflikte-Katastrophen, Frankfurt 1990, S. 143.

6 vgl. Bertram-Libal, Gisela: Aspekte der britischen Deutschlandpolitik 1919-1922, in: Göppinger Akademische Beiträge (Hrsg.) Nr. 52, Göppingen 1972, S. 43.

7 Die Quellenlage zum Versailler Vertrag ist zu umfangreich, daher werden nur die wesentlichen Schwerpunkte für Deutschland aufgezählt, vgl.: Euler, Heinrich; Rönnefarth, Helmuth: Konferenzen und Verträge. Vertrags-Ploetz Band 4A 1914-1959, Freiburg im Breisgau 1959, S. 44.

8 Dieses wurde dem 1920 gegründeten Völkerbund zur Verwaltung gestellt und wurde nach 15 Jahren durch eine Volksabstimmung ans Deutsche Reich angegliedert.

9 zitiert aus: Euler, Heinrich; Rönnefarth, Helmuth: Konferenzen und Verträge. Vertrags-Ploetz Band 4A 1914-1959, Freiburg im Breisgau 1959, S. 44.

10 vgl. ebd. S. 42 ff.

11 vgl. Euler, Heinrich; Rönnefarth, Helmuth: Konferenzen und Verträge. Vertrags-Ploetz Band 4A 1914-1959, Freiburg im Breisgau 1959, S. 51.

12 vgl. Bertram-Libal, Gisela: Aspekte der britischen Deutschlandpolitik 1919-1922, in: Göppinger Akademische Beiträge (Hrsg.) Nr. 52, Göppingen 1972, S. 43.

13 Die Prozentsätze wurden im Zuge der Konferenz von Spa unter den Alliierten ausgehandelt, vgl. Euler, Heinrich; Rönnefarth, Helmuth: Konferenzen und Verträge. Vertrags-Ploetz Band 4A 1914-1959, Freiburg im Breisgau 1959, S. 52.

14 vgl. Bertram-Libal, Gisela: Aspekte der britischen Deutschlandpolitik 1919-1922, in: Göppinger Akademische Beiträge (Hrsg.) Nr. 52, Göppingen 1972, S. 44.

15 vgl. Euler, Heinrich; Rönnefarth, Helmuth: Konferenzen und Verträge. Vertrags-Ploetz Band 4A 1914-1959, Freiburg im Breisgau 1959, S. 52.

16 vgl. Bertram-Libal, Gisela: Aspekte der britischen Deutschlandpolitik 1919-1922, in: Göppinger Akademische Beiträge (Hrsg.) Nr. 52, Göppingen 1972, S. 44.

17 vgl. ebd.

18 zitiert aus: Bertram-Libal, Gisela: Aspekte der britischen Deutschlandpolitik 1919-1922, in: Göppinger Akademische Beiträge (Hrsg.) Nr. 52, Göppingen 1972, S. 45.

19 vgl. Krüger, Peter: Die Außenpolitik der Weimarer Republik, 2. Auflage, Darmstadt 1993, S. 104.

20 vgl. ebd.

21 vgl. Bergmann, Carl: Der Weg der Reparation. Von Versailles über den Dawesplan bis zum Ziel, Frankfurt am Main 1926, S. 60.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die deutsch-britischen Beziehungen nach Ende des Ersten Weltkriegs
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
34
Katalognummer
V497335
ISBN (eBook)
9783346018144
ISBN (Buch)
9783346018151
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik, Konferenzen, Verträge, Wirtschaft, Finanzen
Arbeit zitieren
Ferdinand Kämpfer (Autor), 2019, Die deutsch-britischen Beziehungen nach Ende des Ersten Weltkriegs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497335

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die deutsch-britischen Beziehungen nach Ende des Ersten Weltkriegs


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden