Klassifikation von Finanzderivaten


Hausarbeit, 2005

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung

2 Der Terminmarkt

3 Derivative Finanzprodukte
3.1 Optionen
3.2 Optionsscheine
3.3 Futures
3.4 Forwards
3.5 Swaps

4 Strategien mit Derivaten

5 Abschließende Bemerkungen

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

Finanzderivate sind Rechte, deren Preise unmittelbar oder mittelbar von der Entwicklung des Börsen- oder Marktpreises anderer Finanzprodukte (Basiswerte) abhängen. Solche Basiswerte können z.B. Wertpapiere, Indizes, Zinssätze oder Währungen ebenso wie landwirtschaftliche Erzeugnisse sein.[1] Derivate werden an organisierten Börsen und ebenfalls außerbörslich gehandelt, ihre gesetzliche Grundlage erhalten sie aus §2 Abs. 2 WpHG. Diese innovativen Finanzinstrumente werden von institutionellen und privaten Anlegern dazu genutzt, überproportional an den Kursbewegungen verschiedener Werte zu partizipieren. Sie haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen, heutzutage wird täglich eine breite Palette verschiedener Finanzderivate angeboten und die Banken überbieten sich täglich mit neuen Produkten und Kreationen.[2] Beim Handel von Derivaten nimmt Deutschland die weltweite Spitzenposition ein, im Jahr 2003 fand 66% des weltweiten Umsatzes (232 Mrd. €) von Optionsscheinen und Zertifikaten in der Bundesrepublik statt.[3]

Diese Arbeit liefert einen Einblick in die Entstehung und Funktionsweise des Terminmarktes, gibt einen Überblick über die verschiedenen Produkte und die damit verbundenen Chancen, Risiken, Rechte, Pflichten und Erwartungen der verschiedenen Vertragspartner und zeigt, welche Strategien die verschiedener Marktteilnehmer mit der Anlage in den Terminmärkten verfolgen.

2 Der Terminmarkt

Mit der Aufnahme des Handels an der Deutschen Terminbörse (DBT) im Jahr 1990 wurde in vielerlei Hinsicht Neuland betreten, da erstmals in Deutschland das Konzept einer überregionalen und voll computerisierten Börse realisiert wurde. Anbetracht der auf Sicherheit ausgelegten Mentalität der Deutschen gab es Bedenken, ob sich ein solches Projekt überhaupt durchsetzen kann. Nach einiger Aufklärungsarbeit weiß man jedoch heute, dass eine Terminbörse nicht mit einer Spielbank verglichen werden kann, wo Spekulanten ihr Geld setzen, es vermehren oder aber auch alles verlieren können. Strategisches Vorgehen ist gefragt und Risiken werden bewusst eingegangen oder übertragen.[4]

Die Geschichte von Geschäften, die eine Lieferung in der Zukunft zum Gegenstand haben, reicht weit in die Vergangenheit zurück, wahrscheinlich wurde der Terminhandel erstmals schon vor vielen Jahrhunderten in der Landwirtschaft vollzogen. Sogar im alten Griechenland gab es einen solchen Handel, schon Aristoteles bezeichnete eine Option als „finanziellen Kunstgriff, der ein Prinzip impliziert, das universale Anwendung findet.“ Im 12. Jahrhundert wurden auf europäischen Handelsplätzen Güter auf Termin verkauft, weitere Terminkontrakte gab es in Japan im 16. Jahrhundert, als die Bauern ihre Reisernten gegen Krieg und Witterung absicherten. Die ersten Optionen auf Waren gab es im 17. Jahrhundert in Holland, als Spekulanten den Markt für Tulpen entdeckten. Die älteste und größte Warenterminbörse ist die Chicago Board of Trade (CBoT), welche 1848 gegründet wurde.[5] Auch in Deutschland gab es eine Terminbörse für Waren in Berlin, jedoch wurde diese wegen der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren, für die die Spekulanten verantwortlich gemacht wurden, 1931 geschlossen und der Terminhandel auf landwirtschaftliche Produkte gesetzlich verboten.[6]

Im Gegensatz zu den Warentermingeschäften hatte der Handel mit Finanztermingeschäften erst in den siebziger Jahren seinen Durchbruch. Am 01.07.1970 wurden Aktienoptionen am deutschen Terminmarkt aufgenommen, in den USA startete der Handel im Jahr 1973. Zu dieser Zeit wiesen die Optionen jedoch keine Standardisierung auf und es gab keine funktionsfähige Terminbörse. Dieser Zustand änderte sich am 26.01.1990, als die DTB als erste voll computerisierte Börse in Deutschland eröffnet wurde.[7] Seit 1998 werden Geschäfte mit Optionen und Terminkontrakten über die European Exchange (EUREX) abgewickelt. Sie entstand aus der Fusion der deutschen, finnischen und schweizerischen Börse und im Jahr 2004 wurden hier mehr als 1,07 Milliarden Termingeschäfte abgeschlossen.[8] Optionsscheine, Optionen und sonstige Finanzderivate boomen heutzutage wie nie zuvor, täglich wird in diesem Bereich mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt.[9]

Mittlerweile werden Finanzderivate von einem immer breiter werdenden Spektrum von Marktteilnehmern genutzt, zu ihnen zählen Staaten, internationale Institutionen, Banken, Versicherungen, Pensionskassen, Investmentfonds und Privatanleger. Die Teilnehmer lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen, charakterisiert nach Zielvorstellungen. In einer groben Unterteilung spricht man daher von Risikomanagern (Hedgern), Spekulanten, Arbitrageuren und Market Makern.

Das Absichern von Kursrisiken ist der eigentliche Entstehungsgrund und die Existenzberechtigung der Terminbörsen. Risiken bestehen darin, dass das tatsächliche Ereignis von dem vorher erwarteten Ereignis negativ abweichen kann. Um eine bessere Grundlage für Planungen und Kalkulationen haben zu können, sind die Hedger daher bereit, die Risiken, die sich aus ihren Geschäftstätigkeiten ergeben, gegen ein bestimmtes Entgelt abzugeben. Zu dieser Gruppe gehören u.a. Portfoliobesitzer, Industriebetriebe, Banken, Farmer oder Großhändler.[10]

Bei der nächsten Gruppe handelt es sich um die Spekulanten, die meinen, den Markt und dessen Entwicklung richtig einschätzen zu können und daher bewusst eine Risikosituation eingehen. Marktteilnehmer mit spekulativen Absichten stellen die Gegenposition der Hedger dar und geben diesen somit erst die Möglichkeit, die Risiken zu fairen Preisen abzutreten und kalkulierbar zu machen. Auf der anderen Seite laufen sie natürlich Gefahr, die Marktenwicklungen falsch vorhergesagt zu haben und daher Verluste einzufahren.[11]

Andere Zielsetzungen verfolgen die Arbitrageure. Sie kaufen und verkaufen gleichzeitig die gleichen Werte an verschiedenen Handelsplätzen, um Preisanomalien für Profite auszunutzen. Im optimalen Fall beinhalten solche Geschäfte keinerlei Risiken, die anfallenden Transaktionskosten müssen jedoch sehr gering sein, um auch an minimalen Preisunterschieden gewinnbringend partizipieren zu können. Aus diesem Grund sind Arbitragegeschäfte zum größten Teil institutionellen Anlegern vorbehalten. Durch diese Ausnutzung der Kursunterschiede auf verschiedenen Märkten wird dafür gesorgt, dass eine Angleichung der Kurse erfolgt und es faire Marktpreise gibt.[12]

Die Market Maker stellen die vierte Gruppe dar. Da an den Börsen ein Mindestmaß von Liquidität garantiert werden muss, werden einige Händler zu Market Makern ernannt. Die Funktion dieser Marktteilnehmer ist es, jederzeit Kauf- und Verkaufskurse für einen bestimmten Wert zu stellen, damit in jeder Situation ein Handel stattfinden kann. Je illiquider der Markt ist, desto größer ist auch die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs (der sog. Spread), dies gilt es zu vermeiden.[13]

Bei der Charakterisierung von Handelsplätzen differenziert man zwischen Kassa- und Terminmärkten. Der Unterschied liegt in den verschiedenen Zeitpunkten des Erfüllungsgeschäfts: an Kassamärkten fällt das Zusammenführen von Geschäftsabschluss und Lieferung der Leistung valutagerecht auf den gleichen Zeitpunkt, bei Terminmärkten erfolgt die Erfüllung an einem festgelegten Termin in der Zukunft. Bei dem Handel mit Finanzderivaten wird weiter unterschieden, ob diese an organisierten Börsen gekauft und verkauft werden oder ob die Verträge individuell zwischen Vertragsparteien im sog. Over-the-Counter-Handel (OTC) vereinbart sind. Die an organisierten Börsen gehandelten Derivate sind sehr stark standardisiert, es gibt daher eine größere Liquidität und Transparenz am Markt. Es ist jedoch nicht möglich, individuelle Präferenzen zu berücksichtigen, wie es bei OTC-Geschäften der Fall ist. Hier werden die Kontrakte frei von Auflagen zwischen den Vertragspartnern vereinbart und es kann daher auf die individuellen Wünsche der Händler eingegangen werden.[14]

Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal ergibt sich aus der juristischen Form des Vertragsabschlusses. Beim OTC-Handel sind die Handelspartner auch gleichzeitig juristische Vertragspartner. Dies hat zur Folge, dass es zu schweren wirtschaftlichen Verlusten eines Partners kommen kann, falls sein Gegenüber bei Fälligkeit nicht in der Lage ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Aus diesem Grund ist eine gegenseitige Kreditwürdigkeitsprüfung bei dieser Form von Termingeschäften unverzichtbar.[15] Bei einem Handel über die Börse hingegen sind nicht die Handelspartner juristische Vertragsperson, sondern die Börse selbst oder deren Abwicklungsstelle (Clearing). Jeder der beiden Handelspartner schließt demzufolge juristisch einen Vertrag mit der Börse ab, für die Erfüllung der Verpflichtungen haftet dann die Börse mit einem Sicherungsfonds. Die Kreditwürdigkeit von Käufer und Verkäufer spielt daher nur eine untergeordnete Rolle.[16]

3 Derivative Finanzprodukte

Derivate sind grundsätzlich Termingeschäfte, deren gemeinsames Merkmal das zeitliche Auseinanderfallen von Vertragsabschluss und Vertragserfüllung ist.[17] Zu unterscheiden sind bedingte und unbedingte Termingeschäfte. Bei unbedingten Geschäften (z.B. Futures, Forwards und Swaps) besteht für die Handelspartner eine bindende Erfüllungsverpflichtung, sowohl Käufer als auch Verkäufer müssen ihrer Liefer- bzw. Abnahme- und Zahlungsverpflichtung nachkommen. Bei bedingten Termingeschäften (Optionen und Optionsscheine) hingegen hat der Käufer die Wahl, das Geschäft auszuüben oder es verfallen zu lassen.[18] Die fünf gängigsten derivativen Finanzprodukte sollen nun in den nächsten Abschnitten näher erläutert werden.

3.1 Optionen

Eine Option ist ein bedingtes Termingeschäft und beschreibt das Recht, aber nicht die Pflicht, eine bestimmte Anzahl eines Basiswerts (Underlying) zu einem vorher fest vereinbarten Preis (Strike) bis zu einer festgelegten Frist (Verfallstag) zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).[19] Heutzutage werden an den Finanzmärkten Optionen auf Aktien, Indizes, Währungen, Anleihen und Rohstoffe ebenso wie Optionen auf Nahrungsmittel, elektrischen Strom und sogar das Wetter gehandelt. Man unterscheidet generell amerikanische und europäische Optionen. Amerikanische Optionen können jederzeit während der Laufzeit ausgeübt werden, Europäische nur am Verfallstag. Dies beeinflusst den Wert der Option und macht amerikanische Optionen teurer als europäische Optionen. Neben diesen beiden Grundformen (Plain-Vanilla-Options) existiert noch eine Vielzahl von nicht standardisierten Optionstypen, die „exotische“ Optionen genannt werden.[20] Im weiteren Verlauf der Arbeit werden jedoch nur die standardisierten Plain-Vanilla-Options behandelt.

Aus dem Optionsgeschäft ergeben sich für beide Vertragspartner unterschiedliche Rechte und Pflichten sowie Chancen und Risiken. Der Erwerber der Option (Long Call bzw. Long Put) zahlt den Optionspreis an sein Gegenüber (Stillhalter) und erhält dafür die Möglichkeit, die Option auszuüben, sie während der Laufzeit zu veräußern oder sie verfallen zu lassen.[21] Der Stillhalter (Short Call bzw. Short Put) erhält die Optionsprämie und verpflichtet sich im Gegenzug, bei Fälligkeit die Basiswerte zu liefern (Pflicht des Stillhalters beim Call) oder zu kaufen (Pflicht des Stillhalters beim Put).[22] Investoren haben grundsätzlich unterschiedliche Erwartungen bzgl. der Kursentwicklung des Basiswertes (Underlying) und setzen darauf, den Markt korrekt einschätzen zu können. Demnach erwartet der Besitzer eines Calls steigende Kurse, der Put-Inhaber rechnet mit fallenden Kursen.[23] Bei richtiger Einschätzung kommt es durch die (unter Punkt 3.2.2. genauer erläuterte) Hebelwirkung zu überproportionalen Gewinnen, bei falscher Prognose kann dies aber auch zu erheblichen Einbußen führen. Je nach Grundposition des Optionsgeschäfts (Long/Short Call, Long/Short Put) sehen Chancen und Risiken der Vertragspartner unterschiedlich aus, es reicht von der unbegrenzten Gewinnchance bis hin zu Totalverlust[24]

Aus der Logik ergibt sich, dass eine Ausübung der Option nur dann sinnvoll ist, wenn der aktuelle Kurs des Basiswertes über (beim Call) bzw. unter (beim Put) dem vereinbarten Bezugspreis liegt.[25] In diesem Zusammenhang muss auch der sog. Break-Even-Point erläutert werden. Dieser bezeichnet dasjenige Kursniveau, welches der Basiswert erreichen muss, damit der Anleger unter Berücksichtigung seiner gezahlten Optionsprämie einen mindestens verlustfreien Bezug des Underlying durchführen kann.[26]

Neben Laufzeit, Ausübungsart, Strike und Basiswert ist das Bezugsverhältnis (BV) ein weiteres wichtiges Merkmal. Es gibt an, wie viele Optionen gebraucht werden um eine Einheit des Basiswertes zu erwerben. Ein BV von 10:1 bedeutet z.B., dass der Inhaber zehn Papiere benötigt, um den Basiswert einmal zum Strike beziehen zu können. Bei den meisten Optionen komm es jedoch im Bezugsfall nicht zur körperlichen Lieferung des Basiswerts, es findet häufig ein sog. Barausgleich (Cash-Settlement) zum Ende der Laufzeit statt.[27]

[...]


[1] Vgl. FAZ.NET (Hrsg.), Stand 26.04.2005.

[2] Vgl. Arditti (1996), S.3f.

[3] Vgl. Abbildung 1 : Weltweiter Umsatz in Optionsscheinen und Zertifikaten im Jahr 2003, Anhang S.16.

[4] Vgl. Pilz (1991), S.92ff.

[5] Vgl. Chicago Board of Trade (Hrsg.), Stand 12.04.2005.

[6] Vgl. Beer (1991), S.13ff.

[7] Vgl. Boschert (Hrsg.), Stand 24.05.2005.

[8] Vgl. Eurex Frankfurt (Hrsg.), Stand 19.05.2004.

[9] Vgl. Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (Hrsg.), Stand 15.05.2005.

[10] Vgl. Cordero (1989), S.103.

[11] Vgl. Beer (1991), S.146.

[12] Vgl. Obst et al. (2000), S.842.

[13] Vgl. Badischer Wertpapierclub (Hrsg.), Abfrage:17.05.2005.

[14] Vgl. Kynaston (1997), S.154f.

[15] Vgl. Cordero (1989), S.19.

[16] Vgl. Obst et al. (2000), S.836.

[17] Vgl. Abbildung 2: Übersicht der Termingeschäfte, Anhang S.16.

[18] Vgl. Murphy (1991), S.495.

[19] Vgl. Rittershofer (2002), S.724.

[20] Vgl. Scherlinzky, Abfrage 20.05.2005.

[21] Vgl. Abbildungen 6 bis 9: Grundpositionen, Anhang S.18f.

[22] Vgl. Abbildung 3: Rechte und Pflichten der Marktteilnehmer, Anhang S.17.

[23] Vgl. Abbildung 4: Erwartungen der Marktteilnehmer, Anhang S.17.

[24] Vgl. Murphy (1991), S.496.

[25] Vgl. Abbildung 5: Chancen und Risiken der Marktteilnehmer, Anhang S.17.

[26] Vgl. S amuelson / Nordhaus (1998), S.171.

[27] Vgl. Pilz (1991), S.17ff.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Klassifikation von Finanzderivaten
Hochschule
Universität Trier  (Universität)
Veranstaltung
Derivative Finanzprodukte
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V49740
ISBN (eBook)
9783638461108
Dateigröße
803 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klassifikation, Finanzderivaten, Derivative, Finanzprodukte
Arbeit zitieren
Daniel Bartholmes (Autor:in), 2005, Klassifikation von Finanzderivaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49740

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