Das Thema der Hausarbeit ist die Arbeitslosenversicherung im internationalen Vergleich. Sie befasst sich mit dem System der Arbeitslosenversicherung in Schweden. Der Autor hat sich für die Sozialpolitik eines skandinavischen Landes entschieden, weil bei zahlreichen öffentlichen Diskussionen um die soziale Absicherung in Deutschland die Sozialpolitik der skandinavischen Länder häufig als Vorzeigemodell angepriesen wird. Die Hausarbeit soll einen Überblick darüber geben, was hinter diesen Systemen steckt und wie die Arbeitslosenversicherung funktioniert. Dabei fokussiert sich die Arbeit auf das Versicherungssystem Schwedens.
In Deutschland ist die Arbeitslosenversicherung Teil der Sozialpolitik und alle Arbeitnehmer sind pflichtversichert mit Ausnahme von Beamten, Minijober und Selbständigen. Die zuständige Behörde ist die Bundesagentur für Arbeit. Die Leistungen der Versicherung werden vornehmlich aus Sozialversicherungsbeiträgen finanziert. (bpb 2013: online) Diese Elemente werden in den folgenden Abschnitten in die schwedische Perspektive gesetzt und untersucht.
Die Arbeitslosenversicherung in Schweden wurde mit der Wahl einer neuen Regierung in der Regierungsperiode zwischen 2006-2010 reformiert (Kaltenborn; Wielage; von Bothmer; Henkel 2010). Was sich geändert hat und wie die Behörde nach der Reform aufgestellt ist, soll einen aktuellen Einblick über die Funktionsweise des schwedischen Arbeitsamtes geben. Des weiteren wird mit einem kritischen Beitrag aus dem Jahre 2008 diese Reform in Frage gestellt und die Auswirkungen auf die Versicherten dargestellt.
Die Absicherung gegen Arbeitslosigkeit besteht in Schweden aus zwei Teilen. Zum einen aus der steuerfinanzierten Grundversicherung und zum anderen aus der Mitgliedschaft in einer freiwilligen Arbeitslosenkasse, die von den Gewerkschaften verwaltet werden. Allerdings werden inzwischen die Leistungen der Arbeitslosenkassen (A-Kassan), begründet durch den Zusammenhang von struktureller Arbeitslosigkeit, zu einem erheblichen Teil staatlich finanziert und unterliegen damit der staatlichen Kontrolle. Die Leistungen hieraus sind einkommensabhängig. Diese Form der Finanzierung von Arbeitslosenversicherungen wird "Genter-System" genannt (Clasen; Viebrock 2005). Einleitend wird die Entstehung und Historie des Genter-Systems beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Historie des Genter Systems
3. Aufbau und Organisation der Arbeitslosenversicherung (A-Kassan)
3.1. Leistungsvoraussetzungen
3.2. Leistungen
3.3. Sanktionen
4. Aufbau und Struktur der AVM
4.1. Zielvorgaben und Zielindikatoren
4.2. Kritische Betrachtung der neuen Organisationsstruktur
4.3. Service der Arbeitsämter
5. Kritik an der Reform 2006-2010
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das schwedische System der Arbeitslosenversicherung sowie die strukturellen Reformen der öffentlichen Arbeitsverwaltung zwischen 2006 und 2010. Dabei steht die Untersuchung der Funktionsweise, der organisatorischen Neuausrichtung und der Auswirkungen auf die Versicherten im Mittelpunkt.
- Historische Entwicklung des Genter Systems
- Aufbau und Organisation der schwedischen Arbeitslosenkassen (A-Kassan)
- Strukturelle Reformen der Arbeitsmarktverwaltung (AVM)
- Methoden der Zielsteuerung im New Public Management
- Kritische Analyse der Reformfolgen für Arbeitnehmer und Gewerkschaften
Auszug aus dem Buch
Entstehung und Historie des Genter Systems
Die Anfang des 20. Jahrhundert entstehenden Versorgungsstaaten wie zum Beispiel Deutschland, Dänemark und Schweden schließen die Arbeitslosenversicherung aus ihren Sozialsystemen aus. Dies liegt zum einen daran, dass die Arbeitslosigkeit nach der damaligen Sicht der Ökonomie im Gegensatz zu Krankheit oder Unfall als selbstverschuldet erachtet wird und der Staat eine Absicherung der Bevölkerung gegen Arbeitslosigkeit nicht als seine Aufgabe sieht. Zusätzlich ist die willkürliche Herbeiführung der Arbeitslosigkeit nicht mit „gravierenden Nebeneffekten“ verbunden und stellt ein moralisches Risiko dar. Das so genannte „moral hazard“ Problem ist demnach bei der Arbeitslosenversicherung besonders schwierig. Das Verhaltensrisiko würde somit die vorsätzliche Herbeiführung der Arbeitslosigkeit begünstigen, um in den Vorzug der finanziellen Unterstützung zu kommen. Die Tatsache, dass mit der Arbeitslosigkeit Freizeit erlangt wird, verstärkte die Unnötigkeit einer sozialen Absicherung seitens des Staates. Zudem wollte man eine Schwellenlohn Erhöhung durch Lohnersatzleistungen vermeiden. (Clasen; Viebrock 2005: 8)
So boten in vielen Ländern Europas Gewerkschaften als erste Organisation eine Arbeitslosenversicherung für den Fall der unfreiwilligen Erwerbslosigkeit an. In Zeiten der Rezession war dies ein probates Mittel gegen den Lohndruck. So konnte der Preis der Ware Arbeitskraft weiter hoch gehalten werden. Außerdem behielten die Gewerkschaften die Kontrolle darüber, welche Art von Arbeit zumutbar und angenommen werden musste. Die Berechtigung zur Arbeitslosenversicherung war zudem ein zielgerichteter Anreiz zur Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft., Da früher die Mitgliederschwankungen dem Wirtschaftszyklus unterlagen, hatte dies für die Gewerkschaft den Vorteil, dass sie nun auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten Mitglieder halten konnten. (Clasen; Viebrock 2005: 8-9)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die thematische Fokussierung auf das schwedische System der Arbeitslosenversicherung als Gegenstand eines internationalen Vergleichs.
2. Entstehung und Historie des Genter Systems: Dieses Kapitel behandelt die historischen Ursprünge der gewerkschaftlich organisierten Arbeitslosenversicherung in Europa und deren Entwicklung in Schweden.
3. Aufbau und Organisation der Arbeitslosenversicherung (A-Kassan): Hier werden die Struktur, die Voraussetzungen für den Leistungsbezug sowie die Sanktionsmöglichkeiten des schwedischen Versicherungssystems dargelegt.
4. Aufbau und Struktur der AVM: Der Abschnitt beschreibt die Reform der schwedischen Arbeitsmarktverwaltung (AVM) unter Einbezug von New Public Management und Zielsteuerung.
5. Kritik an der Reform 2006-2010: Dieses Kapitel analysiert die negativen Auswirkungen der Reformen auf Gewerkschaften und Mitgliederzahlen sowie die politische Zielsetzung einer Lohnkostensenkung.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet die Auswirkungen der marktorientierten Reformen auf das sozialstaatliche Prinzip in Schweden.
Schlüsselwörter
Arbeitslosenversicherung, Genter System, Schweden, A-Kassan, Arbeitsmarktverwaltung, AVM, Reform 2006-2010, Sozialpolitik, Zielsteuerung, New Public Management, Arbeitslosengeld, Gewerkschaften, Arbeitsmarkt, Arbeitsvermittlung, Sozialstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das System der Arbeitslosenversicherung in Schweden, insbesondere unter dem Aspekt der Organisation und der politischen Reformen zwischen 2006 und 2010.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Genter Systems, die Rolle der Arbeitslosenkassen (A-Kassan), die Struktur der Arbeitsmarktverwaltung und die Auswirkungen politischer Umbrüche auf die soziale Absicherung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen fundierten Überblick über die Funktionsweise der schwedischen Arbeitslosenversicherung zu geben und kritisch zu beleuchten, wie sich die Neuausrichtung der Behörden auf die Versicherten auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die internationale Studien, Berichte der Arbeitsverwaltung und sozialpolitische Analysen heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Versicherungssystems, die Analyse der Organisationsstruktur der Arbeitsämter (AVM) nach der Reform und eine kritische Auseinandersetzung mit den Folgen dieser Reformen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Genter System, A-Kassan, Arbeitsmarktverwaltung, Zielsteuerung und Aktivierung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die schwedische Grundversicherung von den A-Kassen?
Die Grundversicherung ist steuerfinanziert und bietet Leistungen für alle Bürger ohne Beitragszahlung, während die A-Kassen freiwillige, gewerkschaftlich organisierte einkommensabhängige Versicherungen darstellen.
Was sind die Hauptkritikpunkte an der Reform 2006-2010?
Kritisiert werden insbesondere der starke Mitgliederschwund bei Gewerkschaften und Versicherungen, die Erhöhung der Beiträge sowie eine befürchtete Verschiebung von wohlfahrtsstaatlichen Zielen hin zu marktwirtschaftlichen Interessen.
Welche Rolle spielt die „Zielsteuerung“ in der Arbeitsverwaltung?
Die Zielsteuerung dient als Instrument des New Public Management, um die Effizienz der Behörden zu erhöhen, birgt jedoch laut der Arbeit das Risiko, dass der Fokus von der Qualität der Arbeit auf rein quantitative Kennzahlen verlagert wird.
Wie werden Arbeitslose bei der Wiedereingliederung unterstützt?
Das Arbeitsamt bietet Maßnahmen wie Praktika, Berufsberatung, Coaching sowie spezielle Anstellungshilfen für Zielgruppen wie Langzeitarbeitslose, Einwanderer oder Jugendliche an.
- Citar trabajo
- Meryem Osanmaz (Autor), 2014, Zur politischen Ökonomie des Sozialstaates. Die Arbeitslosenversicherung im internationalen Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497448