Das traditionelle Konzept des Homo Oeconomicus


Seminararbeit, 2001
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.1 Gang der Untersuchung

2. Der Homo Oeconomicus als idealtypisches Konstrukt

3. Der Homo Oeconomicus im geschichtlichen Blick
3.1 Allgemeines
3.2 Der Homo Oeconomicus in der klassischen Nationalökonomie
3.2.1 Adam Smith
3.2.2 David Ricardo
3.2.3 John Stuart Mill
3.3 Der Homo Oeconomicus in der Neoklassik

4. Kritische Darstellung der Charakteristika des Homo Oeconomicus
4.1 Rationalität
4.2 Eigennutz
4.3 Vollkommene Information
4.4 Anforderung an die Nutzenmaximierer
4.4.1 Allgemeines
4.4.2 Axiome

5. Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

In der Wirtschaftswissenschaft (insbesondere in der Neoklassik) wird ein Modell, das als Homo Oeconomicus bzw. economic man bezeichnet wird verwendet, um beobachtetes Verhalten zu erklären oder zukünftiges Verhalten prognostizieren zu können.

Die genaue Geburtsstunde des Homo Oeconomicus lässt sich nicht genau ermitteln.[1] Bereits Adam Smith hat die Grundlage für dieses Verhaltensmodell gelegt, dass sich im Zuge der Entwicklung der Wirtschaftstheorie weiter verändert hat. Während Adam Smith davon ausging, dass der Mensch nicht nur an Eigennutz, sondern auch an sozialer Anerkennung interessiert ist, sind die Zielsetzungen des Homo Oeconomicus der Neoklassik auf egoistische Ziele reduziert.[2]

Das Modell des Homo Oeconomicus ist allerdings umstritten. Es wird bezweifelt, ob es für die Verwendung im Rahmen einer empirischen Wissenschaft überhaupt geeignet ist. Es wird sogar angenommen, dass bei Verwendung des Modells die Nachhaltigkeit des Wirtschaftsprozesses gefährdet wird.[3]

Um die Konzeption des Homo Oeconomicus zu verstehen ist es sinnvoll, die Entstehungsgeschichte des Homo Oeconomicus zu betrachten und einzelne Charaktereigenschaften zu analysieren.

1.1 Gang der Untersuchung

Die vorliegende Arbeit beginnt mit einer Definition des Homo Oeconomicus. Im dritten Abschnitt erfolgt die Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung des Begriffes des wirtschaftenden Menschen. Diese Betrachtung bleibt auf die Klassik bzw. Neoklassik beschränkt, da im Rahmen dieser Arbeit das traditionelle Konzept des Homo Oeconomicus vorgestellt wird.

Im vierten Abschnitt, auf dem der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt, werden die charakteristischen Merkmale des Homo Oeconomicus und die Anforderungen an das Präferenzsystem der Wirtschaftssubjekte kritisch betrachtet. Im letzten Teil erfolgt ein kurzer Ausblick auf realitätsnähere Merkmale eines wirtschaftenden Menschen.

2. Der Homo Oeconomicus als idealtypisches Konstrukt

Die Fähigkeit zu uneingeschränkt rationalem Verhalten ist das Hauptmerkmal des Homo Oeconomicus. Er strebt nach Nutzenmaximierung (dies gilt gleichermaßen für Konsumenten wie für Produzenten und hier in der speziellen Form der Gewinnmaximierung).[4] Außerdem ist er lückenlos über sämtliche Entscheidungs-alternativen und deren Konsequenzen informiert. Somit maximiert der Homo Oeconomicus eine objektive Funktion, die als Argument Wohlstand oder Einkommen hat.[5] Das Modell des Homo Oeconomicus kann als ein vereinfachtes Modell des wirklichen Menschen angesehen werden, das dazu dient, bestimmte soziale Gegebenheiten und menschliche Verhaltensweisen und deren Konsequenzen zu erklären.[6]

Der methodologische Status des Homo Oeconomicus ist der einer Verhaltenshypothese. Diese wird bei Beobachtungen und logischen Deduktionen vorausgesetzt. Die Gefahr dieser Verhaltenshypothese ist, dass sie sehr schnell zu einem bewusst oder unbewusst vertretenen Leitbild werden kann, also zu einer Verhaltensnorm.[7]

3. Der Homo Oeconomicus im geschichtlichen Blick

3.1 Allgemeines

Über alle Epochen hinweg wurde versucht, ein Menschenbild zu schaffen, anhand welchem der reale, wirtschaftende Mensch erklärbar wird. In der Antike erkannte bspw. Aristoteles (384-322 v.Chr.), dass Glück nur zu erreichen sei, wenn der Mensch ausreichend materielle Güter und einen kultivierten Intellekt besitzt.[8] Die stoische Philosophie, die auf Zeno von Kition 300 v.Chr. zurückgeht, besagt, dass die oberste Maxime der Ethik sei, mit sich selbst und der Natur in Einklang zu leben und Gedanken und Affekte als der Einsicht hinderlich zu bekämpfen.[9] Wie im folgenden ausgeführt wird, ist Adam Smiths Werk „Theory of Moral Sentiments“ von 1759, im folgenden Moraltheorie genannt, bei der Beschreibung des Charakters des Menschen stark von der stoischen Schule geprägt.[10]

3.2 Der Homo Oeconomicus in der klassischen Nationalökonomie

3.2.1 Adam Smith

Mit Adam Smith (1723-1790) beginnt die „neue Ökonomie“, die heute als klassische Nationalökonomie bezeichnet wird. In seinen Werken gebraucht er den Begriff „Homo Oeconomicus“ nicht. Wohlstand wird durch Eigeninteresse bzw. Eigennutz der wirtschaftenden Menschen begründet, der durch eine funktionierende Wettbewerbs-ordnung in sozial verträgliche und das Gemeinwohl fördernde Bahnen gelenkt wird.[11] Die Vorstellung eines wirtschaftenden Menschens bei Smith ist nur dann vollständig, wenn nicht nur sein Werk „Wealth of Nations“, im folgenden Wohlstand der Nationen genannt, sondern auch sein Werk der Moraltheorie betrachtet wird. Die historische Schule sah einen Widerspruch in beiden Werken: In seinem Werk Moraltheorie legt Smith das Sympathiegefühl zugrunde, in Reichtum der Nationen wird der Egoismus als Motivation zugrundegelegt.[12] Aber: Die Sympathie im Werk Moraltheorie ist nicht mit altruistischem Wohlwollen gleichzusetzen. Genauso ist die Verfolgung eigener Interessen im Wohlstand der Nationen nicht mit reinem herz- und rücksichtlosem Eigennutz gleichzusetzen.[13] Smith erkennt den Eigennutz auch in seinem Werk Moraltheorie als sittlich berechtigtes Prinzip an. Das Wirtschaftsleben wird als das Gebiet bezeichnet, in dem der Egoismus vorwiegend in Erscheinung tritt und als gerechtfertigtes, psychologisches Motiv in Betracht kommt. Nach Smith gilt der Eigennutz als das einzig richtige und sittlich angemessene Motiv. Er begründet dies damit, dass jeder Mensch von der Natur so ausgestattet sei, dass er in erster Linie für sich selbst Sorge zu tragen hat und dass auch selbst am besten tun kann. Andere Charaktermerkmale, wie Wirtschaftlichkeit, Fleiß, Umsicht, Aufmerksamkeit, geistige Regsamkeit werden nach der allgemeinem Auffassung für lobenswürdige Eigenschaften gehalten, obwohl sie aus eigennützigen Beweggründen gepflegt werden.[14] Es gibt bei Smith allerdings eine in der Gerechtigkeit begründete unverrückbare Schranke des Eigennutzes jedes einzelnen Individuums. Der Egoismus ist also natürlich beschränkt. Diese Gerechtigkeit kommt aus den wohlwollenden Trieben, die als Zweck zwar nicht die positive Förderung der Mitmenschen hat, jedoch deren Schutz. Dazu kommen vom Staat durchsetzbare Rechtsregeln, die jedes Individuum erfüllt, da sie in dessen Vergeltungsgefühl wurzelt.[15] Die Frage der Gerechtigkeit wird in beiden Werken nur unzureichend behandelt.[16] Nach Smith findet Gerechtigkeit seinen Ausdruck im Rechtswesen, das vor allem zum Schutz des Privateigentums wichtig ist, da dessen Mehrung die wesentliche Quelle gesellschaftlichen Wohlstands darstellt. Materielle Aspekte der Gerechtigkeit, wie etwa der Gesichtspunkt der Gleichheit werden nicht betrachtet. Smith definiert Gerechtigkeit also in erster Linie als Beachtung und Gewährleistung der bestehenden Rechts- und Eigentumsordnung.[17]

Smith erwartet nach einem Abbau von durch den Staat gesetzten Wettbewerbs-beschränkungen ein dauerhaft funktionsfähiges Wettbewerbssystem. In diesem allgemeinen Konkurrenzgleichgewicht ließe sich dann gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt verwirklichen, da der einzelne nur dann aus seinem Faktorangebot einen hohen Wert ziehen kann, wenn dieser auch für die Gesellschaft insgesamt einen hohen Ertrag erbringt.[18]

Smith greift in seinem Werk Moraltheorie auf Gedanken der Stoiker zurück. Er distanziert sich hier gegenüber der Verfolgung von Reichtum und Ruhm und tut sie als bloße Illusionen und Einbildungen ab, denen der Mensch hinterherjagt. Aber er erkennt gleichzeitig, dass es diese nützlichen Täuschungen sind, die gesellschaftliche Wohlfahrt erst ermöglichen. Durch das individuelle Reichtumsstreben und die Maßlosigkeit der Bedürfnisse einzelner wird der Lebensstandard vieler gesichert.[19] Bei der Verfolgung eigener Vorteile wird wie von unsichtbarer Hand geleitet das Gesellschaftswohl gefördert: Der Ertrag aller Verbesserungen muß mit den Armen geteilt werden.[20] Diese Auffassung Smiths ist allerdings nicht mit Vermögens- und Einkommensverteilung zu verwechseln, mit denen sich Smith nicht sonderlich auseinandergesetzt und sie als irrelevant für menschliches Glück angesehen hat. Das stellt eine stoische Überhöhung von Armut dar.[21]

Nach Smith ist der Homo Oeconomicus allein von dem in Schranken des Rechts wirkenden Selbstinteresses, das er bei allen Menschen gleichgesetzt, beherrscht.[22] Sein Vertrauen in die Menschennatur entsprang eher einem ethisch-religiösen Hintergrund als ökonomischen Erwägungen in heutigem Sinne.[23]

Die wirtschaftlichen Vorgänge sollten ihrem Wesen nach, befreit vom Zufall als ein göttliches Ordnungsgesetz aufgezeigt werden. Das geht einher mit jener höchsten Rationalität, die als überindividuelles Vernunftprinzip Gottes zum Ausdruck kommt.[24] Die Denkfigur des Systems der natürlichen Freiheit wurde allerdings zur Grundlage der Ökonomik, nachdem sich von den Kontexten, in denen Smith sie konzipiert hatte, abgelöst wurden.[25]

[...]


[1] Vgl. Tietzel (1981), S. 115.

[2] Vgl. Schröder (1996), S. 4.

[3] Vgl. Schröder (1996), S. 1.

[4] Vgl. Gabler (1988), Band 3 G-K, S. 2430.

[5] Vgl. Lofthouse/Vint (1978), S. 586.

[6] Vgl. Tietzel (1981), S. 118.

[7] Vgl. Sautter, ohne weitere Angabe.

[8] Vgl. Lofthouse/Vint (1978), S. 587 f.

[9] Vgl. Duden (1982), S. 728.

[10] Vgl. Nutzinger (1991), S. 87.

[11] Vgl. Nutzinger (1991), S. 79 f.

[12] Vgl. Fey (1936), S. 30.

[13] Vgl. Nutzinger (1991), S. 86.

[14] Vgl. Fey (1936), S. 31 f.

[15] Vgl. Fey (1936), S. 32.

[16] Vgl. Nutzinger (1991), S. 93.

[17] Vgl. Nutzinger (1991), S. 95.

[18] Vgl. Nutzinger (1991), S. 82 f.; dieser Gedanke wurde von der Wohlfahrtsökonomik wieder aufgegriffen: Äquivalenz von allgemeinem Konkurrenzgleichgewicht auf allen Märkten und Pareto-Optimum.

[19] Vgl. Nutzinger (1991), S. 84; bspw. erfreut sich der Grundherr an großen ertragreichen Felder, kann aber nicht alles selber essen, da die Größe des Magens die Aufnahmemenge begrenzt; den Rest bekommen andere, die keinen eigenen Felder haben.

[20] Vgl. Nutzinger (1991), S. 91.

[21] Vgl. Nutzinger (1991), S. 92.

[22] Vgl. Fey (1936), S. 40.

[23] Vgl. Manstetten (2000), S. 47.

[24] Vgl. Fey (1936), S. 33.

[25] Vgl. Manstetten (2000), S. 47.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das traditionelle Konzept des Homo Oeconomicus
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (VWL)
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V4975
ISBN (eBook)
9783638130295
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homo Oeconomicus, traditionelles Modell
Arbeit zitieren
Alenka Reinmöller (Autor), 2001, Das traditionelle Konzept des Homo Oeconomicus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4975

Kommentare

  • Adela Rabe am 3.8.2010

    sehr interessantes Thema, das gut strukturiert dargestellt wird und somit einen gute Basis für das Konzept bietet

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Titel: Das traditionelle Konzept des  Homo Oeconomicus


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