Benachteiligte Wohnquartiere und Gemeinwesenarbeit


Diplomarbeit, 2004

75 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Segregation - die Bildung von benachteiligten Wohnquartieren
2.1 Vorbemerkungen
2.2 Die erste Ebene - Segregation der Städte in Deutschland
2.2.1 Das Nord-Süd und West-Ost-Gefälle
2.3 Die zweite Ebene – Segregation innerhalb der Städte
2.3.1 Definitionen von Stadt
2.3.2 Bedingungen für Segregation im Stadtgebiet
2.3.3 Die Dichte als Faktor der Kategorisierung
2.3.3.1 Die bauliche/soziale Dichte
2.3.4 Die Wirtschaft als Faktor der Kategorisierung
2.3.5 Der Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Dichte
2.4 Die dritte Ebene - Segregation in den Quartieren
2.4.1 Räumlich/ Soziale Struktur des segregierten Quartiers
2.4.2 Die Heterogenität der Stadtbewohner und städtische Eigendynamik
2.4.3 Vorteile der Segregation
2.4.4 Bezeichnungen der verschiedenen Personengruppen im heterogenen Stadtbild
2.4.5 Einleitung zum Begriff Armut
2.4.5.1 Zur Geschichte der Armut
2.4.5.2 Der Armutsbegriff in der Gegenwart
2.4.5.3 Die Definitionen der Armut in Europa und Deutschland

3. Einleitung zur Gemeinwesenarbeit
3.1 Die Anfänge der Gemeinwesenarbeit
3.2 Die Methoden der Gemeinwesenarbeit
3.2.1 Die erste Konzeption
3.2.2 Die wohlfahrtstaatliche Gemeinwesenarbeit
3.2.3 Die integrative Gemeinwesenarbeit
3.2.4 Aggressive Gemeinwesenarbeit
3.2.5 Die konfliktorientierte Gemeinwesenarbeit
3.2.6 Die Stadtteilarbeit/ Quartiermanagement

4. Resümee

5. Anhang
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Internetseiten

1. Einleitung

In Zeiten der wirtschaftlichen Rezession und dem fortschreitenden Abbau bzw. der Beschneidung von Sozialleistungen in Deutschland wird das Phänomen der benachteiligten Wohnquartiere in den nächsten Jahren vermutlich immer weiter in den Fokus der Öffentlichkeit und in das Interesse der Allgemeinheit geraten. Die Sorge um eine Gefährdung der individuellen Lebenswelten könnte die Folge sein. Somit sind Segregation, benachteiligte Wohnquartiere und Gemeinwesenarbeit zu Themen für Politik und Wirtschaft geworden, die nicht unter den Tisch fallen können und dürfen, solange das politische und wirtschaftliche Establishment der Bundesrepublik Deutschland sowie das Volk dieses Land als einen Staat bezeichnet, der sich u.a. im Artikel 20 Absatz 1 und 2 des Grundgesetzes eine demokratische und sozialstaatliche Grundordnung gegeben hat:

„(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“

Daher soll in der vorliegenden Diplomarbeit über „Benachteiligte Wohnquartiere und Gemeinwesenarbeit“ ein möglichst umfassender Überblick gegeben werden, der die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung als auch die individuellen Bedingungen der Betroffenen beleuchtet. Die bei dieser Untersuchung zu Grunde gelegten Tatsachen basieren zum Teil auf über die Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsenen Normen. Die Entstehung dieser Normen wird im Verlauf der Arbeit anhand kurzer geschichtlicher Exkursionen dargestellt. Nicht in jedem Fall konnte die aktuelle Forschung bis jetzt diese Tatsachen erfassen und zu allgemeingültigen Ergebnissen gelangen.

Als erstes wird der Themenbereich Segregation behandelt. Hierbei wird zum besseren Verständnis eine Aufteilung in drei Ebenen vorgenommen: Die Segregation der Städte und Regionen in Deutschland, innerhalb der Städte und im Abschluss dieses Abschnittes wird die Segregation innerhalb der Wohnquartiere beleuchtet.

Einleitend zum Kapitel der Segregation innerhalb der Städte wird der Begriff der Stadt als solcher detaillierter behandelt, da sich die Darstellung der benachteiligten Wohnquartiere auf solche bezieht, die in Städten zu finden sind. Des weiteren ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die Faktoren, die eine Stadt definieren, auch die Entstehung unterschiedlicher Quartiere beeinflussen.

Es ist hier anzumerken, dass die Effekte der Segregation und benachteiligter Wohnquartiere auch in ländlichen Gebieten und Dörfern auftreten können. Diese bleiben hier aber unbehandelt, um den vorgegebenen Umfang der Arbeit nicht über die Maßen zu strapazieren.

Bei einer näheren Betrachtung der Strukturen solcher Gebiete und deren Anwohner wird immer wieder vor Augen geführt, dass es sich bei den dort lebenden Personen im weitläufigen Sinne um „Arme“ handelt. Was von „Armut betroffen sein“ bedeutet und wie man sie definiert, wird innerhalb der Ausführungen zur dritten Ebene beschrieben.

Armut ist kein Phänomen der Neuzeit, sondern eine historisch gewachsene Erscheinung. Um sich angemessen mit dem Begriff der Armut und seiner Einordnung in die heutige Gesellschaft auseinander zu setzen, ist es notwendig, einen Blick auf seine geschichtliche Entwicklung zu werfen.

Als ein weiterer Teil der Arbeit wird die Gemeinwesenarbeit als eine Interventions- und Hilfemaßnahme für benachteiligte Wohngebiete mit ihren verschiedenen Konzeptionen der Vergangenheit und Gegenwart vorgestellt. Ein Augenmerk wird auf das Quartiermanagement gelegt, das seit einigen Jahren einen neuen Handlungsansatz in der Gemeinwesenarbeit darstellt.

Abschließend soll die Frage beantwortet werden, welche dieser verschiedenen Konzeptionen der Gemeinwesenarbeit das Phänomen der Segregation und die Bildung von benachteiligten Wohnquartieren am adäquatesten zu fassen vermag und welche Interventions- und Hilfemaßnahmen dementsprechend am Erfolg versprechendsten sind.

Weiter bleibt zu erwähnen, dass diese Arbeit hauptsächlich darstellenden Charakter hat. Das heißt, es wird auf Beispiele aus der Praxis, die vor allem die Kapitel der Gemeinwesenarbeit abgerundet hätten, verzichtet. Dies ist darin begründet, dass die Vorstellung von Praxisbeispielen den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde bzw. die Darstellung anderer wichtiger Aspekte zu wenig Beachtung finden würde. Dies birgt meiner Meinung nach die Gefahr, dass die vorliegende Arbeit schwerer verständlich ist.

Das Interesse am Themenbereich „Benachteiligte Wohnquartiere und Gemeinwesenarbeit“ und die Idee, hieraus eine Abschlussarbeit zu machen, entstand u.a. während des Wintersemesters 2003/04 in den Vorlesungen zur Speziellen Soziologie sowie den Vorlesungen zur Empirischen Sozialforschung, die ich während des Studiums der Sozialarbeit an der Fachhochschule Dortmund besucht habe.

Hierbei habe ich mich mit zwei Studien auseinander gesetzt, die vier benachteiligte Wohngebiete in Köln (vgl. Friedrichs; Blasius, 2000, S.40) und den Duisburger Vorort Bruckhausen (vgl. Tobias; Boettner, 1992, S.8) untersuchen. Jürgen Friedrichs bzw. Johannes Boettner stellen in diesen Studien u.a. das Alltagsleben und die individuellen Lebensbewältigungsstrategien der von Armut betroffenen Menschen anschaulich und nachvollziehbar aus verschiedenen Blickwinkeln dar.

Einen ersten unzusammenhängenden Einblick in das Leben derjenigen, die ihren Arbeitsplatz auf Grund von Strukturwandel und konjunkturellen Talsohlen verloren haben und damit zum Teil auch von Armut bedroht sind, bekam ich durch die Schließung des Hauptwerkes meines ehemaligen Arbeitgebers, Ladenbau Körling. Viele der ehemaligen Mitarbeiter wohnen im Dortmunder Süden und sind mir im Laufe der Zeit auf der Straße zufällig begegnet. Aus deren Erzählungen und meinen Eindrücken brachte die Schließung des Dortmunder Werkes einen bedeutenden Einschnitt, der offenkundig und nach eigenen Aussagen der ehemaligen Mitarbeiter nicht für alle privat und finanziell problemlos verlaufen ist.

Ich bedanke mich an dieser Stelle für die Unterstützung bei Barbara Vogt, die mir mit Rat zur Seite stand, Texte zu lesen und kritische Anmerkungen zu machen und ihrem unermüdlichen Korrektur lesen, da ich die sich einschleichenden Tipp- und Rechtschreibfehler irgendwann einfach nicht mehr gesehen habe. Ein weiteres „Herzlichen Dank“ gilt Gunter Friedrich, der sich immer bereit erklärt hat, mir mit guten Ratschlägen bezüglich der Formulierungen und der grundsätzlichen Herangehensweise an eine Abschussarbeit zur Seite stand und stets gute Tipps geben konnte, wie man die Übersicht bei der zu bearbeitenden Literatur behält.

2. Segregation - die Bildung von benachteiligten Wohnquartieren

2.1 Vorbemerkungen

Bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinein war die Segregation in der Bundesrepublik ein Phänomen, das auftrat und auch zur Kenntnis genommen wurde. Von der Politik wurde dieses Phänomen jedoch nicht diskutiert, da es weder einen Anlass dazu gab, noch das Thema in Deutschland von Brisanz war. Die bundesdeutsche Bevölkerung war auf dem Weg zu einer sozial gerechten und kulturell integrierten Gesellschaft. Auch die Integration von Gastarbeitern, die übersiedelten, stellte kein Problem dar, da sie nicht – wie aus dem heutigen Verständnis heraus - als Einwanderer beurteilt wurden. Vielmehr waren es Menschen, die das Arbeitsmarktproblem gelöst haben, da man sie dringend benötigte (vgl. Häussermann; Siebel, 2001, S.68 ff). Dieses Bild hat sich im weiteren Verlauf der Jahre allerdings grundlegend geändert.

Grundsätzlich sind und waren alle Gebiete und Gesellschaften der Bundesrepublik durch unterschiedliche Charakteristika geprägt. Die Lebensbedingungen differieren mitunter grundlegend und sind nicht immer gerecht und gleichmäßig verteilt. Die Beschreibung, die Erklärung und die Untersuchung der Folgen solcher Ungleichheiten wird von einem Teilbereich der Stadtanalyse, der sogenannten Segregationsforschung übernommen. Die Stadtanalysten sprechen davon, dass sich diese Ungleichheiten räumlich sehr deutlich „wiederspiegeln“. Diese räumlichen Bedingungen sind eng verknüpft mit personellen Faktoren, die sich in ethnischen, geschlechtlichen aber auch ökonomischen oder beruflichen Unterschieden darstellen. Räumliche und personelle Gegebenheiten bedingen einander und sind entscheidend für die Segregation eines Staates/Region, Stadt/Quartier, Straße aber auch eines Gebäudes. Hieran zeigt sich deutlich, dass sich Segregation auch auf verschiedenen geographischen Ebenen abspielt. (vgl. Friedrichs, 1983, S.216 f; vgl. Friedrichs, 1995, S.79).

Zusammenfassend wird die Segregation von Jürgen Friedrichs folgendermaßen definiert:

„Segregation – disproportionale Verteilung von Elementarten über die Teileinheiten einer Einheit“ (Friedrichs, 1983, S.217).

Von Hartmut Häußermann und Walter Siebel wird sie etwas umfangreicher und detaillierter beschrieben. Der Sinn der Aussage bleibt aber erhalten: „Segregation ist die Projektion sozialer Strukturen auf den Raum. Sie bezeichnet die empirische Tatsache, dass die sozialen Gruppen sich nicht gleichmäßig etwa über das Gebiet einer Stadt verteilen, sondern sich in bestimmten Räumen und zu bestimmten Zeiten konzentrieren. Jede soziale Gruppe hat ihre Wohn-, Arbeits- und Freizeitorte. So definiert ist die Segregation ein universelles Phänomen“ (Häussermann; Siebel, 2001, S.68 ff).

Im Folgenden wird nun das Verhältnis der Städte in Deutschland untereinander dargestellt. In einer weiteren Ebene wird die Segregation innerhalb der Städte aus verschiedenen Blickwinkeln vorgestellt.

2.2 Die erste Ebene - Segregation der Städte in Deutschland

In den Entwicklungsländern gibt es meist nur ein Ballungsgebiet, in dem sich nicht selten Menschen in zweistelliger Millionenzahl ansammeln.

Teilweise sind solche Verdichtungen auch in Europa zu finden. Beispiele sind hierfür der Großraum Paris in Frankreich oder auch das Ballungsgebiet London in England. In der Bundesrepublik Deutschland findet man auch Ballungsgebiete, diese haben aber nicht solche Ausmaße angenommen wie Mexiko City oder Rio de Janeiro. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass es in deutschen Ballungsgebieten nicht nur ein Zentrum gibt, um das sich alles formiert. Diese Gebiete sind polyzentrisch. Ein Beispiel hierfür ist das Ruhrgebiet, das sich aus vielen, vergleichsweise kleinen Städten zusammensetzt. Hier sind Duisburg, Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Dortmund als die größten Städte zu nennen. Um diese Städte haben sich wieder kleinere Orte wie Oberhausen, Recklinghausen, Witten und Castrop-Rauxel gebildet. Solche Gebiete werden als Agglomeration bezeichnet; auf das Ruhrgebiet bezogen „polyzentrische Agglomeration“. Nach Angaben der Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumforschung befinden sich in der Bundesrepublik Deutschland 17 solcher Verdichtungsräume.

Das homogene Bild der Entwicklung von deutschen Städten täuscht, wenn man sich die Städte und Ballungsgebiete bezogen auf den wirtschaftlichen Strukturwandel und die Globalisierung näher anschaut (vgl. Keller, 1999, S.17 f).

2.2.1 Das Nord-Süd und West-Ost-Gefälle

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts stand das Nord-Süd-Gefälle der alten Bundesländer im Mittelpunkt der Diskussion. Während die alten Industrien der Stahl-, Kohle-, und Montanindustrie sowie die Werften eher von Stagnation bis hin zu Rückgang betroffen waren, zeigte sich in den südlichen Ballungsgebieten eher ein Wachstum. Dies ging einher mit der Ansiedlung der „Neuen Technologien“ und dem Dienstleistungsgewerbe. Zu den davon profitierenden Gebieten gehörten insbesondere München, Stuttgart und das gesamte Rhein-Main-Gebiet. Hier bleibt anzumerken, dass die Veränderungen nicht gleichmäßig abliefen und auch bezogen auf den ausschließlich nördlichen wie auch südlichen Teil regional unterschiedlich ausgeprägt verliefen (vgl. Keller, 1999, S.18 ff).

Während das Nord– Süd-Gefälle die Diskussionen über die Segregation der Städte beherrschte, bekamen diese mit dem Untergang der Sowjetunion und dem Fall der Mauer eine wesentlich deutlicher ausgeprägte Schärfe im Hinblick auf das West-Ost-Gefälle. Die am europäischen Durchschnitt gemessenen, wirtschaftlich sehr starken alten Bundesländer und die Neuorientierung von Plan- in die Marktwirtschaft in den neuen Bundesländern ließen das Nord-Süd-Gefälle in den Hintergrund treten. Die ostdeutsche Wirtschaft konnte dem neuen geöffneten Markt nicht oder nur bedingt standhalten.

Auch hier kann man ein weniger deutliches, aber dennoch vorhandenes Nord-Süd-Gefälle in Ostdeutschland erkennen. Die generelle Angleichung an den westlichen Lebensstandart lässt bis in das Jahr 2004 auf sich warten (vgl. Keller, 1999, S.23 ff). Die Prognosen zeigen auch eher düstere Tendenzen für die Zukunft. Ein Sachverhalt, der sich auch in den Aussagen der Regierung, der Wirtschaftsweisen und dem gesellschaftlichen Stimmungsbild wiederfindet. Horst Köhler, der amtierende Bundespräsident, reagierte in einem Focus Interview im September des Jahres 2004 auf diese Prognosen folgendermaßen:

Auf die Frage, ob nicht nach 15 Jahren Einheit den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern klar gesagt werden müsse, dass sich dort nie wieder Industrie ansammeln werde, antwortete er: „Solche Prognosen kann niemand seriös abgeben. Aber unabhängig davon gab und gibt es nun einmal überall in der Republik große Unterschiede in den Lebensverhältnissen. Das geht von Nord nach Süd wie von West nach Ost. Wer sie einebnen will, zementiert den Subventionsstaat und legt der jungen Generation eine untragbare Schuldenlast auf. Wir müssen wegkommen von Subventionsstaat. Worauf es ankommt, ist, den Menschen Freiräume für ihre Ideen und Initiativen zu schaffen“ (Köhler, 2004, S.23).

2.3 Die zweite Ebene – Segregation innerhalb der Städte

2.3.1 Definitionen von Stadt

Um sich in der zweiten Ebene, mit der Segregation innerhalb der Städte auseinander zu setzen und die damit verbundenen Aspekte darzustellen, sollte der Begriff der Stadt näher beleuchtet werden. Eine Stadt mit ihren Facetten so zu definieren, dass sie über mehrere Jahre bis hin zu Jahrhunderten Gültigkeit hat und global für alle Länder und Regionen mit deren speziellen kulturellen, klimatischen und geographischen Besonderheiten dieser Erde anwendbar ist, ist nicht möglich und gibt es bis dato auch nicht.

Im Mittelalter wurde eine Ansiedlung dadurch zur Stadt, dass sie das Stadtrecht verliehen bekam. Dies hatte verschiedene Rechte und optische Merkmale zur Folge. Mit dem Stadttitel bekam man das Marktrecht verliehen, das Recht der Selbstverwaltung. Man hatte das Recht der Gerichtsbarkeit und der Besteuerung, das Zollrecht sowie das Recht auf die Errichtung einer Stadtmauer, die die Stadt auch optisch deutlich vom Umland abgrenzte und im Verteidigungsfall einen strategisch wichtigen Schutz vor einer feindlichen Besetzung des Stadtgebietes bot (vgl. Fischer, Katrin, 2004, URL). Definitionen und Kategorien zur Bestimmung wurden nicht formuliert, mit Ausnahme der Formulierungen in Gesetzen und Verordnungen, die das Stadtrecht regelten.

Bei den folgenden Definitionen handelt sich um Versuche einer Begriffsbestimmung und es bleibt anzumerken, dass keine dieser Formulierungen einen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit hat. Um eine Verbindung zur Gegenwart herstellen zu können, sind hier exemplarisch Definitionen angeführt, die während bzw. nach der einsetzenden Industrialisierung formuliert worden sind, da man in dieser Zeit den weiteren Verlauf der Stadtentwicklungen zuverlässiger und zielgerichteter prognostizieren konnte.

Nach Aussagen von Max Weber aus dem Jahr 1921 sind Siedlungen, die auf Grund ihrer flächenbezogenen Größe und der Anzahl ihrer Bewohner in früheren Zeiten den Rechtscharakter einer Stadt hatten, heute nicht mehr unbedingt als solche zu bezeichnen. Des weiteren kann auch seine Beurteilung nach ausschließlich ökonomischen Faktoren, also aus gewerblichen bzw. industriellen, nicht landwirtschaftlich geprägten Charakteristiken und die Vielseitigkeit des betriebenen Handels, nicht ausschlaggebend sein. Er benennt im Folgenden Merkmale, die eine Stadt in ihrem geschichtlichen Entstehen begründen. Als erstes entstehen nach seinen Angaben Städte im Umkreis eines Fürstensitzes. Der gewerbliche Charakter dieser entstehenden Städte dürfte darin gelegen haben, dass die dort angesiedelten Betriebe und Bewohner in erster Linie für diesen Fürsten oder andere Feudalherren gearbeitet haben und so ihr Auskommen mehr oder weniger ausreichend gesichert hatten.

Der zweite wichtige Punkt, der das Entstehen von Städten bedingte, war ein florierendes Geschäft mit Gütern im Sinne einer Marktwirtschaft, die sich an Angebot und Nachfrage orientierte (vgl. Weber, 1921, S.727 f).

Max Weber definiert den Charakter einer Stadt also nach folgenden wörtlichen Aussagen: „Eine „Stadt“ kann man in sehr verschiedenen Arten zu definieren versuchen. Allen [Definitionen] gemeinsam ist nur: dass sie jedenfalls eine (mindestens relativ) geschlossene Siedlung, eine „Ortschaft“ ist, nicht eine oder mehrere einzeln liegende Behausungen. Im Gegenteil pflegen in den Städten (aber freilich nicht nur in ihnen) die Häuser besonders dicht, heute in der Regel Wand an Wand zu stehen. Die übliche Vorstellung verbindet nun mit dem Wort „Stadt“ darüber hinaus rein quantitative Merkmale: sie ist eine große Ortschaft. Das Merkmal ist nicht an sich unpräzis. Es würde soziologisch angesehen bedeuten: eine Ortschaft, also eine Siedlung in dicht aneinander grenzenden Häusern, welche eine so umfangreiche zusammenhängende Ansiedlung darstellen, dass sie sonst dem Nachbarverband spezifische, persönliche gegenseitige Bekanntschaft der Einwohner miteinander fehlt.“ Dies sind die Aussagen bezogen auf die Bewohner und deren Anzahl und die Dichte der bewohnten Fläche. Weiter heißt es bezogen auf die ökonomischen Bedingungen: “Versucht man die Stadt rein ökonomisch zu definieren, so wäre sie eine Ansiedlung, deren Insassen zum überwiegenden Teil vom dem Ertrag nicht landwirtschaftlichen, sondern gewerblich oder händlerischen Erwerbs leben. [...] Das weitere Merkmal, welches hinzutreten muss, damit wir von „Stadt“ sprechen, ist: das Bestehen eines nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßigen Güteraustausches am Ort der Siedlung als ein wesentlicher Bestandteil des Erwerbs und der Bedarfsdeckung der Siedler: eines Marktes“

(Weber, 1921, S.727 f).

Eine weitere Definition, die eine angemessene Darstellung einer Stadt und seiner Bewohner bietet, ist die von Louis Wirth aus dem Jahre 1938. Er macht die Struktur einer Stadt an folgenden Merkmalen fest: die Größe, die Dichte der besiedelten Fläche und die zeitliche Unabhängigkeit sowie die Heterogenität ihrer Bewohner.

„Für soziologische Zwecke kann die Stadt definiert werden als eine relativ große, dicht besiedelte und dauerhafte Niederlassung gesellschaftlich heterogener Individuen. Auf der Basis der Postulate, welche diese Minimaldefinition aufstellt, lässt sich eine Theorie der Urbanität im Lichte des Wissens formulieren, das uns über gesellschaftliche Gruppen zu Gebote steht“ (Wirth, 1964, S.48).

Jürgen Friedrichs benannte eine Stadt 1995 als eine: „[...] räumliche Konzentration von Menschen und Ressourcen. Zu den Ressourcen rechnen natürliche Gegebenheiten (topographische Merkmale), so z.B. Flüsse und Täler, Wohnungen, Arbeitsstätten (Dienstleistungen, Handel und Produktion), Freizeit- und Erholungseinrichtungen“ (Friedrichs, 1995, S.18). In seinen Ausführungen an dieser Stelle verweist Friedrichs klar und deutlich darauf, dass in der heutigen Zeit eine Stadt nicht als ein eigenes, in sich abgeschlossenes System zu sehen ist, sondern auch klar die Verflechtungen mit dem direkten, unter Umständen landwirtschaftlich geprägten Umland und den anderen Städten und Staaten.

1952 formulierte Robert Park den Begriff Stadt im Rahmen seiner Ausführungen zur geographischen Entwicklung und den Methoden der Erkundung von Städten, der Chicagoer Schule, folgendermaßen:

“Once set up, a city is a great sorting mechanism which [...] infallibly selects out of the population as a whole the individuals best suited to live in a particular region or a particular milieu” (Fischer, Robert, 2004, URL).

Die Definition von Robert Park beruht unter anderem auf den Aussagen von Georg Simmel, der sich in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts ebenfalls mit Stadtstrukturen auseinander gesetzt hat. Er beschäftigte sich sehr stark mit den Verhaltensweisen der Bewohner einer Stadt. Dabei legte er verschiedene Aspekte, die in den vorgegangenen Definitionen erwähnt wurden, zu Grunde. Diese sind zum Beispiel die funktionierende Marktwirtschaft und eine nicht näher bestimmte Dichte von persönlichen und baulichen Strukturen, die er lediglich mit denen in ländlichen Gebieten vergleicht und hier klarstellt, dass die Dichte in Städten sehr viel höher ist. Auf Grund dieser Merkmale spezifiziert er den Stadtbegriff auf weitere wichtige Merkmale, die eine Stadt und ihre Bewohner ausmachen. Er bezeichnete diese Merkmale als Intellektualität, Blasiertheit und Reserviertheit. Intellektualität verstand Simmel als die Beurteilung aller Beziehungen mit rationalem Kalkül. Die Beziehungen dienen also in den allermeisten Fällen einem Zweck, zum Beispiel der Inanspruchnahme von Dienstleistungen etc. (vgl. Häussermann; Siebel, 2004, S.35 ff). Simmel umschrieb es als „[...] ein Präservativ des subjektiven Lebens gegen die Vergewaltigung der Großstadt“ (Simmel, 1957, S.193). Die Blasiertheit bezeichnet die städtische Gewissheit, alles schon mal erlebt zu haben und durch nichts überrascht werden zu können. Sie dient also als Schutzmechanismus gegen eine subjektive und objektive Reizüberflutung durch die vorhandenen hohe Dichte und Heterogenität der Anwohner. Des weiteren dient sie als ein Mechanismus zur Darstellung der eigenen Individualität innerhalb der Stadt. Die Reserviertheit bezeichnet die Abgrenzung der Bewohner voneinander. Eine genauere Betrachtung des sozialen Umfelds würde auch hier zu einer Reizüberflutung führen. Die Reserviertheit dient also auch einem Schutzmechanismus (vgl. Häussermann; Siebel, 2004, S.35 ff).

Neben diesen wissenschaftlichen Ansätzen zur Erklärung des Begriffs Stadt existieren natürlich auch Gesetzestexte, die diese Begrifflichkeit umschreiben. In der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalens sind Bedingungen, wie sie in den vorangegangenen Ausführungen stehen, jedoch nicht zu finden. Das heißt, die Unterschiedlichkeit der Bewohner einer Gemeinde bzw. Stadt ist genauso wenig aufgeführt, wie die Notwendigkeit von wirtschaftlichen Transaktionen, die eine Stadt ausmachen. Im §15 Gemeindegebiet ist lediglich erwähnt, dass das entsprechende Gebiet so zu bemessen ist, dass die örtliche Verbundenheit der Bewohner gewahrt werden muss. Dies kann als ein Hinweis auf ein nicht näher bestimmtes Maß an Dichte verstanden werden. Hier ist aber eine abstrakt generelle Formulierung gewählt, die nur Interpretationen zulässt, aber nicht ausreichend ist, um Definitionen zu finden oder verlässlich ableiten zu können.

Die angeführten Definitionen legen eine unterschiedliche Gewichtung auf die Faktoren, aus denen sich eine Stadt zusammensetzt. Aber dennoch sind in den meisten Formulierungen auch ähnliche Bedingungen zu finden. So führen Wirth, Weber, Friedrichs und Robert Park klar die Bewohner und ihre Konzentration an. Der Wirtschaftsfaktor ist klar in den Aussagen über die Städte bei Weber und Friedrichs formuliert. Die gesetzlichen, politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen der Städte mit dem Umland und nicht selten die Verbindungen mit dem Ausland sind überlebenswichtig. D.h. ein Standort der Wirtschaft ist unter Umständen ausschlaggebend, um eine Ansiedlung von Menschen in einer Stadt zu erreichen bzw. deren Abwanderung zu verhindern. Die gewerblich arbeitenden Institutionen in einer Stadt sind in den heutigen Zeiten unumstößlich mit dem Umland und dem Ausland verbunden wie zum Beispiel in der Automobilindustrie die Zulieferer einzelner Teile. Eine autarke Struktur, wie sie Max Weber andeutet, ist in der Praxis der Gegenwart nicht haltbar und dürfte für keine Stadt innerhalb von Industrienationen durchführbar sein (vgl. Weber, 1921, S.727 f).

Etwas genauer betrachten Robert Park, Louis Wirth und Georg Simmel die Bewohner einer Stadt. Sie erwähnen einen für diese Arbeit unverzichtbaren Aspekt, der Stadtbewohner ausmacht. Gemeint ist die Heterogenität und das Vorhandensein von Milieus, in denen gelebt wird und Mechanismen, wie mit ihnen umgegangen werden kann. Diese Aspekte machen das Leben innerhalb einer Stadt einerseits interessant und abwechslungsreich, solange die verschiedenen Lebenswelten im Einklang mit- und nebeneinander existieren können. Andererseits bringt dies aber auch immense Probleme mit sich, wenn das Gleichgewicht durch Interessenskonflikte aus den Fugen gerät.

Es lässt sich also an dieser Stelle konstatieren, dass die Faktoren Dichte, Wirtschaft und Heterogenität für die Bestimmung des Begriffs Stadt nicht wegzudenken sind, wobei sich Wirtschaft und Dichte jeweils gegenseitig bedingen. Dies soll in den nächsten Kapiteln vertieft werden. Des weiteren sind die heterogenen Gesellschaftsstrukturen für ein Stadt- und Quartiersbild nicht unerheblich und finden ebenfalls in der Arbeit noch weitere Erwähnung.

2.3.2 Bedingungen für Segregation im Stadtgebiet

Die Auswirkungen und die Gründe der Segregation, die Bildung der benachteiligten Wohngebiete in Städten und die Bedingungen, die eine Stadt ausmachen, hängen in sehr ausgeprägter Form zusammen. Hier spielen die Bewohnerstruktur, wirtschaftliche und politische Faktoren und die infrastrukturellen Bedingungen eine Rolle.

Der Strukturwandel, wegbrechende Industrien und die Globalisierung haben den Städten und deren Bewohnern deutlich zugesetzt (vgl. Kronauer, 2002, S.215 f). Auch in den Regionen, in denen die Prognosen für einen gelungen Strukturwandelprozess positiv sind, haben die Arbeitslosenzahlen die 10%-Grenze längst überschritten. Diese Veränderungen der Struktur, die ohne die zu vermutende sinkende Arbeitslosigkeit einhergeht, wird als „jobless growth“ bezeichnet. Heute sind Dienstleistungen wie zum Beispiel die Planung und Beratung, Entwicklung von Konzepten zur Finanzplanung, Unternehmensberatungen etc. in den Mittelpunkt des marktwirtschaftlichen Interesses gerückt. Für diese Jobs werden Arbeitnehmer benötigt, die ein hohes Maß an Spezialisierung mitbringen müssen. Die bloße Bereitschaft zum Arbeiten ist eine moralisch lobenswerte Einstellung, im Dienstleistungssektor aber eine nicht mehr ausreichende Qualifikation. Die Personen, die ihre beruflichen Qualifikationen in den dem Strukturwandel zum Opfer gefallenen Bereichen gemacht haben, bleiben auf der Strecke. Ein weiteres Problem ergibt sich dadurch, dass die Betriebe, die keine Dienstleistungen im modernen Sinne leisten, eher in das Umland abwandern. Das liegt unter anderem daran, dass die laufenden Kosten im Umland geringer sind und somit wirtschaftlicher, in sowieso schon sehr problematischen Zeiten. Ein dritter, nachteiliger Aspekt ist die von Computern automatisierte Fertigung von Gütern, die im Laufe der Jahre einen nicht unerheblichen Teil der Arbeitnehmer wegrationalisiert hat (vgl. Keller, 1999, S.26 ff).

Hoch spezialisierte Arbeitnehmer im Dienstleistungssektor stehen hier also den Verlierern des Strukturwandels gegenüber. Daraus folgt: Arbeitsplätze der hochqualifizierten Menschen sind in der Regel auch hoch bezahlt. Die „Opfer“ dieses Zeitgeistes dagegen bekommen einen sehr geringen Lohn und die Zahl derer, die arbeitslos sind, wird vermutlich immer höher. Es entwickelt sich dadurch eine viel ausgeprägtere Zweiklassen-Gesellschaft, durch die die räumliche Segregation und die Bildung von benachteiligten Wohnquartieren innerhalb der Städte zusätzlich gefördert wird.

2.3.3 Die Dichte als Faktor der Kategorisierung

Einer der wichtigsten und prägnantesten Faktoren, die eine Stadt ausmachen, ist die Dichte der Besiedelung einer Stadt. Je nachdem wie hoch die Anzahl der Bewohner ist, kann ein Ort in Kategorien eingeteilt werden. Städte mit 5.000 bis 20.000 Einwohnern gelten als Kleinstädte, bei Größenordnungen bis 100.000 Einwohnern werden sie als Mittelstädte bezeichnet. Und Städte über 100.000 Einwohner nennt man Großstädte. Die nächst größere Kategorie sind Städte ab 1.000.000 Einwohner. Diese werden dann als Millionen-Weltstädte oder Metropolen bezeichnet (vgl. Merzbacher; Spiegel, 1995, S.235).

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die hohe Dichte einer Stadt gleichbedeutend mit überdurchschnittlich hoher Belegung der Wohnungen und den daraus resultierenden, mitunter katastrophalen Lebensbedingungen, die nicht selten auch physische und psychische Erkrankungen förderten.

Hierzu lässt sich eine Hypothese aus verschiedenen ethologischen Studien formulieren:

„Wenn eine unfreiwillig hohe Dichte zwischen Individuen besteht, dann gilt: Je länger dieser Zustand besteht, desto eher treten pathologische Reaktionen bei den Individuen auf“ (Friedrichs, 1983, S.134).

Während die Effekte einer zu hohen Konzentration von Menschen oft untersucht worden sind, gibt es keine ausreichenden Ergebnisse aus gegenteiligen Erhebungen. Es wird aber vermutet, dass eine zu geringe Bevölkerungsdichte ebenfalls psychisch wie physisch krank machende Folgen hat (vgl. Friedrichs, 1983, S.135).

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Assoziation dessen, was unter städtischer Dichte verstanden wurde. In dieser Zeit verstand man darunter ein Synonym für Abwechslungsreichtum, Lebendigkeit, Selbstverwirklichung, Freiheit, Unabhängigkeit etc.

In der Gegenwart muss der Begriff der Dichte differenzierter betrachtet werden. Die Dichte wird aus einer materiellen und einer sozialen Perspektive beleuchtet (vgl. Spiegel, 1998, S.39).

2.3.3.1 Die bauliche/soziale Dichte

Die materielle Komponente beschreibt die bauliche Dichte, die Einwohner, die Beschäftigten- und die Arbeitsplatzdichte. Die materielle oder bauliche Dichte und deren genaue Berechnung wird mit der:

- Baumassenzahl (BMZ),
- der Grundflächenzahl (GRZ), und der
- Geschossflächenzahl (GFZ)

ermittelt. Im Städte- und Siedlungsbau wird - im Flächennutzungsplan - gesetzlich darauf geachtet, dass immer ein bestimmtes Verhältnis zur bebauten und nicht bebauten Fläche besteht. Die unbebauten Flächen bedeuten aber im Gegenzug nicht, dass diese zur freien Verfügung der Bewohner in Form von Naherholungsangeboten stehen. Diese Flächen können öffentliche oder private Grundstücke sein, aber auch für gewerbliche Zwecke vorgesehen sein. In welchem Verhältnis unbebaute und bebaute Flächen zueinander stehen und inwieweit die bebauten Flächen gewerblich, privat oder öffentlich genutzt werden, ist in den Baugesetzgebungen geregelt (vgl. Spiegel, 1998, S.41 f).

Die zweite Komponente, die mit Aussagen zur Dichte einer Stadt im Zusammenhang steht, ist die soziale Dichte. Hier sind wichtige Faktoren:

- die Menge der als soziale Beziehung in Frage kommende Gesamtbevölkerung,
- die Häufigkeit der Inanspruchnahme solcher Beziehungen,
- die Flächeneinheit, innerhalb derer sich die Interaktion mit den Mitmenschen vollzieht,
- das Vorhandensein bzw. die Beschaffenheit der zur Verfügung stehenden Verkehrs- und Kommunikationsmittel.

Das Spektrum dessen, was eine soziale Beziehung ist, findet in den Einteilungen zur Dichte keine genauere Differenzierung und muss gegebenenfalls an die zu untersuchende bzw. zu beurteilende Fragestellung individuell und gesondert angepasst werden. Hier dürfte es sich aber im Allgemeinen um berufliche, private, flüchtige, zufällige, verbale oder nonverbale Interaktionen in kleinen, mittleren oder Großgruppen handeln (vgl. Spiegel, 1998, S.39 ff).

Die Unterteilung in bauliche und soziale Aspekte der Dichte ist in der Forschung notwendig, um soziale Phänomene und den bewohnten Raum bei korrelierenden Ergebnissen näher untersuchen und hinterfragen zu können. Man ist lange davon ausgegangen, dass die beiden Formen der Dichte auch eng miteinender im Zusammenhang stehen. Man hat vor allem die negativen sozialen Erscheinungen mit der materiellen Dichte in Verbindung gebracht. Heute weiß man, dass diese augenscheinlichen Zusammenhänge zwar durchaus berechtigt sein können, aber nicht unbedingt sein müssen (vgl. Spiegel, 1998, S.39 ff). Die ermittelten Korrelationen zwischen der baulichen und der sozialen Dichte ergaben sehr unterschiedliche Ergebnisse, da in den Studien zum Teil die unterschiedlichen Formen der Einteilungen von Dichte, wie sie oben beschrieben sind, zu Grunde gelegt wurden (vgl. Friedrichs, 1983, S.135). Hierzu hat man weitere mathematische Verfahren entwickelt, anhand derer Korrelationen mit faktorenanalytischen Methoden genauer untersucht werden können (vgl. Spiegel, 1998, S.39 ff).

[...]

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Benachteiligte Wohnquartiere und Gemeinwesenarbeit
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
75
Katalognummer
V49753
ISBN (eBook)
9783638461184
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Benachteiligte, Wohnquartiere, Gemeinwesenarbeit
Arbeit zitieren
Dipl.-Sozialarbeiter (FH) Carsten Vogt (Autor), 2004, Benachteiligte Wohnquartiere und Gemeinwesenarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49753

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