Durch die Entstehung neuer Medien verändern sich auch die Kommunikationsbedingungen und -formen. Unter „Neuen Medien“ werden in dieser Arbeit in Anlehnung an Schmitz computergestützte elektronische Digitalmedien, hochauflösendes Fernsehen, sowie Satelliten- und Kabeltechnologien verstanden. Das Internet stellt allen, die es nutzen, eine Vielzahl von Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung. Angefangen bei simplen Webformularen über E-Mails und Newsgroups bis hin zum Internet Chat ist im weltweiten Netz Alles möglich. Man kann sich aussuchen, ob man sich nur dem Autor einer HTML- Seite mitteilen oder ob man mit vielen anderen Leuten zu einem bestimmten Thema diskutieren möchte. Die Linguistik bekommt durch die Verbreitung des Internets und die Konventionalisierung einzelner Kommunikationsgewohnheiten ein neues, großes Forschungsfeld. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Massenmedien wie Fernsehen, Hörfunk und Presse, die in ihrer Bedeutung für Funktion und Erscheinungsformen von Sprache vielfältig erforscht sind, liegen für die Neuen Medien noch keine endgültigen zuverlässigen Antworten auf die Frage nach den Auswirkungen der elektronischen Medien auf Sprachverhalten, Sprachkompetenz und Sprachsystem vor, da die Technik der Internet-Kommunikation relativ neu ist und sich ständig weiterentwickelt. Innerhalb dieser Neuen Medien werde ich im Folgenden den Versuch unternehmen, die wesentlichen Kommunikationsformen, die der Computer bietet, hinsichtlich ihrer soziolinguistischen Besonderheiten zu charakterisieren, wobei ich mich vor allem auf die bei der E-Mail-Kommunikation zu beobachtenden sprachlichen Veränderungen konzentrieren werde. Da ich die verschiedenen Kommunikationsformen durchgehend in Bezug auf ihren mündlichen oder schriftlichen Charakter betrachten will, werde ich zunächst in die Thematik der medialen und konzeptionellen Mündlichkeit und Schriftlichkeit einführen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kommunikationsformen der Neuen Medien
2.1 Interaktive Kommunikation
2.2 Interpersonelle Kommunikation
2.2.1 Verzögerte Kommunikation
2.2.2 Echtzeitkommunikation
3 Mündlichkeit und Schriftlichkeit in computervermittelter Kommunikation
3.1 Theoretische Grundlagen
3.2 Übertragung der theoretischen Grundlagen auf das Internet
4 Die E-Mail: Analyse einer der computervermittelten Kommunikationsmöglichkeiten
4.1 Der Aufbau einer E-Mail
4.2 Allgemeine Kommunikationsbedingungen für E-Mails
4.2.1 Zeitliche und räumliche Trennung
4.2.2 Flüchtigkeit des Zeichenkörpers
4.2.3 Dialogizität von E-Mails
4.3 E-Mail-Kommunikation als neue Textsorte
4.3.1 Humor, Ironie und sprachliche Kreativität in E-Mails
4.3.2 Orthografische und sprachliche Besonderheiten
5. Fazit
6.Quellenverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Einfluss moderner elektronischer Medien, insbesondere der E-Mail, auf Sprachverhalten und Sprachsystem. Das primäre Ziel ist es, die E-Mail als eigenständige Textsorte zu charakterisieren und zu begründen, warum sie nicht lediglich eine degenerierte Form des traditionellen Briefes darstellt, sondern eine neue, durch Dialogizität und sprachliche Kreativität geprägte Kommunikationsform ist.
- Charakterisierung der Kommunikationsformen in den Neuen Medien.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
- Untersuchung der spezifischen Kommunikationsbedingungen der E-Mail.
- Analyse der sprachlichen Besonderheiten und kreativen Stilmittel in der E-Mail-Kommunikation.
- Einordnung der E-Mail-Kommunikation als neue, eigenständige Textsorte.
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Flüchtigkeit des Zeichenkörpers
E-Mails werden digital übermittelt, sind also von Natur aus immateriell. Viele Linguisten vermuten darin den Hauptgrund für die hohe Fehlertoleranz in E-Mails. Die „Vorläufigkeit des Schreibens in einem fluiden Element“, die „Flüchtigkeit des Zeichenkörpers“ als Gegensatz zur Endgültigkeit und Beständigkeit eines Briefes vermitteln den Eindruck, dass jederzeit korrigiert werden könne, E-Mails also im Grunde genommen unfertige Schriftstücke sind und die Fehler toleriert werden, wenn nicht gar dazugehören. Dennoch ist beides Illusion. Es können sowohl E-Mails ausgedruckt und somit beständig gemacht als auch papierne Schriftstücke vernichtet werden.
Dadurch, dass E-Mails, wie oben erläutert, schnell und unkompliziert geschrieben und gesendet werden können, werden sie auch meist schnell beantwortet, besitzen also einen hohen Aufforderungscharakter, da der Empfänger sich ähnlich wie bei einem Telefonat dazu aufgefordert fühlt, möglichst schnell eine Antwort zu formulieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Forschungsgegenstand ein, definiert den Begriff der „Neuen Medien“ und umreißt die Fragestellung nach deren Auswirkungen auf das Sprachsystem.
2 Kommunikationsformen der Neuen Medien: Es erfolgt eine Klassifizierung der internetbasierten Kommunikationsmöglichkeiten, unterteilt in interaktive, interpersonelle, verzögerte und Echtzeitkommunikation.
3 Mündlichkeit und Schriftlichkeit in computervermittelter Kommunikation: Die theoretischen Grundlagen der Oralität und Literalität werden dargelegt und deren Übertragung auf das Internet sowie die Konzepte der „Sprache der Nähe“ und „Sprache der Distanz“ diskutiert.
4 Die E-Mail: Analyse einer der computervermittelten Kommunikationsmöglichkeiten: Dieser Hauptteil analysiert detailliert den Aufbau, die technischen Bedingungen, die Dialogizität und die sprachlichen Charakteristika der E-Mail.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Argument, dass die E-Mail als eigenständige Textsorte eine Schnittmenge aus traditionellen Formen mit spezifisch neuen, durch das Medium bedingten Elementen darstellt.
6.Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
E-Mail, Neue Medien, Soziolinguistik, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, computervermittelte Kommunikation, Textsorte, Dialogizität, Sprachwandel, Internet, Sprache der Nähe, Sprache der Distanz, Flüchtigkeit, digitale Kommunikation, Kommunikationsbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich elektronische Kommunikationsmedien, insbesondere die E-Mail, auf Sprachgebrauch und Sprachsystem auswirken und ob dadurch neue Textsorten entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Soziolinguistik, die Analyse computervermittelter Kommunikation sowie das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit im digitalen Zeitalter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass die E-Mail eine eigenständige Textsorte ist, die sich durch neue Merkmale wie eine spezifische Dialogizität und sprachliche Kreativität auszeichnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine linguistische Analyse, gestützt auf Modelle wie das Kontinuum von Koch und Oesterreicher sowie die Theorie der sekundären Oralität nach Ong.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der technische Aufbau einer E-Mail, ihre Kommunikationsbedingungen (z.B. Flüchtigkeit, Asynchronität) und sprachliche Besonderheiten wie Humor und Fehlerquoten detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind E-Mail, computervermittelte Kommunikation, Sprachwandel, Dialogizität und die Unterscheidung zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit.
Wie unterscheidet sich die E-Mail laut der Arbeit vom herkömmlichen Brief?
Während der Brief als ausformulierter, "wohlgeformter" Text gilt, zeichnet sich die E-Mail durch eine orientierung an der Mündlichkeit, eine höhere Flüchtigkeit und eine ausgeprägte Dialogizität aus.
Welche Bedeutung hat die "Reply-Funktion" für die Argumentation?
Die Reply-Funktion wird als zentrales technisches Merkmal angeführt, das eine grundlegend neue Form der Dialogizität ermöglicht, da sie das Zitieren und direkte Antworten auf den vorangegangenen Text integriert.
Warum spielt die Anonymität laut der Arbeit eine Rolle?
Die Arbeit diskutiert Anonymität als Merkmal, das die Gesprächsatmosphäre beeinflussen kann, indem es zum einen Entspannung fördert, zum anderen aber auch zu Abschottung oder Unehrlichkeit führen kann.
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- Anonym (Author), 2005, Betrachtung der Sprachentwicklung in den Neuen Medien am Beispiel der E-Mail, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49768