Im Folgenden soll die bevorstehende Krise anhand der von Immanuel Wallerstein darlegten säkularen Trends des Welt-Systems untersucht werden. Dazu wird zuerst Immanuel Wallerstein und seine Welt-System-Analyse vorgestellt, um anschließend die säkularen Trends des Welt-Systems zu erläutern. Anschließend sollen einige dieser Trends empirisch überprüft werden. Zum Schluss gibt die Arbeit eine Gesamteinschätzung von Wallersteins These, sowie einen Ausblick auf die Anwendbarkeit seiner Trends auf aktuelle Entwicklungen im Welt-System.
Das Ende des Kapitalismus wird kommen. Dessen war sich schon Karl Marx sicher. Immer wieder finden sich Prophezeiungen über das Ende des Kapitalismus. Doch stimmt diese Behauptung wirklich? Ist das Ende des Kapitalismus unausweichlich? Der 200. Geburtstag von Karl Marx in diesem Jahr ist ein guter Anlass, um diese These auf den Prüfstand zu stellen. Angelehnt an Marx argumentiert auch Immanuel Wallerstein, dass sich das moderne Welt-System in der Krise befindet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Immanuel Wallerstein
2.1. Welt-System-Theorie
2.2. Zentralstaaten, Semiperipherie und Peripherie-Gebiete
3. Säkulare Trends
3.1. Der erste säkulare Trend: Der Anstieg des prozentualen Anteils der Löhne an den Produktionskosten
3.2. Der zweite säkulare Trend: Steigende Kosten für Rohstoffe und den Umweltschutz
3.3. Der dritte säkulare Trend: Die steigende Steuerrate
4. Übergang in ein neues Welt-System
5. Empirische Überprüfung säkularer Trends
5.1. Urbanisierung
5.2. Der steigende Anteil der Löhne an den Produktionskosten
5.3. Zusammenfassung
6. Gesamteinschätzung, Schlussfolgerung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Wallersteins These eines bevorstehenden Endes des modernen kapitalistischen Welt-Systems anhand seiner Theorie der säkularen Trends. Das primäre Ziel ist es, diese theoretischen Annahmen zu explizieren und durch eine empirische Überprüfung ausgewählter Trends auf ihre Validität und aktuelle Anwendbarkeit hin zu evaluieren.
- Grundlagen der Welt-System-Theorie nach Immanuel Wallerstein
- Analyse der drei zentralen säkularen Trends des Kapitalismus
- Empirische Untersuchung der fortschreitenden Urbanisierung
- Überprüfung der Dynamik von Arbeiterbewegungen und Lohnkosten
- Kritische Einschätzung der Flexibilität des globalen Kapitalismus
Auszug aus dem Buch
3.1. Der erste säkulare Trend: Der Anstieg des prozentualen Anteils der Löhne an den Produktionskosten
So konnten die Arbeiter an jedem Ort und in jeder Branche sich gewerkschaftlich organisieren und so eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Arbeitgebern bewirken. Es lässt sich festhalten, dass sich die Arbeiterklasse durch die langfristige Demokratisierung der politischen Mechanismen eine kontinuierlich stärkere politische Macht erarbeitet hat und so höhere Löhne durchsetzen. Dies hatte den steigen Anteil des prozentualen Anteils der Löhne an den Produktionskosten zur Folge.
Um dieser gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter zu entgehen, verlagern die Kapitalisten ihre Produktion in andere Regionen der Weltwirtschaft. Hier suchen sie vor allem nach Regionen, in denen aufgrund fehlender Macht der Arbeiter die Durchschnittslöhne niedriger sind. Diese Verlagerung ist nur unter der Berücksichtigung des Qualifikationsniveaus der angestrebten Region möglich. Niedrigere Löhne lassen sich hier durchsetzen, da es sich meist um neu rekrutierte Migranten aus ländlichen Gebieten handelt. Meist befinden sie sich zum ersten Mal auf dem industriellen Arbeitsmarkt. Sie akzeptieren ein niedriges Lohnniveau, da ihr neues Nettoeinkommen trotzdem noch über dem liegt, was sie mit ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit erwirtschaftet hätten. Zum anderen sind diese Migranten oft gesellschaftlich entwurzelt und treten deshalb gar nicht oder nur mangelnd für ihre Interessen ein. Diese Faktoren verringern sich im Laufe des Zeit und nach einigen Jahrzehnten werden auch diese Arbeiter Druck auf das Lohnniveau ausüben.
Die Verlagerung von Produktionen ist jedoch nur so lange möglich, wie es noch neu zu erschließende Regionen im Welt-System gibt. Dafür muss noch ausgedehntes ländliches Gebiet existieren, in dem das Lohnniveau noch niedrig genug ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die These vom Ende des Kapitalismus ein und stellt die beabsichtigte empirische Untersuchung der Wallersteinschen säkularen Trends vor.
2. Immanuel Wallerstein: Dieses Kapitel erläutert die Biografie Wallersteins sowie die methodischen Grundlagen der von ihm entwickelten Welt-System-Analyse.
2.1. Welt-System-Theorie: Hier wird der systemtheoretische Begriff des Welt-Systems definiert und in seine Kategorien als Weltreich oder Weltwirtschaft differenziert.
2.2. Zentralstaaten, Semiperipherie und Peripherie-Gebiete: Das Kapitel beschreibt die geographische und funktionale Arbeitsteilung sowie die Machtstrukturen innerhalb der Weltwirtschaft.
3. Säkulare Trends: Eine theoretische Herleitung der Grenzen der Kapitalakkumulation, die laut Wallerstein den Kapitalismus unter massiven Druck setzen.
3.1. Der erste säkulare Trend: Der Anstieg des prozentualen Anteils der Löhne an den Produktionskosten: Erläuterung des politischen Wettbewerbs zwischen Arbeit und Kapital sowie der Fluchtbewegung von Produktionsstandorten.
3.2. Der zweite säkulare Trend: Steigende Kosten für Rohstoffe und den Umweltschutz: Untersuchung der Kostenexternalisierung und der ökologischen Grenzen des modernen Wirtschaftssystems.
3.3. Der dritte säkulare Trend: Die steigende Steuerrate: Analyse der wachsenden staatlichen Ausgaben für soziale Sicherheit als notwendige Bedingung für politische Stabilität.
4. Übergang in ein neues Welt-System: Darstellung des Übergangs von der kapitalistischen Weltwirtschaft in eine Phase des Chaos und der Neuorientierung.
5. Empirische Überprüfung säkularer Trends: Einleitende Reflexion zur Verfügbarkeit empirischer Daten zur Überprüfung der Wallersteinschen Thesen.
5.1. Urbanisierung: Empirische Untersuchung der Verstädterung mittels Daten des UN/DESA im Vergleich zur Prognose Wallersteins.
5.2. Der steigende Anteil der Löhne an den Produktionskosten: Überprüfung der Arbeiterbewegungen anhand der „Forces of Labor“-Studie von Beverly Silver mit Fokus auf Brasilien.
5.3. Zusammenfassung: Zusammenfassende Bewertung der empirischen Belege für Urbanisierung und Lohnkostentrends.
6. Gesamteinschätzung, Schlussfolgerung und Ausblick: Kritische Reflexion der Wallersteinschen These unter Berücksichtigung des Aufstiegs Chinas und der Wandlungsfähigkeit des globalen Kapitalismus.
Schlüsselwörter
Welt-System-Theorie, Immanuel Wallerstein, Kapitalismus, Säkulare Trends, Kapitalakkumulation, Arbeitsteilung, Urbanisierung, Arbeiterbewegungen, Lohnniveau, Globalisierung, Kostenexternalisierung, Sozialökonomie, Weltsystem, Produktionsverlagerung, Wirtschaftsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Vorhersagen von Immanuel Wallerstein bezüglich des bevorstehenden Endes des modernen kapitalistischen Welt-Systems und gleicht diese mit empirischen Beobachtungen ab.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Welt-System-Analyse, die säkularen Trends (Lohnkostenanstieg, Rohstoff-/Umweltkosten, steigende Steuerraten) sowie die empirische Validierung durch Daten zur Urbanisierung und zu Arbeiterunruhen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die von Wallerstein identifizierten säkularen Trends tatsächlich dazu führen, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form in absehbarer Zeit vor dem Ende steht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, der durch eine empirische Überprüfung ergänzt wird. Hierbei werden statistische Daten (UN/DESA) und historische Fallstudien (Beverly Silver) als Vergleichsgrundlage herangezogen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Vorstellung der drei säkularen Trends und deren anschließende empirische Prüfung mittels Daten zur Urbanisierung sowie zur Geschichte der weltweiten Arbeiterunruhen im 20. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Welt-System-Theorie, Kapitalakkumulation, Arbeiterbewegungen und die Flexibilität des globalen Kapitalismus definiert.
Inwiefern spielt Brasilien eine Rolle in der Untersuchung?
Brasilien dient als spezifisches Fallbeispiel für die Untersuchung der Arbeiterbewegungen und zeigt den Zusammenhang zwischen industrieller Expansion, zunehmendem Lohn-Druck und der daraus resultierenden Produktionsverlagerung.
Wie bewertet die Arbeit die Prognose Wallersteins?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass zwar Tendenzen existieren, die Wallerstein beschrieben hat, der Kapitalismus jedoch eine höhere Flexibilität und Wandlungsfähigkeit aufweist, als von Wallerstein in den 1980er Jahren prognostiziert wurde.
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- Cara Barkhausen (Autor), 2018, Eine empirische Überprüfung der säkularen Trends des Welt-Systems nach Immanuel Wallerstein, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497703