Leugnung des Klimawandels. Kalkül oder ethische Verpflichtung?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
28 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Umweltethik und Klimawandel
2.1. Umwelt und Ethik
2.2. Klimaethik:GrenzenundProbleme

3. Leugner des Klimawandels
3.1. Hintergründe
3.2. wissenschaftliche Zweifel
3.3. Die AfD: Klimawandel als politisches Machtinstrument?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ich bin Leben, inmitten von Leben, das leben will“ lautet ein bekanntes Zitat von Albert Schweitzer. Der Philosoph betonte damit das, was vielen Menschen heute in der digitalen Welt des 21. Jahrhunderts kaum noch bewusst ist: Wir leben in einer komplexen Biosphäre, auf einem Planeten und haben selbst unsere eigene persönliche Umwelt. Wir können nur existieren, solange sie existiert. Die biologischen, physikalischen und chemischen Vorgänge der Natur machen unser Leben überhaupt erst möglich. Sind wir der Natur also etwas schuldig? Ist sie schützenswert? Um diese grundlegenden Fragen der Umweltethik soll es im ersten Teil der Hausarbeit gehen - und um ihre Grenzen. Dazu gehören unter anderem die Frage, ob der Klimaschutz wichtiger ist als alles andere, beispielsweise die Wirtschaft und der damit verbundene Wohlstand.

Inwiefern sich die Fragen der Umweltethik auf die Realpolitik und gesellschaftliche Relevanz umsetzen lässt, zeigt sich durch die Debatte rund um den Klimawandel. Im zweiten Teil soll dann analysiert werden, inwiefern sich die Probleme und Maßstäbe der Umweltethik auf wissenschaftlicher und politischer Ebene anwenden und umsetzen lassen. Gibt es den menschengemachten Klimawandel überhaupt und welche Interessen sind damit verbunden, wenn man sich als Wissenschaftler oder Partei gegen ihn stellt, gar als „Klimalügner“ in Erscheinung tritt? Insbesondere soll es im Kapitel zu den wissenschaftlichen Zweifel um die fragliche Meinung zentraler Forschungsinstitutionen geben, wie dem Intergovermental Panel of Climate Change (IPCC), das in engem Zusammenhang mit den Vereinten Nationen steht und seiner Nähe zur Politik und der fehlenden Unabhängigkeit häufig in der Kritik steht. Auf der anderen Seite stehen Wissenschaftler, die sich bewusst von der Massenmeinung differenzieren wollen - oder steckt dahinter ein Forschungsaspekt, im Sinne der Aufklärung?

Aus quantitativen Gründen bezieht sich die Hausarbeit lediglich auf die Partei „Alternative für Deutschland“, da diese in Bezug auf den Klimawandel äußerst drastische Positionen bezieht. Weiterführende Untersuchungen wären in diesem Bereich der internationale Vergleich mit dem Parteiprogramm und den Äußerungen von anderen populistischen Parteien und ihren Vertretern, beispielsweise Donald Trump oder Marine

Ie Pen. Auch die Käuflichkeit und teilweise skeptisch betrachtete Objektivität von Wissenschaftlern wäre ein weiterer Punkt. Zu guter Letzt sind auch die Interessen der einzelnen Länder und ihre veränderten Positionen zum Klimawandel wie der Klimaausstieg derVereinigten Staaten von Amerika sowie das plötzliche Klimaengangement Chinas untersuchenswert. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Motivationen dahinter stecken und ob zur Erreichung dieser Ziele etwa bewusst Statistiken und Forschungsprojekte gefälscht wurden.

2. Umweltethik und Klimawandel

2.1. Umwelt und Ethik

Bevor das spezifische Thema Klimawandel behandelt wird, soll zunächst eine kurze Einführung zum Verhältnis zwischen Umwelt, Mensch und Ethik gegeben werden. Der allgemeine Begriff der Umweltethik lässt sich laut der Universität Greifswald, die über eine eigene Professur für diesen Teilbereich der Ethik verfügt, wie folgt definieren:

Die Umwelt- bzw. Naturethik ist derjenige Bereich der anwendungsorientierten (= angewandten) Ethik, in dem präskriptive Maßstäbe (Werte, Regeln, Normen, Kriterien) für einen moralisch verantwortbaren Umgang mit den unterschiedlichen außermenschlichen Naturwesen („der“ Natur) erörtert, reflektiert, geprüft und begründet werden. Die Umweltethik (Naturethik) erarbeitet die Begründungsdimension für die gesellschaftlichen Handlungsbereiche von Umwelt-, Tier-, und Naturschutz. Die Umweltethik (Naturethik) ist die geistige Antwort auf die realgeschichtliche Naturkrise der Gegenwart.1

Die Umweltethik lässt sich wiederum in weitere Teildisziplinen gliedern. Dazu gehören die Natur- und Tierethik sowie die Umweltethik im engeren Sinne. Hinzu kommen verschiedene Positionen, die im Folgenden kurz erläutert werden. Zu diesen Positionen gehören Anthropozentrismus und Physiozentrismus (Pathozentrismus, Biozentrismus, Holismus und die Tiefen-Ökologie).

In der Position des Anthropozentrismus ist der Wert der Natur abhängig vom Nutzen, den der Mensch daraus ziehen kann. Die Konsistenzkritik an dieser Position betont, dass das Wissen über die Natur und den Menschen unvollständig und einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen ist. Folglich ist die Wichtigkeit der Natur immer eine Momentaufnahme.2

Hinsichtlich des Klimawandels hieße das also, dass der Mensch die Umwelt und Ressourcen nicht zum Erhalt der Erde schützt, sondern, da sonst seine Existenz bedroht werde.

Die Gegenposition zum Anthropozentrismus bildet der Physiozentrismus. Hier steht die Natur im Vordergrund und der ethische Umweltschutz der Natur entsteht aus ihr selbst, ihrer Daseinsberechtigung und der Naturästethik. Hier wiederum gibt es Unterkategorien, die ethische Maßstäbe danach richten, ob ein Lebewesen leidensfähig oder vernunftbegabt ist oder gar Mitleid empfinden kann (= Pathozentrismus). Der Biozentrismus wiederum geht davon aus, dassjede Art von Leben zu erhalten ist. Diese Ansicht geht insbesondere auf Albert Schweitzer und sein Zitat „Ich bin Leben, inmitten von Leben, das leben will“ zurück. Relevant in Bezug auf den Klimawandel ist auch noch der Holismus, der von einer Gesamtheit des Seins, von einem Weltorganismus ausgeht. Klaus-Michael Meyer-Abich, ein wichtiger Mitbegründer der Umweltethik, geht beispielsweise davon aus, dass alles Lebendige über seine eigene Umwelt, die sogenannte Mitwelt, verfügt.3

Hinsichtlich des Klimas befinden wir uns also vor allem im Bereich der Biosphäre und des Holismus. Die Frage, ob die Umwelt aus Gründen des Eigennutzens (Anthropozentrismus) oder aus ihrem Eigenwert (Physiozentrismus) schützenswert ist, spielt dennoch insbesondere für die Motivation der behandelten Gruppen, wie Wissenschaftler und Politiker, eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Der Wert der sogenannten Biosphäre (der Teil des Planeten, der von Lebewesen bewohnt wird), der Erhalt der biologischen Vielfalt, Funktion der Arten in Lebensgemeinschaften, sowie insbesondere die Selbstregulation hängen damit zusammen. Diese komplexe Biosphäre besteht aus Rückkoppelungsschleifen und Ausgleichsprozessen. Diese steuern die Zusammensetzung der Atmosphäre und das Geschehen in den Böden und im Meer. Die weitverbreitete Negativ-Prognose der Wissenschaftler lautet deshalb: Sollte es nicht gelingen, die globalen, von Menschen gemachten Veränderungen, wie Temperaturerhöhung oder Degradation von Böden, zu stoppen, so würden alle nachhaltigen Entwicklungen scheitern.4

Zum Schluss dieser kurzen theoretischen Einleitung gilt es zu bedenken, dass Theorie und Praxis insbesondere in der Umweltethik stark zu unterscheiden sind. Praktische Erfordernisse können nicht die Begründung der Umweltethik bilden. Gleichzeitig kann die Theorie nicht die Stütze der Ethik bilden. Genau hier besteht allerdings die Gefahr hinsichtlich der Umweltethik und der Wissenschaft. Neben vermeidlichen Vorzügen wie Schadensvermeidung oder Gesundheitsförderung sind es - insbesondere in Einzelfällen - vor allem wissenschaftliche Evaluationen und die Erhebung des wissenschaftlich-technischen Sachverhalts.5

Die Verbindlichkeit und Objektivität der Untersuchungen gilt es hier - auch hinsichtlich der Verantwortungsethik - zu hinterfragen.

2.2 Klimaethik: Grenzen und Probleme

„Even our best theories struggle to address basic issues such as intergenerational equity, contigent presons, nonhuman animals and nature. Climate change involves all these and more, given this, humanity appears to be charging into an area where we are theoretically inept, in the sense of being unsuited for or lacking the basic skills and competence to complete, the task.“6

Dieses Zitat aus dem Buch von Stephen Gardiner und David Weisbach aus dem Jahr 2016 verdeutlicht, dass die Umweltethik sich verändern muss, auf Entwicklungen reagieren muss und folglich einem ständigenWandel unterzogen ist.

Ein weiteres Beispiel für die Grenzen der Umweltethik liefert JosefBordat, in dem er behauptet, es gebe zwei Voraussetzungen für die Ethik in Zeiten des Klimawandels. Dazu gehören für ihn die Frage der globalen Sicherheit sowie die Annahme, dass der Klimawandel menschengemacht sei. Er beträfe ferner ihre Sicherheit, ihr Leben und ihre Würde und sei daher als Gegenstand der Ethik anzusehen.7

Besonders das zweite Argument ist stark umstritten, wie insbesondere aus den Kapiteln zu wissenschaftlichen Klimagegnem und der Alternative für Deutschland (AfD) zeigen wird. Die Umwelt scheint also in erster Linie ein Teilgebiet der Ethik zu sein, weil unser Leben und unsere Würde und unsere Sicherheit dadurch bedroht sind. Ursache, Wirkung und Folgen sind mit Vorsicht zu genießen. Der Mensch trägt dennoch seinen Teil zum Klimawandel bei. Wie groß dieser Teil ist und ob er wirklich ausschlaggebend ist, bleibt fraglich. Bordat bezieht sich in seiner Behauptung zum menschengemachten Klimawandel auf den „Intergovermental Panel on Climate Change“ (IPCC), eine Organisation der UN. Inwiefern dieserjedoch unabhängige Ergebnisse liefert, ist ebenfalls fraglich und wird ebenfalls im Kapitel zu wissenschaftlichen Klimaskeptikem nicht ohne Grund behandelt werden.

Schwierig ist im Rahmen der Umweltethik auch die Auseinandersetzung mit dem wirtschaftlichen Aspekt: Unser Wohlstand baut aufWachstum auf. Genau diese beiden Begriffe sind es aber, die nicht mit der Umweltethik vereinbar sind. PKWs, die viel Benzin verbrauchen, leisten im Gegensatz zu Fahrrädern einen großen Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Wegwerfprodukte fördern ebenfalls die Wirtschaft, belasten die Natur und die Umweltjedoch immens. Sowohl die Produktionsprozesse als auch die Beseitigungen der Folgen stellen hier ein Problem dar. In den Debatten dazu wird diskutiert, wieviel Wachstum wir in Deutschland minimal benötigen, um unseren Wohlstand zu sichern und gleichzeitig die Umwelt nicht zu gefährden.8

Wollen wir, die Menschen, unseren Wohlstand wirklich gefährden, um etwas zu schützen, das für uns kaum greifbar ist? Der Schutz der im vorherigen Kapitel genannten Biosphäre der Umwelt im engeren Sinne, ist genau aus diesem Grund kritisch zu sehen.

Der Schutzbedarf ist nicht-anthropozentrisch herzuleiten, denn es geht nicht um die Bedürfnisse des Menschen, sondern um Wohl, Würde und Wert der Biosphäre selbst. Inwiefern sie diesen moralischen Statusjedoch erlangen kann, ohne selbst ein Febewesen zu sein, ist in der Ethik fraglich und umso schwerer für einzelne Individuen nachzuvollziehen. Die Natur müsste also als eigenständiges, von anderen unterscheidbares Febensphänomen wahrgenommen werden, um für einzelne Menschen als auch wichtige Funktionäre im Zusammenhang des Klimawandels als relevant und schützenswert empfunden zu werden.9

Eine weitere ethische Möglichkeit hierzu bietet die Verantwortungsethik.

[...]


1 „Der Greifswalder Ansatz in der Umweltethik Konrad Ott“, zitiert nach Günter Sednig, Die Umweltethik aus globaler Sicht, Diplomarbeit an der Universität Wien, 2010, online abrufbar unter: http://othes.univie.ac.at/11539/l/2010-08-30_0408516.pdf, S. 34

2 Vgl. Brenner, Andreas: Umweltethik, Ein Lehr- und Lesebuch, Fribourg 2008, S. 120-121.

3 Vgl. Brenner, Andreas: Umweltethik, S. 124-130.

4 Vgl. Siebeck, Otto: Globale Umweltgefährdung und dramatischer Rückgang der Artenvielfalt rütteln die Menschen auf, Einführung in das 5. Franz-Ruttner-Symposium, S. 24-25. Online abrufbar unter: http://www.anl.bayern.de/publikationen/spezialbeitraege/doc/lsb2002_02_002_siebeck_globale_umweltg efaehrdung.pdf, zuletzt aufgerufen am 6.4.2018.

5 Vgl. Düwell, Marcus (Hg, u.a.): Handbuch Ethik, 3. Aktualisierte Auflage, Stuttgart 2011, S. 295.

6 Gardiner, Stephen M.; Weisbach, David H.: Debating climate ethics, Oxford University Press 2016, S. 258.

7 Vgl. Bordat, Josef: Ethik in Zeiten des Klimawandels, in: Martin Voss: Der Klimawandel, Sozialwissenschaftliche Perspektiven, Wiesbaden 2010, S.189.

8 Vgl. Brüggemeier, Franz-Josef: Schranken derNatur. S.336-339

9 Vgl. Brenner, Andreas: Umweltethik, S. 195-196.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Leugnung des Klimawandels. Kalkül oder ethische Verpflichtung?
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
28
Katalognummer
V497788
ISBN (eBook)
9783346024336
ISBN (Buch)
9783346024343
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klimawandel, AFD, Klimaleugner, Klima, Ethik, Politik
Arbeit zitieren
Natalie Meyer (Autor), 2018, Leugnung des Klimawandels. Kalkül oder ethische Verpflichtung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497788

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