Ziel dieser Arbeit ist es, eine Leitlinie zu geben, wie die kollegiale Hospitation ablaufen sollte, damit sie ihr Potential entfalten kann. Dafür werden im Folgenden zunächst die Relevanz und die aktuelle Stellung kollegialer Hospitationen in Schulen betrachtet. Für die Wirksamkeit kollegialer Hospitationen ist es ratsam, dass sie nach einem gewissen Schema ablaufen. Ein solches Schema wird anschließend in Form eines möglichen Ablaufs der kollegialen Hospitation erläutert.
Der Begriff kollegiale Hospitation bezeichnet den Unterrichtsbesuch eines Lehrers , in welchem er die Unterrichtsstunde eines Kollegen beobachtet und ihm anschließend ein differenziertes Feedback bezüglich seines Handelns gibt. Das große Potential der kollegialen Hospitation für die Weiterbildung von Lehrern bleibt oft ungenutzt, da sie an Schulen in Deutschland in den meisten Fällen höchstens sporadisch anzutreffen ist. Darüber hinaus ist sie bei Lehrern oft unbeliebt, da Angst vor Kritik und Zweifel an ihrer Sinnhaftigkeit besteht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Relevanz und Stellung kollegialer Hospitationen
3. Ablauf einer kollegialen Hospitation
3.1 Planung und Vorbereitung
3.2 Durchführung und Dokumentation
3.3 Auswertung und Rückmeldung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine strukturierte Leitlinie für die Durchführung kollegialer Hospitationen zu entwickeln, um das ungenutzte Potential dieser Methode für die professionelle Weiterbildung von Lehrkräften an Schulen zu erschließen.
- Professionalisierung durch Reflexion und kollegiales Feedback
- Ursachen für die oft negative Einstellung gegenüber Hospitationen
- Strukturierung der Prozessschritte: Vorbereitung, Durchführung und Auswertung
- Bedeutung der Evidenzbasierung für einen konstruktiven Feedbackprozess
Auszug aus dem Buch
3.1 Planung und Vorbereitung
Damit eine kollegiale Hospitation gelingen kann, ist Transparenz seitens der Lehrkraft gefragt. Nur wenn diese einen Einblick in ihre Unterrichtspraxis gewährt, kann anschließend ein differenziertes Feedback gegeben werden (Köker, 2012, S. 161). Die wesentliche Voraussetzung hierfür ist ein Vertrauensverhältnis zwischen den Lehrerkollegen in den Hospitationsteams (a.a.O., S. 163). Damit ein „Klima des Vertrauens und der gegenseitigen Anerkennung“ (Allgäuer, 1998, S. 90) herrschen kann, müssen „Hierarchiestrukturen […] bis zu einem gewissen Maße aufgebrochen und durch ein Forum ersetzt werden […], das gemeinsam die Ergebnisse prüft und gemeinsam Handlungsstrategien entwickelt“ (ebd.). Bei einer kollegialen Hospitation sollte folglich kein Machtgefälle bestehen, in dem das eine Teammitglied dem anderen beruflich oder anderweitig überlegen ist. Beide Partien werden als Forschende betrachtet, deren Verhältnis vielmehr partnerschaftlich sein sollte (Kempfert & Ludwig, 2015, S. 175).
Eine wichtige Voraussetzung stellt außerdem die Konflikt- und Gesprächsbereitschaft beider Parteien dar (Allgäuer, 1998, S. 91). Zudem ist ein Wille zur Veränderung maßgeblich für langfristig erfolgreiche kollegiale Hospitationen. Optimale Voraussetzungen bieten Lehrkräfte, „die Freude an ihrer Arbeit haben und sich in ihrem Beruf ständig weiterentwickeln wollen“ (ebd.).
Nach der Bildung der Hospitationsteams muss in einem gemeinsamen Gespräch die Zielsetzung der jeweiligen Hospitation geklärt werden. Dabei sollten vor allem die persönlichen Anliegen des Unterrichtenden im Mittelpunkt stehen. Wenn er einen bestimmten Qualitätsbereich nennt, der ihm Schwierigkeiten bereitet, sollte in der Hospitation ein besonderes Augenmerk auf diesen gelegt werden (Thomas & Fitzner, 2012, S. 20). Er kann außerdem in seinem Beobachtungsauftrag benennen, ob er den Beobachtungsfokus auf sein eigenes Verhalten oder auf das Verhalten der Schüler legen möchte (Helmke, 2017, S. 327f.). Aus den gemeinsam festgelegten Beobachtungsbereichen wird das Beobachtungsinstrument abgeleitet. Hier bieten sich vor allem Beobachtungsbögen an (siehe Kap. 4.2).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das ungenutzte Potential kollegialer Hospitationen an deutschen Schulen und definiert das Ziel der Arbeit, eine strukturierte Leitlinie für deren Durchführung zu bieten.
2. Relevanz und Stellung kollegialer Hospitationen: Dieses Kapitel erörtert die Bedeutung der Reflexivität für die Lehrerprofessionalität und diskutiert, warum Hospitationen trotz ihres Nutzens oft unbeliebt sind und meist ohne klare Evidenzbasierung erfolgen.
3. Ablauf einer kollegialen Hospitation: Der Hauptteil gliedert den Hospitationsprozess in die drei Phasen der Planung, der Durchführung mit Dokumentation sowie der abschließenden Auswertung und Rückmeldung.
3.1 Planung und Vorbereitung: Hier werden die notwendigen Rahmenbedingungen wie Vertrauensaufbau, partnerschaftliche Rollenverteilung und die Klärung der Zielsetzung für die Hospitation beschrieben.
3.2 Durchführung und Dokumentation: Dieser Abschnitt empfiehlt den Einsatz standardisierter Beobachtungsbögen zur Objektivierung der Wahrnehmung und betont die deskriptive Art der Dokumentation.
3.3 Auswertung und Rückmeldung: Das Kapitel beschreibt das feedbackorientierte Gespräch als zentrales Werkzeug zur Unterrichtsverbesserung, wobei ein entspanntes Klima und eine positive Fehlerkultur hervorgehoben werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine strukturierte und von Leistungsbeurteilung getrennte Hospitation wesentlich zur Schulentwicklung und zur beruflichen Zufriedenheit der Lehrkräfte beitragen kann.
Schlüsselwörter
Kollegiale Hospitation, Unterrichtsentwicklung, Lehrerprofessionalität, Feedback, Unterrichtsbeobachtung, Schulentwicklung, Reflexion, Beobachtungsbogen, Qualitätssicherung, Leistungsbeurteilung, Evidenzbasierung, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Seminararbeit behandelt die kollegiale Hospitation als Instrument der professionellen Weiterentwicklung für Lehrkräfte an Schulen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Bedeutung von Feedback, die notwendigen strukturellen Bedingungen für Hospitationen und die Trennung von Beratung und Leistungsbeurteilung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, eine leitlinienorientierte Vorgehensweise zu entwerfen, damit kollegiale Hospitationen evidenzbasiert durchgeführt werden und ihr volles Potential entfalten können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis aktueller pädagogischer Fachliteratur Empfehlungen für die Schulpraxis formuliert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei klassischen Phasen: Planung/Vorbereitung, Durchführung/Dokumentation sowie Auswertung/Rückmeldung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Zentrale Begriffe sind unter anderem kollegiale Hospitation, Lehrerprofessionalität, Feedbackkultur, Unterrichtsreflexion und Schulentwicklung.
Warum ist das Vertrauensverhältnis für die Hospitation so wichtig?
Ein Vertrauensverhältnis ist notwendig, um Hierarchiestrukturen aufzubrechen und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu ermöglichen, ohne die Angst vor persönlicher Kritik.
Was ist bei der Dokumentation während der Hospitation zu beachten?
Es wird empfohlen, standardisierte Beobachtungsbögen zu nutzen, um subjektive Wahrnehmungen zu minimieren und eine faktenbasierte Grundlage für das anschließende Rückmeldungsgespräch zu schaffen.
Welche Rolle spielt die Trennung von Feedback und Beurteilung?
Eine strikte Trennung ist essenziell, da die Vermischung von Beratungsanlässen mit Leistungsüberprüfungen oft zu einer negativen Konnotation der Hospitation bei Lehrkräften führt.
- Arbeit zitieren
- Sophie Koenen (Autor:in), 2019, Kollegiale Hospitation im Unterricht. Voraussetzungen, Potenzial, Wirksamkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497887