Welche argumentativen Kernaussagen trifft Bonhoeffer in seinem Werk "Ethik"?

Eine analytische Rekonstruktion der Argumentationskette im Buchkapitel "Die letzten und vorletzten Dinge"


Hausarbeit, 2019

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Methodik/Ziel
2.1. Arbeitsschritte

3. Darstellung und Interpretation der einzelnen Argumente Bonhoeffers

4. Zuordnung der Konklusionen zu den 4 angedachten Themenbereichen des Kapitels „Die letzten und vorletzten Dinge“
4.1. Christus und das natürliche Leben
4.2. Christus und das Gute
4.3. Christus und das Böse
4.4. Christus und die Geschichte

5. Rückschlusse auf Bonhoeffers Aussagen durch Verallgemeinerungen
5.1. Christus und das natürliche Leben
5.2. Christus und das Gute
5.3. Christus und das Böse.
5.4. Christus und die Geschichte

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Dietrich Bonhoeffer war ein gebildeter Mann und kam aus gehobenen hause. Dietrich war 6stes von 8 Kindern. Die Eltern ließen die Kinder behütet aufwachsen und förderten sie so gut sie konnten vgl. ((ibg), 2019). Er begann direkt nach dem Abitur mit dem Theologiestudium und schrieb zum Ende der 6-jährigen Studienzeit seine Doktorarbeit vgl. ((ibg), 2019). Natürlicherweise war er der Philosophie angetan, da es viele „Schnittmengen“ zwischen den Wissenschaften „Theologie“ und „Philosophie“ gibt. So las er viele Werke von Philosophen, welche seine Sichtweise auf die Welt beeinflussten.

Als Student der Philosophie/Ethik lernte ich die Bedeutung der Präzision in Sprache, Ausdruck, Semantik und Inhalt. Für den Philosophen ist es fatal missverstanden zu werden, eine kleine Unachtsamkeit und schon wird nicht mehr das gelesen, was man sagen wollte. In der Theologie finde ich einen reichhaltigen Gebrauch von Satzhülsen wie „ Das Labyrinth seines bisherigen Lebens stürzt zusammen. Der Mensch ist frei für Gott und den Bruder. Er wird inne, dass ein Gott ist, der ihn liebt und annimmt, dass ein Bruder neben ihn steht, den Gott liebt wie ihn selbst, dass eine Zukunft ist bei dem dreieinigen Gott mit seiner Gemeinde “ (Bonhoeffer, 2010, S.137). Nun hat jede Wissenschaft ihre eigene Fachsprache, die der Theologie scheint eine Andere zu sein als die der Philosophie. Zurecht, denn die Theologie verfolgt andere Ziele. Würde sie die gleichen Ziele verfplgen, würde sich die theologische Fachsprache um präzisen Wortgebrach und Klarheit im Verständnis bemühen. Die differenzen und kohärenzen zwischen den Wissenschaften Theologie und Philosophie fastzienieren mich. Ich möchte mich daher in dieser Hausarbeit auf die Suche nach Argumenten in Bonhoeffers „ Ethik “ machen. Ich werde mich auf den längsten Abschnitt „ Die letzten und vorletzten Dinge “ beschränken und bin gespannt wie viele Argumente ich finden kann, die stichhaltig begründet sind. Ich hoffe auch eine Argumentationskette anhand der Einzelargumenten zu finden. Bonhoeffer plante ursprünglich das Kapitel vierfach zu unterteilen und wir wollen schauen, ob wir diese 4 Themenbereiche argumentativ abgedeckt sehen (vgl. Bonhoeffer, 2010, S.151, Fussnote 52).

2. Methodik/Ziel

Von einer Arguments-Definition ausgehend, werde ich Argumente im Text analytisch suchen und in Klar-Form wiedergeben. Ich werde diese ggf. Interpretieren und meine Leseweise darstellen. Anschließend werde ich die Konklusionen den Themenbereichen Christus und das natürliche Leben, Christus und das Gute, Christus und das Böse, Christus und die Geschichte zuordnen. Anhand dieser Themenzuordnung kann ich einzelne Aussagen Bonhoeffers, welche Argumentativ begründet und damit stärker gewichtet sind, als Kernaussagen identifizieren und mit meinen Worten widergeben.

Definition: Ein Argument ist eine Abfolge von Prämissen (Aussagen), welche den Anspruch haben eine Konklusion (aus den Prämissen folgende Behauptung) zu stützen (vgl. Beckermann, 2018).

Ziel: Ich möchte der Frage nachgehen, welche Kernaussagen Bonhoeffer anhand seiner Argumente trifft.

Verwendete Ausgabe:

„Ethik“ 3. Ausgabe, 2010, Gütersloher Verlagshaus

2.1. Arbeitsschritte

2.1.1. Argumente finden

Bei der Textsichtung nach Argumenten habe ich zuerst nach Begründungssätzen gesucht und dann die stützenden Prämissen indiziert. Begründungssätze kennzeichnen sich durch Wörter wie: also, genau dann, demnach, wenn, folglich, daher, infolge dessen, mithin, somit. Ich konnte so im Kapitel „Die letzten und vorletzten Dinge“ 16 Argumente finden. Ich möchte darauf hinweisen, dass Bonhoeffer, als Theologe, viele Aussagen im Text niedergeschrieben hat, dass aber nicht alle Aussagen ein Argument bilden. So war es nicht immer einfach Argumente aus der mannigfaltigen Fülle der Aussagen heraus zu filtern. Ich möchte also vorsichtig sein und darauf hinweisen, dass bei gleicher Arbeit (Argumente suchen) unterschiedliche Ergebnisse ermittelt werden. Dies liegt an der Komplexität des Textes. Ich begründe daher nicht einen Anspruch auf Vollständigkeit aller Argumente.

2.1.2. Argumente Klar-Schreiben

Einzelne Aussagen habe ich gekürzt, aber meist als direktes Zitat als Prämissen und Konklusionen aufgeführt. Dabei habe ich darauf geachtet die Aussagen Bonhoeffers nicht zu verfälschen und möglichst getreu zu bleiben. Innerhalb der Klar-Form eines Argumentes verzichte ich der Übersichtlichkeit halber auf die Kennzeichnung der Zitation. Ich weise darauf hin, dass Prämissen und Konklusion der Argumente nicht von mir verfasst, sondern durch den Autor der Ethik verfasst wurden. Um Rückschlüsse auf die Argumente zu ermöglichen habe ich die Seiten- und Zeilenzahl angegeben.

2.1.3. Konklusionen den von Bonhoeffers angedachten Themenbereichen zuordnen.

Einzelne Konklusionen lasse sich auch mehreren Themenbereichen zuordnen. Ich werde hier der Übersichtlichkeit halber, die Konklusionen nur einmal zuordnen.

2.1.4. Interpretation der argumentativen Aussagen

Wenn die vielen Konklusionen den 4 Themenbereichen von Bonhoeffer zugeordnet werden, lassen sich Kernaussagen zu Bonhoeffers Standpunkt innerhalb der vier Themenbereichen verfassen.

Glossar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Darstellung und Interpretation der einzelnen Argumente Bonhoeffers

Das Kapitel beginnt auf Seite 137 mit Hintergrundwissen zur Reformation und Aussagen zum Leben ohne Gott. Das erste Argument finde ich auf Seite 138.

A1 - (S.138, Zeile 6-15)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit diesem Argument will Bonhoeffer das gläubige Leben stark machen. Tut dies jedoch mit einem Zirkelschluss. Die K1 folgt nicht zwingend aus P1-3. Zusammengefasst lässt sich sagen: Das glauben an Gott, folgt aus der Rechtfertigung und diese erfolgt durch Gott. Das Argument begründet aber nicht die Rechtfertigung. Es sagt nur, die Rechtfertigung kommt durch Gott. Und was ist Rechtfertigung? Ist das nicht die Begründung des Glaubens. Wer ein gläubiges Leben führt, der wird durch Gott gerechtfertigt. Also ist die Begründung (Rechtfertigung) für den Grund (glaube an Gott) der Grund (um an Gott zu glauben). Das ist ein Zirkelschluss, das Argument dreht sich im Kreis. Was will Bonhoeffer mit P4 (Nicht Liebe oder Hoffnung, nur der Glaube rechtfertigt ein Leben) sagen? Eine Lesart wäre, dass nur im gerechtfertigtem Leben Wahrheit und Wirklichkeit zu finden ist und dies kann ohne Gott nicht sein. Gott kann nicht ohne den Glauben sein. Die K2, dass ein Leben ohne Gott ungerechtfertigt sei, heißt dann aber auch: Das ein ungerechtfertigtes Leben keine Wahrheit und Wirklichkeit erfahren kann. Und über diese Aussage lässt sich streiten, da die Begriffe Wahrheit und Wirklichkeit nicht durch Bonhoeffer definiert sind. Wenn ein Leben keine Wirklichkeit erfahren kann, was erfährt es dann? Vlt. könnte hier differenziert und nicht verallgemeinert werden.

Danach geht der Denker auf sein Verständnis von Glauben ein. Auf falsche und richtige Glaubenssätze.

A2 (S.139, Zeile 7-20)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieser wahre Glauben wiederum definiert sich durch Absichten wie: Nutzen und Selbstzweck und dem Gegenüber eine altruistische Auffassung- nicht was wird mir zu teil, sondern was kann ich tun. Denn „ […] ist mein Leben allein durch das, was Christus zu eigen ist, niemals durch das, was mir zu eigen wurde“ (Bonhoeffer, 2010, S.139) .

A3 - (Seite 140, Zeile 7-26)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A4 (Seite 141, Zeile 14-18)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A5 (Seite 141, Zeile 19-25)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A6 - (Seite 142, Zeile 20-27)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf Seite 144 beginnt Bonhoeffer zwei Lager des Christentums aufzuzeichnen. Das Radikale Christentum und das Kompromiss-Christentum. Diese haben unterschiedliche Sichtweise auf das Letzte und Vorletzte. Mit dem Argument A7 will Bonhoeffer vermutlich die Wahrheit in der Mitte beider Sichtweisen finden. Durch Jesus Christus versucht Bonhoeffer die Lager zu vereinen.

A7 - (Seite 148, Zeile 13-28)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Nachgang des Argumentes schreibt Bonhoeffer „In der Menschwerdung erkennen wir die Liebe Gottes zu seiner Kreatur…“ Schauen wir uns A7 genauer an. Die von Bonhoeffer angesprochene Feindschaft zwischen Radikalität und Kompromiss scheint nicht logisch aus den genannten Prämissen zu folgen. So müssten sich die aufgezählten Attribute so gegenüberstehen, dass das Gegensätzliche und somit eine Feindschaft implementiert ist. Dies kann ich bei zwei Prämissen erkennen: P1 Zeit & Ewigkeit, P3 Maß & Unermesslich. Bei P2 Klugheit & Entscheidung sowie P4 Wirklichkeit & das Wort kann ich keine Feindschaft zwischen den Wortbedeutungen erkennen. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich die Attribute zu den jeweiligen Objekten Radikalismus und Kompromiss zuordnen lassen müssen. Wieso hasst der Kompromiss die Entscheidung (P2). Das ist unlogisch, da der Kompromiss die Entscheidung bedingt, herbeiführen will. Kein Kompromiss ohne Entscheidung! Und hasst der Radikalismus die Klugheit? Ich finde eine solche Aussage impliziert, das radikale Ansichten unklug, vielleicht sogar naiv sind. Nun kann man aber nicht dermaßen verallgemeinern, da in jeder Radikalität der entschlossene Wille enthalten ist. Diese Entschlossenheit setzt die Kenntnis voraus und damit auch die Klugheit. Sonst würden alle radikalen Handlungen unklug sein, nur weil sie radikal sind. Die Konklusion, dass nicht eine der christlichen Sichtweisen (Radikal oder Kompromiss), sondern Jesus Christus selbst entscheidet und antwortet überzeugt mich nicht, da sie die Feindschaft zwischen Radikalismus und Kompromiss nicht beinhaltet. Vielmehr ist die Konklusion der Versuch beide Lager miteinander zu versöhnen und die Feindschaft aufzulösen. Das gelänge aber nur, wenn die Entstehung der Feindschaft in den Versöhnungs- Auflösungsprozess mit eingeschlossen wäre. Dies ist aber nicht der Fall, von daher wird Bonhoeffer hier seinem Thema (zwei Sichtweisen des Christentums) nicht ganz gerecht, wenn es auf die Antwort hinausläuft, dass nur Jesus Christus antwortet. Ich meine sogar eine Kapitulation Bonhoeffers vor dem Thema (zwei Sichtweisen des Christentums) zu erkennen, wenn er schreibt: „Nur in ihm löst sich das Verhältnis vom Letztem und Vorletztem“. Diese Aussage impliziert, dass diejenigen, die im Vorletztem verhaftet sind, nicht auf alle Fragen und Probleme antworten finden können, sondern dies kann nur Jesus Christus. Eine solche theologische Argumentation greift mir zu kurz. Ist jedoch in Ansätzen nachvollziehbar, da wir Menschen nach Antworten suchen und nicht immer findig werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Welche argumentativen Kernaussagen trifft Bonhoeffer in seinem Werk "Ethik"?
Untertitel
Eine analytische Rekonstruktion der Argumentationskette im Buchkapitel "Die letzten und vorletzten Dinge"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Philosophische Sichtweisen auf die Ethik von Dietrich Bonhoeffer
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
22
Katalognummer
V497972
ISBN (eBook)
9783346023483
ISBN (Buch)
9783346023490
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bonhoefer, Ethik, Theologie, Christliche Ethik, Evangelische Ethik
Arbeit zitieren
Sven Jänsch (Autor), 2019, Welche argumentativen Kernaussagen trifft Bonhoeffer in seinem Werk "Ethik"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/497972

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