Das moderne Kind ist ein schlechtes Kind. Es ist gewalttätig. […] Es sitzt vor dem Fernseher und ißt Pommes Frites. Am Computer spielt es mit Killer-Software. Es ist hoffnungslos konsumorientiert, will alles kaufen, was die Freunde haben, und kümmert sich ansonsten nicht um andere. (Daubert und Ewers 1995)
Diese, von Daubert überspitze Darstellung von Kindheit in den 2000ern verdeutlicht, dass Kindheit und Medien in einem direkten Zusammenhang zueinander-stehen und dass sie einem stetigen Wandel unterliegt. Aus diesem Grund richtet die Hausarbeit zunächst den Blick auf die epochale Entwicklung von Kinder- und Jugendliteratur (KJL) ab 1945 und damit einhergehend auf die Veränderungen des Kindheitsbildes.
Ein gutes Beispiel für die Darstellung der Veränderungen des Kindheitsbildes in der KJL ist Das kleine Gespenst von Otfried Preußler, dessen Medienverbund im Fokus dieser Arbeit steht.
Anhand dieses Verbundes soll analysiert werden, ob und wie sich das Kindheitsbild von 1966 bis 2014 gewandelt hat und wie es in den unterschiedlichen Medien dargestellt wird. Ein besonderes Augenmerk liegt somit auf narrativen, auditiven und visuellen Elementen zur Darstellung des Kindheitsbildes.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Epochale Entwicklung der KJL und ihrer Kindheitsbilder
2.1 Nachkriegszeit (1945-1968)
2.2 Die neue Aufklärung (1968-1978)
2.3 Gegenwart (1978-2019)
3 Das kleine Gespenst
3.1 Autor: Otfried Preußler
3.2 Inhaltsangabe
3.3 Das kleine Gespenst im Medienverbund
3.4 Bibliographische Angaben der Primärmedien & Epochale Einordnung
4 Analyse des Kindheitsbildes in Otfried Preußlers „Das kleine Gespenst“
4.1 Darstellung des Kindheitsbildes im Buch
4.2 Darstellung des Kindheitsbildes im Film
4.3 Vergleich des Kindheitsbildes dieser Medienarten
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel des Kindheitsbildes (KHB) durch die Analyse des Medienverbunds „Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler. Ziel ist es, anhand der Buchvorlage von 1966 und der Verfilmung von 2014 aufzuzeigen, wie sich die mediale Darstellung kindlicher Autonomie, Freiheit und des Verhältnisses zwischen Kindern und Erwachsenen über Jahrzehnte hinweg verändert hat.
- Epochale Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur seit 1945
- Konstruktion von Kindheit als kulturelles Phänomen
- Narrative, auditive und visuelle Analyse von Medienadaptionen
- Vergleich der Darstellung von Autonomie und elterlicher Kontrolle
- Identifikationsfiguren und Rollenbilder im Wandel der Zeit
Auszug aus dem Buch
4.1 Darstellung des Kindheitsbildes im Buch
Das kleine Gespenst war „ein harmloses kleines Nachtgespenst“ (Preußler 1966, 5) welches allein in einer Truhe auf dem Dachboden der Burg Eulenstein lebe und um Mitternacht zur Geisterstunde die Burg unsicher machte (vgl. 5ff.). Es tollte durch die Räume des Burgmuseums, spielte mit Rüstungen, Spießen und Säbeln und „machte sich einen Spaß daraus, die Ritterhelme mit Hilfe des Schlüsselbundes auf- und zuschnappen zu lassen“ (7). Das Herumtollen und Spielen des kleinen Gespensts in und um die Burg Eulenstein wird durch bildhafte Elemente unterstützt. So wird durch Trippes Zeichnungen ersichtlich, dass das kleine Gespenst seinen Spaß am Spiel mit den „steinernen Kanonenkugeln“ (8f.) hatte und „Zwiegespräche mit den Damen und Herren auf den goldgerahmten Gemälden im Rittersaal“ (8ff.) führe. Dass es sich bei dem Gespenst um ein sehr fröhliches und lebensfrohes Wesen handelte wird ersichtlich, da es lachend von Zinne zu Zinne hüpfte und sich des Mondes erfreute (vgl. 12). „Hi-hi-hi-hiii! Wie schön ist es auf Burg Eulenstein, wenn der Mond scheint! Hi-hi-hi-hiiiiii!“ (12).
Da das Gespenst sehr neugierig und wissbegierig war (vgl.19), hegte es den Wunsch, „sich die Welt bei Tageslicht anzusehen“ (25). Als sein Freund, der Uhu Schuhu, von seinem Wunsch erfuhr entgegnete er: „Wir Nachgeschöpfe sind für das Tageslicht eben nicht geschaffen. Auch Sie nicht, verehrter Freund, Sie ganz besonders nicht!“ (24). Somit riet er dem Gespenst sich seinen Wunsch aus dem Kopf zu schlagen (vgl. 31). Das kleine Gespenst jedoch, glaubte nicht, dass ihm viel passieren könne und wollte weiterhin die Welt bei Tageslicht erkunden (vgl. 25).
Es scheint somit einen starken Drang nach Freiheit und eigenen Entdeckungen zu besitzen. Dementsprechend wird durch das Gespenst ein KHB dargestellt, welches von Fröhlichkeit, Glücklichkeit und Autonomie geprägt ist. Durch die Tatsache, dass das Gespenst nur um Mitternacht herumspuken kann (vgl. 19), wird es in der Auslebung seiner Freiheit eingeschränkt. Seine Eigenwilligkeit und Stärke werden ersichtlich, da es sich gegen die Aussage seines Freundes lehnt und davon ausgeht, dass es unverwundbar sei (vgl. 25).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, dass Kindheit eine kulturelle Konstruktion ist, die einem stetigen Wandel unterliegt, und stellt den Fokus auf den Medienverbund „Das kleine Gespenst“ vor.
2 Epochale Entwicklung der KJL und ihrer Kindheitsbilder: Dieser Abschnitt beleuchtet die historischen Veränderungen der Kinderliteratur von der Nachkriegszeit über die Phase der „neuen Aufklärung“ bis zur Gegenwart.
3 Das kleine Gespenst: Dieses Kapitel bietet Informationen zum Autor Otfried Preußler, eine Inhaltsangabe sowie eine Übersicht des umfassenden Medienverbunds und der Primärliteratur.
4 Analyse des Kindheitsbildes in Otfried Preußlers „Das kleine Gespenst“: Die Analyse untersucht differenziert die Darstellung des Kindheitsbildes im Buch und im Film und vergleicht diese hinsichtlich ihrer Merkmale.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass sich das Kindheitsbild in den Medien analog zum gesellschaftlichen Wandel von einer autonomen, vom Erwachsenen getrennten Lebenswelt hin zu einer stärkeren Einbindung in die Erwachsenenwelt verändert hat.
Schlüsselwörter
Kindheitsbild, Otfried Preußler, Das kleine Gespenst, Medienverbund, Kinder- und Jugendliteratur, Autonomie, Kindheit, Literaturgeschichte, Sozialisation, Medienanalyse, Erziehung, Kindgemäßheit, Filmanalyse, Historischer Wandel, Identitätsbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel des Kindheitsbildes anhand des Medienverbunds „Das kleine Gespenst“ von Otfried Preußler über einen Zeitraum von etwa 50 Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Entwicklung der Kinderliteratur, die Konstruktion von Kindheit sowie der Vergleich zwischen der literarischen Vorlage und der filmischen Adaption.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin geht der Frage nach, ob und wie sich das Kindheitsbild zwischen 1966 und 2014 gewandelt hat und wie dieser Wandel in unterschiedlichen medialen Formaten dargestellt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, wobei für den Film Aspekte der Filmanalyse (nach Staiger) und für das Buch linguistische sowie narratologische Elemente zur Bestimmung des Kindheitsbildes herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine epochengeschichtliche Einordnung der Kinder- und Jugendliteratur, die Charakterisierung der Werkvorlage und die detaillierte Analyse der Darstellung von Kindern und deren Autonomie in Buch und Film.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kindheitsbild, Medienverbund, Autonomie, Kinder- und Jugendliteratur und den historischen Wandel von Erziehungsvorstellungen.
Inwiefern unterscheidet sich das Bild des Gespenstes selbst?
Das Gespenst wird in beiden Medien als lebensfrohes, neugieriges Wesen dargestellt; die Analyse zeigt, dass hierbei keine prägnanten Unterschiede zwischen den Medienarten vorliegen.
Wie werden Erwachsene in den unterschiedlichen Medien dargestellt?
Während Erwachsene im Buch von 1966 eher am Rande stehen und Kinder als weitgehend autonom agieren, sind sie im Film von 2014 präsenter, enger in das Leben der Kinder eingebunden und üben mehr kontrollierende Funktionen aus.
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- Anonym (Autor), 2019, Analyse der Darstellung des Kindheitsbildes im Medienverbund "Das kleine Gespenst" von Otfried Preußler, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498213