Seit der weltweiten Finanzkrise 2008/2009 hat die EZB mit ihrer expansiven Geldpolitik unter anderem die Leitzinsen drastisch gesenkt. Wie im Folgenden dargelegt wird, stellt das Niedrigzinsumfeld die Banken und Versicherungen vor große Herausforderungen. Das bisherige Geschäftsmodell und die Erträge der Banken stehen zunehmend unter Druck, da die Zinsmarge der Banken gesunken ist. Diese stellt nach wie vor einen bedeutenden Anteil der Erträge dar.Die Versicherungsbranche hat vor allem mit der Erfüllung der hohen Garantieversprechen aus Altverträgen zu kämpfen. Im Verlaufe dieser Arbeit werden die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik auf den Finanzsektor untersucht.
Das oberste Ziel des ESZB, und somit auch der EZB, ist die Gewährleistung der Preisstabilität in der Europäischen Union und wird mit dem HVPI gemessen. Zur Erreichung dieser Ziele stehen der EZB Instrumente zur Verfügung, welche die Liquiditätsversorgung am Geldmarkt und somit die kurzfristigen Geldmarktsätze beeinflussen. Der Einsatz von Offenmarktgeschäften dient der Steuerung von Liquidität und Zinssätzen am Markt, diese werden von der EZB initiiert. Zusätzlich können Signale zum geldpolitischen Kurs der EZB gesetzt werden. Als Offenmarktgeschäfte werden von der EZB die Hauptrefinanzierungsgeschäfte, längerfristige Refinanzierungsgeschäfte, Feinsteuerungsoperationen und die strukturellen Operationen durchgeführt, wobei die Hauptrefinanzierungsgeschäfte laut EZB Leitlinie das wichtigste Offenmarktgeschäft des Eurosystems darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Geldpolitik der EZB im Überblick
2.1 Ziele der Geldpolitik der EZB
2.2 Instrumente für die Geldpolitik der EZB (heutige Nutzung)
2.2.1 Offenmarktgeschäfte
2.2.2 Ständige Fazilitäten
2.2.3 Mindestreserven
2.3 Taylor Regel
3 Aktuelle EZB Politik
3.1 Entwicklung und Gründe der Niedrigzinspolitik
3.1.1 Einsatz konventioneller Maßnahmen
3.1.2 Einsatz unkonventioneller Maßnahmen
3.2 Kritische Würdigung
4 Konsequenzen für den Bankensektor
4.1 Geschäftsmodelle von Banken
4.2 Gefahren für das Geschäftsmodell
4.2.1 Auswirkungen auf die Ertragslage
4.2.2 Fristentransformation und Zinsänderungsrisiken
4.2.3 Risikoneigung und erhöhtes Volumen der Kreditvergabe
4.3 Einfluss regulatorischer Maßnahmen auf den Bankensektor
4.3.1 Liquiditätsregulierung
4.3.2 Eigenkapitalregulierung
5 Konsequenzen für den Versicherungssektor
5.1 Geschäftsmodell und Schlüsselzinssätze
5.2 Anpassungen der Kapitalanlagenpolitik
5.3 Risiken eines positiven Zinsschocks
5.4 Regulatorische Maßnahmen
5.4.1 Zinszusatzreserve
5.4.2 Lebensversicherungsreformgesetz
5.4.3 Solvency II
5.4.4 Sicherheitseinrichtungen
6 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der expansiven Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank auf den europäischen Finanzsektor, wobei insbesondere die Herausforderungen für Geschäftsmodelle von Banken und Lebensversicherern analysiert werden.
- Analyse der geldpolitischen Ziele und Instrumente der EZB.
- Untersuchung der Folgen der Niedrigzinspolitik für die Ertragslage und Risikostruktur von Banken.
- Bewertung der Auswirkungen auf deutsche Lebensversicherer und deren Kapitalanlagenpolitik.
- Diskussion regulatorischer Maßnahmen wie Basel III, Solvency II und Zinszusatzreserven.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Einsatz unkonventioneller Maßnahmen
Auch die EZB beschloss den Einsatz von unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen. Zum einen, weil die geldpolitischen Standardinstrumente so gut wie erschöpft waren bzw. sind (Nullzinsgrenze). Zum anderen aber auch, weil der Zins- und Bankkreditkanal beeinträchtigt war und somit der Übertragungsweg der Geldpolitik eingeschränkt wurde.24
Die Erwartungstheorie geht normalerweise davon aus, dass die langfristigen Zinsen sich an den kurzfristigen Zinsen orientierten, sofern die Notenbanken glaubhaft einen längerfristigen Zinstrend verfolgen. Dieses Mittel der Kommunikation, Forward Guidance genannt, wird auch von der EZB verstärkt eingesetzt.25
Die bereits erwähnte Staatsschuldenkrise und die damit verbundenen Austrittsmöglichkeiten aus der Währungsunion haben jedoch zur Folge, dass die langfristigen Zinsen (Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen) nicht mit einer Senkung der Leitzinsen einhergehen.26 Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen entwickelten sich bis zur Finanz- bzw. Staatsschuldenkrise nahezu identisch. In den darauffolgenden Jahren führten die Leitzinssenkungen der EZB allerdings nur bei Staatsanleihen von Staaten mit hoher Bonität zu einem Rückgang der Rendite.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zum Thema der Niedrigzinspolitik der EZB und deren Herausforderungen für Banken und Versicherungen.
2 Geldpolitik der EZB im Überblick: Darstellung der geldpolitischen Ziele, der Instrumente und der Taylor-Regel.
3 Aktuelle EZB Politik: Analyse der Gründe für die Niedrigzinspolitik sowie der konventionellen und unkonventionellen Maßnahmen.
4 Konsequenzen für den Bankensektor: Erörterung der Auswirkungen auf Geschäftsmodelle, Zinsmargen und regulatorische Anforderungen wie Basel III.
5 Konsequenzen für den Versicherungssektor: Untersuchung der Folgen für Lebensversicherer, Anpassungen der Kapitalanlagen und regulatorische Schutzmaßnahmen.
6 Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung zur zukünftigen Ertragslage im Finanzsektor und der Gefahr von Blasenbildungen.
Schlüsselwörter
Niedrigzinspolitik, EZB, Geldpolitik, Bankensektor, Lebensversicherer, Zinsmarge, Fristentransformation, Basel III, Solvency II, Kapitalanlage, Zinsänderungsrisiko, Preisstabilität, Liquiditätsregulierung, Zinszusatzreserve, Risikotragfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die expansive Geldpolitik der EZB und das damit verbundene Niedrigzinsumfeld die Stabilität und Geschäftsmodelle von Banken und Lebensversicherern beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die geldpolitische Strategie der EZB, die Auswirkungen auf die Ertragssituation der Banken sowie die spezifischen Risiken und regulatorischen Herausforderungen für deutsche Lebensversicherer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Finanzinstitute auf den Zinsdruck reagieren und welche Auswirkungen dies auf ihre Risikostruktur und regulatorische Konformität hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analysierende Arbeit, die auf Basis von Fachliteratur, Wirtschaftsberichten (z.B. Deutsche Bundesbank, BIZ) und statistischen Daten die aktuelle Marktsituation darstellt.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die bankenspezifische Betrachtung (Zinsänderungsrisiken, Eigenkapital) und die versicherungsspezifische Analyse (Lebensversicherungen, Garantiezinsen, Solvency II).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Niedrigzinsphase, Zinsmarge, Bankenregulierung, Versicherungsaufsicht und systemische Risiken beschreiben.
Welche Rolle spielt die Zinszusatzreserve für Lebensversicherer?
Sie dient als Sicherheitspuffer, um in Zeiten niedriger Marktzinsen die zugesagten Zinsgarantien aus Altverträgen erfüllen zu können, indem sie Gewinne im Unternehmen thesauriert.
Was sind die Hauptrisiken bei einem schnellen Zinsanstieg für Versicherer?
Ein schneller Zinsanstieg führt zu einem Marktwertverlust der festverzinslichen Anlagen. Da die Rückkaufswerte oft über dem aktuellen Marktwert liegen, könnten hohe Stornierungsraten die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen gefährden.
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- Anonym (Autor:in), 2018, Niedrigzinspolitik der EZB. Konsequenzen für den Finanzsektor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498221