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Legitime Risikodifferenzierung oder genetische Diskriminierung. Werden Menschen aufgrund genetischer Merkmale von privaten Versicherungsunternehmen benachteiligt?

Titel: Legitime Risikodifferenzierung oder genetische Diskriminierung. Werden Menschen aufgrund genetischer Merkmale von privaten Versicherungsunternehmen benachteiligt?

Hausarbeit , 2016 , 16 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Annika Bremhorst (Autor:in)

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In den letzten zwanzig Jahren etablierte sich der Begriff der genetischen Diskriminierung in der Soziologie und wurde zu einem Gegenstand immer bedeutsamer kontroverser, wissenschaftlicher Diskussionen im Bereich der Biopolitik, national sowie international. Die Fragestellung, inwiefern Menschen aufgrund ihres Genmaterials durch den Arbeitgeber, die Behörden, die Versicherung oder ihr soziales Umfeld ungleich behandelt werden, ist soziologisch relevant, da sie bisher untersuchte Bereiche der Diskriminierung (Rassismus, Sexismus, et cetera) mit der Dimension der Genetik erweitert. Durch die Erfolge der Genforschung gelingt es bei immer mehr Krankheiten, ihren Ursprung auf bestimmten menschlichen Genen zu lokalisieren.

Dies ermöglicht es, mit Gentests solche genetisch bedingten Krankheiten beim Menschen im Vorfeld festzustellen und so vor dem möglichen Ausbruch der Symptome eine eindeutige Diagnose stellen zu können. Die Ausbreitung von Gentests bietet jedoch nicht nur Chancen. Sie birgt auch die Gefahr von Benachteiligung und Stigmatisierung, denn neben den getesteten Patienten sind auch andere an den Informationen interessiert, die diese Analysen bieten. Gerade im Versicherungsgeschäft spielt das Wissen über die genetische Konstitution der Gesellschaft eine immer größer werdende Rolle.

Die soziologische Fragestellung, mit der sich diese Hausarbeit beschäftigen soll, ist also, inwiefern private Versicherungsunternehmen Menschen aufgrund ihrer genetischen Anlagen benachteiligen und inwieweit hier von legitimer Risikodifferenzierung der Unternehmen gesprochen werden kann. Hierfür wird auf verschiedene Aspekte des Begriffs der genetischen Diskriminierung eingegangen. Zudem befasst sich die Arbeit dann genauer mit genetischer Diskriminierung im privaten Versicherungsbereich. Es wird die Frage gestellt, inwieweit bei den Handlungsweisen privater Versicherungen von legitimer Risikodifferenzierung gesprochen werden kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Genetische Diskriminierung als Nebenprodukt moderner Genforschung

2. Was bedeutet genetische Diskriminierung?

3. Genetische Diskriminierung im privaten Versicherungsbereich in Deutschland

3.1. Gesetzliche Grundlage in Deutschland: das Gendiagnostikgesetz als Schutz vor genetischer Diskriminierung?

3.2. Mögliche Auswirkungen und Problemfelder der Nutzung genetischer Informationen durch private Versicherungen auf unternehmerischer und gesellschaftlicher Ebene

3.2.1. Interessenskonflikt der privaten Versicherungsunternehmen

3.2.2. Das Recht auf Unwissenheit

3.2.3. Geheimnis Gentest

4. Fazit: Legitime Risikodifferenzierung oder genetische Diskriminierung?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht aus soziologischer Perspektive, inwiefern private Versicherungsunternehmen Menschen aufgrund ihrer genetischen Anlagen benachteiligen und inwieweit dabei von einer legitimen Risikodifferenzierung gesprochen werden kann.

  • Dimensionen der genetischen Diskriminierung (organisationale, interaktionelle, institutionelle Ebene)
  • Rechtliche Rahmenbedingungen durch das Gendiagnostikgesetz (GenDG)
  • Spannungsfeld zwischen privatem Versicherungsinteresse und Solidargemeinschaft
  • Das Recht auf Nichtwissen als individuelles Grundrecht
  • Umgang Betroffener mit genetischen Informationen und Strategien der Geheimhaltung

Auszug aus dem Buch

Genetische vs. nicht-genetische Diskriminierung

Nach Paul Billings und seinen Ko-Autor*innen beschreibt der Begriff der genetischen Diskriminierung „[…] die ungerechtfertigte Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund von vermuteter oder tatsächlich vorhandener genetischer Eigenschaften […]“ (Billings et al. 1992: 477, zitiert nach Lemke 2013: 107). Betont wird, dass genetische Diskriminierung strikt von Diskriminierung durch Behinderungen und nicht-genetischen Krankheiten getrennt werden muss:

“Genetic discrimination is distinguished from discrimination based on disabilities caused by altered genes by excluding, from the former category, those instances of discrimination against an individual who at the time of the discriminatory act was affected by the genetic disease.“ (Billings et al. 1992, S. 477, zitiert nach Lemke 2013: 107).

Genetische Diskriminierung bezieht sich demnach auf genotypische Merkmale des Menschen. Er wird also anlässlich seiner „[…] (innere[n]) genetische[n] Konstitution“ (Lemke/Lohkamp 2005: 46) stigmatisiert, benachteiligt bzw. ausgeschlossen. Diskriminierung aufgrund von Behinderungen und nicht-genetischen Krankheiten hingegen, betrifft den Phänotypen und damit die Merkmale der äußeren Erscheinung des Menschen (Ebd.: 46).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Genetische Diskriminierung als Nebenprodukt moderner Genforschung: Dieses Kapitel führt in die soziologische Relevanz des Themas ein und beleuchtet die Chancen sowie Risiken der Genforschung für die Gesellschaft.

2. Was bedeutet genetische Diskriminierung?: Hier werden verschiedene Definitionen und Dimensionen der genetischen Diskriminierung erörtert, um den theoretischen Rahmen für die weiteren Analysen zu setzen.

3. Genetische Diskriminierung im privaten Versicherungsbereich in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die aktuelle rechtliche Lage durch das Gendiagnostikgesetz und untersucht spezifische Problemfelder wie Interessenkonflikte und das Recht auf Nichtwissen.

4. Fazit: Legitime Risikodifferenzierung oder genetische Diskriminierung?: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Vereinbarkeit von privatem Versicherungsmodell und genetischer Realität sowie der Notwendigkeit soziologischer Beobachtung ab.

Schlüsselwörter

Genetische Diskriminierung, Genforschung, Gendiagnostikgesetz, Private Versicherung, Risikodifferenzierung, Soziologie, Biopolitik, Stigmatisierung, Gentest, Recht auf Nichtwissen, Datensicherheit, Solidargemeinschaft, Genetische Konstitution, Anamnese, Privatsphäre.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich soziologisch mit der Frage, wie private Versicherungsunternehmen in Deutschland mit genetischen Informationen von Versicherten umgehen und ob dies als Diskriminierung einzustufen ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Definition genetischer Diskriminierung, die gesetzliche Regulierung im Versicherungssektor, das Spannungsfeld zwischen Risikokalkulation und individueller Freiheit sowie die gesellschaftlichen Folgen der Genanalyse.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu ergründen, ab wann die risikoadäquate Prämienberechnung von Versicherungen die Grenze zur unzulässigen genetischen Diskriminierung überschreitet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische, soziologische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur und biopolitischer Diskurse basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Analyse der rechtlichen Situation in Deutschland (GenDG) sowie die Untersuchung spezifischer Problemfelder wie Interessenkonflikte, das Recht auf Unwissenheit und Strategien zur Geheimhaltung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind genetische Diskriminierung, Gendiagnostikgesetz, private Versicherungen und Risikodifferenzierung.

Welche Schwachstellen identifiziert die Arbeit am Gendiagnostikgesetz?

Die Arbeit kritisiert, dass das Gesetz für Versicherungsverträge über 300.000 € Lücken aufweist und keine strikte Trennung zwischen genetischen und nicht-genetischen Krankheitsrisiken bei der klassischen Anamnese zieht.

Wie reagieren Betroffene laut der Arbeit auf die potenzielle Diskriminierung?

Betroffene entwickeln laut der Studie Strategien wie die „vorsorgliche Geheimhaltung“, bei der sie Institutionen und teilweise sogar Angehörigen gegenüber Informationen über ihren genetischen Status vorenthalten, um Benachteiligungen zu vermeiden.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Legitime Risikodifferenzierung oder genetische Diskriminierung. Werden Menschen aufgrund genetischer Merkmale von privaten Versicherungsunternehmen benachteiligt?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Soziologie)
Note
1,7
Autor
Annika Bremhorst (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V498255
ISBN (eBook)
9783346019301
ISBN (Buch)
9783346019318
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biopolitik genetische Diskriminierung Risikodifferenzierung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Annika Bremhorst (Autor:in), 2016, Legitime Risikodifferenzierung oder genetische Diskriminierung. Werden Menschen aufgrund genetischer Merkmale von privaten Versicherungsunternehmen benachteiligt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498255
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Leseprobe aus  16  Seiten
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