Möglichkeit und Wünschbarkeit von Objektivität im Journalismus


Hausarbeit, 2003

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist „Objektivität“?

3. Besonderheiten der journalistischen Objektivität
3.1 Möglichkeit von Objektivität im Journalismus
3.2 Wünschbarkeit von Objektivität im Journalismus

4. Konzepte journalistischer Objektivität
4.1 Ideologische Konzeption
4.2 Funktionalistische Konzeption
4.3 Konsensuelle Konzeption
4.4 Realitätsbezogene Konzeption
4.5 Relativistische Konzeption
4.6 Fazit zu den Konzeptionen journalistischer Objektivität

5. Schlussfolgerungen zur Möglichkeit und Wünschbarkeit journalistischer Objektivität

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Oft findet man in kritischen Leserbriefen Ausdrücke wie „einseitige Berichterstattung“ oder „Voreingenommenheit“. Unter allen Vorwürfen gegenüber Journalisten ist „fehlende Objektivität“ der wohl am meisten gehörte. Der Grund dafür ist, dass diesem Vorwurf, beispielsweise im Gegensatz zur Bezichtigung einer Lüge, keine strikten Kriterien zu Grunde liegen. So kann jeder, dessen Standpunkt sich in einem journalistischen Beitrag nicht wieder findet, unabhängig von dessen Wahrheit oder Wichtigkeit, den Journalisten an den Pranger stellen. Ob eine ungerechte Gewichtung der Argumente, ungenügende Genauigkeit bei der Recherche oder der subjektive Standpunkt des Berichtenden – dem Journalisten scheint wohl grundsätzlich der neutrale Überblick über seine Geschichte zu fehlen.

Doch was bedeutet eigentlich „Objektivität“? Ein solch verschwommener Begriff sollte zunächst erst einmal definiert werden. Erst darauf aufbauend kann man einzelne Kriterien aufstellen und Forderungen an den Journalisten formulieren. Zudem stellt sich die Frage, ob Objektivität überhaupt eine grundsätzliche Eigenschaft von gutem Journalismus sein sollte. Sind es nicht gerade Interpretationen der Realität, die Journalismus ausmachen?

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich mich mit diesen Fragen auseinandersetzen. Meine Problemstellung lautet dabei:

Ist Objektivität im Journalismus möglich und generell erstrebenswert?

Dazu werde ich, wie bereits erwähnt, zunächst den Begriff „Objektivität“ ausleuchten und definieren. Im Anschluss möchte ich die Besonderheiten journalistischer Objektivität herausstellen und mir darauf aufbauend aus der Literatur die verschiedenen Konzeptionen von Objektivität im Journalismus herausarbeiten und interpretieren.

Im Schlussteil werde ich meine Erkenntnisse im Bezug auf die hier formulierte Problemstellung darstellen, einschätzen und ein Fazit meiner Arbeit ziehen.

2. Was ist „Objektivität“?

Das „Handwörterbuch der Massenkommunikation und Medienforschung“ definiert den Begriff der „Objektivität“ als „Darstellung der Wirklichkeit, wie sie ist“[1]. Doch aus dieser Definition lassen sich keine klaren Kriterien ableiten. Schließlich empfindet jeder die Wirklichkeit anders. Infolgedessen wird ein journalistischer Beitrag in keinem Fall von jedem Rezipienten als perfektes Abbild der Realität wahrgenommen werden. Besser kann man sich dem Begriff nähern, wenn man vom Gegenteil „Subjektivität“ ausgeht. Eine subjektive Aussage stellt sich für einen neutralen Beobachter im Normalfall als unvollständig und wertend dar. Beim Formulieren einer objektiven Aussage müssen diese Eigenschaften folgerichtig umgekehrt werden.

Davon ausgehend betrachte ich nun eine beliebige Aussage über einen Sachverhalt, in den mindestens zwei Parteien involviert sind. Für diese Aussage soll Anspruch auf Objektivität erhoben werden. Für das Aufstellen der Kriterien für eine solche Aussage nehme ich zunächst die anfangs vorgestellte Definition von Silbermann als Grundlage. Diese enthält ein wichtiges Charakteristikum von Objektivität. Die „Darstellung der Wirklichkeit“ ist das Ziel einer objektiven Aussage. Dazu muss diese zunächst vollständig sein, d.h. alle Fakten die mit der Aussage in Verbindung stehen, müssen genannt werden, unabhängig welcher Partei sie nützen. Des Weiteren muss die Aussage genau sein, was bedeutet, dass keine wichtigen Details ausgelassen werden dürfen. Als drittes wichtiges Kriterium muss die Aussage wahr sein. Wahrheit ist Objektivität grundsätzlich übergeordnet. So kann eine Aussage niemals objektiv sein, wenn sie auch nur in Teilen nicht der Wahrheit entspricht. Außerdem sollte die Aussage werturteilsfrei formuliert sein, bzw. Wertungen und Interpretationen sollten strikt von der Aufzählung der Fakten getrennt werden. Diese vier Kriterien Vollständigkeit, Genauigkeit, Wahrheit und Werturteilsfreiheit sind die Grundpfeiler einer objektiven Aussage. Darunter könnte man noch die Forderungen nach Vielfalt, Sachlichkeit, Neutralität und Fairness anordnen[2].

Bei der Betrachtung dieser Kriterien wird deutlich, dass eine Aussage nie völlig objektiv sein kann. Selbst bei strikter Einhaltung der genannten Regeln ist es lediglich möglich, sich dem Ideal der Objektivität so weit wie möglich anzunähern. Walter von La Roche bezeichnet dies als „Äußere Objektivität“[3]. Die „Innere Objektivität“ dagegen ist illusorisch. Durch die Kriterien wird die Wirklichkeit best möglich beschrieben, aber niemals korrekt dargestellt[4].

3. Besonderheiten der journalistischen Objektivität

Im Journalismus spielt die Frage nach Objektivität eine entscheidende Rolle. Die Frage bezieht sich auf der einen Seite auf die ethischen Grundsätze und journalistischen Praktiken. Wie viel muss ein Journalist wissen, um etwas sagen zu dürfen? Auf der anderen Seite bezieht sich die Frage auf die Funktion des Journalismus im Allgemeinen. Dient er der bloßen Faktennennung oder zusätzlich der Interpretation selbiger?

3.1 Möglichkeit von Objektivität im Journalismus

Die allgemeinen Feststellungen zum Begriff der „Objektivität“ treffen genauso für die journalistische Objektivität zu. So ist Objektivität im Journalismus ein nicht zu erreichendes aber zumindest anzustrebendes Ideal. Je nach Publikation ist aber ein mehr oder weniger hohes Maß an Objektivität erwünscht (siehe dazu 3.2). Oft stehen Journalisten in der Kritik, nicht neutral genug zu berichten. Geht man davon aus, dass Objektivität eine journalistische Tugend ist, so muss man nach den Ursachen und Auswirkungen dieses Mangels an Objektivität suchen. Bei der Interpretation von fehlender Objektivität muss zwischen zwei Varianten unterschieden werden. So kann auf der einen Seite absichtlich auf Objektivität verzichtet werden um spezielle Interessen zu vertreten. Auf der anderen Seite

kann der Journalist aber auch unbeabsichtigt den neutralen Überblick über die Geschehnisse verlieren. Davon abzugrenzen ist wiederum der Fall, dass der Journalist trotz engagierter Recherchearbeit nie das umfassende Wissen über die Geschehnisse anhäufen kann, welches Vorrausetzung für objektive Berichterstattung wäre. Im Folgenden sollen die Varianten etwas genauer beleuchtet werden. Fehlende Objektivität wird dabei vereinfacht als Subjektivität bezeichnet.

[...]


[1] Silbermann, 1982, S.328

[2] Kunczik, 2001, S.277

[3] von La Roche, 1996, S.129

[4] Kunczik, 2001, S.277

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Möglichkeit und Wünschbarkeit von Objektivität im Journalismus
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Wahrnehmen, Selektieren, Präsentieren
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V49838
ISBN (eBook)
9783638461931
ISBN (Buch)
9783656071501
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeit, Wünschbarkeit, Objektivität, Journalismus, Wahrnehmen, Selektieren, Präsentieren
Arbeit zitieren
Henry Berndt (Autor), 2003, Möglichkeit und Wünschbarkeit von Objektivität im Journalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49838

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