In welcher Verantwortung steht der Staat Deutschland, wenn es um Flüchtlinge geht? Welche Rolle kommt dem individuellen deutschen Bürger zu?
In dieser Arbeit legt der Autor den Rahmen, die Pflichten und die Grenzen der Verantwortlichkeit Deutschlands und seiner Bürger den syrischen Flüchtlingen gegenüber dar. Hierfür werden Theorien internationaler und globaler Gerechtigkeit sowie der Aufsatz "Internationale Gerechtigkeit. Weltarmut und das Problem des Gerechten Krieges" von Sebastian Laukötter und Ludwig Siep zur Hilfe gezogen. Durch die Einzelfalluntersuchung der Stadt Bremen beantwortet der Autor die Frage, an welcher Stelle die Verantwortlichkeit des Staates Deutschland endet und der einzelne Bürger als Individuum betroffen ist.
Aktuell wird in Deutschland lautstark diskutiert. Täglich wird in den Medien von Demonstrationen, der Pegida oder geplanten Flüchtlingswohnheimen berichtet. Von Möglichkeiten zur Integration ist die Rede, aber auch von zusätzlichen Kosten für den deutschen Staat. Menschen formieren sich zum Widerstand oder bitten um Mitgefühl für die Flüchtlinge. Die Zahlt der Flüchtlinge in Deutschland ist durch den Syrien Konflikt und die politische Lage in der Ukraine im Vergleich zum Vorjahr um 61 Prozent gestiegen und es ist, angesichts der internationalen politischen Lage, kein Ende der Flüchtlingswelle abzusehen. Diese Zahlen sind ungerecht und zeigen auf, dass ein Teil der Weltbevölkerung unter Hunger und Verfolgung leiden muss, während in anderen Ländern eine Überflussgesellschaft existiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorien der Gerechtigkeit
2.1 Individuelle Verpflichtungen
2.2 Wechselseitige staatliche Verpflichtungen
2.3 Die „Menschenrechte der Armen“
3 Gerechtigkeit und ihre Probleme in der politischen Moderne
3.1 Die Verpflichtungen der internationalen Staatengemeinschaft
3.1.1 Die Genfer Flüchtlingskonvention
4 Flüchtlinge in Deutschland
Flüchtlinge in Bremen
Die Aufgaben und Grenzen des Bundeslandes Bremen
Bürger, soziales Engagement und Initiativen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen staatlicher Pflicht und individueller moralischer Verantwortung gegenüber syrischen Flüchtlingen unter Anwendung internationaler Gerechtigkeitstheorien am Beispiel der Stadt Bremen.
- Analyse der Gerechtigkeitstheorien nach Laukötter und Siep
- Rechtliche Grundlagen durch die Genfer Flüchtlingskonvention
- Herausforderungen der Erstaufnahme und Versorgung in Deutschland
- Die Rolle des Bundeslandes Bremen bei der Flüchtlingsintegration
- Möglichkeiten zivilgesellschaftlichen Engagements und individueller Verantwortung
Auszug aus dem Buch
Die „Menschenrechte der Armen“
Die „Menschenrechte der Armen“ beziehen sich auf die Argumentation des Philosophen Thomas Pogge (Laukötter/ Siep 2011: 142). Pogge argumentierte, dass jeder Mensch das Recht auf Nahrung, Gesundheit, Kleidung und ärztlicher Versorgung habe, weswegen die Verpflichtung zu helfen bestehen würde (Laukötter/ Siep 2011: 142). Die Theorie geht davon aus, dass bestimmte Verhältnisse ungerecht sind, diese Ungerechtigkeit ist durch das Verschulden anderer zu Stande gekommen, weswegen die Pflicht zur Kompensation besteht (Laukötter/ Siep 2011: 142).
Aus diesem Standpunkt ergeben sich die positiven Verpflichtungen, welche sich damit auseinandersetzen wie die Rechte der Armen aktiv zu realisieren sind und die negativen Verantwortlichkeiten, welche beschreiben was nach den Rechten der Armen zu unterlassen ist (Laukötter/ Siep 2011: 142).
Pogge geht hier davon aus, dass Armut oder der Erhalt von Armut durch das negative Verhalten der umliegenden Gesellschaft begünstigt werden und das Selbige aus diesem Grund dazu verpflichtet sind Kompensation zu leisten, um die Auswirkungen ungerechter Strukturen zu vermindern (Laukötter/ Siep 2011: 142). Da eine nachhaltige Veränderung Selbiger für das Individuum allerdings nicht zu bewerkstelligen sind, geht Pogge davon aus, dass die Staaten und ihre Institutionen Hilfe leisten sollten (Laukötter/ Siep 2011: 142). Die hierdurch herbeigeführte Veränderung der internationalen Strukturen bewirkt nach Pogge eine materielle, sowie strukturelle Verbesserung der Strukturen in den betroffen Staaten und somit eine nachhaltige Veränderung der internationalen Ordnung (Laukötter/ Siep 2011: 143). Abschließend lässt sich die Gerechtigkeit als Anforderung an das Individuum und die internationale Staatengemeinschaft thematisieren, wobei der deutsche Bezug im nächsten Kapitel dieser Hausarbeit analysiert wird (Laukötter/ Siep 2011: 143).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Verantwortung von Staat und Individuum.
2 Theorien der Gerechtigkeit: Dieses Kapitel erläutert drei zentrale Gerechtigkeitstheorien, die den Fokus auf das Individuum, staatliche Wechselseitigkeit und strukturelle Kompensation legen.
3 Gerechtigkeit und ihre Probleme in der politischen Moderne: Es werden die Herausforderungen bei der Anwendung von Gerechtigkeitstheorien in Konfliktgebieten und die Rolle der Genfer Flüchtlingskonvention beleuchtet.
4 Flüchtlinge in Deutschland: Hier wird der Prozess der Asylbewerberaufnahme, die staatlichen Leistungen und die spezifische Situation in Bremen dargestellt.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass neben der staatlichen Grundversorgung eine moralische Verantwortung bei jedem einzelnen Bürger liegt, durch Zeit oder Spenden aktiv zu werden.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeitstheorie, Flüchtlingsproblematik, Menschenrechte, Syrien, Bremen, Asylverfahren, Moralische Verpflichtung, Flüchtlingskonvention, Soziales Engagement, Integration, Staatliche Verantwortung, Ehrenamt, Individuum, Humanitäre Hilfe, Weltarmut.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, inwieweit die Aufnahme und Unterstützung syrischer Flüchtlinge in Deutschland auf den Theorien internationaler und globaler Gerechtigkeit basiert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die moralische Verantwortung des Individuums, die rechtlichen Pflichten des Staates und praktische Integrationsmaßnahmen am Beispiel Bremens.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin untersucht, ob die Verantwortung gegenüber Flüchtlingen ausschließlich beim Staat liegt oder ob sich daraus eine verpflichtende moralische Rolle für den einzelnen Bürger ableiten lässt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es wird eine theoretische Analyse von Gerechtigkeitskonzepten (u.a. nach Laukötter, Siep und Pogge) mit einer Einzelfalluntersuchung der Stadt Bremen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung von Gerechtigkeit, die rechtliche Einordnung durch die Genfer Konvention und die praktische Umsetzung der Flüchtlingshilfe in Bremen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Gerechtigkeitstheorie, moralische Verpflichtung, Flüchtlingsschutz, Integration und zivilgesellschaftliches Engagement charakterisiert.
Wie definiert die Autorin die Rolle des Einzelnen bei der Flüchtlingshilfe?
Die Autorin sieht in der individuellen Hilfe eine freie moralische Entscheidung, die nicht gesetzlich erzwungen werden kann, aber durch das Privileg des eigenen sicheren Lebens gefordert wird.
Welche Rolle spielt die Stadt Bremen in dieser Untersuchung?
Bremen dient als Fallbeispiel, um zu zeigen, wie ehrenamtliche Initiativen, wie etwa der "Flucht Raum Bremen e.V.", die staatlichen Versorgungsleistungen sinnvoll ergänzen.
Welche Bedeutung haben Sachspenden laut der Analyse?
Sachspenden werden als niedrigschwellige Möglichkeit identifiziert, durch die jeder Bremer einen Beitrag leisten kann, ohne den Staat finanziell zu überlasten.
Was ist das Hauptergebnis bezüglich der staatlichen Verantwortung?
Der Staat ist primär für die gesetzlich geregelte Erstversorgung zuständig, wobei wirtschaftliche Kapazitätsgrenzen die Notwendigkeit individueller Unterstützung verdeutlichen.
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- Nicola Pöhlmann (Autor), 2015, Deutschland und syrische Flüchtlinge im Spiegel internationaler Gerechtigkeitstheorien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498696