Risikomanagement bei Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen


Hausarbeit, 2017
30 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Energieeffizienz
1.1 EinZielvonglobalerBedeutung
1.2 EnergyEfficiencyGap–paradoxjedochnichtirrational

2 Der unzureichende Status quo
2.1 EnergieeffizienzalsInstrumentdesRisikomanagements
2.2 TechnologieundRisikomanagementimEinklang?
2.3 Kapitalwert-undInterne-Zinsfuß-Methode
2.4 DiePaybackAnalyse
2.4.1 Funktionsweise und Risikobeurteilung
2.4.2 Nachteile der Payback Analyse

3 Profundes Risikomanagement
3.1 InvestitionsentscheidungenanhanddesEBaRAnsatzes
3.1.1 Bedarf nach einer integrierten Nutzen-Risiko Perspektive
3.1.2 Bestimmung der EBaR Entscheidungsvariablen
3.1.3 Überwindung der Nachteile der Payback Analyse
3.1.4 Anwendung von Stresstests
3.2 RisikotransferdurchEnergieeffizienzversicherungen
3.2.1 Erfordernis von Risikotransfer
3.2.2 Funktionsweise und Vorteile

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Rendite-Risiko Diagramm

Abbildung 2: Dichtefunktion der Entscheidungsgrundlage

Abbildung 3: Dichtefunktion der Entscheidungsgrundlage und der Investition

Abbildung 4: Schematische Darstellung einer Iteration der Monte-Carlo-Simulation

Abbildung 5: Dichtefunktion und Beurteilung der Investition anhand des EBaR

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

Die folgende Arbeit befasst sich mit dem komplexen Umfeld von Investitionen in Energieeffi- zienzmaßnahmen. Komplex daher, da scheinbar rationales Verhalten von Entscheidern dazu führt, dass profitable Investitionen nicht durchgeführt werden und somit ein suboptimales Inves- titionsniveau erreicht wird. Dieser Umstand, dessen Existenz in der Literatur nicht unumstritten ist, wird als Energy Efficiency Gap oder Energy Efficiency Paradox bezeichnet. Folglich stellt sich die Frage, welche Faktoren zu diesem paradoxen Umstand führen. Einen Anteil daran hat die Anwendung der hier behandelten simplen Investitionsbeurteilungsmethoden, wie der Kapi- talwertmethode, Internen-Zinsfuß-Methode oder der Payback Analyse. Im Folgenden wird ge- zeigt, dass die weit verbreitete Payback Analyse die individuellen Charakteristiken von Investitionen nur unzureichend in Betracht zieht, wodurch die Entscheidungsgrundlage verzerrt wird. Aus diesem Grund wird der EBaR Ansatz vorgestellt, der eine fortgeschrittene und auf dem Value at Risk basierende Methode zur Investitionsbeurteilung darstellt. Dabei wird gezeigt, wie unter Anwendung der Monte-Carlo-Simulation eine vollständige Risikoberücksichtigung bei Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen durchzuführen ist. Hierdurch wird der entscheiden- den Instanz eine umfassende Informationsbasis mit integrierter Nutzen-Risiko Perspektive zur Verfügung gestellt. Im Anschluss daran werden Energieeffizienzversicherungen vorgestellt, die eine effektive Möglichkeit darstellen, um das Risiko aus Energieeffizienzprojekten zu transferie- ren. Letztlich wird klar, dass sowohl der EBaR Ansatz, als auch Energieeffizienzversicherungen dazu beitragen, Investitionen in EEM attraktiver zu machen und so das Investitionsniveau anzu- heben.

Stichworte: Energieeffizienz, Investition, Energy Efficiency Gap, Risikomanagement, EBaR, Energieeffizienzversicherung.

1 Energieeffizienz

1.1 Ein Ziel von globaler Bedeutung

„Die beste Energie ist die, die nicht gebraucht wird“ Marcel Huber (CSU) (Sebald 2012)

Durch das UN-Klimaabkommen von Paris im Dezember 2015 rückte der Klimawandel in den medialen Fokus. Die darin festgelegten Ziele sollen helfen den Klimawandel zu stoppen und somit den Problemen zu begegnen, die früher oder später uns alle betreffen. Den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu senken ist wohl das bedeutendste dieser Ziele. Um dieses zu erreichen, identifizier- te die Internationale Energieagentur die Verbesserung der Energieeffizienz als die Maßnahme, die das mit Abstand größte Potential beherbergt. Knapp die Hälfte der angestrebten Reduktion von Treibhausgasen könnte so durch einen effizienteren Umgang mit Energie erreicht werden (International Energy Agency 2013, S. 9-10). Dementsprechend fällt der Verbesserung der Energieeffizienz die größte Bedeutung zu, was sich nach der Ratifizierung des Pariser Ab- kommens auch in nationalen Gesetzen und Maßnahmen widerzuspiegeln hat. Denn trotz der Formulierung von globalen Zielen, bleiben die individuellen Maßnahmen größtenteils den nationalen Regierungen vorbehalten. Um die ehrgeizigen Ziele z.B. in Deutschland zu errei- chen, rief der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel das Programm „Deutschland macht’s effizient“ ins Leben. Dieses baut auf drei Säulen auf und soll Haushalten, Unterneh- men und Kommunen neben der Beratung und Information zum Thema Energieeffizienz, auch eine finanzielle Förderung von geeigneten Maßnahmen versprechen (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2016). Wie man erkennen kann, versucht die Politik eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure zur Durchführung solcher Maßnahmen zu bewegen, was die Allge- genwärtigkeit des Energieeffizienzpotentials unterstreicht.

1.2 Energy Efficiency Gap – paradox jedoch nicht irrational

Ein möglicher Grund dafür, weshalb die Politik überhaupt Impulse hin zu einer effizienten Nutzung von Energie setzen muss, liegt unter anderem in einem Paradoxon begründet, über das seit über 30 Jahren debattiert wird. Das sogenannte Energy Efficiency Gap (EEG) be- schreibt einen Zustand, bei dem das Niveau der tatsächlich durchgeführten Energieeffizienz- maßnahmen vom optimalen Niveau abweicht. Das Erreichen des Optimums wird durch diverse Marktbarrieren verhindert. In der Literatur wurde der alleinigen Existenz dieses EEG immer wieder mit Skepsis begegnet und auch über die Größe des EEG besteht kein allgemei- ner Konsens (Gillingham und Palmer 2014, S. 19-20). Das liegt zum Teil daran, dass das EEG in seiner Größe dynamisch ist und sich mit der Zeit und dem Innovationsprozess verän- dern kann. Neue besonders energieeffiziente Technologien können es vergrößern, wohinge- gen ein langsamerer Innovationsprozess es verkleinern kann (Blumstein und Taylor 2013, S. 2252). Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, wird an dieser Stelle auf Golove und Eto (1996) verwiesen, die eine detaillierte Analyse der kritischen Punkte darlegen. Das Ni- veau einer Energieeffizienzmaßnahme wird hierbei investitionstheoretisch definiert, sodass die oben beschriebene Abweichung auf Fehleinschätzungen der Profitabilität zurückzuführen ist. Kurz gesagt, rechnet der Entscheider unter Einbezug aller für ihn relevanten Faktoren mit einem negativen Kapitalwert, obwohl der wahre Kapitalwert einer Maßnahme positiv ist. In Folge dessen wird eine Maßnahme, bei der die resultierende Energieeinsparung die Kosten übersteigt, nicht durchgeführt, weshalb dieser Umstand als paradox bezeichnet wird. Die Marktbarrieren die zu diesem Umstand führen werden von Jaffe und Stavins (1994) in zwei Kategorien unterteilt, um zu zeigen, wann politische Maßnahmen nützlich sind. Zum einen in Marktversagen und zum anderen in Verhaltenseffekte der Entscheider, welche nicht auf Marktversagen zurückzuführen sind. Gerarden et. al (2015) ergänzen dies noch um Modellie- rungsfehler, was zwar im Hinterkopf behalten werden sollte, jedoch größtenteils in der Litera- tur und auch hier außer Acht gelassen wird.

Vier potentielle Arten von Marktversagen helfen das Energy Efficiency Gap zu erklären. Ers- tens, haben Informationen die durch Forschung und Entwicklung entstehen, den Charakter eines öffentlichen Gutes. Damit kann eine Firma potentielle Nutznießer, wenn überhaupt, nur schwer ausgrenzen, wodurch auch keine Kompensation erfolgen kann. Zweitens, können In- formationen bei der Einführung einer neuen Technologie selbst entstehen. Da Außenstehende diese nutzen können ohne den Entscheider dafür zu kompensieren, gleichen solche Informati- onen positiven Externalitäten. Drittens, hat ein Entscheider einen geringeren Anreiz eine op- timale Technologie einzuführen, wenn er selbst nicht von der Energieersparnis profitiert. Nur dann, wenn ihn der Nutzer für die Energieersparnis aufgrund der effizienten Technologie ent- schädigt, wird er sich für diese auch entscheiden. Viertens, kann es zu einem Prinzi- pal-Agenten Problem kommen, falls der Entscheider und Nutzer asymmetrische Informationen haben und somit divergierende Ziele verfolgen. Die beschriebenen Arten von Marktversagen führen letztendlich dazu, dass die Anreize für Investitionen geschwächt wer- den und daher nur ein suboptimales Investitionsniveau in EEM erreicht wird.

Da nur Marktversagen ein Eingreifen der Politik rechtfertigt, können wirtschaftspolitische Maßnahmen nur teilweise zur Überwindung des Gaps beitragen. Dies bedeutet, dass die Gründe für das EEG, dessen Existenz hier als gegeben angenommen wird, auch auf Verhal- tenseffekte des Entscheiders zurückzuführen sind. Somit sorgen bestimmte Umstände dafür, dass eine ineffiziente Entscheidung aus Sicht des Nutzers optimal erscheint und daher auch rational ist. Allgemein gesagt, entstehen dem Entscheider nicht beobachtbare Kosten, welche die Einführung optimaler Technologien verhindern. Ein Grund dafür können qualitative At- tribute von Produkten sein, die der Nutzer bei konventionellen und weniger energieeffizienten Produkten bevorzugt. Als Beispiel ist hier an die verschiedenen Lichtspektren von Leuchtmit- teln zu denken. Des Weiteren entstehen Kosten bei der Einführung neuer Technologien, wie beispielsweise Kosten der Informationsbeschaffung und dem Vertrautmachen mit neuen Pro- dukten, die grundsätzlich nicht in einfache Kostenüberlegungen miteinfließen. Ein weiterer Grund ist in der Heterogenität der Gesellschaft gemäß ihrer Energienutzung zu finden. Das bedeutet, dass obwohl eine Technologie für den durchschnittlichen Nutzer optimal erscheint, wird sie einen Teil der Gesellschaft nicht ansprechen. Zudem kommt die Ungewissheit über zukünftige Energiepreise und damit über das Einsparpotential, was sich in Verbindung mit der Irreversibilität von Anschaffungskosten in überhöhten Diskontfaktoren für zukünftige Energieeinsparungen widerspiegelt (Jaffe und Stavins 1994, S. 804-806; Train 1985, S. 1244- 1249). Das Abbilden des Risikos in den Diskontfaktoren ist ein verbreiteter Ansatz bei der Beurteilung von Investitionen und stammt ursprünglich aus der Portfoliotheorie. Dabei erwar- tet der Entscheider eine Prämie für das Eingehen jenen Teils des Risikos, das sich im Portfo- lioverbund nicht diversifizieren lässt und sich in risikoadjustierten Diskontfaktoren niederschlägt (Fama 1977, S. 5-7). In dieser Arbeit werden lediglich die verhaltensbezogenen Marktbarrieren behandelt, da die im Anschluss gezeigten Methoden im internen Risikoma- nagement zur Anwendung kommen. Genauer gesagt wird gezeigt, wie das Risiko aus EEM zu beurteilen ist und wie es in den Entscheidungsprozess miteinfließt.

Grundsätzlich kann jede Kommune, jedes Unternehmen und jeder Haushalt die energiever- brauchende Technologien nutzen eine Energieeffizienzmaßnahme durchführen. So wie sich die verschiedenen Entscheider und Nutzer von Energieeffizienzmaßnahmen unterscheiden, so divers sind auch die Technologien selbst, die als solche Maßnahme fungieren. Von einer detaillierten Betrachtung der unterschiedlichen Typen von EEM, als auch deren technologischen Aspekten wird hier abgesehen, da der Fokus klar auf investitionsentscheidende Aspekte ge- legt wird.

2 Der unzureichende Status quo

2.1 Energieeffizienz als Instrument des Risikomanagements

Bevor dem Leser Methoden und einhergehende Defizite vorgestellt werden, mit denen sich Investitionen in EEM und deren Risiko beurteilen lassen, ist festzuhalten, dass Energieeffizi- enz selbst als Instrument des Risikomanagements betrachtet wird. Denn aufgrund der hohen Volatilität an den Energiemärkten, wird es für Unternehmen zunehmend kostspieliger sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Anders ausgedrückt, führt eine höhere Volatilität an den Märkten zu einem Anstieg des Geschäftsrisikos und zu höheren Kosten für Hedgingin- strumente. Da durch energieeffiziente Technologien der Energiebedarf und damit die Ener- giekosten gesenkt werden, reduziert sich auch das Ausgesetztsein gegenüber Preisschwankungen und damit das Geschäftsrisiko des Unternehmens (Naumoff und Shipley 2007, S. 83-84).

2.2 Technologie und Risikomanagement im Einklang?

Ein wesentlicher Grund dafür, dass in suboptimale Energieeffizienzmaßnahmen investiert wird, sind die unterschiedlichen Informationen und Kompetenzen der technologischen Exper- ten einerseits, und die der finanziellen Entscheidungsträger andererseits. Dies gilt sowohl in- nerhalb von Unternehmen, als auch bei Zusammenarbeit mit externen Energiedienstleistungsunternehmen und Investoren. Einerseits wird ein Entscheidungsträger ohne Wissen von Investitionstheorie - wie z.B. ein Energiedienstleistungsunternehmen oder Bauherr - versuchen, Projekte durchzuführen bei denen das Risiko eliminiert wird. Denn in seinen Augen stellt Risiko lediglich eine Belastung dar, ohne dabei die potentiellen Chancen in Betracht zu ziehen. Dies sind jedoch genau die Projekte, die tendenziell auch ein begrenz- tes Energieeinsparpotential und damit eine geringere Rentabilität haben. Es sollte vielmehr versucht werden, die identifizierten Risiken zu quantifizieren und anschließend eine profunde Entscheidung unter Nutzen-Risiko Abwägungen zu treffen. Solche Entscheidungen zu treffen gehört jedoch zur Expertise von Investoren und anderen finanziellen Entscheidungsträger, wie dem CFO. Auf der anderen Seite können diese aber das Risiko ohne den nötigen Input von technologischen Experten schwer beurteilen, da ein tiefgründiges Wissen über die technologi-schen Aspekte von EEM vonnöten ist. Folglich werden profitable Investitionen in EEM über- sehen und Investitionen in anderen Bereichen bevorzugt. Man kann sagen, dass die Technolo- gie- und die Finanzseite unzureichend aneinander ausgerichtet sind. „Energy managers and investment decision-makers simply do not speak the same language“ (Mills et al. 2006, S. 188). Sofern das Risiko einer EEM nicht beurteilt werden kann, bleibt sie bei gleichzeitiger Konkurrenz mit anderen Investitionen, bei denen sowohl Rendite und Risiko quantifiziert wurden, außen vor. Dieser Zustand ist in Abbildung 1 grafisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Rendite-Risiko Diagramm

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Mills et. al 2006, S. 190

Folglich gilt es ein Rahmenwerk zu entwickeln, bei dem durch Informationsaustausch sowohl die technologiebasierten Risiken in den Prozess der Investitionsentscheidung miteinfließen können, als auch die Risiken, die dem Energie-, Kapitalmarkt oder den politischen Rahmen- bedingungen entspringen. Denn nur wenn Nutzen und Risiko von Energieeffizienzmaßnah- men ganzheitlich verstanden werden, können sie in gleichem Maße beurteilt werden wie andere Investitionen auch, wodurch ihre Chancen auf eine Durchführung steigen (Mills et al. 2006, S. 188-189).

2.3 Kapitalwert- und Interne-Zinsfuß-Methode

Bevor gezeigt wird welche Möglichkeiten bestehen, um Investitionen in EEM gemäß ihrer Rentabilität zu beurteilen, sollen ihre Eigenschaften näher betrachtet werden. Eine besondere Charakteristik von solchen Investitionen ist deren Irreversibilität, welche in der schweren bis unmöglichen Liquidierbarkeit von EEM begründet liegt. Denn eine verbaute Technologie wird zum physischen Bestandteil eines Gebäudes, wodurch eine Veräußerung schier unmög- lich ist. Ein extremes Gegenbeispiel bilden hier sicherlich börsengehandelte Wertpapiere. Eine weitere Besonderheit ergibt sich daraus, dass durch eine Investitionen keine zusätzlichen Einnahmen generiert werden. Vielmehr führt sie zu zukünftigen Einsparungen, was jedoch als Äquivalent zu Einnahmen betrachtet werden kann, da Cash-Flows in gleicher Weise steigen (Talminen und Seppänen 2016, S. 2).

Damit lässt sich die Profitabilität von Investitionen in EEM mit der allseits bekannten Kapi- talwertmethode bestimmen. In dem hier gezeigten Grundmodel ist jedoch darauf zu achten, dass die Einsparungen deterministisch sind. Das bedeutet, dass sich die Einsparung in einer Periode t aus einer Punktschätzung für den Energiepreis in dieser Periode ergibt, womit die Volatilität und damit auch die Verteilung des Preises außer Acht gelassen wird. Die Einspa- rungen St für eine bestimmte Periode t sind die mit dem Energiepreis Pt bewertete Differenz zwischen der Energienutzung mit ursprünglicher Technologie Eu,t und der Energienutzung mit neuer Technologie En,t.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Thompson 1997, S. 990) Des Weiteren wird die Nutzungsdauer der Technologie mit T, die Kosten der Investition mit I und der Diskontzins mit i bezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Falls der Kapitalwert positiv ist, trägt die Investition zum Ziel der wertorientierten Unterneh- mensführung bei. Eine Alternative hierzu ist die Interne-Zinsfuß-Methode, oder Internal Rate of Return (IRR), die ein Verfahren der dynamischen Investitionsrechnung ist. Dabei wird in Formel (2) der Kapitalwert gleich Null gesetzt und nach i aufgelöst. Ab t > 2 wird die IRR meist approximativ unter hohem Rechenaufwand ermittelt, weshalb die Nutzung einer geeig- neten Software hilfreich ist. Die IRR gibt dabei die Rendite der Investition an und kann so- wohl mit Fremdkapitalkosten, als auch internen Vorgaben in Form einer Hurdle Rate vergli- chen werden, um die Profitabilität zu bewerten. Sowohl für den Kapitalwert, als auch für den IRR gilt, dass die Rentabilität einer Investition mit der Größe des Wertes steigt. Um Unsi- cherheiten bzgl. der Investitionshöhe und des resultierenden Nutzens, sowohl im Sinne der Laufzeit als auch der Einsparungen abzubilden, gilt es auf Erwartungswerte für diese Größen zurückzugreifen. Unsicherheiten in den Größen lassen sich somit auch durch stochastische Prozesse abbilden, was vor allem aufgrund der Abhängigkeit der Einsparungen von zufälligen Ereignissen, wie dem Wetter, plausibel erscheint. Wie bereits in Kapitel 1.2 beschrieben, lässt sich zudem ein projektspezifisches Risiko berücksichtigen, indem der Diskontfaktor um den Risikofaktor r adjustiert wird. Dieser Risikofaktor kann als Prämie verstanden werden, die der Entscheider beim Eingehen dieses Risikos erwartet. Damit ergibt sich folgendes erweitertes Modell:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Einführen eines Risikofaktors führt jedoch zu einem wesentlichen Problem – dessen Schätzung. Grundsätzlich erfolgt die Schätzung von i + r anhand vergleichbar riskanter Investitionen, die aber eine solide Datenmenge voraussetzt um robuste Ergebnisse zu garantieren. Diese Datenmenge ist jedoch bei Investitionen in EEM, wie auch bei vielen anderen Investitionen außerhalb des Kapitalmarkts unzureichend. Hinzukommend spielen firmenspe- zifische Faktoren im Diskontfaktor und somit bei der Beurteilung von Investitionen eine Rol- le. Dies widerspricht jedoch der allgemeinen Theorie, dass der Diskontfaktor der erwarteten Rendite eines Projektes mit gleichem Risiko entspricht (DeCanio und Watkins 1998, S. 95104). Auch die Anwendung des CAPM, welches oftmals zur Schätzung des Risikofaktors genutzt wird, kann aus zwei Gründen keine Abhilfe schaffen. Zum einen setzt das CAPM einen vollkommenen (Kapital-) Markt und symmetrische Erwartungen voraus, welche auf dem Markt für EEM nicht gegeben sind. Eine Diversifikationsstrategie wird damit für den Investor kostenintensiv oder sogar unmöglich. Dadurch kann auch kein Portfolio bestimmt werden, das zur Ermittlung des undiversifizierbaren Risikos dient. Zum anderen setzt das CAPM die Liquidierbarkeit der Assets voraus, wodurch die spezielle Eigenschaft außer Acht, dass es für energieeffiziente Technologie keinen Sekundärmarkt gibt und somit solche Investitionen irreversibel sind (Golove und Eto 1996, S. 15-16; Jackson 2010, S. 3866). Eine Al- ternative zur expliziten Berechnung des risikoadjustierten Diskontfaktors ist die Nutzung ei- nes so genannten Sicherheitsäquivalents. Dabei wird das Risiko nicht im Nenner abgebildet, sondern es werden die Einsparungen im Zähler als risikofrei definiert und in dem Maße redu- ziert – Risikoaversion vorausgesetzt – dass sie den Einsparungen unter Risiko entsprechen. Die Reduktion der Einsparungen, die dazu führt dass der Entscheider ihnen den gleichen Nut- zen beimisst, bildet das Risiko implizit ab (Jackson 2008, S. 84). Im Allgemeinen jedoch exis- tiert keine Methode um den risikoadjustierten Diskontfaktor sinnvoll zu bestimmen (Keat und Young 2013, S. 483-485). Daraus folgt, dass es fortgeschrittener Methoden bedarf, um eine risikointegrierte Entscheidungsgrundlage für Investitionen in EEM zu ermöglichen. Zumal die letzte Gleichung keine negativen, oder „worst-case“ Szenarien in Betracht zieht, die vor allem bei institutionellen Investoren aufgrund von regulatorischen Anforderungen eine Rolle spie- len.

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Risikomanagement bei Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
30
Katalognummer
V498768
ISBN (eBook)
9783346027122
ISBN (Buch)
9783346027139
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Energieeffizienz, Investition, Energy Efficiency Gap, Risikomanagement, EBaR, Energieeffizienzversicherung
Arbeit zitieren
Rochus Niemierko (Autor), 2017, Risikomanagement bei Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498768

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Risikomanagement bei Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden