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Multiperspektivisches Denken mit dem bilingualen Geschichtsbuch

Title: Multiperspektivisches Denken mit dem bilingualen Geschichtsbuch

Bachelor Thesis , 2019 , 52 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Natascha Kühnemund (Author)

Didactics - History
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In dieser Arbeit untersucht der Autor, ob Schüler im bilingualen Geschichtsunterricht besser zum multiperspektivischen Denken angeleitet werden als im muttersprachlichen Geschichtsunterricht. Das Schulbuch bietet sich hier als Untersuchungsgegenstand an. Dabei wird der Fokus auf die Multiperspektivität in den Arbeitsmaterialien, den Begriffen und der Sprache sowie den Arbeitsaufträgen gelegt. Durch eine exemplarische Analyse zu dem Thema der Nürnberger Prozesse klärt der Autor, ob das bilinguale Schulbuch Schüler zu multiperspektivischen Denken anleitet.

Dafür wird zunächst der Begriff Multiperspektivität im Geschichtsunterricht untersucht. Um einen Zusammenhang zwischen den theoretischen Überlegungen und der Unterrichtspraxis herzustellen, werden Kernlehrpläne des Geschichtsunterrichts unterschiedlicher Sekundarstufen und weitere offizielle Dokumente des nordrhein-westfälischen Schulministeriums verwendet. Das Konzept des Content and Language Integrated Learning (CLIL) wird verwendet, um das Konzept des bilingualen Geschichtsunterrichts zu erläutern. Das Fach Geschichte wird auf seine multiperspektivischen Potentiale und Grenzen untersucht. Der Fokus liegt auf den geschichtsdidaktischen Beiträgen, da die Multiperspektivität ein elementares Ziel historischen Denkens und somit des Geschichts- und nicht des Fremdsprachenunterrichts ist. Abschließend werden die zuvor herausgestellten besonderen Chancen des bilingualen gegenüber dem muttersprachlichen Geschichtsunterricht in Bezug auf die Hinführung der Schüler zu multiperspektivischen Denken untersucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begründung für den Einsatz von Multiperspektivität im Geschichtsunterricht

2.1. Definition

2.2. Multiperspektivität als zentraler Bestandteil historischen Denkens

2.3. Methoden und Medien

2.4. Probleme des multiperspektivischen Unterrichts

3. Bilingualer Geschichtsunterricht als besondere Chance für die Schulung multiperspektivischen Denkens

3.1. Der bilinguale Geschichtsunterricht – ein Erfolgskonzept

3.2. Multiperspektivität als Potential von bilingualem Geschichtsunterricht

3.3. Kritik am Erfolgskonzept

4. Multiperspektivität im bilingualen Geschichtsbuch – eine Fallanalyse

4.1. Entstehung und Aufbau von Histoire/Geschichte. L’Europe et le monde depuis 1945

4.2. Umsetzung des Lernzieles der Multiperspektivität an einem konkreten Beispiel

4.2.1. Multiperspektivität in Quellen und Darstellungen

4.2.2. Multiperspektivität in Sprache

4.2.3. Multiperspektivität in Arbeitsaufträgen

5. Diskussion und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Potential bilingualer Geschichtsbücher zur Förderung multiperspektivischen Denkens im Geschichtsunterricht. Anhand einer exemplarischen Fallanalyse des deutsch-französischen Lehrwerks "Histoire/Geschichte. L'Europe et le monde depuis 1945" wird analysiert, ob und wie das Ziel der Multiperspektivität in den Materialien, der Sprache und den Arbeitsaufträgen umgesetzt wird.

  • Grundlagen und Definitionen der Multiperspektivität im historischen Lernen.
  • Didaktisches Konzept des bilingualen Geschichtsunterrichts.
  • Kritische Auseinandersetzung mit den Chancen und Problemen des bilingualen Lehrens.
  • Empirische Fallanalyse zur Umsetzung von Multiperspektivität am Beispiel der Nürnberger Prozesse.

Auszug aus dem Buch

2.1. Definition

Um Multiperspektivität zu definieren wird häufig auf Bergmann verwiesen, der den Begriff in der Geschichtswissenschaft ausschlaggebend prägte und ihn 1997 folgendermaßen definierte: Multiperspektivität ist eine Form der Geschichtsdarstellung, bei der ein historischer Sachverhalt aus mehreren, mindestens zwei unterschiedlichen Perspektiven beteiligter und betroffener Zeitgenossen dargestellt wird, die verschiedene soziale Positionen und Interessen repräsentieren.19

Die angedeutete Sichtweise unterschiedlicher Personen ist dabei die Grundlage der Multiperspektivität. „[Sie] ist ein Grundsachverhalt menschlicher Wahrnehmung und Deutung der Wirklichkeit – bei der Orientierung in der Wirklichkeit und bei den Handlungsabsichten gegenüber der Wirklichkeit.“20 Diese Perspektivität teilt Bergmann in drei geschichtswissenschaftliche Formen ein21, die 2018 von Hilke Günther-Arndt aufgegriffen und wissenschaftlich bewiesen wurden.22

Als erstes nennt er die Multiperspektivität23, die sich auf der Quellenebene in den aus der Vergangenheit erhaltenen Zeugnissen historischer Akteure findet.24 Jede absichtlich und auch unabsichtlich hinterlassene Quelle wird durch individuelle Erfahrungen und Gedanken des Autors gefiltert und somit perspektivisch beeinflusst.25 Je nach gesellschaftlicher Stellung, nationaler oder religiöser Zugehörigkeit, Geschlecht des Autors oder der Autorin, können Berichte über ein historisches Ereignis sehr unterschiedlich sein.26 Quellen sind also kein Abbild eines historischen Ereignisses, sondern perspektivische Berichte und Überlieferungen und stellen lediglich eine Position dar.27 Nur wenn man den SchülerInnen Quellen mit verschiedenen Perspektiven präsentiert und ihnen die Möglichkeit gibt, diese gegeneinander abzuwägen, ermöglicht man ihnen eine eigene fundierte Meinungsbildung.28

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas ein und begründet die Auswahl des deutsch-französischen Geschichtsbuchs als Forschungsgegenstand.

2. Begründung für den Einsatz von Multiperspektivität im Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel definiert Multiperspektivität theoretisch und erläutert ihren Stellenwert für das historische Lernen sowie die damit verbundenen Methoden.

3. Bilingualer Geschichtsunterricht als besondere Chance für die Schulung multiperspektivischen Denkens: Es wird das Konzept des bilingualen Unterrichts als Erfolgskonzept dargestellt und sein Potential zur Förderung von Multiperspektivität kritisch hinterfragt.

4. Multiperspektivität im bilingualen Geschichtsbuch – eine Fallanalyse: In diesem Hauptteil wird das konkrete Lehrwerk anhand der Aspekte Quellen, Sprache und Arbeitsaufträge hinsichtlich der Umsetzung des multiperspektivischen Anspruchs analysiert.

5. Diskussion und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bewertet kritisch, inwieweit das Lehrbuch das Potential zur Förderung von Multiperspektivität ausschöpft.

Schlüsselwörter

Multiperspektivität, Geschichtsunterricht, Bilingualer Unterricht, Historisches Denken, Geschichtsdidaktik, Fallanalyse, Quellenarbeit, Fremdverstehen, Interkulturelles Lernen, CLIL, Schulbuchanalyse, Nürnberger Prozesse, Historische Urteilsbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwieweit bilinguale Geschichtsbücher dazu beitragen können, Schülerinnen und Schüler zu multiperspektivischem Denken anzuleiten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die geschichtsdidaktische Theorie der Multiperspektivität, das Konzept des bilingualen Sachfachunterrichts sowie die Analyse konkreter Lehrwerksmaterialien.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, zu analysieren, ob ein bilinguales Geschichtsbuch tatsächlich die in der Theorie postulierten Chancen zur Förderung einer multiperspektivischen Sichtweise im Unterricht praktisch umsetzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geschichtsdidaktische Fallanalyse eines spezifischen deutsch-französischen Lehrwerks.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung sowie eine detaillierte Analyse eines Fallbeispiels zu den Nürnberger Prozessen, wobei Quellenmaterial, Sprache und Aufgabenstellungen untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Multiperspektivität, bilingualer Geschichtsunterricht, historisches Denken, Fremdverstehen und Schulbuchanalyse.

Wie schneidet das untersuchte Lehrwerk in der Analyse ab?

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass das Potential der Multiperspektivität im untersuchten Lehrbuch durch eine weitgehend monolinguale Gestaltung und die Auswahl der Quellen nur unzureichend ausgeschöpft wird.

Warum ist die Sprache des Lehrbuchs für die Multiperspektivität relevant?

Die Sprache dient als Medium der Perspektivübernahme; mangelnde Authentizität der verwendeten Sprachen in den Quellen kann den gewünschten Lerneffekt und das Fremdverstehen behindern.

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Details

Title
Multiperspektivisches Denken mit dem bilingualen Geschichtsbuch
College
University of Münster
Grade
1,7
Author
Natascha Kühnemund (Author)
Publication Year
2019
Pages
52
Catalog Number
V498796
ISBN (eBook)
9783346024510
ISBN (Book)
9783346024527
Language
German
Tags
Bilingualität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Natascha Kühnemund (Author), 2019, Multiperspektivisches Denken mit dem bilingualen Geschichtsbuch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498796
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