Inklusion und dafür notwendige Veränderungen für den kompetenzorientierten Sportunterricht. Gleichberechtigung in der Schule


Hausarbeit, 2019
15 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Kompetenzorientierung im Sportunterricht

3. Inklusion im Sportunterricht

4. Vereinbarkeit von Kompetenzorientierung und Inklusion

5. Fazit

1. Einleitung

Im Jahr 2009 wurde die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland ratifiziert. Dadurch ist der gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen in allen Lebensberei­chen auch gesetzlich eine Basis geschaffen worden. Dieser Schritt für die Gleich­stellung von Menschen mit Behinderung war überfällig und geht mit gesellschaftli­chen Umbrüchen einher. Im Folgenden fixiert sich die Arbeit jedoch ausschließlich auf den Aspekt Schule, genauer noch, auf den kompetenzorientierten Sportunter­richt in der Sekundarstufe I, um einerseits den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen und andererseits beispielhaft deutlich machen zu können, welche Verän­derungen sich durch diese Konvention ergeben.

Die Sekundarstufe I ist in diesem Fall ausgewählt worden, da sie auch ohne Inklusi­onsschülerinnen und Schüler von großer Heterogenität zeugt (Cwierdzinski & Fah- lenbrock, 2004, 60).

Diese Arbeit berücksichtigt Behinderungen als einen von vielen Heterogenitätsas­pekten einer Lerngruppe, mit dem im Unterricht umgegangen werden muss, um die gleichberechtigte Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler[1] zu ermöglichen (Sturm, 2013, 19ff.).

Neben vielen schlagwortartigen Haltungen und Einstellungen, die zum Thema In­klusion formuliert wurden (Vgl. Musenberg & Reinert S.16) muss viel mehr der Blick auf eine didaktische Auseinandersetzung mit den Heterogenitätsaspekten in Ver­bindung mit der Inklusion gelegt werden. Eine hinreichende und zielgerichtete Aus­bildung der Lehrkräfte ist somit unabdingbar, um nicht nur theoretische Konzepte zu formulieren, sondern sie auch an der Praxis zu orientieren und damit den Stel­lenwert der Lehrkräfte für diese neue Ausrichtung hervorzuheben Daraus ergibt sich die Frage, wie die Inklusion im kompetenzorientierten Unterricht stattfinden kann, weshalb im Folgenden zuerst die Kompetenzorientierung im Sportunterricht thematisiert werden soll. Dabei spielen die Konzepte von Gogoll und Kurz (2010/ 2013), sowie aus dem Buch von Weirer und Pachter (2019) eine maßgebliche Rolle.

Darauf folgt eine Definition und Erläuterung vom Begriff Inklusion, wobei zuerst the­matisiert wird, welche unterschiedlichen Definitionen das Thema Inklusion aufweist, gefolgt von einer Auseinandersetzung mit der allgemeindidaktischen und der fach­didaktischen Diskussion. Zuletzt soll dann die Vereinbarkeit vom kompetenzorien­tierten Sportunterricht und der im vorigen thematisierten Inklusion erarbeitet wer­den. Dazu dienen vor allem die bekanntesten Modelle im Umgang mit Inklusion, so­wie eine Diskussion über den Doppelauftrag des Schulsports.

2. Kompetenzorientierung im Sportunterricht

Seitdem die internationalen Studien PISA und TIMMS für viel Kritik am deutschen Schulsystem gesorgt haben und eine neue Ausrichtung hin zur Kompetenzorientie­rung provoziert haben, liegt der Fokus heute auf der Output-, statt der Inputorientie­rung. Dabei wird mehr darauf geschaut, was die SuS zu einem bestimmten Zeit­punkt erlernt haben sollen, statt vorzugeben, welche Inhalte wie vermittelt werden sollen. In diesem Zusammenhang spricht man auch von der Neuen Steuerung, die durch die Kultusministerkonferenz erarbeitet wurde und einen grundlegenden Wan­del im Schul- und Bildungssystem mit sich brachte (Gogoll & Kurz, 2010). Die bei­den sprechen zudem von „kompetenzfundierten ,Can-do-Statements'“, also die Möglichkeit formulieren zu können, ob die SuS etwas können, oder nicht können (Gogoll & Kurz, 2013, S.81).

Eine stärkere Adressatenorientierung wird auch durch die neuen Voraussetzungen und die damit verbundene politische Bildung ermöglicht. Dabei geht es darum, den Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, „selbstbestimmtes politisches Denken zu entwickeln und aufrechtzuerhalten sowie an politischen Prozessen eigenverant­wortlich und aktiv teilzunehmen“ (Krammer, 2013).

Der Sportunterricht wurde jedoch nur nach und nach durch diese Neue Steuerung beeinflusst, da er nicht direkt von den Vergleichsstudien betroffen war und somit zuerst der Fokus auf den Hauptfächern wie Mathematik oder Deutsch lag. Die Fachdidaktiken befinden sich seitdem in einer doppelten Forschungsaufgabe, da sie „sowohl die wissenschaftlichen Grundlagen für die Festlegung von Bildungs­standards erarbeiten als auch Konzepte für einen an Kompetenzen orientierten Un­terricht entwickeln“ (Gogoll & Kurz, 2013, S.80) sollen.

Bei der Kompetenzorientierung geht es nun vielmehr darum, die individuellen Lern­fortschritte der SuS zu messen und sichtbar zu machen. Dabei können die Kompe­tenzerwartungen und Bildungsstandards als fachliche Ziele betrachtet werden (Neumann, 2013). Diese Bildungsstandards dienen dazu, bundesweit steuern zu können, aber auch Ungleichheiten zwischen den Bundesländern in Erfahrung brin­gen zu können, um nationale Standards zu ermöglichen (Kurz, 2008, S.27).

Die verstärkte Adressatenorientierung benennen auch Weirer und Paechter, die das neue Lernen als viel mehr auf „Kompetenzen, Performanz, Qualifikation, Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen“ (Weirer & Paechter 2013, S. 20) ausgerichtetes Lernen bezeichnen. Kompetenzen können dabei nur durch das Zusammenspiel der drei Zentralen Faktoren Wissen, Können und Wollen entste­hen. Um (selbstständig) Lernen zu können, müssen die SuS also zu allererst die Bereitschaft an den Tag legen, lernen zu wollen und gewisse Grundfähigkeiten zu erlernen um ihr Wissen zu erweitern. Ferner sollte das Unterrichtsgeschehen nach dem Angebot-Nutzungs-Modell erfolgen, bei dem die Lehrenden Angebote für die Schülerinnen und Schüler schaffen, die diese dann aktiv annehmen müssen, um selbstständig lernen zu können (Fritz et. al. 2019).

Des Weiteren ist zu unterscheiden in eine allgemeine Kompetenz und die fachspe­zifischen Kompetenzen, denn jedes Fach bringt seine individuellen Anforderungen mit sich und benötigt andere didaktische Mittel zur Vermittlung von Inhalten. Fach­kompetenzen umfassen also auch bestimmte Fakten, Konzepte, Theorien, Modelle oder Sachverhalte, sowie Wissen über Zusammenhänge und Prinzipien (Fritz et al. 2019, 2)

Bei der Kompetenzorientierung geht es aber nicht nur um die Nutzung von neuen Methoden für den Unterricht. Viel mehr muss eine andere Perspektive der Didaktik anerkannt werden, die die Schülerinnen und Schüler in das Zentrum des Unter­richts rücken und insgesamt um eine andersartige Rollenverteilung von Lehrenden und Lernenden. (Fritz et al. 2019, 29)

Insgesamt wird unterschieden in vier verschiedene basale Kompetenzen: Fach­kompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Persönlichkeits-/Selbst- kompetenz.

Für den in dieser Arbeit fokussierten Sportunterricht, geht es dabei um drei spezifi­sche Kompetenzbereiche. Als erstes zu nennen ist die Bewegungs- und Wahrneh­mungskompetenz, die die Fähigkeiten beschreibt, in sportlichen Handlungssituatio­nen angemessen handeln zu können. Des Weiteren spielt auch die Methodenkom­petenz eine wichtige Rolle. Sie bezieht sich dabei darauf, dass die SuS sich mit Aufgaben angemessen auseinandersetzen können. Zuletzt ist die Urteilskompetenz veranschlagt, durch welche die Schülerinnen und Schüler sich kritisch mit den In­halten und Erkenntnissen auseinandersetzen sollen und auch Risiken abwägen ler­nen (Landesinstitut für Schule, 2011).

Unter diesen Faktoren ist das Ziel des kompetenzorientierten Unterrichts, dass die SuS „das erworbene Wissen, die erlernten Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht nur in den in der Schule kennengelernten Situationen, sondern auch in neuen und unbe­kannten Situationen“ anwenden können. (Fritz et al. 2019, 30)

[...]


[1] Im Folgenden auch SuS genannt.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Inklusion und dafür notwendige Veränderungen für den kompetenzorientierten Sportunterricht. Gleichberechtigung in der Schule
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V498894
ISBN (eBook)
9783346032102
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inklusion, veränderungen, sportunterricht, gleichberechtigung, schule
Arbeit zitieren
Fabian Niemeier (Autor), 2019, Inklusion und dafür notwendige Veränderungen für den kompetenzorientierten Sportunterricht. Gleichberechtigung in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498894

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Inklusion und dafür notwendige Veränderungen für den kompetenzorientierten Sportunterricht. Gleichberechtigung in der Schule


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden