Welche Kriterien bestimmen ein gutes Kirchenlied?


Essay, 2016
4 Seiten, Note: 2,7
Anonym

Leseprobe

„Welche Krite rien b estimmen ein gu tes Ki rch e n li ed ?“

Im Folgenden gilt es, die Frage, welche Kriterien ein gutes Kirchenlied bestimmen, zu beantworten. Bevor aber konkret auf die Fragestellung und das Kirchenlied an sich eingegangen werden soll, muss zunächst einmal geklärt werden, welche Rolle die Musik selbst spielt. Um es mit den Worten Luthers zu beschreiben, so regiert die Musik alle Gedanken und Sinne sowie das Herz und den Mut und ist eine Gabe Gottes.1 Musik kann Worte also emotional und lebendig werden lassen; gemeinsames Singen schafft Verbundenheit.2 Wenn sich also Gedanken und Herz in Musik ausdrücken lassen und das Singen ein „Wir-Gefühl“ hervorbringt, dann liegt es nahe, dass das Lied und der Gesang für die Kirche und das Kirchenlied für das Gotteslob geeignet sind. Dieses Phänomen der emotionalen Wirkung von Kirchenliedern, was unter anderem durch das gemeinsame Singen und die allgemeine Eigenschaft von Musik an sich hervorgerufen wird, ist seit langem und bis heute bekannt.3 So könnte man sagen, dass das Kirchenlied eine Art poetisch-musikalische Kunstgattung ist, die durch ihre Geschlossenheit fast von selbst wirkt und durch eine meist feste Melodiebindung zu einem starken Emotionsträger werden kann.4 Jedoch sind es noch weitere Kriterien, die ein gutes Kirchenlied bestimmen, weshalb nun konkret darauf eingegangen werden soll; denn nicht jedes Lied eignet sich dafür, ein gutes Kirchenlied zu sein.

Zunächst einmal sollte festgehalten werden, dass nicht jedes Lied ein Kirchenlied sein kann, da das gute Kirchenlied in erster Linie die Funktion hat, Gott zu loben und Glaubensinhalte zu vermitteln. Um diesem Anspruch nun gerecht zu werden, braucht ein gutes Kirchenlied insbesondere eine selbstständige sangliche Einheit aus strophisch gegliederten Wort-Ton-Folgen; Rhythmus, Reim und wiederholter Refrain helfen bei der Aneignung, Einprägung und Überlieferungsfähigkeit des Kirchenliedes und seines Inhaltes, weshalb diese Aspekte für ein gutes Kirchenlied nicht unbedeutend sind.5 Ein gutes Kirchenlied ist also poetisch-musikalisch und macht gleichzeitig den Glauben erfahrbar. Dabei sollten diese Aspekte zwar zusammenspielen, jedoch sollten die Musik und Poetik dem Wort dienen und nicht umgekehrt.6 Denn dann können Gebets-, Bekenntnis- oder Hoffnungsworte des Glaubens durch das Kirchenlied verstärkt erleuchtend, belehrend, tröstend oder kraftspendend wirken.7 Insgesamt braucht ein gutes Kirchenlied also das Zusammenspiel von Lehre und Frömmigkeit, von christlicher Aussage und künstlerischer Verwirklichung, von Literatur und Musik und von Kult und Kultur.8 Hinzukommend darf ein gutes Kirchenlied meiner Meinung nach nicht undimensioniert lang und sollte möglichst nicht in einer Fremdsprache verfasst sein, damit es von jedermann verstanden werden kann, egal welchen Bildungsstandes angehören Außerdem muss die Melodiegestalt so sein, dass nicht nur Musiker diese nachvollziehen können, sondern auch Laien.9 Daraus ergibt sich folgende Schwierigkeit, denn einerseits soll das gute Kirchenlied für jedermann verständlich sein, um die Glaubensinhalte zu vermitteln, darf aber andererseits nicht in eine Sprache der bloßen Nützlichkeit oder formalen Klarheit abrutschen, da die Wortwahl und Sprache immer noch eine „göttliche Sachlichkeit“ wie in der Bibel haben muss.10 Insgesamt sollte ein gutes Kirchenlied die Kraft haben, generationsübergreifend zu wirken und verstanden zu werden11 sowie geeignet für die lebendige Praxis in der Kirche sein, also als Gemeindelied im Gottesdienst beispielsweise funktionieren können, gleichzeitig aber auch tauglich für den Gesang zu Hause in der Familie oder in der Öffentlichkeit zu sein.12 Das gute Kirchenlied muss also ein geistlicher Text von christlicher Prägung in einer metrischen Form und einem strophischen Aufbau sein, der sich zum wiederholten Gesang in der Gruppe durch eine angemessene Melodie und Sprache eignet.13

[...]


1 Vgl. Opp, Johannes: Vom Dienst des Kirchenmusikers und der Kirchenmusikerin, in: Opp, Walter (Hrsg.): Handbuch Kirchenmusik. Teilband I. Der Gottesdienst und seine Musik. Kassel 2001, S. 12.

2 Vgl. Henkys, Jürgen: Singender und gesungener Glaube: hymnologische Beiträge in neuer

Folge. Göttingen 1999, S. 32.

3 Vgl. Martini, Britta: Sprache und Rezeption des Kirchenliedes. Analyse und Interviews zu einem Tauflied aus dem Evangelischen Gesangbuch. Göttingen 2002, S. 247.

4 Vgl. ebd., S. 248.

5 Vgl. Henkys: Singender und gesungener Glaube, S. 33.

6 Vgl. ebd., S. 37.

7 Vgl. ebd., S. 39.

8 Vgl. ebd., S. 41.

9 Vgl. Lieberknecht, Ulrich: Gemeindelieder. Probleme und Chancen einer kirchlichen Lebensäußerung. Göttingen 1994, S. 61.

10 Vgl. ebd., S. 62.

11 Vgl. Schweizer, Rolf: Neue geistliche Lieder in der Praxis des kirchenmusikalischen Dienstes, in: Opp, Walter (Hrsg.): Handbuch Kirchenmusik. Teilband I. Der Gottesdienst und seine Musik. Kassel 2001, S. 130.

12 Vgl. Martini: Sprache und Rezeption des Kirchenliedes, S. 248-249.

13 Vgl. ebd., S. 250.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Welche Kriterien bestimmen ein gutes Kirchenlied?
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Kirchengeschichte
Note
2,7
Jahr
2016
Seiten
4
Katalognummer
V498902
ISBN (eBook)
9783346030306
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welche, kriterien, kirchenlied
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Welche Kriterien bestimmen ein gutes Kirchenlied?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498902

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Welche Kriterien bestimmen ein gutes Kirchenlied?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden