Auswirkungen der sinkenden Schüler- und Schülerinnenanzahl im Religionsunterricht


Diskussionsbeitrag / Streitschrift, 2016

7 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Discussion Paper

„Weni ger Schüler im Reli gionsunterric ht“

1. Einleitung

Im Folgenden soll im Rahmen der Vorlesung zur Religionspädagogik ein Discussion Paper zu einem aktuellen gesellschaftlichen Thema, welches in seinen religionspädagogischen Bezügen wahrgenommen und reflektiert werden soll, verfasst werden.

Ich persönlich habe mich für das Thema der sinkenden Teilnehmerzahlen von Schülern und Schülerinnen1 am konfessionellen Religionsunterricht an deutschen Schulen entschieden und möchte die problematische Thematik anhand des Artikels „ Weniger Schüler im Religionsunterricht, “ der in „Der Welt“ am 09. Januar 2008 erschienen ist und von Frau Regina Köhler verfasst wurde,2 religionspädagogisch und unter Verwendung relevanter Vorlesungsinhalte reflektieren.

Der Grund für meine Entscheidung, die genannte Thematik zu reflektieren und zu beleuchten, liegt in der gegenwärtigen Relevanz, da das 21. Jahrhundert geprägt ist von der säkularen Erziehung an Schulen3 und sich heutzutage die These „Je moderner eine Gesellschaft ist, desto weniger religiös ist sie“ vielerorts verbreitet hat. Trotzdem lässt sich einerseits im Religionsunterricht die ursprünglich religiös-kirchliche Wurzel der schulischen Erziehung erkennen und andererseits bleibt der Religionsunterricht ein ordentliches Pflichtlehrfach; zumindest in Deutschland.4 Dass der Religionsunterricht also ein ordentliches Lehrfach darstellt, ist besonders im 21. Jahrhundert wichtig, da dieses geprägt ist von einer religiösen Pluralität und einer multireligiösen Gesellschaft, in der die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Erwachsenen aufwachsen, leben und sich zurechtfinde müssen5 sowie in der Lage sein sollten, begründend über Religion urteilen zu können; hierzu verhilft der Religionsunterricht. Welche Auswirkungen hat nun also die sinkende Schüler- und Schülerinnenanzahl im Religionsunterricht für die SuS selbst und wie wirkt sich das auf lange Sicht gesehen gesellschaftlich aus, insbesondere auch im Hinblick auf das Heranwachsen der Kinder und Jugendlichen? Diese Fragestellung gilt es also im Folgenden zu beantworten, weshalb zunächst einmal eine kurze Inhaltsangabe des Artikels folgen wird, um dann im zweiten Schritt die Thematik selbst unter religionspädagogischen Bezügen zu beleuchten, zu reflektieren und zu kritisieren. Anschließend wird ein Fazit folgen, in dem ich auch meine eigene Meinung äußern werde.

Die Quellengrundlage für das Discussion Paper bildet der genannte Artikel aus „Der Welt;“ daneben waren aber die Publikationen „Religionspädagogik. Ansätze für die Praxis“ von Uta Pohl-Patalong6 und „Arbeitsbuch Religionspädagogik. Ein Begleitbuch für Studium und Praxis“, herausgegeben von Godwin Lämmermann, Elisabeth Naurath und Uta Pohl-Patalong7 sehr hilfreich und erhellend sowie die Vorlesungsinhalte selbst.

2. Inhaltsangabe des Artikels „Weniger Schüler im Religionsunterricht“ aus „Der Welt“

In dem Artikel „ Weniger Schüler im Religionsunterricht “ von Regina Köhler, verfasst am 09. Januar 2008, erschienen in „Der Welt“, geht es um die Problematik, dass immer mehr Eltern ihre Kinder vom freiwilligen Fach Religion abgemeldet haben aufgrund des eingeführten Pflichtfaches Ethik für die 7. bis 10. Klassenstufen in Berlin: „Wir verzeichnen mit der Einführung des Ethikunterrichts einen deutlichen Rückgang der Schülerzahlen“ 8 betont die Sprecherin der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Auch muss angenommen werden, „dass sich weitere Schüler vom Religionsunterricht abmelden, weil dieser eine sehr ungünstige Stellung im Stundenplan behalten wird.“ 9 Kritiker hoffen nun auf ein Volksbegehren, dass sich für die Einführung eines Wahlpflichtfaches Ethik/Religion ausspricht. Diese Organisation nennt sich „ProReli“ und wird durch den Landeselternausschuss, die Kirche sowie CDU und FDP unterstützt.

3. Auswirkungen der sinkenden Schüler- und Schülerinnenanzahl im Religionsunterricht

Bevor auf die Auswirkungen, die fehlender Religionsunterricht auf die SuS hat, eingegangen wird, soll im Vorfeld noch kurz auf den Religionsunterricht an sich und seine rechtliche Stellung eingegangen werden. Daher sei erwähnt, dass es sich bei dem Fach Religion nach Art. 7 Abs. 3 um ein ordentliches Lehrfach handelt.10 Das bedeutet einerseits, dass Religion fester Bestandteil im Fächerkanon ist sowie seine Berechtigung hat und andererseits bedeutet es auch, dass der Religionsunterricht aus rechtlicher Sicht nicht auf dem Stundenplan fehlen oder aus dem Schulalltag verschwinden darf, sondern in angemessener Weise vertreten sein muss.11 Als ordentliches Lehrfach eingestuft zu sein, bedeutet für den Religionsunterricht aber auch, dass dieser sich in Analogie zu den anderen Unterrichtsfächern befindet und beweisen muss, das heißt der Unterricht muss wissenschaftsorientiert und auf einer fachwissenschaftlichen Basis fundiert sein.12 Auch gilt er, trotz Abmeldemöglichkeit, als versetzungsrelevant und ist somit kein Wahl- oder Wahlpflichtfach, weshalb bei Abmeldung eine verpflichtende Alternative für die SuS von der Schule aus angeboten werden und stattfinden muss; beispielsweise der Ethikunterricht.13 Trotz alledem charakterisiert sich der Religionsunterricht besonders auch durch sein fachspezifisches Profil, welches sich stark von anderen Schulfächern unterscheidet, weshalb Religion auf jeden Fall ein Fach wie jedes andere und zugleich ein Fach wie kein anderes ist. Der Religionsunterricht ist daher ständig gezwungen, sich zu legitimieren und zu positionieren, besonders auch aufgrund der sich rasch ändernden gesellschaftlichen und individuellen Veränderungen der Menschen. Begründend darauf und auf der Tatsache, dass die heutige Gesellschaft durch Pluralität und Multireligiosität gekennzeichnet ist, was insbesondere auch den Schulalltag und die Klassenzusammensetzung betrifft, wird der Status und die Akzeptanz des konfessionellen Religionsunterrichts immer wieder angezweifelt. Denn dadurch, dass die heutigen SuS im Kontext einer religiösen Pluralität aufwachsen und von unterschiedlich religiösen und nichtreligiösen Einflüssen geprägt werden, kann im Religionsunterricht nicht mehr von einer einheitlichen christlichen Sozialisation ausgegangen werden.14 Auf dieser Basishaben sich beispielsweise Diskussionen darüber entwickelt, ob allgemeine Religionskunde nicht besser wäre oder gar der reine Ethikunterricht, der wie in dem Bespiel aus „Der Welt“ in Berlin verpflichtend eingeführt wurde, da so alle SuS, ganz gleich welcher Konfession angehörig und in welchem Umfang religiös sozialisiert, teilnehmen könnten und niemand ausgegrenzt werden würden.

[...]


1 Im Folgenden als „SuS“ abgekürzt.

2 Köhler, Regina: Weniger Schüler im Religionsunterricht, in: Die Welt (2008); siehe online unter: http://www.welt.de/regionales/berlin/article1535463/Weniger-Schueler-im-Religionsunterricht.html (letzter Zugriff am 03. Dezember 2015).

3 Vgl. Lämmermann, Godwin; Naurath, Elisabeth; Pohl-Patalong, Uta: Arbeitsbuch Religionspädagogik. Ein Begleitbuch für Studium und Praxis. Gütersloh 2005, S. 135.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. ebd., S. 101.

6 Pohl-Patalong, Uta: Religionspädagogik. Ansätze für die Praxis. Göttingen 2013.

7 Lämmermann, Godwin; Naurath, Elisabeth; Pohl-Patalong, Uta: Arbeitsbuch Religionspädagogik. Ein Begleitbuch für Studium und Praxis. Gütersloh 2005.

8 Art. „Weniger Schüler im Religionsunterricht“

9 Ebd.

10 Vgl. Lämmermann, Godwin: Schulzeit. Rahmenbedingungen des Religionsunterrichts, in: Lämmermann, Godwin; Naurath, Elisabeth; Pohl-Patalong, Uta (Hrsg.): Arbeitsbuch Religionspädagogik. Ein Begleitbuch für Studium und Praxis. Gütersloh 2005, S. 197.

11 Vgl. ebd., S. 197-198.

12 Vgl. ebd., S. 198.

13 Vgl. ebd., S. 198-199.

14 Vgl. Pohl-Patalong: Religionspädagogik, S. 11.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der sinkenden Schüler- und Schülerinnenanzahl im Religionsunterricht
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Theologische Fakultät)
Note
1,0
Jahr
2016
Seiten
7
Katalognummer
V498903
ISBN (eBook)
9783346017673
ISBN (Buch)
9783346017680
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, schüler-, schülerinnenanzahl, religionsunterricht
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Auswirkungen der sinkenden Schüler- und Schülerinnenanzahl im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498903

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