Japans Walfang. Massenhaftes Töten im Dienste der Wissenschaft oder gut einstudiertes Theaterstück?


Essay, 2016

14 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Geschichte des Walfangs

3 Japans Walfang

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Wal – ein seit Jahrtausenden auf die Menschheit Faszination ausübendes Säugetier, welches nicht zuletzt durch seine Intelligenz sowie enorme Größe mit gleichzeitiger Eleganz und Schnelligkeit im Wasser beeindruckt und Symbol für die Vielfalt des Lebens im Wasser ist. Aufgrund dessen ist es nicht verwunderlich, dass sich seit Menschengedenken viele Rätsel, Sagen und Mythen rund um den Wal ranken.1

Gegenwärtig ist der Wal aber auch Sinnbild für den schadvollen Umgang des Menschen mit der Natur geworden, sodass der Wal trotz seiner auf viele Faszination ausübenden Aura vom Aussterben bedroht ist, denn Jahr für Jahr sterben zehntausende Kleinwale und tausende Wale aufgrund der Vergiftung der Meere, der Lärmbelästigung durch den Schiffsverkehr oder auch, weil sie in Fischernetzen hängen bleiben und daraufhin ersticken. Eine besondere Gefahr stellt aber auch der gegenwärtig durchgeführte Walfang dar,2 der nicht zuletzt besonders durch die drei großen Walfangnationen Japan, Norwegen und Island ausgeführt wird, wodurch jährlich hunderte von Walen den Tod finden.3 Während Norwegen und Island ihren Walfang jedoch öffentlich als kommerziell offenlegen, behauptet Japan, den Walfang im Dienste der Wissenschaft zu tätigen.4 Dieses Festhalten Japans am Walfang sorgt daher jährlich für starke Proteste auf der ganzen Welt, die jedoch auf Missachtung stoßen. Stattdessen beruft sich die Walfangnation auf eine Ausnahmeregelung in der IWC-Konvention,5 nach der Wale zu wissenschaftlichen Zwecken gejagt und getötet werden dürfen.6 Auf diese Weise legitimiert Japan Jahr für Jahr seinen Walfang, sodass durch das angebliche „Forschungsprogramm“ Japans innerhalb der letzten 25 Jahre insgesamt mehr als 10000 Großwale in den arktischen Gewässern getötet wurden.7 Diese Ausmaße des Walfangs und die daraus resultierenden Proteste, die weltweit jedes Jahr laut werden, lassen einerseits die Relevanz der Thematik deutlich werden und zeigen andererseits die Dringlichkeit sowie die Verantwortung, in der sich die Menschen des 21. Jahrhunderts befinden, diesem Töten ein Ende zu setzen.

Daher verwundert es kaum, dass sich auch die Umwelt- beziehungsweise Tierethik der Problematik des Walfangs angenommen hat. Denn hierbei fällt die genannte Thematik unter den Aspekt des Artenschutzes beziehungsweise Artensterbens. Zwar ist es richtig, dass es auf der Welt immer schon das sogenannte Artensterben gab, jedoch geschieht es heute zumeist durch menschliche Einflussnahme in einer Verzehntausendfachung des naturbedingten Artensterbens.8 Das derzeitige Artensterben des Wales ist dabei kein Einzelphänomen, sondern nur eines von vielen Symptomen in einem lebensbedrohlichen Kontext, der Teil einer ökologischen Krise ist. Dabei umfasst diese ökologische Krise alle ökologischen Folgewirkungen des menschlichen Handelns.9 Das Artensterben auf unserem Planeten ist auch ein Hinweis darauf, dass es einmal zu dem Punkt kommen könnte, an dem der Mensch seine eigenen Lebensgrundlagen zerstört haben wird.10 Aufgrund dessen ist die Umweltethik, die Teilgebiet der praktischen Philosophie ist, bemüht, Normen für einen im ethischen Sinne richtigen Umgang des Menschen mit der Natur zu entwickeln.11 Dabei bezeichnet der Begriff „Natur“ alles, was nicht vom Menschen gemacht wurde, wie beispielsweise Seen, Berge und Tiere.12 Im Folgenden soll nun also die beschriebene Absurdität des japanischen Walfangs unter umweltethischer Perspektive reflektiert und wahrgenommen werden. Dabei soll besonders der leitenden Frage auf den Grund gegangen werden, inwieweit das massenhafte Töten der Wale der Forschung dienlich sein soll und ob es nicht andere und bessere Methoden im Sinne der Forschung gibt. Die Begründung Japans, die Wale zu wissenschaftlichen Forschungszwecken zu töten, soll also auf ihre Glaubhaftigkeit geprüft werden.

Für die Beantwortung der Leitfrage ist es jedoch sinnvoll, zunächst einen kurzen Blick auf die Geschichte des Walfangs beziehungsweise seine Entwicklung bis heute zu werfen, um dessen Entstehung und traditionelle Verankerung sowie die gegenwärtige Problematik verstehen zu können. Im zweiten Schritt soll dann der Walfang Japans unter umweltethischer Perspektive reflektiert werden. Insgesamt waren für die vorliegende Arbeit die Publikationen von Greenpeace13 und Karl-Hermann Kock14 besonders erhellend.

2 Die Geschichte des Walfangs

Wie bereits erwähnt, ist es sinnvoll, sich zwecks eines Verständnisses der Problematik die Geschichte und Entstehung des Walfangs vor Augen zu führen, um wiederum die traditionelle Verankerung nachvollziehen zu können. Denn für die Menschen, die an den Küsten lebten, stellten gestrandete Wale viele Jahrhunderte lang eine wichtige Nahrungsquelle dar, durch die ein ganzes Dorf viele Wochen lang ernährt werden konnte.15 Zu Beginn des Walfangs, der bereits in vorgeschichtlicher Zeit getätigt wurde, als es noch zahlreiche Tiere gab, konzentrierten sich die Jäger auf die großen, langsam schwimmenden Wale. Der Walfang gestaltete sich aus heutiger Sicht grausam, denn man harpunierte zunächst die Waljungen, zog sie in flache Gewässer, um dadurch auch die Mütter, die ihrem Nachwuchs stets folgten, zu erlegen.16 Waren von einer Walart kaum noch Tiere vorhanden, konzentrierten die Walfänger sich stets auf die nächst kleinere Walart, wodurch beinahe alle großen Walarten an den Rand der Ausrottung gebracht wurden.17 Denn bereits im 9. Jahrhundert begann der kommerzielle Walfang, und als die küstennahen Gewässer erschöpft waren, wurde die Jagd ab dem 14. und 15. Jahrhundert weltweit immer weiter ausgeweitet.18 Durch die Erfindung des Dampfschiffes sowie der Harpunenkanone im 19. Jahrhundert wurde nun auch die Jagd auf schnellere Großwalarten möglich und das Töten in großen Mengen auf den Weltmeeren nahm seinen Anfang, sodass bereits im 20. Jahrhundert über zwei Millionen Großwale den Tod fanden.19 Besonders wegen ihrer Speckschicht wurden die Wale gejagt, weil man daraus Öl gewinnen konnte, welches sich zu Lampenöl, Margarine und Seife verarbeiten ließ. Insgesamt gibt es von ehemals 250000 Blauwalen heute noch knapp 1000 Tiere und auch die Finnwale wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt auf wenige Zehntausende dezimiert.20 Daher konzentriert sich der gegenwärtige Walfang insbesondere auf die Kleinwale, die noch nicht an den Rand der Ausrottung getrieben wurden,21 weshalb die IWC beschloss, ein Schutzgebiet im Südpolarmeer rund um die Antarktis einzurichten, da dort fast 90 Prozent aller heute noch lebenden Großwale ihre Hauptnahrungsquelle haben.22

Zwar haben sich die Bestände der Großwale seit diesem Beschluss der IWC ein wenig erholt, jedoch keineswegs derart, dass ein nachhaltiger Walfang wieder möglich wäre.23 Die Walfangnation Japan hält sich jedoch nicht an dieses Abkommen und wildert in dem Schutzgebiet jedes Jahr unter dem Vorwand der wissenschaftlichen Forschung,24 worauf nun im Folgenden detaillierter eingegangen werden soll.

3 Japans Walfang

Massenhaftes Töten im Dienste der wissenschaftlichen Forschung oder doch nur ein jährlich gut einstudiertes Theaterstück?!

Nachdem der Leser im vorangegangenen Kapitel über die Geschichte und die Entwicklung des Walfangs informiert worden ist, soll sich der folgende Abschnitt nun der Diskussion der eingangs formulierten Frage widmen, also der Frage, ob die Angabe Japans, Wale ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken zu töten, glaubhaft ist und falls dies der Fall sein sollte, ob es nicht sinnvollere Alternativen zum Töten von Walen im Sinne der Wissenschaft gibt. Hierzu sei dem Leser zunächst ein in die Thematik einstimmendes Zitat gegeben:

Mit Explosivharpunen gehen die Jäger auf die Wale los. Die Geräte werden von fest installierten Kanonen abgeschossen, ihre Spitze gräbt sich durch den Blubber der Tiere, zwei ellenlange Widerhaken bohren sich ins Fleisch. Dann explodiert eine Sprengladung in ihrem Inneren. Anders gehe es nicht, sagt die Walfangnation Japan seit Jahrzehnten: alles im Dienste der Wissenschaft.25

Trotz des erlassenen Gesetzes zum Verbot des Walfangs in dem Schutzgebiet im Südpolarmeer rund um die Antarktis wildert Japan, wie bereits erwähnt wurde, dort weiterhin jährlich und ignoriert den Beschluss der IWC konsequent. Weiterhin hat Japan seinen Walfang sogar ausgeweitet, nämlich auf den Minkelwalbestand im Nordpazifik.26 Zudem richtete Japan im Jahre 2000 die durchgeführte Walharpunierung auch wieder auf den geschützten Walbestand der Pottwale und den Bestand der seltenen Brydewale im Nordpazifik.27 Laut Greenpeace gelte Japans Interesse hierbei besonders dem Walfleisch, welches als Delikatesse gehandelt und somit hoch bezahlt werde, weshalb die besagte Walfangnation bereits seit Jahren für die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs appelliere und sich für die Abschaffung des Gesetztes von 1994 durch die IWC ausspreche.28 Besorgnis erregend sei des Weiteren auch, dass sich aufgrund der kaum noch vorkommenden Großwale die Jagd auf diese Tiere als nicht mehr lohnenswert erweise, weshalb Japan seinen Fokus nun auf die kleineren Wale gesetzt habe: „Wenn keine großen Wale gefangen werden dürfen, so etwa das Motto der japanischen Walfänger, fangen wir eben mehr kleine.“29 So würden mittlerweile jedes Jahr mehrere tausend Delfine und Schweinswale durch japanische Fischer getötet, was einem irrsinnigen „Schlachtspektakel“30 gleichkomme und unter dem Schlagwort „Tradition“31 gerechtfertigt werde.32 Es stellt sich allerdings die Frage, was ein Töten von Walen in dieser Dimension noch mit einer Tradition zu tun hat, bei der ursprünglich ein einziger Wal zur Ernährung eines ganzen Dorfes getötet wurde. Hier stehen Tradition und gegenwärtiger Walfang de facto in keinem Verhältnis mehr. Was die Jagd auf Kleinwale betrifft, so achten die japanischen Walfänger darauf, dass die IWC darüber keine verbindlichen Aussagen trifft.33 Wenn aber traditioneller und gegenwärtiger Walfang in keinem Verhältnis mehr stehen, muss natürlich die Frage beantwortet werden, inwieweit Japan sein Vorgehen überhaupt im Sinne der Tradition rechtfertigen kann.

[...]


1 Vgl. Greenpeace: Wale – geliebt, bedroht, gejagt. Weltpark für Wale statt Fangquoten. Hamburg o.J. [im Folgenden: Greenpeace (o.J.)], S. 3.

2 Vgl. ebenda, S. 3.

3 Vgl. http://www.zeit.de/2016/07/walfang-japan-wissenschaft-kritik (Zugriff 10.07.2016).

4 Vgl. ebenda (letzter Zugriff am 30.05.2016).

5 IWC: Internationale Walfang–Kommission, gegründet zur „angemessenen und wirksamen Erhaltung und Nutzung der Walbestände“ in den 30er Jahren unter den 14 Walfangnationen, siehe: Greenpeace (o.J.), S. 7.

6 Vgl. http://www.fr-online.de/panorama/walfang-japan-japanische-walfaenger-toeten-hunderte- wale,1472782,34007688.html (letzter Zugriff am 10.07.2016).

7 Vgl. ebenda (Zugriff 10.07.2016).

8 Vgl. M. Gorke: „Die ethische Dimension des Artensterbens“ in: K. Ott/M. Gorke (Hrsg.): Spektrum der Umweltethik. Marburg 2000 [im Folgenden: Gorke (2000)], S. 81-99, hier S. 81-82.

9 Vgl. ebenda, S. 83.

10 Vgl. ebenda, S. 83-84.

11 Vgl. ebenda, S. 84.

12 Vgl. A. Krebs: „Naturethik im Überblick“, in: A. Krebs (Hrsg.): Naturethik. Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion. Frankfurt am Main 1997, S. 337-379, hier S. 344.

13 Vgl. Greenpeace (o.J.).

14 Vgl. K.-H Kock.: Wale – Sanfte Riesen oder Ratten der Meere. Ein Bericht über die Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission. Hamburg 2002.

15 Vgl. Greenpeace (o.J.), S. 6.

16 Vgl. ebenda, S. 6.

17 Vgl. ebenda, S. 6.

18 Vgl. http://www.oekosystem-erde.de/html/walfang.html (Zugriff 10.07.2016).

19 Vgl. Greenpeace (o.J.), S. 6.

20 Vgl. Greenpeace (o. J.), S. 6.

21 Vgl. ebenda, S. 6.

22 Vgl. ebenda, S. 7.

23 Vgl. http://www.oekosystem-erde.de/html/walfang.html (Zugriff 10.07.2016).

24 Vgl. Greenpeace (o. J.), S. 7.

25 Vgl. http://www.zeit.de/2016/07/walfang-japan-wissenschaft-kritik (Zugriff 10.07.2016).

26 Vgl. Greenpeace (o. J.), S. 10.

27 Vgl. ebenda, S. 10.

28 Vgl. Greenpeace (o. J.), S. 10.

29 Vgl. Ebenda, S. 12.

30 Ebenda, S. 12.

31 Ebenda, S. 12.

32 Vgl. ebenda, S. 12.

33 Vgl. K.-H. Kock: Wale – Sanfte Riesen oder Ratten der Meere. Ein Bericht über die Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission. Hamburg 2002 [im Folgenden: Kock (2002)], S. 8.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Japans Walfang. Massenhaftes Töten im Dienste der Wissenschaft oder gut einstudiertes Theaterstück?
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Philosophische Fakultät)
Note
1,3
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V498908
ISBN (eBook)
9783346017758
ISBN (Buch)
9783346017765
Sprache
Deutsch
Schlagworte
japans, walfang, massenhaftes, töten, dienste, wissenschaft, theaterstück
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Japans Walfang. Massenhaftes Töten im Dienste der Wissenschaft oder gut einstudiertes Theaterstück?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498908

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