Empathie und ihre Wirkung auf Konfliktgespräche


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
26 Seiten, Note: 2,4
Hanno Dampf (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitorische Grundlagen
2.1 Der Begriff des Streits und Konflikts. Eine Definition
2.2 Der Begriff des Face-Managements. Eine Definition
2.3 Der Begriff des Hörersignals. Eine Definition
2.4 Der Begriff des Accounts. Eine Definition

3. Eigenschaften und Merkmale eines Konfliktgespräches

4. Transkript A
4.1 Analytische Untersuchung
4.2 Zwischenfazit

5. Transkript B
5.1 Analytische Untersuchung
5.2 Zwischenfazit

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gegenstand dieser Arbeit soll es sein den Ausgang eines Konfliktgespräches im Hinblick auf die Empathiefähigkeit der beteiligten Interaktanten, also der Fähigkeit und Bereitschaft, Perspektiven Anderer zu übernehmen oder diese zumindest nachzuvollziehen, zu untersuchen und zu analysieren, um so etwaige Rückschlüsse auf allgemeine kommunikative Interaktionsstrukturen und sozialnormative Verhaltensmuster ziehen zu können. Die Grundlagen dafür werden zwei transkribierte Gespräche des Institutes für Deutsche Sprache in Mannheim (IDS) darstellen, die im Folgenden noch näher vorgestellt werden sollen. Grundsätzlich handelt es sich dabei um jeweils ein Streitgespräch zwischen Mutter und Tochter, mit dem grundlegenden thematischen Komplex strittiger Modefragen, der zu eskalieren droht. Der Ausgangspunkt beider Gesprächsgrundlagen ist jedoch vollkommen unterschiedlich. Auf der einen Seite finden Mutter und Tochter einen kooperativen Umgang und schließlich eine Übereinkunft, die letztendlich zu einem Konsens führt (Transkript B). Auf der anderen Seite hingegen verhärten sich die Fronten, aufgrund eines Geflechtes von initiierenden und respondierenden Gesprächsbeiträgen, zunehmend, sodass ein Dissens zwischen beiden Parteien unausweichlich bleibt (Transkript A).

Wie es trotz äußert ähnlicher konstitutiven Voraussetzungen innerhalb eines institutionell-familiären Umfeldes, zu solch diametral zueinanderstehenden Ausgängen eines Konfliktes kommen kann, wird unter anderem Gegenstand dieser Arbeit sein. Als Arbeitsthese für die anstehende gesprächslinguistische Analyse soll folgender Prämisse nachgegangen werden:

Die Fähigkeit der Empathieempfindung hat essentielle Auswirkungen auf die Konstitution, den weiteren Verlauf, sowie den etwaigen Ausgang eines Konflikt- oder Streitgespräches, zwischen mindestens zwei Gesprächsteilnehmern. Zudem ist sie ein fundamentales Teilkonzept des gesprächslinguistischen Face-Managements.

Die Arbeitsgrundlagen für die anstehenden analytischen Untersuchungen des Konfliktgespräches zwischen Mutter und Tochter, basiert auf Klaus Brinkers und Sven Sagers Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. Der wissenschaftlichen Recherche soll sich anhand einer materialorientierten Vorgehensweise genähert werden.

2. Definitorische Grundlagen

Um die nachfolgenden Ausführungen der anstehenden Gesprächsanalyse nachvollziehen und vollständig erfassen zu können, sollen im Anschluss zunächst grundlegende Begrifflichkeiten, die im Bezug zur analytischen Untersuchung eines Konflikt- oder Streitgespräches nötig sind, vorangestellt werden. Hierunter fällt zunächst vor allem eine grundsätzliche Definition der Begrifflichkeiten des Streits oder auch Konfliktes selbst, sowie konversationsanalytische Fachtermini, wie beispielsweise das Face-Management, das im Hinblick auf diese Arbeit einen entscheidenden Faktor markiert.

2.1 Eine Definition des Begriffes Streit und Konflikt

Die Germanistin und Gesprächsforscherin Prof. Dr. Carmen Spiegel definiert die Begrifflichkeiten des Streites oder Konfliktes in ihrem Werk, Streit. Eine linguistische Untersuchung verbaler Interaktionen in alltäglichen Zusammenhängen, wie folgt:

Entstehen Diskrepanzen, weil mindestens zwei Ideen [...], Personen oder Gruppen in bezug [sic] auf Sachverhalte, Verhaltens- oder Wertvorstellungen aufeinanderprallen, so handelt es sich um einen Konflikt. Ein Konflikt liegt allen oppositionellen Austragungsformen zugrunde. Dies impliziert, dass Konflikte sowohl friedlich (kooperativ) wie auch kontrovers (unkooperativ) behandelt und gelöst werden können. [Spiegel 1995 : 16]

Bei einem Konflikt oder Streit handelt es sich demnach also um zwei verschiedenen Vorstellungen, restriktive Konzepte eines Sachverhaltes, über die im Verlaufe einer kommunikativen Auseinandersetzung verhandelt wird und sowohl eine kooperative, als auch unkooperative Handlungsweisen zulassen. Dies schließt die Verletzung des Images eines Interaktanten, während solchen Verhandlungen, jedoch nicht zwangsläufig aus. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist – vor allem bei unkooperativen Vorgehensweisen – sogar äußerst hoch. Dies führt zu einem weiteren elementaren Terminus, nämlich dem des bereits zuvor erwähnten Face-Managements.

2.2 Der Begriffe Face-Managements. Eine Definition

In einem eng gekoppelten Zusammenhang des Face-Managements steht der zentrale Begriff des Images und der Imagepflege. Den Ausgangspunkt in den Überlegungen des kanadische Soziologen Erving Goffman bildet die Prämisse, dass das Konstrukt des alltäglichen Zusammenlebens und Zusammenarbeitens, zu einer interaktiven und kooperativen Auseinandersetzung verschiedener Personen und Individuen führen muss [Brinker / Sager 2010 : 81-91]. Infolge dessen kreiert eine jede Person, innerhalb einer sprachlichen Auseinandersetzung mit anderen Individuen – aufgrund eines selbstreflexiven Betrachtungsgeflechtes zwischen einer aktuellen, einer idealen und einer spiegelnden, fremdbestimmten, äußeren Selbstanschauung –, ein eigenes Selbstbildnis, sowie eine eigene Ich-Identität, oder auch Image [König 2014 : 43-45]. Von entscheidender Bedeutung ist nun, das eigens erzeugte Image innerhalb der situativen Auseinandersetzung mit anderen Personen zu bestätigen und aufrechtzuerhalten, sowie das Bild seines Gegenübers zu rezipieren und in bestätigenden Sequenzen zu wahren. Falls das Image des Gesprächspartners in solchen Auseinandersetzungen jedoch nicht bestätigt werden kann, hat dies in der Regel korrektive Sequenzen zur Folge, was, sofern keine umgehenden Reparaturverfahren eingeleiten werden, zu eine Beschädigung des Faces nach sich ziehen kann. Aus diesem interaktiven und wechselseitigen Konstrukt des ein- und ausgehenden Feedbacks zur eigenen und gegenüberstehenden Person und dem darin liegenden sozialen Wert des Images, resultiert das Konzept des Face-Managements.

Im Hinblick auf die die anstehende Auseinandersetzung mit Streitgesprächen, liegt also die Vermutung nahe, dass Verletzungen des Images der beteiligten Personen nahezu ausgeschlossen erscheinen, da das Infragestellen des Gegenübers, sowie dessen persönlichen Weltanschauungen, von essentieller Bedeutung für den Beginn eines Konfliktes sind. Daher spielen die Rolle der Imagearbeit und des Face-Managements in Konfliktsituation, sowie deren taktische Inanspruchnahme, ein entscheidendes Faktum im Prozess eines Gespräches und sollen im weiteren Verlauf dieser Arbeit folglich näher beleuchtet werden.

2.3 Der Begriff des Hörersignals. Eine Definiton

Mit dem Hörersignal sind all diejenigen Äußerungen und Kommentare gemeint, die der passivere Part des Hörers, während des Gesprächsschrittes des Sprechers, von sich gibt. Dies können sowohl kurze verbale, als auch non-verbale Beiträge sein, die nicht selten auf die Übernahme (Turn-Taking) der Sprecherrolle abzielen. Die jeweiligen Signale können eine zustimmende, aber auch ablehnende Haltung, gegenüber den Äußerungen des Sprechers, ausdrücken. Vor allem aber, vermitteln sie eine grundsätzliche Bereitschaft den Ausführungen des Gesprächspartners zu folgen. Verbale Äußerungen stellen oftmals Partikel dar, sprich kurzen Kommentaren – beispielsweise „genau“; „ja“; „nein“; „mhm“; „eben“; „naja“, et cetera. Non-verbal äußern sich die Hörersignale per Mimik und Gestik, sprich Kopfnicken, Kopfschütteln, oder aber durch das Aufbauen von Blickkontakt. Es handelt sich also um eine Art Rückmeldeverhalten (Back-Channel-Behavior). Eben diese Äußerungen spielen für die Konstitution, sowie den weiteren Verlauf eines jeden Gespräches eine zentrale Rolle, da sie elementare Hinweise über Kooperationsbereitschaft des Gegenübers, sowie dessen Ansichten und Perspektiven liefern, sodass eine gemeinsame Gesprächsbasis gefunden werden kann [Brinker / Sager : 59].

2.4 Der Begriff des Accounts. Eine Definition

Ein wichtiges Element für die Konstitution eines erfolgreichen Gespräches stellen die sogenannten Accounts dar, die es zum einen zur Aufgabe haben ein gemeinsames Sinngefüge innerhalb eines Gespräches hervorzubringen und dieses, zum anderen im weiteren Verlauf der Unerhaltung – sowohl auf der Mikro-, als auch auf der Makroebene – gleichzeitig dauerhaft zu sichern [Brinker / Sager : 129]. Accounts können Sinngehalte demnach hervorbringen, sichern, sowie auch wiederherstellen, sofern diese im Fortgang der gemeinsamen Konversation verloren gegangen sein sollten. Durch den Prozess der Reindexikalisierung werden bereits zuvor angerissene Gesprächsbeiträge wieder aufgegriffen, sodass der Sinn des Gesprächshandelns auf diese Weise stets erneut offengelegt wird, um die Stringenz der Unterhaltung zu bewahren.

Durch den steten Prozess der Korrektur und Richtigstellung der eingehenden Vorwürfe des Opponenten, dem Formulieren von Rechtfertigungen und Gegenvorwürfen, sowie dem Auftreten von Simultansequenzen, kann die konstituierte Struktur ein Konfliktgespräches durcheinandergeraten und schwer zu überschauen sein. Daher bedarf es regelmäßig einer punktuellen Verwendung von sinnkonstituierenden, sichernden, oder wiederherstellenden Accounts, die die Essenz des Gesprächskomplexes erfassen und als allgemein gültige Alltagswirklichkeit manifestieren.

Um eben diese allgemein gültige Alltagswirklichkeit herstellen zu können, muss der Sinn eines jeden Gespräches immer wieder erneut hergestellt werden. Die Besonderheit in Streitgesprächen liegt jedoch darin, dass der Sinn der auf der ausgehenden Konfliktbasis beruht, in der Regel stets leicht verändert und zum persönlichen Vorteil verbessert werden soll, um den eigenen Verhandlungsstandpunkt zu untermauern.

Diese Überlegungen sollen in der später folgenden Gesprächsanalyse erneut aufgegriffen, untersucht und evident gemacht werden. Bevor jedoch eben diese Gesprächsanalyse Gegenstand dieser Arbeit sein wird, sollen im Folgenden die Merkmale und Eigenschaften eines Konfliktgespräches skizziert und näher erläutert werde, um den Aufbau und Umfang, sowie die Mechanismen eines solchen Gespräches, zu konkretisieren und somit fassbarer zu machen.

3. Eigenschaften und Merkmale eines Konfliktgespräches

Da es in einem Konfliktgespräch grundsätzlich um das Ringen und finale Erlangen der dominanten Gesprächshoheit, also die Sprecherrolle geht, lassen sich auch entsprechende Merkmale, die auf den verbalen Kampf um den aktiveren, gesprächskonstituierenden Part hinweisen – die übergeordnete Rolle die dem Sprecher zukommt, erlaubt es eine strittige Unterhaltung in die gewünschte Richtung zu lenken –, lassen sich in einer jeden unkooperativen Konversation wiederfinden. Ein besonders auffälliges Merkmal spiegelt sich daher beispielsweise in der Gesprächsorganisation und vor allem bei der Vergabe der Turnvergabe wieder. In seiner linguistischen Abhandlung über verbale Auseinandersetzungen, Streitgespräche. Zur Pragmatik einer Diskursform, macht der österreichische Sprachforscher Prof. Dr. Helmut Gruber folgende Feststellungen: In Gesprächen bei denen ein Dissens vorliegt, erfolgt der Wechsel der Sprecherrolle nicht an Stellen bei denen eine natürliche Beendigung des Redebeitrages zu erwarten ist. Immer wieder versucht der Opponent das Rederecht seines Gegenübers streitig zu machen [Gruber 1996 : 60]. Vorstellbar ist, dass dies unter anderem mittels negierenden Partikeln oder Hörersignalen geschehen kann. Nach Grube sei allerdings überwiegend auffällig, dass sich die beiden konkurrierenden Interaktanten, rhetorisch betrachtet, immer wieder dem Gebrauch von Accounts bedienen – Grube fasst dieses Phänomen unter der übergeordneten Thematik der Kohäsion zusammen [Gruber 1996 : 64]. Demnach versuchen die Gesprächsteilnehmer stets an den zuvor kommunizierten Inhalt des Gegenübers anzuknüpfen, um den Sinngehalt dieser Aussage aufzugreifen, indem er zu großen Teilen paraphrasiert wird, ihn jedoch gleichzeitig leicht abzuändern oder umzuformulieren versucht und den Opponenten so in Widersprüche zu verwickeln. Es wird also auf Accounts zurückgegriffen um inhaltliche Aussagen des Gesprächspartners zu falsifizieren und sie so zugunsten individueller Ansichten und Vorstellungen zu modifizieren, sodass, im idealen Fall, eine neue allgemein gültige Alltagswirklichkeit geschaffen wird [Grube 1996 : 64 ff.]. Um dieses Ziel zu erreichen werden nicht selten Verallgemeinerungen und Generalisierungen [Holly 1979 : 199 ff.], bemüht um die Personen seines Gesprächspartners in Frage zu stellen und ihn auf diese Weise in Bedrängnis zu bringen, so der Germanist und Soziologe Prof. Dr. Werner Holly in seinem Werk Imagearbeit in Gesprächen. Zur linguistischen Beschreibung des Beziehungsaspekts. Die negative Darstellung des Opponenten – sowie der Versuch die eigenen Person im Kontrast dazu, in ein positives Licht zu rücken – führt in meisten Fällen jedoch zu Imageverletzungen und Beschädigungen des Face, was wiederum zu einer Eskalation des Konfliktes führen könnte. Je nach dem Grad des institutionellen oder privaten Rahmens oder Settings, könnte ein misslungenes Face-Management – sofern keine entsprechenden Reparaturverfahren zum Einsatz kommen – sogar zu einer endgültigen Entfremdung der Konversationsteilnehmer führen. Neben diesen übergreifenden Komplexen die auf die Eigenschaften und Merkmale eines Konflikt- oder Streitgespräches auf der Makroebene hinweisen, gibt es selbstverständlich auch Indizien für einen vorliegenden Dissens auf der Mikroebene eines Gespräches. Hier sind sowohl längere Gesprächspausen, negierende wie auch diskreditierende Partikel und Hörersignale, vor allem aber das Auftreten von Simultansequenzen zu nennen. In der Forschung besteht jedoch Einigkeit darin, dass das Finden von Übereinkünften und Lösungen in Streitgesprächen eher von Seltenheit sind, da die von Grice’ aufgestellten Konversationsmaximen, die auf dem Prinzip der Kooperation beruhen [Rolf 1994: 160], in einem Konfliktgespräch größtenteils aufgehoben und oftmals sogar umgekehrt werden.

Nach diesen grundlegenden Ausführungen und Erläuterungen über die theoretischen Eigenschaften und Merkmale einer verbalen Auseinandersetzung innerhalb eines Konfliktgespräches, soll im Folgenden die analytische Untersuchung der ausgewählten Transkripte erfolgen und der Versuch unternommen werden, die gewonnen Erkenntnisse, sowie die eingangs aufgestellte These, anhand dieser zu überprüfen, um sie zu verifizieren oder sie gegebenenfalls auch zu falsifizieren.

4. Transkript A

Bei dem Transkript A (TA), stammend aus der Datenbank des IDS Mannheim, handelt es sich um ein häusliches Streitgespräch zwischen Mutter und Tochter, das schließlich in einem Dissens beider Parteien mündet. Da es sich bei diesem Beispiel um eine Konversationsvorlage innerhalb eines stark institutionell geprägten Rahmens, nämlich einer strittigen Unterhaltung zwischen zweier Familienteile in einem, mutmaßlich, privaten Raum, handelt, entfällt die obligatorisch-klassische Dreiteilung eines Gespräches. Die stark ritualisierten Phasen der Begrüßung und Verabschiedung bleiben vollkommen aus; lediglich die Kernphase der Unterhaltung liegt vor. Dabei verfolgt die Mutter klaren, sich stets wiederholenden Handlungsdomänen, um die Tochter von ihrem Standpunkt zu überzeugen und nimmt infolgedessen immer wieder erneut die Rolle des Aggressors ein. Ihre Empathiefähigkeit erscheint daher begrenzt. Die Tochter hingegen nimmt vielmehr einen abwartenden und unterwürfigen Part ein. Die situationsspezifischen Handlungsmotive beider Familienteile, spiegeln somit das charakteristische Rollenverhältnis des dominanten Elternteils und des – trotz Volljährigkeit [TA : 010] eher devoteren und unterwürfigen Kindes wieder.

4.1 Analytische Untersuchung

Bei einem Blick auf die Makrostruktur des Gespräches wird eine klare, inhaltliche Zweiteilung des Gespräches evident. Beiden Konversationsteilen liegen kontroverse Ansichten hinsichtlich des modischen Geschmacks der Tochter zugrunde. Während im ersten Gesprächsabschnitt [TA : 005 – 120] die Kleiderwahl der Tochter behandelt wird, beschäftigen sich beide strittigen Parteien im zweiten Gesprächsabschnitt [TA : 120 – 247] hingegen mit der Wahl der Frisur. Die Intention der Mutter wird bereits bei der Eröffnung der ersten Gesprächssequenz [TA : 009 - 012] evident. Ihr Handlungsmotiv ist der Versuch ihre Tochter zu einem Umdenken in Sachen Mode zu bewegen. Hierfür wählt sie bereits zu Beginn der Auseinandersetzung eine deutliche, unmissverständliche Ausdrucksweise und spricht das – aus Sicht der Mutter – bestehende Problem unverhohlen an. Auf diesen vorwurfsvollen initiierenden Akt der Mutter folgt zunächst ein Versuch der Deeskalation durch die Tochter, indem sie sich bemüht den Konflikt auf eine abstraktere Ebene zu leiten und führt dazu das Argument vielerlei verschiedener, individueller Modevorstellungen an [TA : 016 ff.].

Um weiteren Vorwürfen der Mutter entgehen zu können, übernimmt sie die Sprecherrolle dabei mittels Selbstzuweisung. Dieses Moment des Turn-Taking löst jedoch eine Simultansequenz aus, in der die Mutter ihre Vorwürfe jedoch nochmals expliziert [TA : 015] und ein Umdenken in der strategischen Gesprächsführung der Tochter stattfindet. Diese erfolgt aufgrund der Beschädigung des Faces der Tochter in dieser bereits frühen Phase der Unterhaltung. Nach einer kurzen Unterbrechung ihrer Rede [TA :027] setzt sie erneut an und versucht die Kritik von ihr abzuleiten und im Gegenzug ihrer Mutter zuzuweisen, indem sie deren modische Vorstellungen und somit gleichzeitig ihr Image in Frage stellt. Sie versucht somit ihre eigene Verhandlungsposition zu stärken und die ihres Opponenten gleichzeitig zu untergraben, was sich, durch das Zuspitzen der Gegenvorwürfe [TA : 034 – 037], im weiteren Verlauf des Konfliktgespräches regelmäßig wiederholen soll. Die zunächst noch kooperative Bereitschaft der Lösungsfindung durch die Tochter, nimmt durch das aggressiv-explizite Verhalten der Mutter mehr und mehr ab. Die Grundlage für eine kooperative Auseinandersetzung die zu einem Konsens führen könnte, geht also bereits mit der Initiierung des Gespräches und der damit einhergehenden Beschädigung des Images verloren. Das zweifelhafte Face-Management, sowie die äußerst deutliche Wortwahl der Mutter, deuten daher auf ein geringes Einfühlungsvermögen hin.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Empathie und ihre Wirkung auf Konfliktgespräche
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Gespräch und sprachliche Interaktion
Note
2,4
Autor
Jahr
2015
Seiten
26
Katalognummer
V498934
ISBN (eBook)
9783346032089
ISBN (Buch)
9783346032096
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesprächsanalytische, Unteruchung, Gesprächsanalyse, Konversation, Konversationsanalyse, Gespräch, Sprache, Konsens, Dissens, Konflikt, Streitgespräch, Mutter, Tochter, Empathie, Konfliktgespräch
Arbeit zitieren
Hanno Dampf (Autor), 2015, Empathie und ihre Wirkung auf Konfliktgespräche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498934

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