In dieser Seminararbeit wird aus einem medienästhetischen Blickwinkel analysiert, wie Akermans unkonventioneller Nutzen der filmtechnischen Mittel das in Hollywood etablierte patriarchische Sehsystem dekonstruiert und gleichzeitig aufgezeigt werden, warum eine medienästhetische Filmanalyse auch in feministischen Theorien von Relevanz ist.
Die Disziplin der Medienästhetik definiert sich als "eine historisch und theoretisch orientierte Darstellung und Analyse der Wahrnehmungsformen audiovisueller Medien. [...] Sie verfolgt die Entwicklung audiovisueller Wahrnehmungsformen [...] unter produktionsästhetischen Aspekten". Genau auf diesen produktionsästhetischen Aspekten soll der Fokus der Ausführungen liegen: auf filmtechnischer Ebene ebenso wie auf der Gegenstandsebene und die Verbindung beider durch die Mise en Scène und die Montage.
Medienwissenschaftlich betrachtet wird hierbei die Komposition audiovisueller Medien bezüglich ihrer Funktion als ein werteorganisierendes und -übermittelndes Medium und die mediale Wirkung auf den Betrachter.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundsätze der Medienästhetik
3. Feminismus und die feministische Filmtheorie
4. Laura Mulvey: Visual Pleasure and Narrative Cinema
5. JEANNE DIELMAN, 23 QUAI DU COMMERCE, 1080 BRUXELLES
6. Medienästhetische Analyse
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert den Spielfilm JEANNE DIELMAN, 23 QUAI DU COMMERCE, 1080 BRUXELLES von Chantal Akerman aus einem medienästhetischen Blickwinkel, um zu untersuchen, wie die unkonventionelle filmtechnische Gestaltung das patriarchale Sehsystem Hollywoods dekonstruiert und als feministisches Werk fungiert.
- Medienästhetik und Wahrnehmungsformen audiovisueller Medien
- Feministische Filmtheorie und Psychoanalyse nach Laura Mulvey
- Strukturanalyse der filmischen Gestaltung und Montage
- Dramaturgie und die Darstellung weiblicher Alltagswelten im Film
Auszug aus dem Buch
6. Medienästhetische Analyse
Das Lexikon des internationalen Films beschreibt JEANNE DIELMAN, 23 QUAI DU COMMERCE, 1080 BRUXELLES mit folgender Kritik:
Das mit eindrucksvoller Konsequenz und Strenge entwickelte Porträt einer Frau, deren Dasein leer und entindividualisiert ist. Der von der hervorragenden Hauptdarstellerin geprägte Film erklärt sich weniger aus Handlung und Dialogen als aus dem Zwang seiner Bilder und den sich daraus ergebenden emotionalen Sogwirkungen.20
Um den besagen „Zwang“ und seinen Bezug zur Montage zu erläutern, soll exemplarisch die Kartoffelschälszene ab 01:41:07 analysiert werden. Aufgrund der Unterteilung in den Schnitt als technischen Vorgang und der Montage als ästhetisches Prinzip oder Ergebnis21 wird hier somit zusammenfassend für die Nutzung der Filmtechniken Schnitt, Kamera, Perspektive etc. der Begriff der Montage gebraucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Film von Chantal Akerman und die Relevanz der Untersuchung im Kontext der feministischen Filmtheorie und medienästhetischen Analyse.
2. Grundsätze der Medienästhetik: Erläuterung der theoretischen Basis, insbesondere wie filmische Parameter und die Gestaltung der Mise-en-scène die Wahrnehmung des Zuschauers steuern.
3. Feminismus und die feministische Filmtheorie: Überblick über die zweite Welle des Feminismus und die Bedeutung von Psychoanalyse und Blick-Theorien für die Analyse patriarchaler Filmstrukturen.
4. Laura Mulvey: Visual Pleasure and Narrative Cinema: Analyse von Mulveys Thesen zur Objektifizierung der Frau im Kino und der Rolle des voyeuristischen Blicks in Hollywood-Produktionen.
5. JEANNE DIELMAN, 23 QUAI DU COMMERCE, 1080 BRUXELLES: Inhaltsangabe und Charakterisierung der Protagonistin sowie des unkonventionellen narrativen Stils von Akermans Film.
6. Medienästhetische Analyse: Exemplarische Untersuchung der filmtechnischen Umsetzung anhand ausgewählter Szenen, mit Fokus auf Montage, Statik und der Wirkung auf den Rezipienten.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Bestätigung des Films als zentrales Werk feministischer Filmkunst durch seine spezifische medienästhetische Form.
Schlüsselwörter
Medienästhetik, Feminismus, Filmtheorie, Chantal Akerman, Laura Mulvey, Montage, Mise-en-scène, Voyeurismus, Patriarchat, Wahrnehmungsformen, Jeanne Dielman, Filmanalyse, Produktionstechnik, Gegenstandsebene, Sehgewohnheiten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Spielfilm von Chantal Akerman unter medienästhetischen Gesichtspunkten und setzt ihn in den Kontext feministischer Filmtheorien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Analyse von Filmstrukturen, der Einfluss von Montage auf die Zuschauerwahrnehmung und die Dekonstruktion patriarchaler Sehgewohnheiten im Kino.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Akermans unkonventionelle Filmgestaltung genutzt wird, um traditionelle Hollywood-Narrative zu brechen und die Rolle der Frau als filmisches Objekt zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine medienästhetische Filmanalyse angewandt, die insbesondere Montage, Kameraarbeit, Perspektive und die Mise-en-scène als organisationstheoretische Werkzeuge nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung der Medienästhetik, den psychoanalytischen Filmtheorien von Laura Mulvey und einer konkreten Szenenanalyse des Films JEANNE DIELMAN.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Medienästhetik, Montage, patriarchales Sehsystem, Voyeurismus und die spezifische Ästhetik der Wahrnehmung im Film von Chantal Akerman.
Inwiefern unterscheidet sich der Film von traditionellen Hollywood-Produktionen?
Der Film verzichtet auf klassische Spannungsbögen und eine konventionelle Narrative; stattdessen erzeugt er durch lange, statische Einstellungen eine Distanz, die den Zuschauer zwingt, den Alltag der Protagonistin nüchtern und ohne voyeuristische Befriedigung zu betrachten.
Welche Rolle spielt die Kartoffelschälszene in der Analyse?
Sie dient als exemplarisches Beispiel für die Macht der Montage, da sie durch ihre Länge und Strenge die Alltagstristesse der Protagonistin direkt auf den Zuschauer überträgt und dessen Sehgewohnheiten aufbricht.
- Citar trabajo
- Ulli Armbrust (Autor), 2019, Ästhetik, Dramaturgie und Feminismus in "Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles" von Chantal Akerman, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498969