Johannes der Täufer. Die Darstellung bei Josephus Flavius und in den Evangelien


Seminararbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhalt

Einleitung
1. Josephus Flavius
2. Johannes der Täufer – Geburt und Kindheit
3. Josephus Flavius – Johannes der Täufer
4. Vergleich zwischen Josephus und den Evangelisten
4.1 „Guter Mann“ versus „Prophet und Wegweiser“
4.2 Gefangenschaft und Tod des Täufers

Schluss

Quellen

Einleitung

Die Taufe ist das erste Sakrament, das ein römisch-katholischer Christ erhält und mit dem er in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen wird. Sie ist der Aufnahmeritus den alle christliche Gemeinden und Kirchen auf der Welt teilen und deren Ursprung bis in die Zeiten des Neuen Testamentes zurückreicht. Doch auch wenn die Taufe eine zentrale Rolle im Leben eines jeden Christen einnimmt und sie damit in der gegenwärtigen Vorstellung ein sehr bekannte und alltägliche Rolle spielt, birgt sie doch viele Mysterien, da viele Einzelheiten zu ihrem Ursprung und Entstehung uns heute immer noch unbekannt sind.

Eines dieser ganz wichtigen Mysterien hierbei ist die Person des Johannes, die nicht ohne Grund den Beinamen „der Täufer“ erhielt. Er ist eine der großen Persönlichkeiten im Neuen Testament und der Erste, der Menschen taufte und sie damit zur Buße und Umkehr aufzurufen. Selbst Jesus Christus kam zu Johannes um sich taufen zu lassen und obwohl Johannes mit den Worten: „Ich habe nötig von dir getauft zu werden“[1] wiedersprechen wollte, schritt Jesus ein und lies sich taufen. Dieser Umstand ist es, der Johannes den Täufer zu etwas Besonderem macht, denn obwohl Jesus als Gottes eingeborener Sohn über ihm steht und die Rollen des Täufers und Täuflings umgedreht sein müssten, Jesus doch wiedersprach. Diese Geschichte ist eine zentrale Überlieferung im christlichen Kanon, sodass sie von allen 4 Evangelisten niedergeschrieben worden ist. Dabei ist dies nicht die einzige Quelle, die uns Auskunft über das Leben und die Person Johannes des Täufers gibt. Denn Johannes fand auch Erwähnung in den Chroniken des Josephus Flavius, einem jüdisch-römischen Chronisten und einer der wichtigsten historischen Quellen für das erste Jahrhundert nach Christus. Doch was erfahren wir aus dieser Quelle und was zeigt sie uns im Vergleich zu den Schilderungen des Neuen Testaments?

Genau an diesem Punkt setzt diese Seminararbeit an. Sie versucht die Frage zu beantworten in wie weit es Übereinstimmungen bzw. Unterschiede zwischen den historischen Quellen des Josephus Flavius und den christlichen Darstellungen, vom Leben des Johannes des Täufers, in den vier Evangelien gibt?

1. Josephus Flavius

Der jüdisch-römische Historiker Josephus Flavius wurde im Jahre 37/38 n. Chr. als Joseph ben Mathitjahu ha Kohen in Jerusalem geboren und er starb wahrscheinlich im Jahre 100 n. Chr. in Rom. Joseph war Mitglied einer angesehenen Priesterfamilie aus Jerusalem und kämpfte im jüdisch-römischen Krieg von 66-70 n. Chr. In dieser Zeit war der Priester Joseph jüdischer Militärkommandant in Galiläa, wobei ihm die Aufgabe zufiel viele Städte, darunter Jotapata, zu befestigen und gegen die Römer zu halten. Im Jahre 67 wurde die Stadt Jotapata durch die römische Arme unter der Führung des späteren Kaisers Vespasian erobert und Joseph dabei gefangen genommen. Eigentlich sollte er wie seine Männer Selbstmord begehen, was er jedoch nicht tat. In der Folgezeit entkam Joseph der Gefangenschaft indem er die Seiten wechselte, sich den Römern anschloss und ihr Berater bei der Belagerung Jerusalems wurde. In dieser Funktion, um die Zerstörung Jerusalems und der herodianischen Tempels zu verhindern, versuchte er vergeblich zwischen den beiden Parteien zu vermitteln. Als Jerusalem im Jahre 70 n. Chr. fiel ging er mit Vespasians Sohn Titus nach Rom, erhielt dort römisches Bürgerrecht, welches ihm, nach seinem Förderer, den Namen Titus Flavius Josephus einbrachte.

In der Zeit in Rom widmete sich Flavius Josephus seinen Studien und Schriften und verfasste dabei mehrere Werke. Das erste war, dass in den Jahren 75/79 verfasste Werk über den jüdisch-römischen Krieg. Gefolgt wurde das Werk von dem im Jahre 94 erschienen Antiquitates Judaicae (20 Bände), die die Geschichte des Judentums von der Schöpfung bis zum Ausbruch des jüdischen Aufstands im Jahre 66. Dieses ist sein historisch und christlich bedeutendstes Werk, da in ihm direkte Bezüge auf Personen, Ereignisse, Orte, Landschaften und politische Konstellationen genannt werden, die auch im Neuen Testament erwähnt werden.[2] So erwähnt er zum Beispiel drei wichtige Persönlichkeiten des Neuen Testamentes, Johannes den Täufer, Jesus und Jakobus, den Bruder Jesu. Diese drei werden zwar nur am Rand in einer Materialzusammenstellung erwähnt, liefern uns aber trotzdem wichtige Einblicke und Informationen.[3] Der Abschnitt indem Johannes der Täufer erwähnt wird, ist dabei die größte und aufschlussreichste und für unsere Untersuchung die Zentrale Quelle.

2. Johannes der Täufer – Geburt und Kindheit

In Bezug auf die allgemeinen Hintergründe in Bezug auf die Herkunft, Familie und Geburt des Täufers müssen wir uns auf die Zusammenhänge mit den Erkenntnissen der Formgeschichte berufen. Die Formgeschichte ist eine exegetische Methode zur Erforschung der biblischen Texte, die die vorliterarischen (mündlichen) Überlieferungsprozesse miteinbezieht und die Umstände zu rekonstruieren versucht. Hierbei beziehen wir uns also, um das Leben von Johannes dem Täufer zu rekonstruieren, den Legenden die über Johannes erzählt werden, da sie häufig einen historischen Kern besitzen.[4] Nach den Darstellungen in der Bibel entstammte Johannes einem priesterlichen Geschlecht. Sein Vater hieß Zacharias, seine Mutter Elisabet, wobei die Mutter aus dem Geschlecht des ersten Hohepriesters entstammte. Er wurde der Überlieferung nach ein halbes Jahr nach Jesus geboren, wobei seine Geburt ein göttliches Wunder war. Denn der Priester Zacharias war schon alt und seine Ehe Kinderlos, als er im Tempel opferte und ihm sodann der Erzengel Gabriel erschien und ihm einen Sohn verheißen hat. Zacharias zweifelte aber, bat um ein Zeichen und wurde vom Engel mit Stummheit geschlagen. In der Folge wurde Elisabeth in hohem Alter überraschend schwanger. Noch im Mutterleib begegnet er dem Erlöser und wurde von seiner Gnade erfüllt und erkannte Jesus als den Messias. Nach der Geburt kam die Frage nach dem Namen des Kindes auf, Zacharias schrieb den Namen „Johannis“ auf eine Wachstafel und er erhielt seine Sprache zurück.[5] Als Erwachsener zog er sodann in die Wüste und begann sein Wirken als Bußprediger.

Diese Darstellung ist wie oben bereits erwähnt sehr durch die Legenden geprägt, die aus der Verehrung des Täufers entsprungen sind und damit eher von geringem historischem Gewicht. Diese Legenden sollten die spätere Bedeutung des Johannis auch auf seine Geburt und Kindheit übertragen. Jedoch können wir davon ausgehen, das Johannis wahrscheinlich wirklich aus einem priesterlichen Geschlecht stammte, da Johannes der Sohn des Priesters Zacharias aus der Priesterklasse Abija war und diese Priesterklasse nicht gerade die bedeutendsten gehörte. Und ferner erfahren wir noch das Johannis „zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa“ geboren wurde was den Zeitraum auf 38 v. Chr. bis 5 v. Chr. Eingrenzt.

3. Josephus Flavius – Johannes der Täufer

In seinem Werk „Antiquitates Judaicae“ kommt der Historiker Josephus Flavius im Band 18 nebenbei auf Johannes den Täufer zu sprechen. In erster Linie wollte Josephus näher auf die politischen und familiären Verstrickungen von Herodes Antipas eingehen, wobei der zentrale Ausgangspunkt der Untergang der Streitmacht des Herodes, gegen die Armee des Nabatäerkönigs Aretas IV. Dabei gibt Josephus an, dass das Volk der Ansicht war, die Niederlage wäre eine gerechte Strafe für die Tötung von Johannes dem Täufer.[6] Josephus schreibt:

„Einige Juden aber meinten, dass der Untergang von Herodes’ Heer eine gerechte Strafe Gottes zur Vergeltung für (sein Vergehen an) Johannes mit dem Beinamen Täufer war. Diesen hat Herodes nämlich umgebracht, obwohl er ein guter Mann war und die Juden zu einem tugendhaften Leben ermahnt hatte, nämlich Rechtschaffenheit untereinander zu praktizieren und Frömmigkeit gegenüber Gott, und sich so der Taufe zu unterziehen. Die Taufe werde sich als Gott wohlgefällig erweisen nicht als Vergebung begangener Sünden, sondern zur Heiligung des Leibes, da die Seele ja durch Gerechtigkeit schon zuvor gereinigt worden sei. Und als sich die Menschen (um ihn) versammelten, weil sie nämlich an seiner Rede allergrößten Gefallen fanden, fürchtete Herodes, er könnte durch seine derart große Überzeugungskraft auf die Menschen einen Aufstand entfachen, schienen sie doch bei allem, was sie taten, seinem Rat zu folgen, und hielt es für besser, ihm, bevor er einen Aufruhr verursachte, zuvorzukommen und ihn zu töten, als in Schwierigkeiten zu geraten und etwas bereuen zu müssen, was nicht mehr zu ändern war. Auf diesen Verdacht des Herodes hin wurde er in Fesseln in die schon erwähnte Festung Machairus gebracht und dort hingerichtet. Nach Meinung der Juden aber war der Untergang seines Heeres die Vergeltung für Johannes, weil Gott ihn dafür strafen wollte.“[7]

Auf den ersten Blick scheinen die Darstellungen des Josephus Flavius denen des Neuen Testamentes sehr ähnlich, was an gewissen Überschneidungen liegt, gräbt man jedoch etwas tiefer fallen in einigen wichtigen Punkten Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten mit anderer Einfärbung auf, die auf unterschiedliche Intentionen der jeweiligen Autoren schließen lässt.

4. Vergleich zwischen Josephus und den Evangelisten

Josephus Flavius erwähnt Johannes den Täufer zwar nur in einem kleinen Abschnitt, seiner recht umfangreichen Erzählung, der Geschichte des Judentums, doch erfahren wir dem entgegen sehr viel über ihn. Denn auch wenn die Ereignisse um Johannes sich noch vor der Geburt des Josephus abgespielt haben, so können wir doch davon ausgehen, dass er sich auf eine schriftliche oder mündliche Tradition bezieht, die die Geschichten weitergaben.[8] Josephus greift diese Tradition auf und gibt ihr eine andere Färbung als die, welche die Evangelisten vermitteln wollten. Josephus verfolgte klar andere Intentionen beim Verfassen seiner Texte, auf welche zu einem späteren Zeitpunkt näher eingegangen werden wird. Nun allerding kommen wir zuerst zur Untersuchung des Textes von Josephus Flavius im Vergleich zu den Darstellungen der Evangelisten im Neuen Testament.

4.1 „Guter Mann“ versus „Prophet und Wegweiser“

Flavius Josephus beginnt seine Ausführungen über Johannes den Täufer damit, dass sie den Tod des Täufers mit einem geschichtlichen Ereignis in Verbindung setzen, nämlich dem Untergang des Heeres von Herodes Antipas. Dabei beschreibt er, dass viele Juden es als Strafe Gottes sehen, da Herodes den „guten Mann“ Johannes hat hinrichten lassen, worauf eine Aufzählung der Tätigkeiten des Johannes folgt. Josephus stellt ihn als bedeutenden jüdischen Prediger mit eigenen Botschaften und Anhängerschaft da.[9] Auffällig ist hierbei für Personen die mit den Evangelien vertraut sind, dass Josephus keinerlei Bezüge oder Anmerkungen zu Jesus macht, er Johannes alleine stehen lässt, wo ihn die Evangelisten eng mit der Geschichte Jesus verknüpfen. Für die Evangelisten war Johannes der Täufer der Vorbote und Wegbereiter Jesus, den sie schon durch den Propheten Jesaja angekündigt sahen: „Denn dieser ist der, von dem durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereite den Weg des Herrn, macht gerade seinen Pfad“.[10] In dem Titel „Herrn“ identifizieren die Evangelisten Jesus. Eine weitere Stelle, die die Vorboten Rolle des Johannes noch bestärkt ist nach dem Markus Evangelium in den Predigten des Johannes zu finden, denn dieser sagte, wenn er Menschen taufte: „Nach mir kommt der, der stärker ist als ich; ich bin nicht würdig, ihm gebückt die Riemen seiner Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligem Geist taufen.“[11] Laut den Evangelien sieht Johannes sich auch selbst als Vorboten und ahnt das kommen von Jesus voraus. Dieses Bild wird dabei von den beiden Evangelisten Matthäus und Lukas noch bestärkt. Beide sehen Johannes in der Rolle der wiedergekehrten Elia, der nach Maleachi 4,5 vor dem „Tag des Herrn“ kommen würde, um die Menschen zu versöhnen und damit dem Tag des Gerichts nicht in einer Katastrophe enden zu lassen. Weiterhin sehen sie in ihm einen engen Verbündeten, der mit der gleichen Autorität vorgeht wie Jesus (Mt. 11, 16-19; 21, 23-27) und Lukas geht sogar noch einen Schritt weiter und erwähnt , das Johannes der Cousin von Jesus war (Lk. 1,36), der im Mutterleib Jesus nicht nur erkannte, sondern auch dessen Vorrang vor ihm (Lk. 1,41-42).[12] Dabei wollten die beiden Evangelisten die Rolle und Person des Johannes auch nicht herabwürdigen, sodass beide schrieben: „Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgestanden als Johannes der Täufer; aber der Kleinste im Himmel ist größer als er.“[13]

[...]


[1] Mt 3,13 Elberfelder Bibel

[2] C. Böttrich, S. 4

[3] S. Mason, S. 230

[4] J. Ernst, S. 268

[5] Lk. 1, 39-66 Elberfelder Bibel

[6] J. Ernst, S. 253

[7] Antiquitates Judaicae XVIII 5,2 / 116-119

[8] S. Mason, S. 231

[9] S. Mason, S. 235

[10] Mt. 3,3 Elberfelder Bibel

[11] Mk. 1,7-8 Elberfelder Bibel

[12] S. Mason, S. 236

[13] Mt. 11,11 ; Lk. 7, 28 Elberfelder Bibel

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Johannes der Täufer. Die Darstellung bei Josephus Flavius und in den Evangelien
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V499090
ISBN (eBook)
9783346020062
ISBN (Buch)
9783346020079
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inwieweit, darstellung, johannes, täufers, josephus, flavius, bild, evangelien
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Johannes der Täufer. Die Darstellung bei Josephus Flavius und in den Evangelien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499090

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