Diese Arbeit ist ein Entwurf zu einem Unterrichtsbesuch im Fach Katholische Religion in einer 11. Klasse eines Gymnasiums. Das Thema der Stunde war "Der Mensch auf der Suche nach Gott, Theodizee und Willensfreiheit". Zu Beginn werden die Kompetenzlernziele für den Unterricht festgelegt. Es folgen Bemerkungen zum Kurs, sowie Erklärungen bezüglich der didaktischen und methodischen Entscheidung.
Inhaltsverzeichnis
1. Kompetenzlernziele
2. Bemerkungen zum Kurs
2.1 Eigene Tätigkeit
2.2 Bild des Kurses
2.3 Stand der Klasse
3. Fachwissenschaftliche Bemerkung
4. Begründung der didaktischen Entscheidung
5. Begründung der methodischen Entscheidung
Zielsetzung & Themen
Die Unterrichtseinheit zielt darauf ab, dass die Lernenden die komplexe Vereinbarkeit von Willensfreiheit und der Theodizee-Frage kritisch reflektieren, indem sie Gott als Schöpfer von Wesen mit echter Freiheit begreifen, die sowohl zu Gutem als auch zu Bösem befähigt.
- Analyse der Theodizee-Problematik und christlicher Gottesvorstellungen.
- Untersuchung der "Free-will-Defence" nach Richard Swinburne.
- Diskussion über die Notwendigkeit von Leiden für echte moralische Verantwortung.
- Transfer der theoretischen Erkenntnisse auf den Kurzfilm "SPIN".
Auszug aus dem Buch
3. Fachwissenschaftliche Bemerkung
Woher kommt das Leid? Warum musste das geschehen? Wie konnte Gott das Zulassen? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen die Menschheit seit tausenden von Jahren und haben auch in unserer heutigen Welt nicht an Relevanz verloren. Der Begriff des Theodizee wurde zum ersten Mal in der Aufklärungszeit von Gottfried Wilhelm Leibniz formuliert, in dem er die Frage aufstellte „Wie können wir unseren Glauben an Gott rechtfertigen angesichts einer Welt voller Leid und Übel?“ Das Theodizeeproblem lässt sich daher in Form eines logischen Widerspruchproblems darstellen. „Erstens glauben wir, dass Gott allmächtig ist; zweitens glauben wir, dass Gott vollkommen gütig ist; drittens müssen wir feststellen, dass es Leid gibt. Aber wenn Gott allmächtig ist, dann könnte er alles Leid verhindern; und wenn Gott vollkommen gütig ist, dann müsste er alles Leid verhindern. Trotzdem gibt es ein noch dazu vernichtendes Ausmaß an Leid und Unglück!“ Dieser Widerspruch ist es, der die Menschen dazu führt, sich die Frage zu stellen und nach möglichen Antworten zu suchen.
Ein Versuch einer theoretischen Antwort für das Theodizeeproblem ist die Free-will-Defence des britischen Religionsphilosophen Richard Swinburne, in der er den freien Willen des Menschen in den Mittelpunkt stellt. In unserem christlichen Verständnis von Gott, hat uns Gott als Wesen mit Freiheiten erschaffen. Aber in welcher Form besteht diese Freiheit? Die menschliche Freiheit könnte in dem Sinne auch darin bestehen, nur zwischen guten Handlungsoptionen wählen zu können. An diesem Punkt setzt Swinburne an, indem er sagt, dass dies vielleicht wünschenswert wäre, dies allerdings etwas Entscheidendes vermissen lassen würde, nämlich den „Ernst echter Verantwortung“. Eine Freiheit, die nur auf der Wahl zwischen positiven Alternativen bestehen würde, wäre zum einen eine sehr bevormundende und zum anderen keine echte Freiheit. Denn egal wie unsere Entscheidung aussehen würde, die Konsequenzen unserer Handlungen wären in jedem Sinne ohne negative Folgen. Dies würde aus theologischer Sicht, auch unserem christlichen Menschenbild widersprechen, da Gott uns schon in der Schöpfung Verantwortung übertragen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kompetenzlernziele: Definiert die angestrebten Wahrnehmungs-, Deutungs- und Urteilskompetenzen der Schüler bezüglich der Theodizee-Thematik.
2. Bemerkungen zum Kurs: Beschreibt die Rahmenbedingungen, die Motivation der Lerngruppe und den bisherigen Verlauf der Unterrichtsreihe.
3. Fachwissenschaftliche Bemerkung: Erläutert das philosophische Theodizeeproblem und stellt Richard Swinburnes Argument der Willensfreiheit als Rechtfertigungsmodell vor.
4. Begründung der didaktischen Entscheidung: Begründet die Relevanz des Themas im Lehrplan und die Auswahl der methodischen Schritte für eine korrelationsdidaktische Unterrichtsgestaltung.
5. Begründung der methodischen Entscheidung: Detailliert den Phasenaufbau der Stunde, inklusive des Rollenspieleinstiegs und des Einsatzes des Kurzfilms "SPIN".
Schlüsselwörter
Theodizee, Willensfreiheit, Richard Swinburne, Religionsunterricht, Gottesfrage, Leiden, Verantwortung, Ethik, christliches Menschenbild, Free-will-Defence, Unterrichtsentwurf, Glaube, moralisches Handeln, Schöpfung, Gott.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundlegend?
Der Entwurf befasst sich mit der theologisch-philosophischen Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leids in der Welt, fokussiert auf die Bedeutung der menschlichen Willensfreiheit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind das Theodizeeproblem, die Vereinbarkeit von Gottes Güte mit der Existenz von Übel sowie die Rolle des freien Willens als notwendige Bedingung für echte Verantwortung.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Die Schüler sollen erkennen, dass die Willensfreiheit eine essenzielle Voraussetzung für menschliche Verantwortung ist und dass eine Welt ohne die Möglichkeit zum Bösen den moralischen Wert menschlicher Handlungen aufheben würde.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein korrelationsdidaktischer Ansatz verfolgt, der die Auseinandersetzung mit philosophischen Texten (Swinburne) mit der lebensweltlichen Perspektive der Schüler durch Medien (Kurzfilm "SPIN") verknüpft.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Stunde behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine Textarbeit zur "Free-will-Defence" von Swinburne sowie eine tiefgehende Analyse des Kurzfilms "SPIN" zur Visualisierung der Problematik.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Theodizee, Willensfreiheit, Verantwortung, moralische Güte und Gottesbild.
Welche Rolle spielt das Spiel "Sims" als Einstieg?
Das Spiel dient als Gedankenexperiment, um eine leidfreie, aber determinierte Welt zu simulieren, und führt direkt zur zentralen Frage, ob eine solche Welt einer Welt mit echter Freiheit und Verantwortung vorzuziehen wäre.
Warum wird der Kurzfilm "SPIN" eingesetzt?
Der Film dient als anschauliche Vertiefung, die den Schülern ermöglicht, die theoretischen Ausführungen zur Willensfreiheit in eine greifbare, visuelle Erzählung zu übersetzen und kritisch zu bewerten.
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- Anonym (Autor), 2019, Der Mensch auf der Suche nach Gott, Theodizee und Willensfreiheit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499093