Wie wichtig ist Mobile Payment in Deutschland? Über die Chancen und Risiken von elektronischen Bezahlverfahren


Fachbuch, 2020
62 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Relevanz der Thematik
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Struktur der Arbeit
1.4 Historie Bezahlmethoden

2 Mobile Payment
2.1 Definition Mobile Payment
2.2 Prozess Mobile Payment
2.3 Nutzung Mobile Payment in Deutschland
2.4 Nutzung Mobile Payment im Ländervergleich
2.5 Anbieter

3 Mobile Payment aus Kundensicht
3.1 Chancen des Mobile Payment aus Kundensicht
3.2 Risiken der Nutzung des Mobile Payment aus Kundensicht

4 Weitere elektronische Bezahlverfahren
4.1 Lastschriftverfahren
4.2 Kartenzahlung (EC-/ Kreditkarte)
4.3 PayPal

5 Vergleich der elektronischen Bezahlverfahren
5.1 Bewertung
5.2 Ausblick
5.3 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Geschichte des Geldes seit 1945

Abbildung 2: Allgemeiner Überblick über die Zahlungsverkehrslandkarte

Abbildung 3: Matrix Mobile Endgeräte

Abbildung 4: Wertschöpfungskette Mobile Payment Selbsterstellte Abbildung in Anlehnung an Continus, Robin: Mobile Payment im Spannungsfeld von Ungewissheit und Notwendigkeit

Abbildung 5: Anzahl der weltweiten Mobile Payment-Nutzer

Abbildung 6: Mobile Payment-Erfolgsfaktoren aus Konsumenten-mit integrierter Händlerperspektiv / Selbsterstellte Abbildung in Anlehnung an Hierl, Ludwig: Mobile Payment

Abbildung 7: Kano-Modell der Kundenzufriedenheit

Abbildung 8: Zahlungsmittel und Zahlungsinstrumente Selbsterstellte Abbildung in Anlehnung an Hierl, Ludwig: Mobile Payment

Abbildung 9: Bedeutung der Kriterien von Zahlungsinstrumenten aus Nutzersicht

1 Einleitung

Die vorliegende Bachelor-Arbeit ist eine vergleichende Analyse von Mobile Payment-Modellen und weiterer elektronischer Bezahlverfahren aus Kundensicht. Zunächst wird die Relevanz der Thematik aufgegriffen, um den aktuellen Bezug und die Attraktivität des Themas herauszustellen. Danach wird die Zielsetzung und die zu beantwortende Forschungsfrage festgehalten. Darauf folgend wird die Vorgehensweise des Argumentationsaufbaus zur Beantwortung der Forschungsfrage in der Struktur der Arbeit beschrieben. Anschließend wird die Historie der Bezahlmethoden dargestellt.

Anhand aktueller Entwicklungen des Mobile Payment aus Sicht großer Unternehmen, Händlern und aus Kundenperspektive stellen sich dem Verfasser grundlegende Fragen zur Entwicklung der Historie des Bezahlens.

1.1 Relevanz der Thematik

Eine Umstellung in der Verteilung der Bezahlmethoden ist seit Jahrzehnten weltweit in Entwicklung. Dazu gehört der stetige Prozess des Wandels vom traditionellem Bezahlen mit Bargeld zum Bezahlen mit elektronischem Geld.1 Einhergehend mit dieser Umstellung ergeben sich sowohl Potenziale als auch Probleme aufseiten der Händler und der Benutzer.2

Das Mobiltelefon dient der sozialen Interaktion, als Informations- und Speichermedium und als Navigationssystem. Mobiles Bezahlen gehört bis dato in Deutschland nur bedingt zum Alltag.3

Die Voraussetzungen dafür sind jedoch vorhanden: Der Verkauf von Smartphones und Tablets steigt progressiv an und damit einhergehend auch die Nutzung des mobilen Internets. Technologien, wie beispielsweise Near-Field-Communication (NFC) und Quick-Response (QR) Codes, machen mobiles Bezahlen in der heutigen Zeit möglich. Der Einkauf über das Internet ist mittlerweile alltäglich. Nach einer Studie von PwC aus dem Jahr 2014 verbreiten sich Payment-Applikationen (Payapps) in Deutschland allerdings nicht in dem erwartetenAusmaß.4 Diese Entwicklung fällt vor allem im internationalen Vergleich auf. „Die Entwicklungen der MP-Verfahren verlaufen in Europa im Gegensatz zu Asien und USA langsam“.5 Gründe für die zurückhaltende Nutzung des Mobile Payment in Deutschland sind unter anderem fehlende Informationen über die Bezahlmethodik und das daraus resultierende Misstrauen der Kunden.

In asiatischen und afrikanischen Ländern ist der soziale und ökonomische Durchbruch mit Mobile Payment gelungen und demzufolge wurden „bemerkenswert positive betriebs- und volkswirtschaftliche Effekte bei den anbietenden Unternehmen und den Ländern erzielt“.6

Große Unternehmen wie Visa, Google, Apple, PayPal und weitere, traten in den Markt des Mobile Payment ein und generierten somit große Aufmerksamkeit für die Branche in der Gesellschaft. Die fortschreitenden Verkaufszahlen der Smartphones in den letzten Jahren wurden von Thomas Lernen als „Boom“ bezeichnet und verdeutlichen die Marktdurchdringung der Smartphones und demonstrieren somit das Ausmaß potenzieller Kunden des Mobile Payment.7

Die Durchsetzung des Mobile Payment hat diverse Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Politik und die Gesellschaft. Banken müssen sich anpassen und neue Vertriebsstrategien entwickeln. Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen zu entwerfen und es gibt bereits Spekulationen, ob Bargeld langfristig abgeschafft werden kann.8 Die Branche bezieht neue Marktteilnehmer, wie beispielsweise Telekommunikationsunternehmen, in einen Bereich mit ein, in dem in der Vergangenheit ausschließlich Banken agiert haben.9

Aus deutscher Kundensicht wird die Thematik jedoch mit Skepsis betrachtet. Bei einer Befragung von 1.400 Smartphone-Nutzern in Deutschland konnten sich ein Drittel der Befragten vorstellen, die Möglichkeiten des mobilen Bezahlens zu nutzen.10 Dieses Ergebnis veranschaulicht das im Vergleich zu anderen Ländern geringe Interesse deutscher Smartphone-Nutzer am Mobile Payment. Daraus lässt sich die Frage ableiten: Worin bestehen die Eintrittsbarrieren und Risiken aus Kundensicht beim Mobile Payment? Wo liegen aus Kundensicht Chancen im Mobile Payment? Und weshalb findet noch keine Marktdurchdringung in Deutschland statt? Zudem stellt sich die Frage, weshalb der Großteil der deutschen Bevölkerung, trotz vorhandener Rahmenbedingungen für Mobile Payment, auf konservative Bezahlmethoden wie Bargeld, Debit- oder Kreditkarten zurückgreift.11

„Nach einer Studie des Steinbeis Research verfügt Mobile Payment in Europa über ein enormes Marktpotenzial, das bis 2020 ca. 1,8 Milliarden Euro betragen wird.“12 PwC hat eine ähnliche Prognose für das Jahr 2020 erstellt und kam auf den Betrag von 500 Millionen Euro Umsatz.13 Laut dieser Prognosen wird ein Marktdurchbruch stattfinden.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Die primäre Zielsetzung dieser Arbeit ist die Erörterung, weshalb Mobile Payment in Deutschland nur bedingt akzeptiert wird und aus diesen Erkenntnissen die Chancen und Risiken von Mobile Payment aus Kundensicht zu ermitteln. Zusätzlich werden Mobile Payment-Modelle mit weiteren elektronischen Bezahlverfahren verglichen und Chancen und Risiken der einzelnen Bezahlverfahren gegenübergestellt um herauszufinden, weshalb der Großteil der deutschen Bevölkerung Mobile Payment nicht verwendet und bislang auf andere elektronische Bezahlverfahren zurückgreift. In dieser Arbeit wird das Hauptaugenmerk auf die Sicht der Kunden auf diese Thematik gelegt.

In diesem Kontext lautet die zu belegende oder zu widerlegende These für die Arbeit: Die größte Eintrittsbarriere aus Sicht deutscher Kunden zum Mobile Payment ist die vermeintlich fehlende Sicherheitder Bezahlmethode. Diese wird anhand folgender Forschungsfragen untersucht: Was muss der Markt dem Kunden bieten, um in Deutschland Mobile Payment alsBezahlmethodedurchzusetzen?

1.3 Struktur der Arbeit

Die vorliegende Bachelorarbeit ist in fünf Kapitel aufgeteilt. Das erste Kapitel beinhaltet die Einleitung in die Thematik, die Relevanz des Themas, die Zielsetzung der Arbeit, die Struktur und letztlich die Historie von Bezahlmethoden. Das erste Kapitel zeigt den Hintergrund der Arbeit auf und leitet in das Thema MobilePaymentein. Im zweiten Kapitel wird das Hauptaugenmerk auf Mobile Payment gerichtet, beginnend damit, dass der Begriff „Mobile Payment“ definiert, erklärt und beschrieben wird. Darauffolgend wird der Prozess der Bezahlmethode erläutert unddargestellt. Um einen Überblick über die Nutzung in Deutschland zu erlangen, wird diesem Punkt ein untergeordnetes Kapitel gewidmet. Anschließend wird ein Ländervergleich die verschiedenen Ist-Zustände in der Branche verdeutlichen und eine Anbieterübersicht Aufschluss darüber geben, welche Mobile Payment-Anbieter in Deutschland vertreten sind.

Im Hauptteil wird zunächst die Nutzung des Mobile Payment generell aus Kundensicht dargelegt. Anschließend werden jeweils die Chancen und Risiken der Nutzung des Mobile Payment aus Kundensicht betrachtet, um Eintrittsbarrieren und Eintrittschancen zu definieren und das geringe Nutzerverhalten im Bereich Mobile Payment in Deutschland zu erklären.

Um Mobile Payment mit weiteren elektronischen Bezahlverfahren vergleichen zu können, werden nun beispielhaft einzelne elektronische Bezahlmethoden beschrieben und analysiert.

Im Schlussteil werden alle genannten Bezahlmethoden miteinander verglichen und Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle herausgestellt. In der danach folgenden Bewertung wird die persönliche Meinung des Verfassers zu dem Thema dargelegt. Der Ausblick zeigt auf, wie sich in den nächsten Jahren nach Prognosen und Forschungen diese Thematik der elektronischen Bezahlverfahren weiterentwickeln könnte. Im Fazit werden die relevantesten Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst. Außerdem wird die Forschungsfrage beantwortet.

1.4 Historie Bezahlmethoden

Mitte des 18. Jahrhunderts hat sich das Bezahlen mit Bargeld in Form von Münzen und Banknoten durchgesetzt. Mit der Entwicklung der Technik während und nach der Industrialisierung wurde es möglich, Geld nicht mehr an eine „physische Entität“ zu binden.14 Der Handel fand in Form von elektronischem Datenaustausch statt. Eine elektronische Bezahlmethode wurde generiert. Die elektronischen Bezahlmethoden mit der höchsten Akzeptanz sind aktuell EC- und Kreditkarten.

Im Zuge der Digitalisierung entstanden weitere elektronische Bezahlmethoden. „Der Begriff Digitalisierung bezeichnet im Allgemeinen die Veränderungen von Prozessen, Objekten und Ereignissen, welche bei einer zunehmenden Nutzung von digitalen Geräten erfolgt. Dies bedeutet im engeren Sinne die Erstellung digitaler Repräsentationen von physischen Objekten, von Ereignissen oder analoger Medien.“15 Die Veränderung im Bereich des Bezahlens macht sich durch neuartige elektronische Bezahlmethoden, wie zum Beispiel Mobile Payment, kenntlich. Es gibt diverse Variationen von digitalen Bezahlmethoden. Beispielsweise ist es möglich, elektronisches Geld zu erwerben, das auf einem elektronischen Endgerät des Verbrauchers gehalten wird. Der Geldbetrag wurde zuvor erworben und wird bei einer Transaktion um den fälligen Betrag verringert.16 In der folgenden Abbildung sind die Meilensteine des Bezahlens ab 1945 sichtbar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Geschichte des Geldes seit 1945

Selbsterstellte Abbildung in Anlehnung an Lerner, Thomas: Mobile Payment

2 Mobile Payment

Mobile Payment bezeichnet ein Zahlungsverfahren, das auf der Verwendung des Mobiltelefons basiert. Bei dieser Bezahlmethode stehen die Flexibilität und Mobilität der Verbraucher im Vordergrund.17 Die Zahlungsmethode gehört zur Kategorie des E-Payment und hat die Funktionalität eines E-Payment-Systems. Über Mobiltelefone, Smartphones und weitere elektronische Endgeräte entstehen neue Möglichkeiten von Bezahldiensten und ein modernisierter Zugriff auf Bankkonten.18 Der Zahlungspflichtige nutzt für die „Initiierung, Autorisierung und Realisierung des Zahlungsvorganges sein mobiles Endgerät“.19 Diese Zahlungsmethode kann für Einkäufe im Internet und für Transaktionen am PoS (Point of Sale) genutzt werden. Seit Ende der 1990er Jahre bestand das allgemeine Anliegen, das Mobiltelefon für Bezahlvorgänge zu nutzen.20 Abbildung 2 veranschaulicht die Marktteilnehmer im mobilen Zahlungsverkehr:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Allgemeiner Überblick über die Zahlungsverkehrslandkarte

Im Kapitel Mobile Payment wird der Begriff Mobile Payment definiert, weitere damit zusammenhängende Begriffe erläutert und in die vorhandenen E-Commerce (elektronische Geschäftsabwicklung)- Zahlungsvarianten eingeordnet. Anschließend wird der Prozess hinter dem Mobile Payment erklärt. Zudem wird ein technologischer Einblick die Systematik der Zahlungsmethode verdeutlichen und einen groben Überblick über die aktuell verwendete Technik geben. Darauffolgend wird die Nutzung von Mobile Payment in Deutschland analysiert. Um die Nutzung von Mobile Payment aus Kundensicht in Deutschland mit anderen Ländern vergleichen zu können, wird ein Ländervergleich internationale Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Branche sichtbar machen. Außerdem wird analysiert, welche Länder am fortschrittlichsten in diesem Bereich sind und weshalb das so ist.

2.1 Definition Mobile Payment

„Durchführung von Zahlungen über Mobiltelefone/Smartphones. Dabei wird grundsätzlich unterschieden zwischen Zahlungen, die in räumlicher Nähe zum Zahlungsempfänger (z.B. Zahlungen in den Räumlichkeiten des Händlers) ausgeführt werden und solchen, die in räumlicher Distanz zum Empfänger ausgeführt werden (z.B. Zahlungen im Onlinehandel). Die Transaktion kann im Hintergrund über klassische Zahlungsinstrumente wie z.B. Überweisung, Lastschrift, Kartenzahlung oder E-Geld-Zahlung abgewickelt werden.“21 Diese Definition unterteilt Mobile Payment nach der Bezahlung in der Räumlichkeit am Point of Sale und im Onlinehandel.

Mobile Payment wird in vier Kernbereiche unterteilt: Zum einen in die Zahlung virtueller Güter, die in virtuelle Währungen und Carrier Billing aufzuteilen sind.

Virtuelle Währungen sind „digitale Darstellungen von Werten, die nicht von einer Zentralbank, einem Kreditinstitut oder einem E-Geldinstitut herausgegeben“ werden (Beispiel: Bitcoin, Ripple).22 Carrier Billing beschreibt das elektronische Bezahlen über die Telefonrechnung.

Diese Güter haben einen verhältnismäßig niedrigen Transaktionswert, bei dem die Nutzung von EC-/Kreditkarten nicht erforderlich ist. Filme, Musik und Software sind hierfür Beispiele. Der zweite Kernbereich ist Electronic-/Mobile Commerce. Unterkategorien dieses Bereiches sind Mobile Wallet (Geldbörse/ Konto, auf dem Geld und Kontodaten gespeichert sind), Prepaid-Karten (elektronische Geldkonten) und Bank-Transfer-Services (spezielle Bankdienstleistungen). Dieser Bereich ist durch die sichere Nutzung und das einfache Kundenerlebnis gekennzeichnet. Beispiele hierfür sind Güter, Dienstleistungen und Reiseservices.

Der dritte Kernbereich sind die Nahzahlungen. Zahlungen werden hierbei kontaktlos mit mobilen Smartcards oder Apps getätigt. Gekauft werden auf diese Art meist niedrigpreisige Produkte oder Dienstleistungen. Positive Aspekte dieser Methode sind zum einen der „bequeme“ Zahlungsprozess, die schnelle Abwicklung der Transaktion und der Geldersatz. Zu berücksichtigen ist, dass positive Aspekte der Bezahlmethoden individuell zu bewerten sind. Teilgebiete der Nahzahlungen sind zum einen Mobile NFC (Near Field Communication). Mobilfunkbetreiber, Endgerätehersteller und Händler einigten sich auf einen NFC-Standard. Ein weiteres Teilgebiet ist die kontaktlose Smartcard. Diese wird mittels einer RFID-Technik beim Bezahlvorgang am Lesegerät der Kasse ausgelesen und somit autorisiert. Eine weitere Variante des Mobile Payment ist der Mobile Barcode/ SMS. Beispielsweise wird dieser Dienst für Zahlungen von Parkgebühren oder zum Bezahlen der Straßenmaut benutzt. Der vierte Kernbereich bedient die mobile Geldübertragung zwischen Personen (nationale/internationale Geldübertragungen). Positive Aspekte der Nutzung des Mobile Payment zwischen Personen ist der Ersatz von Geld und Schecks. Zudem ist ein Bankzugang für den Kunden nicht erforderlich.23

Mobile Endgeräte sind grundsätzlich durch eine Kommunikationsfunktion verknüpft. So besteht die Möglichkeit, Sprache oder Daten auszutauschen. Zur Kategorisierung der mobilen Endgeräte sind drei Attribute entscheidend: Lokalisierbarkeit, Erreichbarkeit und Ortsunabhängigkeit.

Durch Funkverfahren, wie GPS, Wifi oder ähnliche, ist die Lokalisierbarkeit der mobilen Endgeräte garantiert. Führt der Konsument das mobile Endgerät mit sich, generiert er eine Ortsunabhängigkeit. Erreichbarkeit entsteht allein durch den technischen Aspekt der mobilen Endgeräte, dass die Funktion der Erreichbarkeit potenziell gegeben ist. Zudem zählt zu diesem Punkt die Erreichbarkeit des Verbrauchers.24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Matrix Mobile Endgeräte

Neuartige mobile Endgeräte, wie beispielsweise eine Smartwatch, ein Smartglass, ein Phablet oder ein Wristband, konnten zum Erstellungszeitpunkt der Matrix nicht berücksichtigt werden. Das Phablet, eine Kombination aus Smartphone und Tablet, würde in der Matrix zwischen Smartphone und Mobiltelefon positioniert werden. Die Smartwatch wäre gemeinsam mit dem Smartglass, eine Datenbrille, in der Abbildung einen Kasten unter dem Mobiltelefon (hohe Erreichbarkeit, hohe Ortsunabhängigkeit, mittlere Lokalisierbarkeit) positioniert. Das Wristband würde seine Position bei der höchsten Ortsunabhängigkeit, einer niedrigen Lokalisierbarkeit und einer mittleren Erreichbarkeit finden.

Eine Auffälligkeit der Matrix ist die hohe Flexibilität des Smartphones in allen Bereichen (hohe Lokalisierbarkeit, hohe Erreichbarkeit und hohe Ortsunabhängigkeit). Demzufolge ist das Mobile Payment am ehesten auf die mobilen Endgeräte Smartphone und Mobiltelefon ausgerichtet.25

2.2 Prozess Mobile Payment

Im Folgenden werden der Prozess und die Technologien hinter dem Mobile Payment erläutert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Wertschöpfungskette Mobile Payment Selbsterstellte Abbildung in Anlehnung an Continus, Robin: Mobile Payment im Spannungsfeld von Ungewissheit und Notwendigkeit

Der erste Schritt der Registrierung ist in diesem Zusammenhang ein Synonym für Kundenakquise und beschreibt den Zeitpunkt, an dem Händler und Konsument als Kunde der Mobile Payment-Plattform gewonnen wurden. Dieser Schritt ist deswegen nicht zu unterschätzen, „da das Erreichen einer kritischen Masse als einer der Hauptfaktoren für die Einführung eines Zahlungsverfahrens gilt“.26 Im nächsten Schritt, bei der Initiierung, wird eine elektronische Vernetzung zwischen Mobile Payment-Anbieter, Händler und Konsument erstellt. Transaktionsdaten, Authentifizierungs- und Autorisationsdaten werden hier übertragen.

Die zentrale Aktivität innerhalb der Wertschöpfungskette ist die Authentifizierung. Diese Aktivität wird immer vom Mobile Payment-Partner durchgeführt. Bei den meisten Anbietern führen die Kunden die Authentifizierung durch die Verwendung einer PIN durch. Bei der Autorisation wird die Transaktion durch den Payment-Anbieter genehmigt oder verwehrt. Anbieter von Mobile Payment-Modellen stehen vor der Wahl, die Autorisierung selbst durchzuführen oder diese durch IT-Partner durchführen zu lassen. Mobile Payment-Anbieter müssen über Zahlungsgarantie und Ausfallrisiko Lösungen entwickeln. Abhängig von den Zahlungsbeträgen ist die Zahlungsautorisierung in den meisten Fällen unterschiedlich. Unterschieden wird hier in Micro Payment (Zahlungsverfahren geringer Summen) und Macro Payment (Zahlungen, die eine festgelegte Höhe überschreiten).

„Unter Capturing ist das systemseitige Erfassen der Transaktion in einer Datenbank zu verstehen“.27 Clearing beschreibt den Prozess der Übertragung der Daten und teilweise der Bestätigung. Dies beinhaltet unter anderem den Austausch der Zahlungsdaten. Settlement beschreibt die eigentliche Zahlung (Ausgleich der monetären Verpflichtungen) der aus dem Clearing fälligen Beträge.

Im letzten Schritt, der Verwaltung, wird die Rechnung erstellt und den beteiligten Parteien zugeschrieben. Beispielsweise erhält der Endkunde eine Bestätigungsnachricht für die erfolgreiche Abwicklung der Transaktion.28

Technologie Mobile Payment:

„Near Field Communication (NFC) ist ein Übertragungsstandard für den kontaktlosen Austausch von Nachrichten und Daten über eine Distanz von 3 bis 10 cm.“29 Diese Methode, die von Sony und Philips entwickelt wurde, kann für mobiles Bezahlen eingesetzt werden. NFC basiert auf der RFID-Technologie (Radio Frequency Identification). Dies ist eine funkbasierte Übertragungstechnologie, die es möglich macht, Personen oder Gegenstände eindeutig identifizieren zu können. Ein RFID-System beinhaltet mindestens drei Komponenten: Einen Transponder, der Signale aufnimmt, ein Lesegerät und einen Controller (PC). Der Transponder kommuniziert über hochfrequente elektromagnetische Wechselfelder mit dem Lesegerät. Mobile Payment kann mit NFC über zwei verschieden Varianten erfolgen. Zum einen das Bezahlen über einen Sticker, welcher auf das Smartphone geklebt wird (NFC-Sticker) oder über ein Smartphone mit integrierter NFC-Technologie.

Bluetooth Low Energy (BLE) ist eine Erweiterung der Bluetooth-Technologie. Bluetooth ist zum heutigen Zeitpunkt eine Standard-Technologie, die es mobilen Endgeräten möglich macht, kleine Datenmengen über eine Distanz von bis zu 100 Metern über Radiofrequenzen zu übertragen. Eine Besonderheit der Erweiterung BLE ist der geringe Stromverbrauch. BLE unterscheidet sich von NFC in diversen Punkten: BLE überträgt Ortsinformationen im Gegensatz zu NFC, das Zahlungsinformationen versendet. Die Reichweite von BLE ist größer als die von NFC. NFC erreicht maximal eine Reichweite von 20 Zentimetern. BLE wird im Vergleich zu der geringeren Menge an NFC-fähigen Endgeräten von weitaus mehr Endgeräten unterstützt. NFC gewährleistet eine höhere Sicherheit im Vergleich zu BLE.

Der Quick Response-Code (QR-Code) wird ebenfalls im Mobile Payment eingesetzt. Diese Technologie baut auf der Systematik des Barcodes auf. Ein Quick Response-Code ist in der Regel zweidimensional und fasst schwarze Muster in einem quadratischen Bild zusammen. In diesem Code können verschlüsselte Informationen, Buchstaben, Zahlen, Elemente und Zusatzdaten verborgen sein. Payback Pay arbeitet beispielsweise mit dieser Technologie, um Loyalitätspunkte in Verbindung mit der Mobile Payment-Lösung anbieten zu können. Der Vorteil dieser Technologie ist, dass sie von allen Smartphones benutzt werden kann. Die NFC-Technologie kann beispielsweise nur von NFC-fähigen Geräten oder elektronischen Endgeräten mit NFC-Sticker verwendet werden. Der QR-Code wird am PoS vom Lesegerät eingescannt, von dem aus die erforderlichen Daten des Käufers gesendet werden. Bei dem erfolgreichen Ablauf der Wertschöpfungskette des Mobile Payment findet die Transaktion statt.

Zu neuartigen Technologien im Bereich des Mobile Payment gehört beispielsweise Cloud Computing. „Die erforderliche Soft- und Hardware wird von den Anbietern über das Internet den Kunden zur Verfügung gestellt.“30 Der Endverbraucher benötigt lediglich ein internetfähiges Gerät und den Zugang zum Internet, um Mobile Payment nutzen zu können. Diverse Kreditkartenanbieter bieten ihren Kunden einen zusätzlichen Service über cloudbasierte Mobile Payment-Modelle seit 2014 an. Die Technologie nutzt das Tan-Verfahren. Bei dieser Systematik lädt der Konsument eine Applikation aus dem Internet auf sein Endgerät. Nachdem die notwendigen Informationen zur Registrierung ausgefüllt wurden, kann der Konsument am Point of Sale eine TAN (Transaktionsnummer) anfordern, die nur eine begrenzte Zeit und nur in der Umgebung des PoS gültig ist. Der Verkäufer gibt die TAN in das Kassensystem ein. Nach einem erfolgreichen Prozess der Wertschöpfungskette wird die Zahlung legitimiert. Netto Markt-Discounter verwenden diese Technologie bereits.

Eine weitere Technologie, mit der Mobile Payment betrieben wird, ist die Short Message Service-Technologie (SMS-Technologie). Diese Methode nutzt das GSM-Netz. Hierbei werden Abrechnungen im Micro-Payment über das SMS-Verfahren angeboten. Dieses Verfahren lautet Premium SMS und wird von der monatlichen Mobilfunkabrechnung abgezogen. Diese Methode wird beispielsweise zum Bezahlen von Parkgebühren oder von Lieferdiensten verwendet.31

[...]


1 Vgl. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment, S. 11

2 Vgl. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment, S. 12

3 Vgl. Hierl, Ludwig, 2017: Mobile Payment: Grundlagen – Strategien – Praxis, S. 5

4 Vgl. PwC, 2014: Mobile Payment in Deutschland 2020

5 Zit. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment, S. 59

6 Vgl. Lerner, Thomas, 2013: Mobile Payment, S.1

7 Vgl. Lerner, Thomas, 2013: Mobile Payment, S.2

8 Vgl. Bartman, Dieter (o.A.): Die elektronische Geldbörse

9 Vgl. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment, S. 23

10 Vgl. kreditkarte.net (o.A.): Mobile Payment – Deutscher Handel, quo vadis?

11 Vgl. kreditkarte.net (o.A.): Mobile Payment – Deutscher Handel, quo vadis?

12 Vgl. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment, S. 20

13 Vgl. PwC, 2014: Mobile Payment in Deutschland 2020

14 Zit. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment, S. 11

15 Zit. Gründerszene (o.A.): Digitalisierung

16 Vgl. Bartman, Dieter (o.A.): Die elektronische Geldbörse

17 Vgl. Henkel, Joachim (2002): Mobile Commerce

18 Vgl. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment S. 21

19 Zit. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment S. 22

20 Vgl. kreditkarte.net (o.A.): Mobile Payment – Deutscher Handel, quo vadis?

21 Vgl. Metzger, Jochen (o.A.): Mobile Zahlungen

22 Vgl. Metzger, Jochen (o.A.): Virtuelle Währung

23 Vgl. Lerner, Thomas, 2013: Mobile Payment, S. 10ff

24 Vgl. Bachler, Alexandra, 2014: Offline-Sein als Bedürfnis

25 Vgl. Bachler, Alexandra, 2014: Offline-Sein als Bedürfnis

26 Zit. Continus, Robin, o.A.: Mobile Payment im Spannungsfeld von Ungewissheit und Notwendigkeit S. 61

27 Zit. Continus, Robin, o.A.: Mobile Payment im Spannungsfeld von Ungewissheit und Notwendigkeit

28 Vgl. Continus, Robin, o.A.: Mobile Payment im Spannungsfeld von Ungewissheit und Notwendigkeit

29 Vgl. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment, S. 32

30 Zit. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment, S. 35

31 Vgl. Hamzehloe, Parissa, 2014: Mobile Payment S. 37

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Wie wichtig ist Mobile Payment in Deutschland? Über die Chancen und Risiken von elektronischen Bezahlverfahren
Autor
Jahr
2020
Seiten
62
Katalognummer
V499294
ISBN (eBook)
9783964871275
ISBN (Buch)
9783964871282
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Smartphone, E-Payment, Transaktion, virtuelle Währungen, QR-Code
Arbeit zitieren
Jakob Petersen (Autor), 2020, Wie wichtig ist Mobile Payment in Deutschland? Über die Chancen und Risiken von elektronischen Bezahlverfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499294

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