Sozialraumorientierung. Die Technik des Eco-Mappings


Seminararbeit, 2009

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 THEORETISCHE RAHMUNG DES ECO-MAPPINGS
2.1 Grundzüge der Sozialraumorientierung
2.2 Das Eco-Mapping in der sozialraumorientierten Methodik
2.3 Beschreibung des Eco-Mappings

3 ANWENDUNG DER TECHNIK
3.1 Vorbereitung des Einsatzes
3.2 Sozialer und persönlicher Hintergrund der Testperson
3.3 Durchführung der Technik
3.3.1 Die Erstellung der Eco-Map
3.3.2 Die Anfertigung der Schatzkarte

4 EVALUATION DES TECHNIKEINSATZES
4.1 Beschreibung der Ergebnisse
4.2 Bewertung der Ergebnisse
4.2.1 Effektivität und Nachhaltigkeit
4.2.2 Wertschöpfung und Zufriedenheit
4.3 Reflexion der verschiedenen Einflussfaktoren
4.4 Mögliche Verbesserungsansätze

5 KRITISCHE WÜRDIGUNG DES VERFAHRENS

LITERATUR

1 EINLEITUNG

Fragt man sich nach den Zielperspektiven der heutigen Sozialen Arbeit, so lassen sich diese, zumindest auf theoretischer Ebene, noch relativ einfach formulieren. Natürlich geht es ihr um die Verwirklichung der Menschenrechte, um soziale Gerechtigkeit, um Teilhabe und funktionierende soziale Netzwerke und nicht zu vergessen um die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger.[1]

Die praktische Umsetzung dieser Visionen ist jedoch um ein Vielfaches komplexer. Hier sind Sozialarbeiter auf Methoden und Techniken angewiesen, also auf „differenziert planbare, geregelte und zielorientierte [...] Wege des Problemlösens“ sowie auf einzelne Strategien die „das Gehen auf diesen Wegen“[2] beschreiben.

Und gerade in diesem Schnittpunkt zwischen Theorie und Praxis werden der Sozialarbeit immer wieder sowohl strukturelle wie auch methodische Defizite attestiert.

So unterliegt nach Beacker Hilfe einem Effizienzverdacht, d. h. dem Verdacht nicht die erforderlichen Veränderungen auszulösen, sondern eher noch zur Verstärkung der Hilflosigkeit und Untätigkeit beizutragen. Daneben äußert Luhmannn mit dem Begriff „Technologiedefizit“ ernste „Zweifel an der Wirksamkeit sozialarbeitswissenschaftlichen Handelns.“ Thiersch kritisiert die „Kolonialisierung der Lebenswelt“ durch die Professionellen, während Illich diesbezüglich von der „Entmündigung durch Experten“ spricht.[3]

Diesen Phänomenen einer modernen Expertenlogik möchte der Ansatz der Sozialraumorientierung eine alternative postmoderne „Logik der gemeinschaftlichen, stark auf emanzipatorische Selbsthilfe ausgerichteten Sozialen Arbeit“[4] gegenüberstellen, in welcher der Wille und die Lebenswelt der Klienten maßgebend sind, für die Richtung und Ausgestaltung der Hilfe.

Der Frage, inwieweit die sozialraumorientierte Herangehensweise, insbesondere das spezifische Methodenrepertoire den selbst gesetzten Professionsansprüchen von Effektivität, Effizienz und Nachhaltigkeit entspricht, möchte ich in dieser Arbeit nachgehen. Dazu werde ich exemplarisch die Technik des Eco-Mappings vorstellen und diese anschließend anhand einer praktischen Durchführung diskutieren und beurteilen. Zunächst müssen hierzu jedoch die theoretischen Vorannahmen und Grundzüge des Fachkonzeptes kurz angerissen werden.

2 THEORETISCHE RAHMUNG DES ECO-MAPPINGS

2.1 Grundzüge der Sozialraumorientierung

Ausgangspunkt des Ansatzes bildet ein mehrdimensionales, über die bloße geografische Beschreibung eines Wohnquartiers hinausreichendes, Verständnis vom Sozialen Raum. Denn „das Phänomen, das wir Raum nennen,“ ist „Ergebnis sozialer Prozesse.“[5] D. h., Räume entstehen „durch Wahrnehmungs-, Definitions- und Zuschreibungsprozesse“[6], sie konstruieren sich gleichwohl aus den subjektiven Wirkzonen und Vernetzungen der Individuen, der institutionellen Gestaltung von Angeboten und Leistungen und werden stark tangiert von den örtlichen sozialpolitischen und strukturellen Gegebenheiten sowie den verschiedenen Macht- und Verteilungsmustern.[7]

Sozialarbeiterische Konsequenz ist daher ein breites Spektrum fallspeziefischem und fallunspezifischem Handelns zwischen System und Lebenswelt, das „die Bedingungen des Hilfesystems genauso wie die Bedingungen von Betroffenen und ihrer Netzwerke“[8] wahrnimmt und bearbeitet. Nach dieser Auffassung findet Hilfe also nicht nur auf der Mikroebene der Individuen statt, sondern „verlangt von den Profis ein Agieren im Stadtteil, in Organisationen, in Verwaltung, in der Fachbasis, in Kommunalpolitik, in Wirtschaft, in den Medien und intermediär zwischen diesen Ebenen.“[9]

Um dies nun in entsprechend fachlich legitimierter und reflexiver Art und Weise umzusetzen, speist sich die sozialraumorientierte Arbeitsweise „aus dem theoretischen und praktischen Fundus“[10] unterschiedlicher Traditionen.

Die verschiedenen Handlungsfelder Sozialstruktur, Organisation, Netzwerk und Individuum sind jeweils mehr oder minder stark geprägt von den Erfahrungen der Gemeinwesenarbeit, dem Ansatz der lernenden Organisation, dem Konzept des Sozialkapitals und der Netzwerktheorie oder auch der Lebensweltorientierung und dem Empowerment.[11]

Aus diesem Theoriekanon ergeben sich folgende handlungsleitende Prinzipien: „Erstens: Ausgangspunkt jeglicher Arbeit sind der Wille/die Interessen der leistungsberechtigten Menschen. Zweitens: Aktivierende Arbeit hat grundsätzlich Vorrang vor betreuender Tätigkeit. Drittens: Bei der Gestaltung der Hilfe spielen personale und sozialräumliche Ressourcen eine wesentliche Rolle. Viertens: Aktivitäten sind immer zielgruppen- und bereichsübergreifend angelegt. Fünftens: Vernetzung und Integration der verschiedenen sozialen Dienste sind Grundlage für funktionierende Einzelhilfen.“[12]

2.2 Das Eco-Mapping in der sozialraumorientierten Methodik

Für die fallbezogene Arbeit ist auf dem Hintergrund dieser Prinzipien eine angemessene Perspektivität zu wählen, die entsprechend der situativen Verhältnisse der Adressaten, deren Stärken (Stärkenperspektive), Selbsthilfepotenziale (Empowermentperspektive) oder Netzwerke (Netzwerkperspektive)[13] fokussiert um dadurch geeignete Methoden abzuleiten.

Bei der Anwendung aller Interventionen geht es zwar immer darum Motivation, Kompetenzen und Ressourcen der Betroffenen zu einem zielführenden Zueinander zu bringen[14], trotzdem werden unterschiedliche Schwerpunkte gelegt, wie auf die Identifizierung und Nutzung der Stärken oder die Aktivierung der Selbsthilfe.

Daneben richten Techniken wie das hier gegenständliche Eco-Mapping den Blick primär „auf die Ressourcen, die in den Netzwerken der Adressaten, in ihren starken und schwachen Beziehungen stecken.“[15] Entscheidend ist hierbei das mobilisierbare Sozialkapital, das definiert ist als „die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind“[16] und „früher oder später einen unmittelbaren Nutzen versprechen.“[17]

Die angesprochenen Netzwerke sind dabei „ganz allgemein als Mengen von Verbindungen zwischen sozialen Akteuren“[18] zu verstehen; als ein Geflecht aus engen Bindungen innerhalb kleiner Gruppen (Familie, Freundschaften) sowie latenten und mittelbaren Verknüpfungen zu entfernteren Personen (Kollegen, lose Bekanntschaften) und anderen gesellschaftlichen Sichten (vor allem institutioneller Bereich).[19]

Von besonderer Bedeutung ist diesbezüglich die grundlegende netzwerktheoretische Einsicht, dass nicht die starken, sondern gerade die schwachen sozialen Beziehungen besonders geeignete positive Bedingungsfaktoren darstellen,[20] da hier möglicherweise differenziertere Ressourcen zur Verfügung stehen.

2.3 Beschreibung des Eco-Mappings

Die Technik des Eco-Mappings „(engl. Von ecological mapping = ökologische Kartierung)“[21] kann als eine vereinfachte Form der qualitativen Netzwerkanalyse betrachtet werden, „die den involvierten Akteuren selbst die Möglichkeit bietet, ihre Einbettung in soziale Beziehungen und die Bedeutung der damit verbunden Interaktionen aus ihrem eigenen Blickwinkel heraus zu erforschen.“[22]

Der Fokus liegt dabei jedoch nicht auf einer Problem- oder Ursachenanalyse, sondern die Erstellung einer Eco-Map ist vielmehr als ein kooperativer Prozess zwischen Sozialarbeiter und Klient zu verstehen, der helfen soll „Netzwerke zu rekonstruieren“[23], um damit die in den Lebenswelten der Betroffenen enthaltenen personenbezogenen Ressourcen ausfindig zu machen und diese ggf. zur Lösung des konkreten Falls einzusetzen.[24]

[...]


[1] Vgl. Selbstdarstellung des DBSH, auf: http://www.dbsh.de/selbstdarstellung_als_pdf.pdf

[2] Stimmer, Franz: Grundlagen des Methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit, S. 22

[3] Vgl. Erath, Peter: Sozialarbeitswissenschaft. Eine Einführung, Stuttgart 2006, S. 71ff

[4] Kleve, Heiko: Sozialraumorientierung als postmoderne Kritik an der modernen Sozialen Arbeit, S. 256

[5] Früchtel/Budde: Sozialraum, in Fachlexikon der sozialen Arbeit, S. 907f

[6] Ebd.

[7] Vgl. Früchtel/Budde/Cyprian: Sozialer Raum und Soziale Arbeit. Textbook: Theoretische Grundlagen, S. 15 - 21

[8] Ebd., S. 29

[9] Früchtel/Budde: Sozialraum, in: Fachlexikon der sozialen Arbeit, Baden-Baden 2007, S. 907f

[10] Haller/Hinte/Kummer im Vorwort zu Jenseits von Tradition und Postmoderne ..., S. 7

[11] Vgl. Früchtel/Budde/Cyprian: Sozialer Raum und Soziale Arbeit. Textbook, S. 22 - 26

[12] Hinte, Wolfgang: Eigensinn und Lebensraum – zum Stand der Diskussion um das Fachkonzept „Sozialraumorientierung“, S. 23

[13] Vgl. Früchtel/Budde/Cyprian: Sozialer Raum und Soziale Arbeit. Fieldbook, S. 27f

[14] Vgl. Budde/Früchtel: Sozialraumorientierte Soziale Arbeit – ein Modell zwischen Lebenswelt und Steuerung, S. 239

[15] Früchtel/Budde/Cyprian: Sozialer Raum und Soziale Arbeit. Fieldbook, S. 28

[16] Bourdieu, Pierre: Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital, S. 190

[17] Ebd., S. 192

[18] Budde/Früchtel: Fall und Feld. Oder was in der sozialraumorientierten Fallarbeit mit Netzwerken zu machen ist, S. 16

[19] Vgl. Kessl, Fabian/Otto, Hans-Uwe/Ziegler, Holger: Einschließen oder aufmachen? Der Raum, sein Kapital und deren Nutzer, S. 200f

[20] Vgl. ebd., S. 197

[21] Budde/Früchtel: Fall und Feld ..., S. 14

[22] Scheibelhofer, Elisabeth: Migration, Mobilität und Beziehungen im Raum: Egozentrierte Netzwerkzeichnungen als Erhebungsmethode, S. 313

[23] Früchtel/Budde/Cyprian: Sozialer Raum und Soziale Arbeit. Fieldbook, S. 91

[24] Vgl. ebd. und Budde/Früchtel: Fall und Feld ..., S. 14f

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Sozialraumorientierung. Die Technik des Eco-Mappings
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V499411
ISBN (eBook)
9783346079831
ISBN (Buch)
9783346079848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialraumorientierung, Eco-Mapping
Arbeit zitieren
Jürgen Hönle (Autor), 2009, Sozialraumorientierung. Die Technik des Eco-Mappings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499411

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