„I learned to act while watching Martha Graham dance, and I learned to move in film from watching Chaplin.“ (Louise Brooks)
Der Film diente in seiner langen Geschichte immer wieder als Repräsentationsraum geschlechtlicher Rollenbilder einerseits und der Konstruktion von Paarbeziehungen andererseits. Die permanente Geschlechterproduktion erschöpft sich dabei nicht auf der Ebene der bloßen Reproduktion von Geschlechterverhältnissen, sondern schreibt diese kontinuierlich und zielgerichtet fort, um dem Betrachter eine Fülle von Identifikationsangeboten zu machen. Lange Zeit war das dominant-narrative Kino bemüht, über die Abbildung von Rollenbildern von Frauen und Männern in die persönliche Lebenswirklichkeit der Betrachter hineinzuwirken. Vor allem die Frauentypen auf der Leinwand, die sich spätestens seit den Zwanziger Jahren ausdifferenziert haben, wirken teilweise bis heute im Kino fort. Der Vamp, der Flapper oder die Femme fatale repräsentieren kulturelle und historische Typen, die eine jeweils unterschiedliche Vorstellung von Weiblichkeit reflektieren und nicht selten als Image einzelnen Schauspielerinnen zugeordnet werden können und sollen. Insofern erlaubt die Analyse von Frauenbildern im Film Rückschlüsse auf gesellschaftliche Bedingungen und Prozesse, die gerade durch das Massenmedium Film transportiert werden.
Es ist vor allem dem Unbehagen der Frauen geschuldet, wenn seit den letzten 30 Jahren der Diskurs über die kulturelle Repräsentation der Geschlechterdifferenz zunehmend kritisch geführt und die Position von Frauen gegenüber Männern im Film dabei hinterfragt wird.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich in diesem Sinne mit einer Schauspielerin, die gleich auf zweifache Weise als Repräsentationsfigur männlich-dominanter Bildzuschreibungen im Fokus der Filmgeschichte erscheint: Louise Brooks. Zum einen durch ihre Filme und den darin produzierten Frauenbildern und zum anderen durch einen erst später einsetzenden Personenkult, der Louise Brooks nachträglich zu einer Ikone ihrer Zeit stilisierte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Weiblichkeitstypen und ihre Voraussetzungen
2.1 Die Femme fatale
2.2 Die Neue Frau
2.3 Der Flapper-Mythos
3. Der Blick und die Schaulust
3.1 Film, Psychoanalyse und der männliche Blick
3.2 Kritik des männlichen Blicks
3.3 Der weibliche Blick
3.4 Der Blick auf das Geschlecht
3.5 Geschlecht und Ideologie
3.6 Der eigene Blick – Die Methodik
4. Beggars Of Life (1928)
4.1 Produktionsbedingungen
4.1.1 Zur Handlung von Beggars Of Life
4.1.2 The Girl
4.2 Die Büchse der Pandora (1929)
4.2.1 Produktionsbedingungen
4.2.2 Zur Handlung von Die Büchse der Pandora
4.2.3 Lulu
4.3 Prix de Beauté (1930)
4.3.1 Produktionsbedingungen
4.3.2 Zur Handlung von Prix de Beauté
4.3.3 Lucienne
4.4 Zusammenfassung
5. Louise Brooks im Fokus der Filmgeschichte
5.1 Lulu in der Filmkritik
6. Brooks-Zitate im Film
6.1 Godard und Brooks: Vivre sa vie
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Louise Brooks in ihren Filmen als Repräsentationsfigur männlich-dominanter Bildzuschreibungen konstruiert wurde und wie sie nachträglich zu einer Ikone stilisiert wurde, wobei die Wechselwirkung zwischen ihrem Filmimage und ihrer historischen Person im Vordergrund steht.
- Konstruktion von Weiblichkeit (Femme fatale, Neue Frau)
- Feministische Filmtheorie (Blick, Schaulust, Maskerade)
- Filmanalyse (Beggars Of Life, Die Büchse der Pandora, Prix de Beauté)
- Rezeptionsgeschichte und Mythosbildung (Louise Brooks als Ikone)
- Intertextualität und Zitate im Film
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Femme fatale
Die Femme fatale ist ein besonders auffälliger Frauentypus, der sich in fast allen Kulturen und zu jeder Zeit der Literatur und Kunst und später im Film finden lässt. Dieses „männermordende“ Geschöpf, das aufgrund seiner Reize Tod und Vernichtung beschwört, gehört mit zu den interessantesten Figuren der Kunstgeschichte. Die Genealogie dieses Typus verdeutlicht die große Faszination, der solche Frauen innerhalb der Geschichte stets unterlagen. Der genaue Ursprung dieses Mythos lässt sich nur schwer eindeutig zuordnen, dürfte aber der griechischen Antike entspringen.
Auch wenn die Bezeichnung Femme fatale primär einen Typus der Literatur und Kunst des 19. Jahrhunderts bezeichnet, so lassen sich doch viele der Wesenszüge solch dämonischer Frau auf berühmte Figuren der Geschichte und der Literatur übertragen und sind somit praktisch seit der Antike in verschiedensten Ausprägungen präsent. Hier sind es vor allem Frauen wie Medea, Helena oder Klytaimestra, die als treulose Ehefrauen oder Gattenmörderinnen die ersten Prototypen einer solchen Konzeption darstellen.
Auch die Bibel kennt zahlreiche Frauen, deren erotische Ausstrahlung nicht selten Todesopfer fordert, wie bei Delila, die Samsons Überkraft stahl, indem sie ihm die Haare abschnitt und später seinen Feinden auslieferte, Judith, die Holofernes tötete, nachdem sie mit ihm geschlafen hatte oder Salomé, die den Kopf des Johannes als Preis für ihren erotischen Tanz forderte.
Andere Merkmale finden sich in historischen Gestalten wie Kleopatra oder Messalina. Im Mittelalter sind es vor allem die mythische Frauenfiguren wie Isolde, Genoveva oder Morgana aus der Arthus-Saga, die Wesensmerkmale einer Femme fatale aufweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der filmischen Repräsentation von Frauenbildern und Vorstellung der Untersuchung an der Person Louise Brooks.
2. Weiblichkeitstypen und ihre Voraussetzungen: Analyse kultureller Konzepte von Weiblichkeit, insbesondere der Femme fatale, der Neuen Frau und des Flapper-Mythos.
3. Der Blick und die Schaulust: Theoretische Auseinandersetzung mit der feministischen Filmtheorie, Psychoanalyse und den Mechanismen der Objektivierung von Frauen im Kino.
4. Beggars Of Life (1928): Filmanalyse mit Fokus auf Rollenverteilung, Maskerade und die Position der Frau in einer männlich dominierten Welt.
5. Louise Brooks im Fokus der Filmgeschichte: Betrachtung der filmischen Karriere von Brooks und ihrer nachträglichen Wiederentdeckung als Ikone durch die Filmkritik.
6. Brooks-Zitate im Film: Untersuchung, wie Brooks' Image und ihr Erscheinungsbild in späteren Filmen als Zitate oder Referenzen Verwendung fanden.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Konstruktion des Mythos Louise Brooks und der Bedeutung ihres Bildes über ihre reale Filmkarriere hinaus.
Schlüsselwörter
Louise Brooks, Filmgeschichte, Weiblichkeit, Femme fatale, Neue Frau, Flapper, feministische Filmtheorie, Psychoanalyse, Blick, Schaulust, Maskerade, Konstruktion, Mythos, Film Noir, Identifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die filmische Repräsentation von Frauenbildern am Beispiel der Schauspielerin Louise Brooks.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Frauenbilder der 1920er Jahre, feministische Filmtheorie, die Analyse spezifischer Brooks-Filme und den späteren Kult um ihre Person.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Louise Brooks in ihren Filmen als Objekt der Begierde konstruiert wurde und welche Mechanismen (Blick, Montage) dabei zum Einsatz kamen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen hermeneutischen Ansatz sowie Ansätze der feministischen Filmtheorie (u.a. nach Laura Mulvey) zur Filmanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zentrale theoretische Konzepte (Blick, Fetischismus, Maskerade) und die detaillierte Analyse der Filme "Beggars Of Life", "Die Büchse der Pandora" und "Prix de Beauté" durchgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Louise Brooks, Filmgeschichte, Femme fatale, Neue Frau, feministische Filmtheorie, Blick, Konstruktion und Mythos.
Wie bewertet die Arbeit die "Hosenrolle" in "Beggars Of Life"?
Sie wird als Form der Maskerade analysiert, die zwar Irritation bietet, aber letztlich an der passiven Rolle der Figur innerhalb der patriarchalischen Filmhandlung scheitert.
Warum wird "Prix de Beauté" als künstlerischer Höhepunkt bezeichnet?
Der Film wird als solcher bezeichnet, da in ihm die Verschmelzung von Image, Fiktion und der realen Person Louise Brooks am eindringlichsten vollzogen wird.
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- Mag. Matthias Marx (Author), 2005, Der Preis der Schönheit: Louise Brooks und die Konstruktion von Weiblichkeit im Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/49947