Weiblicher Journalismus

Unterschiede in der Berichterstattung von weiblichen und männlichen Journalisten


Seminararbeit, 2017
34 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Erkenntnisinteresse
1.2 Forschungsstand
1.3 Problem des Themengebietes
1.4 Aufbau der Arbeit

2. Theoretischer Rahmen der Arbeit
2.1 Begriffserklärung „weiblicher Journalismus“
2.2 Ressorts der Journalisten
2.3. Rezeptionswünsche der Geschlechter
2.3.1 Wunschressort der Journalistinnen
2.4 Arbeitsstil der Journalistinnen
2.4.1 Der weibliche Blick
2.5 Interviewführung der Journalistinnen
2.6 Weiblicher Journalismus aus der Sicht der Journalistinnen
2.7 Journalistisches Selbstverständnis

3. Forschungsfragen und Hypothesen
3.1 Operationalisierung der Variablen

4. Methode

5. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse

6. Diskussion
6.1 Limitationen

Literaturverzeichnis

Anhang

Danksagung

Das Thema der nun folgenden Arbeit ist mir besonders wichtig, aufgrund der Tatsache, dass ich selbst in Laufe meiner Lebzeiten in dem Berufsfeld Journalismus Fuß fassen möchten. Die Herausforderung die mir am Anfang dieser Arbeit entstanden sind konnten durch die Unterstützung mehrerer Personen beseitigt werden, denn ich hiermit danken möchte. Als Erstes möchte ich mich bei Frau Dr. Brigitte Huber bedanken, die nicht nur meine Studienkollegen und mich durch unserer erstes Proseminar im Studiengang geführt hat, sondern auch immer ihre Hilfestellung bei auftretenden Problemen während des Prozesses der Entstehung der Arbeit signalisiert und geboten hat und zudem wertvolles Feedback zu den im Laufe des Seminars entstandenen Arbeitsschritten mitgegeben hat. Außerdem möchte ich mich bei meiner Studienkollegin Polina Samokhina bedanken die viele Stunden gemeinsam mit mir Theorien zum Statistikprogramm SPSS einstudiert hat und versucht hat aus den gewonnen Ansätzen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Zu guter Letzt möchte ich mich ganz besonders noch bei meiner Familie und meinen Freunden bedanken, welche mich in diesem Prozess meiner ersten wissenschaftlichen Arbeit ir in kritischen Stunden der Versagensängste Mut zugesprochen haben und mich dadurch animiert hat das bestmögliche aus der Situation zu machen.

Abstract

Frauen lassen ihre emotionale Ansichtsweise zu stark in die Berichterstattung einließen. Sie können keinen Konkurrenzkampf mit Kollegen standhalten und verändern den Inhalt der zu vermittelnden Nachricht zu sehr, aufgrund ihrer femininen Perspektive. Sie lassen sich zu stark durch die Meinung ihrer Mitmenschen beeinflussen. Diese Vorurteile werden dem „weiblichen Journalismus“ zugeschrieben. Frauen erscheinen durch diesen Ansatz ungeeignet zu sein, sich in das Berufsfeld des professionellen Journalismus einzugliedern.

In Anbetracht dieses Blickwinkels stellt sich daher die Frage: Kann sich die journalistische Berichterstattung von Frauen und Männern aufgrund ihres Geschlechtes unterscheiden? Laut dem Phänomen des „weiblichen Journalismus“ gibt es keine klare Antwort auf diese Fragen, denn die meisten zu diesem Thema befragten Journalistinnen verneinen einen Unterschied der Berichterstattungen zwischen Männern und Frauen. ( vgl. Klaus, 1998, 191.)

Dem gegenüber steht allerdings die Meinung kommunikationswissenschaftlicher Experten, welche behaupten, dass Frauen nicht nur eine andere Herangehensweise bezüglich der Erstellung von Berichterstattungen haben, sondern auch eine andere „weibliche“ Perspektive, welche sich wesentlich auf die Art der Berichterstattung auswirkt. Sie würden andere Aspekte der zu vermittelnden Nachricht herausheben.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ressortverteilung der Journalistinnen und Journalisten in Print- und Onlinebereich, sowie Agenturen

Tabellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Zusammenhang Geschlecht und Artikelthema

Tabelle 2: Zusammenhang des Geschlechts und des Schreibstils der Berichterstattung

Tabelle 3: Zusammenhang des Argumentationsgehaltes in Anbetracht des Geschlechtes

1. Einleitung

1.1. Erkenntnisinteresse:

Im Laufe dieser Arbeit möchte ich herausfinden, inwiefern sich Berichterstattungen von Journalistinnen im Vergleich zu denen ihrer männlichen Kollegen unterscheiden und ob bekannte Klischees stimmen, wie die Behauptungen, dass Frauen über Themen viel sensibler berichten, oder sich bei der Themenauswahl mehr typische Frauenthemen fokussieren. Ein wesentlicher Grund, warum ich mich mit diesem Thema im Laufe dieser Arbeit beschäftigen möchte ist, dass ich selbst in meinem späteren Leben im journalistischen Bereich tätig sein möchte und daher mehr über die Hintergründe dieses Berufs herausfinden und die damit verbundenen Konflikte, welche einen als Frau treffen könnten.

Das kommunikationswissenschaftliche Problem besteht darin, dass es nicht allein ausreicht die Hintergrunde beziehungsweise die Perspektiven von Frauen zu verstehen, welche sich den Journalismus als Berufsfeld ausgesucht haben. Psychologische, sowie philosophische Disziplinen tragen einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis bei. Beispielsweise analysieren diese Disziplinen den Begriff Macht, welcher den Bereich der Geschlechterforschung sehr stark beeinflusst hat. (vgl. Fleck, 2003,7.)

Wieso ist dieses Thema relevant?

Die Kommunikationswissenschaft muss sich stärker mit der Situation von Frauen in den Berufsfeldern dieser Wissenschaft beschäftigen, da die Anzahl immer mehr ansteigt. (Angerer/ Dorer, 1994,39.) Während frühere Literatur sich vermehrt mit der Eignung von Frauen als Journalistinnen beschäftigt, fokussieren sich die neueren Aufzeichnungen mit der Diskriminierung, mit der die Journalistinnen in ihren Arbeitsalltag konfrontiert sind.

1.2 Forschungsstand:

Der typische österreichische Journalist ist männlich und knapp 40 Jahre alt, er hat eine fixe Anstellung als Redakteur, hat sein Studium abgebrochen und arbeitet für ein überregionales Medium, das seiner Einschätzung nach ein Qualitätsmedium ist. “ (Weber, 2000, 112.)

Herauszuheben ist hier, dass es sich bei dem obigen Zitat nicht um eine veraltete Aussage handelt, welche noch vor dem Anstieg der Frauenbewegung auftauchte, sondern aus dem Jahr 2000 und somit dieser Umstand in das 21. Jahrhundert getragen wurde.

Frauen im Journalismus. Dieser Satz spiegelt nur eine Minderheit an Fällen im Berufsfeld des Journalismus.

Um sich mit den Anfängen der Positionierung der Frau im Journalismus auseinander setzen zu können, muss man erst mal feststellen, dass es sich bei der Kommunikationswissenschaft an sich um eine „male- und main-stream Orientierung“ (Angerer /Dorer, 1994,8.) handelt. Unter diesem Begriff ist zu verstehen, dass die heutigen Medien in erster Linie von Männern geleitet werden. (vgl. Angerer /Dorer,1994,8f.)

Die Erforschung des Geschlechtes in der Disziplin Kommunikationswissenschaft hat im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Zweigen ein relativ geringer Entwicklungsstand. Vor allem festzustellen ist der Umstand, dass der angelsächsische Raum, dem deutschsprachigen weit voraus ist. Der Beginn der Geschlechterforschung in der Kommunikationswissenschaft lässt sich in das Jahr 1975 zurückzuführen. Im Auftrag des Ministeriums für Familie, Gesundheit und Jugend in Deutschland führte Erich Küchenhoff erste Untersuchungen durch, welches das in deutschen Medien vermittelte Frauenbild analysierte. Ergebnis dieser Studie war, dass das vermittelte Frauenbild ein nicht objektives war. 1983 veröffentlichte Christine Leinfellner die Studie „ Das Bild der Frau im TV“, in Österreich bei der sie annähernd gleiche Ergebnisse gewann. (vgl. Fleck, 2003, 36.)

In Bezug auf den Beruf der Journalistin publizierten die Journalistinnen Gerda Kanzleiter und Irene Neverla im Jahr 1984 eine Studie mit dem Titel „ Journalistinnen – Frauen in einem Männerberuf“ womit sie die erste umfangreiche Studie bezüglich Kommunikatorinnen in germanischen Sprachraum lieferten. Durch diese Untersuchung leisteten sie einen Meilenstein in Gebiet der feministisch orientierten Forschung des Journalismus. (vgl. Fleck, 2003, 35f.)

Kanzleiter und Neverla sind ebenfalls der Ansicht, dass Berichterstattungen zu Themen wie Politik, Wirtschaft und Sport vermehrt von Redakteuren verfasst werden, während Redakteurinnen sich eher mit Themen wie Kultur, Gesellschaft und Erziehung in ihrer Karrierelaufbahn beschäftigen. (vgl. Neverla /Kanzleiter, 1984, 33.)

Ute Schulz und Heike Amend berichten in ihrem Buch“ Gebremste Karriere“ aus dem Jahr 1993, über eine Erhebung von Daten Schweizer Journalistinnen, die ergab, dass Frauen einen mehr Zeit, sowie Mühe in ihre Berichterstattungen investieren, und sich höheren Belastungen aussetzten, als ihre männlichen Kollegen. Ebenso kommen sie zum Ergebnis, dass Frauen sowohl im Printbereich, als auch im Fernsehjournalismus stark unterrepräsentiert sind verursacht, dadurch beispielsweise österreichische Berichterstattungen im Fernsehen von männlichen Redakteuren dominiert sind, welche dadurch ihr Frauenbild repräsentieren.(vgl. Schulz /Amend, 1993, 15f.)

Anfang der neunziger Jahre wurde eine Art Aufschwung bezüglich der femininen Medienforschung fühlbar. Diese Periode sorgte dafür, dass Konferenzen, sowie Versammlungen veranstaltet wurden, welche sich mit dem Thema Frauenforschung auseinandersetzten, in Österreich beispielsweise geschah dies unter dem Namen „ der große Unterschied“ an der Universität von Salzburg. (vgl. Fleck, 2003, 36.)

Einschlägige Fachzeitschriften, die sich mit der Thematik des weiblichen Berichterstattung beschäftigen waren das Medienfachjournal „ Media Perspektive“ welches die „ Münsteraner- Studie aus dem Jahr 1993 unter dem Titel „ Journalismus in Deutschland“ herausbrachte. Bei dieser Studie handelt es sich um demographische Fakten, sowie persönliche Aussagen von Journalistinnen und Journalisten. Ein Ergebnis dieser Aussage war, dass etwa ein Drittel der Journalisten weiblich sind. Auch die Aufstiegschancen variieren je nach Geschlecht. (vgl. Fleck, 2003. 37.)

Unterschiede bei den Karriereverläufen zeigen sich am deutlichsten bei Männern und Frauen. Auch bei der heutigen Situation lässt sich immer noch feststellen, dass während Männer nach einer gewissen Zeit in einer Redaktion aufsteigen, Frauen meist in derselben Position verharren. (vgl. Helka, 2014, 58.)

Steffen Burkhardt zitiert in seinem Buch „Praktischer Journalismus“ dass sich auch im 21. Jahrhundert die Situation bezüglich der Hierarchie im Journalismus kaum geändert hat, obwohl Journalistinnen meist eine bessere Ausbildung aufweisen, als ihre männlichen Kollegen. (vgl. Burkhardt, 2009, 95f.)

1.3 Problem des Themengebietes

Allerdings ergibt sich ein Problem bei Frauenforschung im Journalismus laut Johanna Dorer und Marie-Luise Angerer, denn die Anzahl der durchgeführten Studien zu dieser Thematik ist viel größer, als das literarische Material, welches sich ausschließlich mit dem Thema der weiblichen Medienforschung beschäftigt sollten. Dieser Umstand wird auch heutzutage versucht ausgeglichen zu werden. (vgl. Angerer /Dorer, 1994,S.8.)

Ebenso schreiben Angerer und Dorer in ihrem Werk, dass immer noch die Fragen unbeantwortet sind wie beispielsweise, „ob Frauen anders schreiben als Männer“( Angerer/ Dorer, 1994,38.), oder ebenso wie der Tatsache, „ob die Unterrepräsentanz von Frauen im Journalismus“ (Angerer/ Dorer, 1994, 38.) im Zusammenhang mit dem „Inhalt der Berichterstattung über Frauen“ (Angerer / Dorer, 1994, 38.), im Zusammenhang stehen. (vgl. Angerer / Dorer, 1994,38.)

Was in der Analyse der Situation von Journalistinnen fehlt, zitiert Manuela Fleck in ihrer Diplomarbeit „Chancen und Strategien neuer Subjektpositionierungen von Frauen im österreichischen Journalismus“. Darin geht sie ebenfalls davon aus, dass der umschriebene Umstand von Dorer und Angerer in Österreich weiterhin der Fall ist. Diese Theorie besagt, dass eine aktuelle österreichische Journalistinnen-Studien fehlen, weshalb keine Theorie und Praxis für dieses Thema gefunden werden sollte um diese zu beschreiben. (vgl. Fleck, 2003, 138.)

1.4 Aufbau der Arbeit

In der folgenden Arbeit wird zunächst der Begriff „weiblicher Journalismus definiert. Dieser soll einen Einblick in die Situation der Frau im Berufsfeld Journalismus widerspiegeln. Im zweiten Kapitel werden Theorien, die mit dem Thema des weiblichen Journalismus in Verbindung gebracht werden können erläutert. Dazu gehört die Darstellung der geschlechterspezifischen Aufteilung in den unterschiedlichen Ressorts der Medien, ebenso wie der favorisierte Nachrichteninhalt der weiblichen und männlichen Rezipienten. Um die Hintergrunde des weiblichen Journalismus zu verstehen, erläutert der zweite Teil des Hauptkapitels die weibliche Arbeitsweise und bietet einen Einblick in die Perspektive der Berichterstattungen von Frauen und ihre Herangehensweise. Danach werden die aufgestellten Forschungsfragen, sowie Hypothesen vorgestellt und die Methode er Auswertung wird erläutert. In der abschließenden Diskussion werden die in der Arbeit dargestellten Theorien noch einmal von mir angesprochen und diskutiert. Zudem wird ein Vergleich mit dem Ergebnis der durchgeführten Inhaltsanalyse geschaffen.

2. Theoretischer Rahmen der Arbeit

2.1 Begriffserklärung „weiblicher Journalismus“

Der Begriff „Weiblicher Journalismus“ an sich veranschaulicht, dass es zumindest zwei unterschiedliche Arten des Journalismus gibt. Wie viele andere Branchen war auch die journalistische allein von Männern dominiert. Ab dem 19. Jahrhundert kam es zu einer Art Umschwung, immer mehr Frauen wagten den Sprung in dieses Berufsfeld. Damit war allerdings mehr die Schriftstellerei gemeint, als die wirkliche Berichterstattung für Medien- Der Journalismus galt als Unterkategorie des Schriftstellens gesehen und wurde ursprünglich als Artikel ohne Autor deklassiert. Man kann behaupten, dass Frauen einer künstlerischen Art von Beschäftigung nachgehen wollten und keine Chance im Journalismus sahen diese zu verwirklichen. Allerdings ist die Unterscheidung der Autorenschaft und des Journalismus nur schwer zu konstruieren. Auch eine Definition des Berufs Journalist heutzutage nichtdefinierbar. Eine Verbindung zu Massenmedien kann allerdings festgestellt werden. Auch Frauen begannen sich durch diese in das Berufsfeld zu manövrieren. Der als typisch männerdominierte Beruf Journalist angesehene Beruf wurde von Frauen avanciert. Etwa dreißig Prozent der tätigen Journalisten wird aus den Reihen der Frauen gestellt. Allerdings wird dieser Prozentsatz größtenteils von Moderatorinnen in Fernsehproduktionen gestellt. Ästhetik steht hier an erster Stelle. Ernste, seriöse Berichterstattungen werden somit nicht vonFrauen geführt, denn der vermittelte Inhalt bleibt ein von Mann produzierter. Es stellt sich daher die Frage, ob die Frauen des neuen Jahrtausends seriöse journalistische Laufbahnen anstreben können? (vgl. Drews, 2011.)

Diskussionen die in der Zweig der feministisch orientierten Sozialwissenschaft zeigen Ansatzpunkte dafür, dass Frauen ein anderes Rollenverständnis in Bezug auf den Journalismus aufweisen als Männer. Dies könnte die Themenwahl, sowie die Herangehensweise der Journalistin beeinflussen. Der „weibliche Journalismus“ ist somit wesentlich mit dem Verständnis des Berufs- sowie des Rollenbildes des Journalismus verknüpft, da die Darbietung dieser Kommunikationswissenschaft wesentlich dadurch verknüpft ist. (vgl. Klaus, 1998, 190f.)

2.2 Ressorts der Journalisten

Die horizontale Segregation in journalistischen Arbeitsumfeld stellt da, in welchen Bereichen Frauen, und in welchen Männern ihrer Tätigkeit nachgehen. Frauen und in welchen Männer. Diese Segregation ist nicht nur zwischen den unterschiedlichen Medien bemerkbar, sondern auch bei den Abteilungen des Mediums. Zu beobachten ist, dass Frauen häufig in Ressorts wie Kultur, Gesellschaft und Bildung/Erziehung tätig sind, während Männer sich eher für Bereiche wie Wirtschaft, Sport und Politik entscheiden. (vgl. Neverla /Kanzleiter,1984, 46ff.)

Das Aufeinandertreffen von Journalistinnen mit diskriminierenden Umständen ist keine Seltenheit laut einer Berliner Studie. Die Diskriminierungen können sowohl direkt auftreten beispielsweise durch die oftmalige Konfrontation mit frauenfeindlichen sowie erniedrigenden, teils auch sexualisierenden Äußerungen von Kollegen, aber auch von Vorgesetzten. Außerdem können sie auch indirekt durch das pingelige Beobachten der Leistung weiblicher Mitarbeiterinnen und das Dramatisieren von aufgetauchten Fehlern erscheinen. Frauen müssen sich somit immer stärker bewähren, als Männer sonst wird ihr Misslingen größtenteils nur auf den Umstand ihres Geschlechts reduziert. Betrachtet man die Tatsache, dass Journalistinnen in Randbereiche der Berichterstattungen abgeschoben werden und nicht in die „männlichen“ Positionen eindringen sollen stellt man fest, dass dies eine Art indirekte Herabwürdigung femininer Berichterstattung ist. Bei Berichterstatterinnen wird allerdings nicht nur das Ressort sondern meist auch das Thema festgelegt. Auch bei diesem Umstanden stimmen sechsundsechzig Prozent der befragten Frauen und fünfzig Prozent der befragten Männer zu. Zudem meint die Hälfte der befragten Journalistinnen, dass die brisanten Themen meist von ihren männlichen Kollegen bearbeitet werden. Fünfundzwanzig Prozent der an der Studie teilnehmenden Journalisten sind ebenfalls der gleichen Ansicht. (vgl. Fröhlich /Holtz-Bacha, 1995, 84f.)

Zurückzuführen ist die vorbestimmte Themen- sowie Ressortwahl darauf, dass Frauen bestimmte Charakterzüge zugeteilt werden, die sie für andere Bereiche ungenügend erscheinen lassen. Frauen seien laut Ursula von Welser einer Mitarbeiterin des deutschen Fernsehsenders WDR mit dem Vorbehalt belastet, Emotionen und Subjektivität zu vertreten und dadurch zu unsachlich zu sein. Daher werden ihnen nur selten Aufgabe wie politische Berichterstattungen zu teil. ( vgl. Fröhlich / Holtz-Bacha, 1995, 85.)

Spitzenpositionen in den Redaktionen werden fast ausschließlich mit Männern besetzt. Auch gibt es nur gering weibliche Hauptressortleiterinnen. Bei den Berichterstattungen in den Bereichen Politik, Nachrichten, Sport und Wirtschaft kommen kaum Journalistinnen zum Einsatz. Traditionelle Frauendomänen sind die Bereiche Kultur, Bildung, Lifestyle. (vgl. Schulz /Amend, 1993, 24f.)

Journalismus gehört wie bereits in der Arbeit genannt zu einem von Männern dominierten Beruf. Diese haben nicht nur ein höheres Einkommen und höhere Aufstiegschancen, sondern genießen auch ein höheres Ansehen und mehr Anerkennung als ihre weiblichen Kolleginnen. Es arbeitete ebenso ein geringerer Teil der Frauen für ein Medium, als in den Ausbildungsgängen an den Universitäten und Fachhochschulen vertretenen Studentinnen ausgebildet wurden. Eine Ausmusterung zugunsten der Männer findet somit bereits vor Berufsantritt statt. Auch die Hürden im Arbeitsalltag von beschäftigten Journalistinnen lassen sich nicht allein durch unvoreingenommen Ansprüchen zurückführen, denn welche Anforderungen haben die Bereiche Wirtschaft, Sport und Politik gemeinsam? Laut Kanzleiter und Neverla nur den Umstand, dass sie den Frauen verwerte Ressorts sind. (vgl. Neverla /Kanzleiter, 1984, 52.)

Vierzehn Jahre später Ende der 1990er Jahre hat sich die Situation in den Bereichen Sport und Wissenschaften in denen weiterhin die Männer die Mehrheit der Journalisten stellen nicht gebessert, genauso wie im Ressort Familie und Soziales, allerdings stieg der Präsenz von weiblichen Berichterstattungen bezüglich Politik und Wirtschaft im Vergleich zu den beschriebenen Zeitraum von Kanzleiter und Neverla an. Dennoch sind Journalistinnen nach wie vor benachteiligt, was die Zuordnung von Aufgabenbereichen in der Berichterstattung von „typisch männlichen Ressort“ betrifft. (vgl. Klaus, 1998, 166.)

Abbildung 1: Ressortverteilung der Journalistinnen und Journalisten in Print- und Onlinebereich, sowie Agenturen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: (Kaltenbrunner/ Karmasin/ Kraus/ Zimmermann, 2007, 117.)

Abbildung 1 spiegelt die Situation im Jahr 2007 wieder. In Anbetracht des Diagrammes lässt sich erkennen, dass Sport, Wirtschaft und Politik weiterhin größtenteils durch Männer besetzt werden, allerdings im politischen und wirtschaftlichen Bereich die Anzahl der Frauen verhältnismäßig näher an der Quote der Männer herankommt, als in der sportlichen Berichterstattung. Frauendomänen bleiben laut dem Diagramm weiterhin der Bereich Lifestyle. (vgl. Kaltenbrunner /Karmasin /Kraus /Zimmermann, 2007, 117)

Ein interessanter Aspekt zu diesem Thema ist allerdings, in den als Frauenressort bezeichneten Abteilungen in Anbetracht des Personals deutlich weniger Journalisten angesetzt werden. Vergleicht man diese dann mit einer dominanten Männerabteilung, wo grundsätzlich mehr Journalisten arbeiten, so ist die Anzahl der in „Männerdomänen“ beschäftigten weiblichen Journalisten größer als in den Frauenhochburgen. Betrachtet man die Anzahl in den „Männerabteilung“ beschäftigten Männer, stellt man fest, dass Frauen in diesem Bereich weiterhin prozentuell geringer repräsentativ sind. (vgl. Klaus, 1998, 166.)

Vor allem bei jüngeren Mitarbeiterinnen der Medienbranche ist die Wahrnehmung von Diskriminierung besonders ausgeprägt. Vor allem die Herabwürdigung ihrer Arbeit durch ihre männlichen Kollegen macht ihnen zu schaffen. (vgl. Fröhlich /Holtz-Bacha, 1995, 85f.)

Allerdings zeigen Frauen eine aktive Reaktion bei auftretender Diskriminierung. Sie suchen sich Verbündete, welche zumeist Kolleginnen sind, die mit derselben Situation zu tun haben und debattieren ihren unzufrieden stellenden Umstand. (vgl. Fröhlich /Holtz-Bacha, 1995, 85f.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenZusammenfassend kann man sagen, dass Journalistinnen in ihrem Berufsalltag häufig benachteiligt werden. Diesen Umstand bestätigen sowohl von Frauen, als auch Männern bestätigt. Für Frauen werden meist stimmte Themenfelder festgelegt. Diese Journalistinnen die in den typischen Frauen- Domänen arbeiten, werden besonders häufig diskriminiert. Zudem werden weibliche Journalistinnen häufiger kritisiert als ihre männlichen Kollegen. (vgl. Schulz /Amend, 1993, 26ff.)

2.3. Rezeptionswünsche der Geschlechter

Um tiefer in die Materie des „weiblichen Journalismus“ einzutauchen, beschäftigt sich die Arbeit mit dem Unterschied der Rezeptionswünsche zwischen dem weiblichen und männlichen Publikum. Bei den Genrevorlieben der Geschlechter geht man von drei unterschiedliche Kategorien aus. Diese sind das geschlechterneutrales Genre, Genre die Frauen bevorzugen und das Genre, welches Männer bevorzugen. Bei der Wahl des Genres neigen Frauen dazu ihr Interesse an alltagsorientierten, sowie beziehungsfokussierten Themen durchzusetzen und entscheiden sich meistens für Liebeskomödien, Alltagsserien, welche häufig mit dem Familienleben zu tun haben und melancholische Liebesfilme. (vgl. Klaus, 1998, 306ff.)

Bei der Erforschung des Prozesses der Rezipienten von Massenmedien, stellt sich Elisabeth Klaus in ihrem Buch „Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung“ zwei Fragen. Zum einen soll der Umstand geklärt werden in welchem Ausmaß Männer Medien beziehungsweise Massenmedien konsumieren und in welchem Maß Frauen es tun. Die zweite Frage beschäftigt sich mit den Präferenzen und Interessen, die beide Geschlechtergruppen vertreten, wenn es um den Konsum den Inhalten der Massenmedien geht. Um diese Fragen zu erläutern, verwendet die Kommuikationswissenschaftlerin Elisabeth Klaus die Langzeitstudie „Massenkommunikation“. Hierbei handelt es sich um einen Fragenkatalog, welcher dem Rezipienten nach seinem Verhalten mit Medien ausfragt. Dabei werden die Faktoren Verhalten des Rezipienten in seiner Freizeit und das Geschlecht des Befragten berücksichtigt. Dadurch kann die Rolle des Geschlechtes im Zusammenhang mit der Nutzung des Mediums in Verbindung gebracht werden. (vgl. Klaus, 1998, 288f.)

Im Bereich der Nutzung von täglichen Medien wie Rundfunk und den Konsum von Tageszeitungen gibt es keinen erheblichen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Bei dieser Analyse lässt sich der Konsum von Frauen auf das Angebot der Medien feststellen, die in direkten Zusammenhang der Hausfrau- und Mutterrolle stehen. Zwei Experten der Publikumsforschung M. Steinmann und E. Weibel fanden allerdings bei einer Analyse von Schweizer Rezipienten heraus, dass man zwischen Hausfrauen und Nicht-Hausfrauen unterscheiden muss. Während sich Nutzung der Informationsvermittler bei Hausfrauen von denen der Männer unterscheidet, trifft dies bei den Nicht-Hausfrauen kaum bis gar nicht zu. (vgl. Klaus, 1998, 289f.)

Frauen interessieren sich zudem mehr für lokale Nachrichten, während Männer sich lieber über internationale Geschehnisse informieren wollen. Daher ist der Anteil der Nutzung von überregionalen Medien bei Männer deutlich höher, als der bei den Frauen. ( vgl. Klaus, 1998, 295.)

Bei dem durchsetzen der Rezeptionswünsche in Bezug auf das Medienangebot lässt sich feststellen, dass das Frauen grundsätzlich nicht bestimmen, welches Angebot des Massenmediums konsumiert wird. Vielmehr stimmt die Familie darüber ab. Kommt es beispielsweise zu Konflikten während der Auswahl des Fernsehprogramms, so entscheidet meist der Mann welches Programm schlussendlich konsumiert wird. Ist dieser nicht an der Situation beteiligt, so fällt diese Rolle meist auf das Kind zurück. ( vgl. Klaus, 1998, 306.)

Das Männer Sportübertragungen bevorzugen und Frauen lieber Talkshows beziehungswiese Liebeskomödien spaltet die Wahl des Genres in eine zweidimensional Welt. Allerdings hat das zur Folge dass zahlreiche Überschneidungen, die Gemeinsamkeiten des favorisierten Genres beider Geschlechtergruppen dadurch verloren gehen, denn Männer und Frauen können ebenso gleiche Genres favorisieren wie Nachrichtensendungen oder politische Magazine. Dieser Auszug lässt sich aus einer Rangliste einer durchgeführten Studie von Jutta Röser und Claudia Kroll ablesen. (vgl. Klaus, 1998, 308f.)

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Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Weiblicher Journalismus
Untertitel
Unterschiede in der Berichterstattung von weiblichen und männlichen Journalisten
Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
34
Katalognummer
V499596
ISBN (eBook)
9783346034076
Sprache
Deutsch
Schlagworte
weiblicher Journalismus
Arbeit zitieren
Andrea Cu (Autor), 2017, Weiblicher Journalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499596

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