Wie kann eine sprachlich komplexe Aufgabe so umstrukturiert oder mit zusätzlichen Maßnahmen unterstützt werden, dass Schülerinnen und Schüler möglichst selbstständig eine Lösung erarbeiten können? Um diese Frage zu beantworten, werden die Prinzipien des Scaffoldings (englisch "Baugerüst") zu Rate gezogen.
Dieser Begriff bezeichnet in der Erstspracherwerbsforschung die vorübergehende sprachliche Hilfestellung bei sprachlichen und fachlichen Anforderungen, welche vom Schwierigkeitsgrad über dem bereits erlangten Kompetenzniveau liegen. Scaffolding baut so mit seinen Einzelschritten Bedarfsanalyse, Lernstandserfassung, Unterrichtsplanung und Unterrichtsaktion, eine Brücke zwischen den bereits erlangten Kompetenzen und dem, was mit Unterstützung möglich ist.
Die Entwicklung von Unterstützungsmaßnahmen werde ich im Folgenden anhand der von mir ausgesuchten Schulbuchtextaufgabe im Fach Geschichte und unter Zuhilfenahme von Literatur aufzeigen. Hierfür werden jedoch zuerst die sprachlichen und fachlichen Ziele der Aufgabe verdeutlicht und auf die möglicherweise bestehenden sprachlichen Schwierigkeiten eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die fachlichen und sprachlichen Ziele
3. Sprachliche Schwierigkeiten
4. Entwicklung von Unterstützungsmaßnahmen
4.1. Lesestrategie
4.2. Wortschatzarbeit
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sprachlich komplexe Aufgaben im Fachunterricht durch gezielte Scaffolding-Maßnahmen so umstrukturiert werden können, dass Schülerinnen und Schüler diese selbstständig bearbeiten können, wobei der Fokus auf einem geschichtlichen Schulbuchtext liegt.
- Grundlagen des Scaffolding-Konzepts im Kontext des Erstspracherwerbs
- Analyse sprachlicher Anforderungen und Schwierigkeiten in Sachtexten
- Einsatz von Lesestrategien zur Förderung der Selbstständigkeit
- Methoden der fachbezogenen Wortschatzarbeit
Auszug aus dem Buch
3. Sprachliche Schwierigkeiten
Dennoch sind die Anforderungen der Aufgabe und der Text komplex und liegen, wie es das Scaffolding vorsieht, leicht über dem bereits erlangten Kompetenzniveau.
Sachtexte sind immer argumentativ und besitzen eine hohe Informationsdichte. In dem vorliegenden Text verlässt sich der Verfasser deutlich auf ein vorausgesetztes Hintergrundwissen (Präsupposition). Falls dieses nicht vorhanden ist, gibt es viele Leerstellen beim Leser bzw. der Leserin. Was ist ein voll ausgestatteter Hof? Wie teuer war die Ausrüstung? Was kann man sich unter einer Ausrüstung vorstellen? Warum gab überhaupt so viele Kriegszüge? Wann genau ist Erntezeit?
Auch die syntaktischen und lexikalisch-semantischen Merkmale der Bildungssprache im vorliegenden Verfassertext können sprachliche Schwierigkeiten hervorrufen. Bildungssprache ist nach Gogolin ein Register, welches Merkmale formaler Rede trägt und von konzeptionellen Merkmalen der Schriftlichkeit geprägt ist. Eines dieser Merkmale ist die Kohärenz, welche durch explizite und implizite Konnektoren und Pro-Formen einen inhaltlichen-thematischen Zusammenhang ermöglicht. Der Text des Schulbuches verwendet zum Beispiel für den König die Pro-Form „dieser Grundherr“. Da dies kein Synonym ist, ist ein konzentrierter und aufmerksamer Leser gefragt. Dieser wird weiterhin bei einem äußerst komplexen Satzgefüge verlangt. Sprachliche Schwierigkeiten und damit einhergehende Verständnisschwierigkeiten können hier durch lange Sätze und Aufzählungen, Relativsätze und die Verwendung eines Gedankenstrichs erfolgen. Auch Passivsätze können sprachliche Schwierigkeiten hervorrufen, werden aber im vorliegenden Text verwendet um die Beziehung und Abhängigkeit der Bauern und der Grundherren zu verdeutlichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein, wie sprachlich komplexe Aufgaben durch Scaffolding-Prinzipien für Schülerinnen und Schüler bewältigbar gemacht werden können.
2. Die fachlichen und sprachlichen Ziele: In diesem Kapitel werden die Lernziele für eine siebte Klasse definiert, wobei sowohl fachspezifische Kompetenzen als auch die Arbeit mit dem Schulbuchtext im Vordergrund stehen.
3. Sprachliche Schwierigkeiten: Dieses Kapitel beleuchtet die Hürden der Bildungssprache, wie etwa hohe Informationsdichte, komplexe Satzgefüge und Funktionsverbgefüge, die den Leseprozess erschweren können.
4. Entwicklung von Unterstützungsmaßnahmen: Hier werden konkrete didaktische Maßnahmen wie spezifische Lesestrategien und eine aktive Wortschatzarbeit zur Unterstützung der Lernenden vorgestellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass durch die Anwendung von Lesestrategien und Wortschatzarbeit eine erfolgreiche und selbstständige Bearbeitung komplexer Sachtexte ermöglicht wird.
Schlüsselwörter
Scaffolding, Sprachbildung, Geschichtsunterricht, Lesestrategien, Wortschatzarbeit, Bildungssprache, Sachtexte, Fachwortschatz, Lernförderung, Textverständnis, Grundherrschaft, Sprachsensibler Unterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Unterstützung von Schülern bei der Bearbeitung sprachlich anspruchsvoller Sachtexte im Fach Geschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Anwendung des Scaffolding-Konzepts, die Analyse von Hindernissen durch Bildungssprache und die Implementierung didaktischer Unterstützungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler durch didaktische Hilfestellungen befähigt werden, komplexe fachspezifische Aufgaben selbstständig zu lösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse eines konkreten Schulbuchtextes im Fach Geschichte und setzt diesen in Bezug zu theoretischen Konzepten der Sprachförderung und Fachdidaktik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die fachlichen Ziele, identifiziert spezifische sprachliche Hürden im Text und entwickelt darauf basierend konkrete Strategien zur Leseförderung und Wortschatzarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Scaffolding, Sprachbildung, Bildungssprache und Fachdidaktik geprägt.
Warum stellt das "Funktionsverbgefüge" ein sprachliches Hindernis dar?
Weil die Bedeutung in solchen Konstruktionen vom Verb auf ein Substantiv verlagert wird, was für Schülerinnen und Schüler ohne entsprechende Übung schwerer zu erschließen ist.
Wie unterstützen die "Lesestrategien" nach Josef Leisen den Lernprozess?
Sie dienen als Werkzeuge, um den Text handlungsorientiert zu erschließen, Schlüsselwörter zu identifizieren und die Selbstständigkeit der Schüler beim Umgang mit komplexen Inhalten zu fördern.
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- Helena Westendorf (Author), 2016, Das Prinzip des Scaffolding. Aufgabenspezifische Unterstützungsmaßnahmen beim Erstspracherwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499671