Einführung in die Reaktionen der Organischen Chemie


Projektarbeit, 2018
52 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Kenntnisstand

2 Ergebnisse und Diskussion
2.1 Synthese des Dess-Martin-Periodinans
2.1.1 Retrosynthetische Analyse
2.1.2 Literaturrecherche
2.1.3 Mechanismus
2.1.4 Diskussion
2.2 Synthese von Juglon (5-Hydroxy-1,4-naphthochinon)
2.2.1 Retrosynthetische Analyse
2.2.2 Literaturrecherche
2.2.3 Mechanismus
2.2.4 Diskusision
2.3 Synthese des 2-(2-Hydroxyethyl)-5-(phenylethinyl)isoindolin-1,3-dions
2.3.1 Retrosynthetische Analyse
2.3.2 Literaturrecherche
2.3.3 Mechanismus
2.3.4 Diskussion
2.4 Synthese des 2-Methyl-2-cyclohexen-1-ons
2.4.1 Retrosynthetische Analyse
2.4.2 Literaturrecherche
2.4.3 Mechanismus
2.4.4 Diskussion
2.5 Synthese der Vorstufe für das Hajos-Wiechert-Keton
2.5.1 Retrosynthetische Analyse
2.5.2 Literaturrecherche
2.5.3 Mechanismus
2.5.4 Diskussion

3 Experimentalteil
3.1 Allgemeine Arbeitsweise
3.2 Synthese des Dess-Martin-Periodinans
3.2.1 Vorschrift zur Synthese der 2-Iodbenzoesäure[[4]]
3.2.2 Vorschrift zur Synthese der 2-Iodoxybenzoesäure[[5]]
3.2.3 Vorschrift zur Synthese des Dess-Martin-Periodinans[[6]]
3.3 Synthese von Juglon (5-Hydroxy-1,4-naphthochinon)[[10]]
3.4 Synthese von 2-(2-Hydroxyethyl)-5-(phenylethinyl)isoindolin-1,3-dion
3.4.1 Vorschrift zur Synthese der 4-(Phenylethinyl)phthalsäure[[15]]
3.4.2 Vorschrift zur Synthese des 2-(2-Hydroxyethyl)-5-(phenylethinyl)isoindolin-1,3-dions[[13]]
3.5.1 Vorschrift zur Synthese des 2-Brom-2-methylcyclohexanons[[18]]
3.5.2 Vorschrift zur Synthese des 2-Methylcyclohex-2-en-1-ons[[18]]
3.6 Synthese der Vorstufe für das Hajos-Wiechert-Keton
3.6.1 Vorschrift zur Synthese des 2-Methylcyclopentan-1,3-dions[[21]]
3.6.2 Vorschrift zur versuchten Synthese der Vorstufe des Hajos-Wiechert-Ketons[[22]]

4.1 [1]H-NMR-Spektren der hergestellten Verbindungen
4.2 IR-Spektren der hergestellten Verbindungen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung und Kenntnisstand

Heutzutage ist die Chemie für Industrie und Forschung von großer Bedeutung. Diese Wissenschaft kann in mehrere Teilgebiete aufgeteilt werden. Eines davon ist die Organische Chemie, welche sich mit Verbindungen beschäftigt, die überwiegend aus Elementen wie Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff bestehen. Jedes Molekül ist auf seine besondere Weise verknüpft und besitzt eventuell mehrere mögliche Anordnungen der Atome. Somit kann es eine Vielzahl von möglichen Konstitutions- und Konfigurationsisomeren geben. Die Hauptaufgaben der organischen Chemie sind Aufklärung der Strukturen, Ermitteln der Reaktionsmechanismen und die Synthese neuer organsicher Verbindungen.[1]

Das fünfwöchige Wahlpflichtpraktikum gab einen erweiterten Einblick in die organische Chemie. Die ersten Grundkenntnisse wurden in den ersten Modulen der Organischen Chemie gesammelt, während die vertiefenden Gebiete im Synthesepraktikum aufgefasst wurden. Mit diesen Kenntnissen konnte das selbstständige Arbeiten in diesem Praktikum erleichtert werden. Das Praktikum lehrte eine sinnvolle Syntheseplanung, die selbstständige Durchführung von Reaktionen und verschiedene Methoden der Analytik, welche eine gute Vorbereitung für die Bachelorarbeit sind. Es war wichtig, das vorgegebene Zielmolekül vorerst retrosynthetisch zu analysieren und anschließend in bekannter Literatur, Synthesewege zu diesem zu finden. Die recherchierte Literatur wurde mit der von den Assistenten verglichen. Nach Durchführung der vorgegebenen Vorschrift zur Synthese des jeweiligen Moleküls wurde dieses spektroskopisch untersucht.

2 Ergebnisse und Diskussion

2.1 Synthese des Dess-Martin-Periodinans

2.1.1 Retrosynthetische Analyse

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Abbildung 1: Retrosynthetische Analyse des Dess-Martins-Periodinans (1).

Retrosynthetisch kann in Verbindung 1 die Bindung zwischen dem Iodatom und der Estergruppe gebrochen werden. Um die Elektronenanzahl des Iodatoms beizubehalten, kann an diesem eine weitere Acetatgruppe gebunden werden. Aus der Estergruppe könnte daher retrosynthetisch eine Carboxylgruppe eingeführt werden (2). Weiter können die Acetatgruppen dem Iodatom entfernt (3) und anschließend kann Iod durch eine Aminogruppe substituiert werden, um Verbindung 4 zu erhalten (Abb. 1).

2.1.2 Literaturrecherche

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Abbildung 2: Syntheseweg nach der Literaturrecherche für das Dess-Martin-Periodinan (1).[2,3]

Nach Eingabe des Zielmoleküls 1 in Reaxys waren 5 Reaktionswege zu finden. Der erste Synthesevorschlag von Dess und Martin wurde ausgewählt, da Verbindung 3 als Ausgangsmaterial verwendet wurde und die Ausbeute mit 93% sehr hoch war.[2] Es fehlte ein Syntheseweg für Verbindung 3. Über die Eingabe dieser Verbindung in Reaxys wurden 116 Ergebnisse gefunden. Der erste Synthesevorschlag auf der Seite von Chi et al. wurde ausgewählt, da dieser die höchste Ausbeute mit 80% angab und das Edukt Verbindung 4 war (Abb. 2).[4]

Für die Durchführung im Labor spielten Reaktionszeit, Verfügbarkeit der Chemikalien sowie Kosten und Sicherheit eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund wurde die Synthese von 3 nach einer Vorschrift von Schuetzenmeister et al. [4], von Verbindung 5 nach einer Vorschrift von Sputore et al. [5] und vom Zielmolekül 1 nach einer Literaturvorschrift von Liu et al. [6] durchgeführt. Somit handelte es sich um eine dreistufige Synthese (Abb. 3).

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2.1.3 Mechanismus

Abbildung 3: Syntheseweg nach vorgegebener Literatur für das Dess-Martin-Periodinan.[4,5,6]

Beim ersten Syntheseschritt handelt es sich um eine Diazotierung und folglich um einen Austausch einer funktionellen Gruppe. Durch Zugabe von Natriumnitrit mit Säure kann Nitrit protoniert werden, woraufhin eine Abspaltung von Wasser erfolgt. Somit entsteht ein elektrophiles Nitrosonium-Kation, welches als Vorstufe für die Diazotierung gilt (Abb. 4).

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Abbildung 4: Bildung eines Nitrosonium-Kations.[1]

Für die Diazotierung wird das positiv geladene Stickstoffatom des Nitrosonium-Kations von dem freien Elektronenpaar des Stickstoffatoms der Aminogruppe der

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Abbildung 5: Mechanismus der Diazotierung.[1]

Anthranilsäure (4) nukleophil angegriffen. Nach Protonenumlagerung entsteht ein Diazohydroxid (-N=N-OH) am Aryl. Nach Protonierung dieser Verbindung wird Wasser abgespalten (Abb.5). Es entsteht ein Aryldiazonium-Kation, welches resonanz-stabilisiert ist (Abb. 6).

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Abbildung 6: Resonanzstrukturen des Aryldiazonium-Kations.

Das Aryldiazonium-Kation wird durch eine Sandmeyer-ähnliche Reaktion radikalisch substituiert.[7] Bei der Sandmeyer-Reaktion wird die Diazogruppe in aromatischen Verbindungen in Gegenwart von Cu-(I)-Salzen katalytisch substituiert. In diesem Fall entsteht durch Zugabe eines Iodids ein Phenylradikal unter Abspaltung von Stickstoff. Anschließend kann durch ein weiteres Iodid ein Iodradikalanion entstehen (Abb. 7).

Startreaktion:

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Abbildung 7: Start der radikalischen Kettenreaktion.[7]

Die Kettenreaktion wird durch das Iodradikalanion initiiert. Durch Single-Electron-Transfer (SET) entsteht ein Phenyldiazoradikal und Iod. Das Phenyldiazoradikal disproportioniert in ein Phenylradikal und Stickstoff. Iod reagiert mit einem weiteren Iodid zu einer dreifachen Iodidspezies. Durch anschließende Addition dieser Spezies an den Phenylring entsteht ein 2-Iodbenzoesäure (3) und ein Iodradikalanion, wodurch die Kettenreaktion von vorne beginnen kann (Abb. 8).

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Abbildung 8: Kettenreaktion der radikalischen Substitution und Synthese von 2-Iodbenzoesäure (3).[7]

Beim zweiten Syntheseschritt (Abb. 9) handelt es sich um einen Ringschluss und die Oxidation vom Iodatom. Durch Oxone (Kaliumperoxomonosulfat) erfolgt ein Angriff der Carboxylgruppe an das Iodatom. Nach Umlagerung der Peroxogruppe entsteht die 2-Iodoxybenzoesäure (5).

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Abbildung 9: Reaktionsmechanismus zu Verbindung 5.

Beim dritten Syntheseschritt (Abb. 10) handelt es sich um eine Addition von Acetationen. Das negativ geladene Sauerstoffatom der Verbindung 5 greift mit seinem freien Elektronenpaar die Carbonylgruppe vom Acetanhydrid an und eine Acetatgruppe entsteht. Durch Elektronenumlagerung entsteht dabei ein freies Acetation, welches das positiv geladene Iodatom angreift. Nach Zugabe eines weiteren Acetanhydrids kann die Hydroxylgruppe dieses angreifen und unter Abspaltung von Essigsäure entsteht das Dess-Martin-Periodinan (1).

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Abbildung 10: Reaktionsmechanismus zu Verbindung 1.

2.1.4 Diskussion

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Abbildung 11: Synthese der 2-Iodbenzoesäure (3) aus Anthranilsäure (4).[4]

Die Synthese von Verbindung 3 erfolgte über eine Diazotierung und die Substitution der funktionellen Gruppe nach einer Vorschrift von Schuetzenmeister et al. aus Anthranilsäure, Salzsäure, Natriumnitrit und Kaliumiodid (Abb. 11).[4] Es erfolgte eine Umkristallisation aus Ethanol und das Produkt wurde in einer Ausbeute von 68% erhalten. Anhand eines [1]H-NMR-Spektrums von Verbindung 3 in MeOD wurde dieses charakterisiert (siehe Anhang). Die Signale für Verbindung 3 stimmen mit denen der Literatur überein.[4] Somit war die Synthese erfolgreich. Zudem ist zu erkennen, dass das Produkt nicht vollständig trocken war, sodass ein Signal von Wasser zu sehen ist. Dieses kann allerdings auch aus MeOD stammen. Kleine Signale zu Ethanol sind ebenfalls zu finden. Durch weiteres Trocknen sind die Lösungsmittel leicht zu entfernen.

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Abbildung 12: Synthese der 2-Iodoxybenzoesäure (5) aus 2-Iodbenzoesäure (3) und Oxone.[5]

Die Synthese von Verbindung 5 erfolgte über eine Oxidation mit Oxone in Wasser nach einer Vorschrift von Sputore et al. (Abb. 12).[5] Der Versuch wurde zweimal durchgeführt, allerdings mit unterschiedlichen Ansätzen an Oxone. Im ersten Versuch wurden 3 Äquivalente an Oxone zu 1 Äquivalente 2-Iodbenzoesäure verwendet. Es wurde eine Ausbeute in Höhe von 24% erhalten. Das Produkt wurde anhand von [1]H‑NMR-Spektren als das gewünschte identifiziert.[8] Im zweiten Versuch wurden nur 1.3 Äquivalente an Oxone eingesetzt und so wurde eine deutlich höhere Ausbeute von 80% erzielt. In beiden Fällen wurde von einer Molmasse von 307.38g/mol an Oxone ausgegangen. Somit ist festzuhalten, dass es bei einem zu hohen Überschuss an Oxone zu deutlich niedrigerer Ausbeute kommt. Im Experimentalteil wird die Durchführung des zweiten Versuches beschrieben. Das Produkt wurde anhand von [1]H-NMR-Spektren charakterisiert (siehe Anhang). Minimal sind Spuren von Wasser und Aceton zu erkennen. Diese Signale sind allerdings so gering, dass von einem reinen Produkt ausgegangen werden kann. Allerdings sind die chemischen Verschiebungen des Produkts tieffeldverschoben im Vergleich zu den Signalen der Literatur bei gleichem Lösungsmittel.[8] Jedoch ist dieser Unterschied minimal, sodass trotzdem von einer erfolgreichen Synthese des IBX (5) ausgegangen werden kann. Schmelzpunkt und IR-Werte wurden nicht aufgenommen, da sich IBX bei hohen Temperaturen und hohen Drücken explosionsartig zersetzt.[5]

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Abbildung 13: Synthese des Dess-Martin-Periodinans (1) aus 2-Iodoxybenzoesäure (5) und Ac2O.[6]

Die Reaktion wurde unter inerten Bedingungen in Anlehnung an die Vorschrift von Liu et al. durchgeführt (Abb.13).[6] Nach Auswertung des [1]H‑NMR-Spektrums ist festzustellen, dass es sich nicht um das gewünschte Produkt handelte (siehe Anhang). Zunächst wurden die chemischen Verschiebungen der Protonen am Ring mit den Signalen der Literatur verglichen.[2] Es fällt auf, dass die Signale des hergestellten Produkts tieffeldverschoben sind im Vergleich zu den chemischen Verschiebungen der Literatur. Somit stimmen diese nicht überein, obwohl Chloroform als gleiches Lösungsmittel verwendet worden ist. Das Produkt ließ sich gut in Chloroform lösen. IBX (2-Iodoxybenzoesäure) löst sich nicht darin, daher handelt es sich beim Produkt nicht um Startmaterial. Es fehlt eindeutig das Acetoxy-Signal, welches 9 Protonen aufweisen soll. Stattdessen sind nur 3 Protonen zu identifizieren, die nur einer Acetatgruppe zugeordnet werden können. Folglich fehlen zwei Acetatgruppen, daher wurde vermutlich das monoacetylierte Derivat erhalten. Außerdem ist ein Signal zu Essigsäure zu sehen, welches entsteht, wenn Acetanhydrid hydrolisiert wird.

Es bestand allerdings auch die Annahme, dass sich das Produkt vor oder während der [1]H-NMR-Messung im NMR-Röhrchen zersetzte. Das Dess-Martin-Periodinan kann bei Anwesenheit von Wasser oder Luftfeuchtigkeit zu IBX oder zum monoacetylierten Derivat hydrolysieren. Allerdings müsste neben Essigsäure auch Wasser als Nebenprodukt im [1]H‑NMR-Spektrum sichtbar sein, was nicht der Fall ist. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Reaktion nicht vollständig abgelaufen war. Eventuell könnte die Reaktionszeit erhöht oder ein anderer saurer Katalysator verwendet werden anstatt der eingesetzten Toluolsulfonsäure.

Ausgehend vom monoacetylierten Produkt wurde eine Ausbeute von 85% erhalten. Da das Produkt als thermisch instabil gilt, wurde keine weitere Analytik durchgeführt.

2.2 Synthese von Juglon (5-Hydroxy-1,4-naphthochinon)

2.2.1 Retrosynthetische Analyse

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Abbildung 14: Retrosynthetische Analyse von Juglon (6).

Retrosynthetisch kann in Verbindung 6 die Bindung in den Carbonylen, also zwischen dem Sauerstoff und dem Carbonylkohlenstoff, gebrochen werden. Somit entstehen unterschiedliche Ladungen an den Kohlenstoffen. Das synthetische Äquivalent zum elektrophilen und nukleophilen Kohlenstoff könnte 1,5-Dihydroxynaphthalin (7) sein. Die freien geladenen Sauerstoff-Synthone entsprechen einem Sauerstoffmolekül (Abb.14).

2.2.2 Literaturrecherche

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Abbildung 15: Syntheseweg nach der Literaturrecherche von Juglon (6).[9]

Nach Eingabe des Zielmoleküls 7 in Reaxys waren 44 Reaktionswege zu finden, allerdings waren diese nicht photochemisch. Somit wurde in Google „Juglon Synthese photochemisch“ eingegeben. Die Suche ergab 703 Treffer. Nach mehreren Aufrufen von Internetseiten wurde eine seriöse Durchführung gefunden. Diese gab eine relativ kurze Reaktionszeit und die Verwendung von weniger gefährlichen Chemikalien an. Zudem wurde Verbindung 7 eingesetzt, was die Auswahl beeinflusste (Abb. 15).[9]

Für die Durchführung im Labor spielten Reaktionszeit, Verfügbarkeit der Chemikalien sowie Kosten und Sicherheit eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund wurde die Synthese von 6 nach einer Vorschrift der Internetseite oc-praktikum.de durchgeführt (Abb. 16).[10]

2.2.3 Mechanismus

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Abbildung 16: Syntheseweg nach vorgegebener Literatur für Juglon (6).[10]

Sauerstoff kann durch eine [4+2]-Cycloaddition an Kohlenstoff gebunden werden. Allerdings wird hierfür der kurzlebige und energiereiche Singulett-Sauerstoff benötigt. Doch allein Bestrahlung mit Licht reicht nicht aus, um den Triplett-Sauerstoff in den Singulett-Zustand zu versetzen, da dieser andere Absorptionseigenschaften besitzt. Aus diesem Grund wird ein Sensibilisator eingesetzt, der das quantenchemische Problem lösen kann. Dieser wird photochemisch angeregt und durch Energieübertragung auf den Triplett-Sauerstoff kann es zu einer Reaktion (durch den gebildeten Singulett-Sauerstoff) kommen. Der Sensibilisator wirkt als photochemischer „Katalysator“.

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Abbildung 17: Photochemische Anregung des Sensibilisators und Freisetzung von Singulett-Sauerstoff.[11]

Bei Lichtabsorption geht Bengalrosa als Sensibilisator vom Singulett-Grundzustand S0 nach strahlungsloser Schwingungsrelaxation aus dem höher liegenden Energiezustand in den ersten tiefer gelegenen angeregten Singulett-Zustand S1 über. Durch Intersystem Crossing (ISC) gelangt es strahlungslos in den ersten angeregten Triplett-Zustand T1. Die Lichtenergie kann aus dem Triplett-Zustand T1 des Sensibilisators an den Triplett-Sauerstoff abgegeben werden, der sich ebenfalls im Triplett-Zustand befindet. Durch den Energietransfer gelangt dieser in den ersten angeregten Singulett-Zustand und es entsteht der reaktivere Singulett-Sauerstoff. Die Anregungsenergie des Sensibilisators muss größer sein, als die des Sauerstoffs. Anschließend fällt der Sensibilisator strahlungslos wieder in den Singulett- Grundzustand S0 zurück (Abb. 17).[12]

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Abbildung 18: [4+2]-Cycloaddition vom Singulett-Sauerstoff und 1,5-Dihydroxynaphthalin.[1]

Bei der Reaktion von Singulett-Sauerstoff mit Verbindung 7 handelt es sich zunächst um eine pericyclische [4+2]-Cycloadditionsreaktion. Dabei wird 1,5-Dihydroxynaphthalin (7) als Dien und Sauerstoff als Dienophil betrachtet. Sauerstoff und 1,5-Dihydroxynaphthalin reagieren durch Ringschluss miteinander. Nach Elektronenumlagerung entsteht eine Peroxobrückenbindung, die allerdings instabil ist und daher gebrochen wird. Anschließend erfolgt eine Protonenumlagerung. Die nun gebildete Peroxosäuregruppe reagiert unter Abspaltung von Wasser zum Carbonyl und es entsteht 5-Hydroxy-1,4-naphthochinon (Abb. 18).

2.2.4 Diskusision

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Abbildung 19: Photochemische Synthese von 5-Hydroxy-1,4-naphthochinon (6) aus 1,5-Dihydroxy-naphthalin (7) und Sauerstoff.[10]

Die Synthese von Verbindung 6 erfolgte über eine photochemische Anregung des Stabilisators Bengalrosa nach einer Praktikumsvorschrift auf www.oc-praktikum.de (Abb.19).[10] Die Reaktion verlief über ein Wochenende bei Raumtemperatur. Dabei wurde die Apparatur, bestehend aus einem Schlenkkolben und einer eingeführten Kanüle (in der Reaktionslösung für die Sauerstoffzufuhr), mit einer LED-Lampe versehen. Das Produkt wurde durch Säulenchromatographie aufgereinigt und in einer Ausbeute von 58% erhalten. Anhand eines [1]H-NMR-Spektrums von Verbindung 6 in CDCl3 wurde dieses charakterisiert (siehe Anhang). Die Signale für Verbindung 6 stimmen mit denen der Literatur überein.[10] Somit war die Synthese erfolgreich. Zudem ist zu erkennen, dass das Produkt nicht vollständig trocken war, sodass das Signal zu Wasser zu sehen ist. Ebenfalls sind Signale zu langkettigen Paraffinen aus undestilliertem c -Hexan zu erkennen. Als Verunreinigung ist außerdem Silikonfett zu finden. Kleine Verunreinigungen sind bei 7.74ppm, 6.85ppm und 5.26ppm zu erkennen. Insgesamt wurde aber ein recht sauberes NMR erhalten.

2.3 Synthese des 2-(2-Hydroxyethyl)-5-(phenylethinyl)isoindolin-1,3-dions

2.3.1 Retrosynthetische Analyse

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Abbildung 20: Retrosynthetische Analyse von 2-(2-Hydroxyethyl)-5-(phenylethinyl)isoindolin-1,3-dion (8).

Retrosynthetisch kann in Verbindung 8 die Bindung zwischen dem Stickstoffatom und einer Carbonylgruppe gebrochen werden. An dem Carbonylkohlenstoff, welcher positiv polarisiert sein soll, müsste eine elektronenziehende Gruppe gebunden werden. Das Sauerstoffatom in der Hydroxylgruppe ist elektronegativer, daher kann Verbindung 9 als synthetisches Äquivalent eingesetzt werden. Die Elektronen des Bindungsbruches werden formal dem Stickstoff zugeschrieben, sodass Aminoethanol als synthetischer Äquivalent in Frage kommt. Weiter kann in Verbindung 9 die Dreifachbindung gebrochen werden. Der positiv polarisierte Kohlenstoff kann der Phthalsäure (10) zugeschrieben werden, daher wird ein Halogen an dieses gebunden. Der Reaktionsmechanismus kann durch eine Kreuzkupplung beschrieben werden, daher reicht Phenylacetylen (11) als zweites synthetisches Äquivalent. Es kann somit zu einer Abspaltung von HBr kommen (Abb. 20).

2.3.2 Literaturrecherche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 21: Syntheseweg nach der Literaturrecherche für Verbindung 8.[13],[14]

Nach Eingabe des Zielmoleküls 8 in Reaxys waren weder Informationen zum Molekül noch Reaktionswege zu finden. Aus diesem Grund wurde Verbindung 8 ohne den Phenylethinylrest eingegeben. Es wurden 49 Synthesewege gefunden. Es wurde der zweite Synthesevorschlag von Huilai et al. ausgewählt, da die Ausgangsmaterialien Phthalsäure und Aminoethanol waren. Zudem betrug die Ausbeute 96%.[13] Über die Eingabe von Verbindung 9 in Reaxys wurden 3 Reaktionen gefunden. Die gewählte Literatur war von Shao et al. veröffentlicht worden. Die Ausbeute mit 85% war hoch und es wurden als Startmaterialien 10 und 11 verwendet. Zudem war die Reaktionszeit kurz und die Reaktionsbedingungen schienen am besten.[14]

Für die Durchführung im Labor spielten Reaktionszeit, Verfügbarkeit der Chemikalien sowie Kosten und Sicherheit eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund wurde die Synthese von 9 nach einer Vorschrift von Wu et al. [15] durchgeführt. Es wurde das Anhydrid von Verbindung 10 verwendet, welches in der Reaktion zur Phthalsäure umgewandelt wurde. Für Verbindung 8 wurde die in der Literaturrecherche gefundene Vorschrift verwendet.[13] Somit handelte es sich um eine zweistufige Synthese (Abb. 22).

[...]

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Einführung in die Reaktionen der Organischen Chemie
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
52
Katalognummer
V499811
ISBN (eBook)
9783346032690
Sprache
Deutsch
Reihe
Aus der Reihe: e-fellows.net stipendiaten-wissen
Schlagworte
einführung, reaktionen, organischen, chemie
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Einführung in die Reaktionen der Organischen Chemie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/499811

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