Trotz ihrer Fiktionalität sind uns Drachen auch heute im Alltag noch sehr präsent. Sie dienen als häufiges Motiv in der modernen Belletristik und bedienen sich ganz unterschiedlicher Eigenschaften und Darstellungen. Auffällig ist das häufige Auftreten von Intelligenz, Kameradschaftlichkeit und Loyalität als Eigenschaften der Drachen. Andererseits gibt es Drachen, die als listige, boshafte und menschenfeindliche Kreaturen in der Geschichte auftauchen. Beide Arten haben jedoch eine gemeinsame Herkunft: Sie entsprechen größtenteils dem europäischen Drachenmotiv, welches ursprünglich von den christlich biblischen Vorstellungen des Leviathans und des Drachens aus der Apokalypse entstammt. Die drachenbezogenen Vorstellungen konzentrieren sich auf die alten Hochkulturengebiete in Vorder-, Mittel- und Ostasien sowie in Amerika und dem Mittelmeergebiet und fanden dort in Religion, Kunst, Architektur und Literatur Verwendung.
Inwiefern sich die vorzufindenden Drachenmotive innerhalb der ethnischen Kulturräume der Welt ähneln werden oder aufeinander aufbauen, ist das Thema der vorliegenden Arbeit. Zunächst befasst sich die Autorin mit der Herkunft und der Bedeutung dieses Motivkomplexes. Ihren Fokus legt sie dabei auf das christliche Westeuropa und den chinesischen Kulturraum. Durch die Analyse und Interpretation kurzer Textauszüge aus religiöser und epischer Literatur möchte sie der These nachgehen, ob der Ursprung des Drachen in der Darstellung des biblischen Leviathans zu finden ist. Abschließend stellt sie die Ergebnisse zur westeuropäischen und chinesischen Literatur im Schlussteil einander gegenüber und untersucht diese in Hinsicht auf aufeinander aufbauenden oder ähnelnden Elementen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Drachen in Westeuropa: Sinnbild des Teufels und der Heiden
3. Drachen in China: Kaiserliches Wappentier und Symbol himmlischer Stärke
4. Fazit und Vergleich der Drachenmotive aus Westeuropa und China
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die unterschiedlichen Symbolwerte des Drachenmotivs in den Kulturräumen Westeuropas und Chinas analytisch zu vergleichen und zu prüfen, ob der Ursprung des westlichen Drachenmotivs in der biblischen Figur des Leviathans liegt.
- Herkunft und Bedeutung des Drachenmotivs im christlich-westeuropäischen Kulturraum.
- Die Rolle des Drachens als Totemtier und kaiserliches Wappentier in China.
- Interpretation und Analyse von Textauszügen aus religiöser und epischer Literatur beider Räume.
- Untersuchung der erzieherischen Funktion des Drachenmotivs in Märchen und Sagen.
- Kulturhistorischer Vergleich der Symbolik von Gut und Böse in der Drachendarstellung.
Auszug aus dem Buch
3. Drachen in China: Kaiserliches Wappentier und Symbol himmlischer Stärke
Der chinesische Drache wird im Gegensatz zum westeuropäischen Drachen stets allein oder nur mit einer Perle abgebildet. Er besitzt einen schuppigen schlangenähnlichen Körper mit vier Beinen, einem hirschförmigen Kopf mit zwei Hörnern und Barthaaren. Auf der untenstehenden Abb. 2 ist erkennbar, dass der Drache keine Flügel hat wie sein europäisches Pendant, kann aber dennoch fliegen. Es findet darüber hinaus nie ein sichtbarer Kampf statt und der Drache wird nicht zusammen mit einem Menschen dargestellt. Dem chinesischen Drachen wird also anders als seinem europäischen Pendant keine direkte Gewalt unterstellt, von ihm geht keine negative Kraft aus.
Daraus ergibt sich nun eine weitaus größere besitzt der Drache ist Ostasien eine weitaus größere Variation in seinen Symbolwerten.
Zuerst wurde der Drache als Totemtier von einigen ethnischen Gruppen in China verehrt. Er ist dabei ein Mischwesen aus verschiedenen anderen Totemtieren wie Pferd, Schlange, Vogel und Fisch. Seine Funktion als Totemtier war die Fortpflanzung der Menschheit. Grund dafür war die Unwissenheit der damaligen Bevölkerung über den biologischen Zusammenhang von Geschlechtsverkehr und Geburt. Darüber hinaus wurde der Urgott Fu Xi von den Han-Chinesen sowie von den Miao verehrt. Dieser Urgott hat dem Mythos nach zusammen mit seinem weiblichen Gegenstück die Welt erschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Präsenz des Drachenmotivs in der modernen Belletristik und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Herkunft und des Vergleichs der Symbolik zwischen Westeuropa und China.
2. Drachen in Westeuropa: Sinnbild des Teufels und der Heiden: Dieses Kapitel analysiert den Drachen als Symbol für das Böse, den Teufel oder das Heidentum, basierend auf biblischen Texten wie dem Leviathan und Heiligenlegenden.
3. Drachen in China: Kaiserliches Wappentier und Symbol himmlischer Stärke: Hier wird der chinesische Drache als moralisch positives Mischwesen, als Totemtier und als kaiserliches Machtsymbol sowie dessen Rolle in chinesischen Mythen beschrieben.
4. Fazit und Vergleich der Drachenmotive aus Westeuropa und China: Das Fazit stellt die unterschiedlichen kulturellen Bedeutungen gegenüber und kommt zu dem Schluss, dass der Symbolwert kulturell und historisch geprägt ist, wodurch die Ausgangsthese nur teilweise bestätigt wird.
Schlüsselwörter
Drache, Westeuropa, China, Symbolik, Leviathan, Heiligenlegenden, Totemtier, kaiserliche Macht, Kulturvergleich, Mythologie, Literaturanalyse, Christentum, Märchen, Drachenkampf, Motivgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das literarische und kulturelle Motiv des Drachens in zwei unterschiedlichen Kulturräumen, Westeuropa und China, um deren jeweilige Symbolik zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der christlich geprägten Deutung des Drachens als Teufelsfigur sowie der ostasiatischen Sichtweise des Drachens als lebensspendendes, kaiserliches Symbol.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, ob sich die Drachenmotive ähneln oder aufeinander aufbauen und ob der Ursprung des europäischen Drachen tatsächlich in der biblischen Darstellung des Leviathans liegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine analytische Vergleichsmethode, basierend auf der Interpretation von Textauszügen aus religiöser und epischer Literatur sowie der Analyse kulturhistorischer Aspekte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des westeuropäischen Drachenbildes (Bibel, Heiligenlegenden) und des chinesischen Drachenbildes (Totemismus, kaiserliche Symbolik und Märchen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Drachenmotiv, Symbolik, Kulturvergleich, Leviathan, Totemismus und kaiserliche Macht kennzeichnen.
Wie unterscheidet sich der chinesische Drache optisch vom europäischen?
Während der europäische Drache oft mit Flügeln und bedrohlichen Zügen dargestellt wird, besitzt der chinesische Drache keine Flügel, hat aber einen hirschförmigen Kopf und Hörner, und wird oft mit einer Perle assoziiert.
Warum wird der Drache im christlichen Westeuropa oft negativ konnotiert?
In der christlichen Tradition fungiert der Drache häufig als Sinnbild für das Böse, die Häresie oder das Heidentum, um durch den Sieg eines Heiligen die Überlegenheit der christlichen Lehre zu verdeutlichen.
Ergibt sich aus der Arbeit eine eindeutige Herkunft für das Drachenmotiv?
Nein, die Autorin stellt fest, dass das Motiv in China bereits weit vor der Verfassung der biblischen Texte existierte, was die These, der Drache stamme weltweit vom biblischen Leviathan ab, widerlegt.
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- Tamina Grasme (Author), 2017, Das literarische Motiv des Drachen in China und Westeuropa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500064