Gewaltfreie Kommunikation im Islamischen Religionsunterricht. Wie Sprache und Emotionen das Verständnis von Koranversen prägen


Fachbuch, 2020

121 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Forschungstand
1.2 Forschungsmethode
1.3 Forschungsziel

2 Die Macht der Gefühle
2.1 Aufbau von Emotionen durch Konditionierung und Verstärkung
2.2 Emotionale Grundlagen der Erziehung
2.3 Die emotionale Sprache
2.4 Zusammenfassung

3 Die Macht des Wortes
3.1 Die Beziehungsebene der Kommunikation
3.2 Der Zweck der Beziehung
3.3 Der Weg zur Beziehung
3.4 Die Beziehung im Unterricht
3.5 Die vier Dimensionen nach Tausch und Tausch
3.6 Zusammenfassung

4 Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
4.1 Leben und Wirken des Marshall B. Rosenberg
4.2 Die zwei Symbole der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
4.3 Die Bedürfnisse nach der Gewaltfreien Kommunikation
4.4 Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation
4.5 Die Praxis des Prozesses der Giraffen- und Wolfssprache
4.6 Zusammenfassung

5 Aufschlüsseln der koranischen Suren 1-4 Mithilfe der Gewaltfreien Kommunikation
5.1 al-Fatiha (Die Eröffnung)
5.2 al-Baqara (Die Kuh)
5.3 Āl ’Imran (Das Haus von ’Imran)
5.4 an-Nisä’ (Frauen)
5.5 Zusammenfassung

6 Kompetenzerwerb im IRU nach der Methode der Gewaltfreien Kommunikation
6.1 Sozial - Kommunikative Kompetenz
6.2 Emotionale Kompetenz
6.3 Religiöse Kompetenz
6.4 Handlungs -und Deutungskompetenz
6.5 Zusammenfassung

7 Schlusswort

Literaturverzeichnis

Anhang

Vorwort

Im Rahmen meiner Ausbildung zur Gewaltfreien Kommunikation bin ich auf einen Ausspruch des islamischen Mystikers Dschalal ad-Din al-Rumi gestoßen. Das Zitat hat mich sehr zum Nachdenken angeregt, es lautet wie folgt: „ Jenseits von Richtig und Falsch gibt es einen Ort. Dort treffen wir uns!“ 1

Ich dachte mir damals, was macht es mit einem religiösen Menschen, zu wissen, dass man ausreicht und dass man ganz richtig ist, wie man ist, wenn man alles schwarz-weiß Denken beiseite lässt. Wo kann dieser Ort liegen?! Was wird dann aktiv und lebendig in einem Menschen und inwieweit kann es unser aller Leben bereichern? Ich kam zu dem Schluss, dass es für die eigene Friedensbildung und schließlich für die Gesellschaft im Allgemeinen von immenser Bedeutung ist, einen Raum freizuhalten, in dem die menschliche Seele geschützt, geborgen und sicher ist. Ich denke, dass dieser Raum im Religionsunterricht seinen Platz finden kann.

Diese Arbeit wäre niemals zustande gekommen, wenn ich nicht Unterstützung, Wohlwollen, Verständnis, Interesse, Freude, Freiheit und Autonomie erfahren hätte. Mein Umfeld gab mir die nötige Kraft, in schwierigen und verzweifelnden Momenten durchzuhalten. Genau aus diesen erwähnten Gründen spüre ich große Dankbarkeit und will diese in den folgenden Zeilen zum Ausdruck bringen.

An erster Stelle gebührt der größte Dank dem Allmächtigen Herrn der Welten, welcher es immer wieder schafft, Stärke, Halt, Sicherheit, Orientierung und Durchhaltevermögen in mir zu aktivieren um meine Seele zufrieden zu sehen.

An zweiter Stelle danke ich meiner gesamten Familie, die vor allem in den letzten Monaten mein Halt, Freude, Inspiration und Motivation gewesen waren die Arbeit fertig zu schreiben.

Zu guter Letzt danke ich meinem Betreuer Univ.-Prof. Dr. phil. Ednan Aslan für die geduldige und kompetente Begleitung, die durch etliche Anregungen und Kritikpunkte während der gesamten Arbeitsschritte unterstützend war.

1 Einleitung und Problemstellung

Im Rahmen der Masterarbeit wird der Frage nachgegangen, welche Ansätze und Konsequenzen im Koran für eine gewaltfreie Gott- und Mensch-Beziehung abzuleiten sind. Ziel ist es, für den Islamischen Religionsunterricht ein theoretisches Unterrichtskonzept nach der gewaltfreien Kommunikation zu erstellen.

Der Fokus liegt auf der Frage, welche Gefühle bei den SchülerInnen geweckt werden können, wenn sie sich mit bestimmten Versen aus dem Koran beschäftigen. Dabei sind nicht nur die Auslösung der Gefühle von Wichtigkeit, sondern deren zugrundelegenden Bedürfnisse.

Lernen ist eine wechselseitige Beziehung, da in einer Beziehung immer eine ständige Beeinflussung zwischen beiden Beteiligten besteht. Lernen ist zwar ein kognitiver Akt, jedoch beeinflussen Emotionen den Lernprozess ebenfalls. Daher ist Lernen niemals ohne Beeinflussung der Emotionen möglich. In Unterrichtskonzepten wird die Emotionalität im Unterricht zu wenig berücksichtigt. Von daher rührt das Interesse die Emotionen, die im Lernprozess auftauchen können, transparent zu machen. Kenntnisse über die emotionalen Aspekte des Lernens helfen somit, den Lernprozess besser zu verstehen und zu steuern.

Als Lehrperson hat man zumindest die Anforderung, so neutral wie möglich zu unterrichten, was sich in der Realität als möglich erweisen kann, wenn die Lehrperson selbst über eine bewusste kommunikative Kompetenz und Reflexion ihres Tuns verfügt.

ReligionspädagogInnen obliegt eine große Verantwortung, indem sie sich die Fragen stellen müssen: Welche Inhalte können meine SchülerInnen ertragen und weitertragen und welche Inhalte sind zu diskutieren, kritisch zu hinterfragen und auf die Neuzeit hin neu zu überdenken? Demnach gibt man den SchülerInnen im Rahmen des Islamischen Religionsunterrichtes die Möglichkeit, ihren eigenen und persönlichen Weg in der Religion zu gehen.

Im Rahmen des Religionsunterrichtes sollen SchülerInnen dazu befähigt werden, ihren auftauchenden Gefühlen in der Auseinandersetzung mit koranischen Texten Aufmerksamkeit zu schenken, um Denkprozesse anzuleiten, die ihr eigenes religiöses Verständnis stärken und es möglich machen, in einer persönlichen Sprache mit Gott zu kommunizieren.

In dieser Masterarbeit stehen vor allem jene Kompetenzziele im Vordergrund, die durch die emotionale Anregung geweckt werden können:

1. Sozial - Kommunikative Kompetenz

SchülerInnen haben Respekt, zeigen Akzeptanz und können religiösen Erfahrungen der MitschülerInnen lauschen. Sie können sich in ihre MitschülerInnen einfühlen, ihre Schwierigkeiten verstehen und zeigen Interesse an ihrem Wesen.

2. Emotionale Kompetenz

Die SchülerInnen werden zur kritischen Reflexion religiöser Inhalte durch das Fühlen der koranischen Verse befähigt.

3. Religiöse Kompetenz

SchülerInnen können zu den koranischen Versen Stellung beziehen und sich eine Meinung bilden.

4. Handlungs -und Deutungskompetenz

SchülerInnen können die koranischen Verse interpretieren, deuten, bewerten und deren Relevanz in ihrem Leben zuordnen.

Dadurch, dass Gott mit den Menschen in Kommunikation tritt, zeigt dies, dass die Qualität der Kommunikation wesentlich zur Gott-Mensch Beziehung beitragen kann. Es geht demnach nicht nur darum, einen koranischen Text zu lesen, sondern auch darum, ihn als etwas Lebendiges im Alltag zu erfahren. Die Frage, die sich hier stellt, lautet: „ Was will Gott dem Menschen durch einen bestimmten koranischen Textabschnitt mitteilen?“ und „Welche Gefühle werden hier von mir ausgelöst?“

Durch das Gott-Mensch Gespräch entwickelt sich eine Beziehung, die dazu führen kann, die Religion als etwas Lebendiges zu erfahren. Es entsteht ein Diskurs zwischen Gott und dem Menschen. Kommunikative Kompetenz ist also nicht nur für zwischenmenschliche Beziehungen dienlich, sondern auch für die Mensch-Gott Beziehung. Daher hat sich folgende zentrale Fragestellung entwickelt:

Welche Impulse können sich aus der Analyse ausgewählter koranischer Verse nach der Methode der gewaltfreien Kommunikation ergeben, um eine persönliche und lebendige Gott – Mensch Beziehung anzuregen?

1.1 Forschungstand

„Emotionen beeinflussen unser Wahrnehmen, Denken und Handeln, wenngleich wir uns dessen oft wenig bewusst sind.“ 2 Jedem Sprechen geht ein Gefühl voraus, das den Impuls zum Handeln erst gibt. „Emotionen haben daher auch einen bedeutenden Anteil daran, ob schulische Prozesse gelingen oder misslingen.“ 3 In der psychoanalytischen Pädagogik, beispielsweise, beschäftigt sich man seit ihren Anfängen mit den Fragen der Emotionen und deren Einflüsse im Unterricht.4

Forschungen im Bereich der Aufschlüsselung der koranischen Verse nach der gewaltfreien Kommunikation sind bislang nicht bekannt. Dahingehend gibt es ebenso keine Forschungen darüber, welche Auswirkungen sie auf den Lernprozess der SchülerInnen im Religionsunterricht haben.

Weiters ist kein theoretisches Unterrichtskonzept vorhanden, welches den Koran aus der Sicht der Gewaltfreien Kommunikation belichtet und erläutert. Dadurch, dass bislang keine Arbeit existiert, die koranische Verse anhand der gewaltfreien Kommunikation aufschlüsselt, werde ich mit meinen Emotionen arbeiten müssen. Dabei lege ich sehr großen Wert darauf, dass auch ich als Autorin den auftauchenden Gefühlen keine Bewertung beimesse.

Mit Hilfe der Methodik, die der vier Schritte, die die gewaltfreie Kommunikation bietet, ist es möglich, Zugang zu den emotionalen Prozessen, die im Unterricht stattfinden, zu erhalten und transparent zu machen. Von daher ist es mir ein Anliegen, mit der Arbeit diese Forschungslücke auszufüllen, um einen Beitrag für den Islamischen Religionsunterricht zu leisten.

1.2 Forschungsmethode

Bei meiner gewählten Forschungsmethode handelt es sich um eine reine Literaturarbeit. Um die Forschungsfrage beantworten zu können, werde ich nach der hermeneutischen Textanalyse arbeiten.

Die hermeneutischen Ansätze im Umgang mit dem Koran werden durch die Methoden der gewaltfreien Kommunikation ausgelegt. Da die unterschiedlichen hermeneutischen Ansätze zu unterschiedlichen Auslegungen führen, habe ich mich für die Methode der gewaltfreien Kommunikation entschieden. Diese Methode ist sehr gut geeignet, um die koranischen Verse im Lichte der neuen pädagogischen Erkenntnisse zu verstehen und um eine Korrelation zwischen der Lebenswirklichkeit der Kinder und der Offenbarung zu herstellen. In der islamischen Wissenschaftstradition haben wir keine Instanz, die über eine mögliche und endgültige Deutung entscheidet.

Hierbei werde ich mich auf die ersten vier Suren im Koran fokussieren: 1. al-Fatiha, 2. al-Baqara, 3. Al ’Imran und 4. an-Nisā und diese mithilfe der gewaltfreien Kommunikation analysieren bzw. kategorisieren.

Die ersten vier Suren habe ich aus dem Grund gewählt, da sie viele ethische Werte und gesellschaftliche Phänomene ansprechen.

In der Sura al-Fatiha wird intensiv die Beziehung zwischen dem Schöpfer und dem Menschen beschrieben. Sie eröffnet den Koran mit der These über die Einzigkeit Gottes und dass sich der Mensch für all seine Taten im Jenseits verantworten wird müssen.5 Zusätzlich ist es nur durch Gottes Kraft möglich, Rechtleitung zu erfahren.

Diese Sura wird in jedem der 5 täglichen Pflichtgebete wiederholt und erfährt hier ihre Wichtigkeit. Dadurch, dass die SchülerInnen im Unterricht in immer wiederkehrenden Abständen mit der Sura al-Fatiha konfrontiert werden, bietet sich die Möglichkeit, viel weiter in die Textanalyse der Sura einzutauchen, indem die SchülerInnen einen persönlichen Zugang zu den Versen der al-Fatiha entwickeln. Für die erste Sura lässt sich im Rahmen des Religionsunterrichtes das Thema der Glückseligkeit leicht erarbeiten, da die Sura al-Fatiha von einem Anspruch darüber ausgeht, dass der Mensch seinen geraden Weg im Leben gehen soll. Sie sollen die Sura al-Fatiha auf ihr Leben hinreflektieren können. Der Mensch hat also immer eine Möglichkeit, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und kann auf Gottes Unterstützung bauen.

Für die zweite Sura, al-Baqara, habe ich mich für das Thema der gottesbewussten Menschen entschieden, da Gott in der Sura immerwieder den Menschen dazu aufruft, bewusst undverantwortungsvoll im Leben zu handeln, da Gottesbewusstsein mit einem aktiven Handeln einhergeht. Das will heißen, dass auch, wenn einem Menschen Unrecht geschieht, er sich nicht auf die Rache fokussieren soll, sondern auf die Vermeidung von größerem Schaden.

Die Hauptschwerpunkte der Sura können in den vier grundlegenden Themen liegen und zwar der 1. Glaubenserschütterung, 2. der Freiheit, 3. der Stärke versus Schwäche und schlussendlich 4. des Glaubensverlustes.

Die Sura al-Baqara vereint ebenso die Verantwortung des Menschen gegenüber seinen Taten und der Feststellung, dass der Glaube an Gott dem Menschen intellektuell zugänglich ist.

Die Sura Al ’Imran behandelt die Abhängigkeit des Menschen durch Gott und der Forderung an den Menschen, authentisch zu sein. Die Authentizität braucht es, damit der Mensch die Gott-Mensch Beziehung durch Schicksalsschläge hindurch aufrechterhalten kann. Gott fordert den Menschen dazu auf, seinen Glauben zu verteidigen. Damit will gemeint werden, dass - wenn ein Mensch an das herabgesandte Wort glaubt - dieser auch Auseinandersetzungen mit Andersdenkenden ausgesetzt werden wird. Mitunter kann ein gläubiger Mensch auch verspottet und missachtet werden. Ziel ist es, die SchülerInnen dazu zu bewegen, nachzudenken, welchen Stellenwert der Glaube in ihrem Leben einnimmt und welchen Kampf sie mit sich selbst führen müssen, damit sie sich selbst treu bleiben können.

Die Sura an-Nisā spricht auf der einen Seite explizit Frauenrechte an, auf der anderen Seite werden verpönte Verhaltensweisen von Heuchlern angesprochen. SchülerInnen sollen darüber reflektieren, welche Frauen sie für ihren tiefen Glauben an Gott bewundern und was sie von ihrem Leben für sich selbst entnehmen können, indem gleichzeitig aufgezeigt wird, dass Gottesbewusstsein kein Geschlecht kennt und jede Seele für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen wird.

Um die Suren bedürfnisorientiert entschlüsseln zu können, werde ich ein Kartenset zur gewaltfreien Kommunikation von Katja von Gizycki6 anwenden. Das Kartenset beinhaltet verschiedene Wortkarten für Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle. Diese Wortkarten sollen dabei behilflich sein, die koranischen Texte für sich selbst und andere besser verständlich zu machen.

Die methodische Vorgehensweise ist die, dass koranischen Verse mit den Wortkarten der gewaltfreien Kommunikation gelesen und schlussendlich nach Emotionen und Bedürfnissen kategorisiert werden. In diesem ersten Schritt gilt es herauszulesen, was Gott dem Menschen eigentlich mitteilen möchte. Der darauffolgende Schritt zielt darauf ab, den gefundenen Bedürfnissen Gefühle zuzuschreiben, die beim Menschen bzw. bei SchülerInnen ausgelöst werden können. Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass Gefühle, die bei einem Schüler ausgelöst werden, bei einem anderen Schüler niemals ausgelöst werden können.

Im nächsten und letzten Schritt geht es darum herauszufinden, welche Bedürfnisse nun tatsächlich vom Menschen erfüllt werden und welche Auswirkungen sie auf die Gott–Mensch Beziehung haben können.

Dabei erstelle ich Tabellen, die jeweils fünf Spalten beziehungsweise Kategorien mit jedoch unterschiedlichen Überschriften beinhalten. Auf der linken Seite stehen immer die Surennamen und gleich darunter die aufgeschlüsselten Verse. Neben den Surennamen steht ein Kästchen für die angenehmen Gefühle, die bei den jeweiligen aufgeschlüsselten Versen ausgelöst worden sind. Im dritten Kästchen stehen die unangenehmen Gefühle, die ausgelöst werden können. Im vierten Kästchen stehen die Bedürfnisse, die vom Menschen erfüllt werden und im fünften und letzten Kästchen stehen die Bedürfnisse, die für den Menschen nötig sind, jedoch nicht erfüllt werden.7

1.3 Forschungsziel

Ziel ist es, ein theoretisches Unterrichtskonzept nach der gewaltfreien Kommunikation zu erstellen, das sichtbar machen soll, wie das eigene reflektierte Überlegen einer Lehrperson über die koranischen Versen maßgeblich zum Profitieren für alle Beteiligten im Unterricht dienen kann. Durch die Auseinandersetzung der koranischen Verse mittels des Kartensets zur gewaltfreien Kommunikation ergibt sich folgendes Anliegen:

- Die Einbeziehung der Lebenswelt der SchülerInnen im Unterricht fördern.
- Bewusstwerdung der Wichtigkeit kommunikativer Kompetenz.
- Gewaltfreie Kommunikation als Hilfsmittel zur Entschlüsselung der Emotionen und Bedürfnisse hinter den Worten.
- Vor allem aber möchte ich die Facetten der verschiedenen Gefühle, die auftauchen können, genau beschreiben. Ihre Entstehung, genauer gesagt, die dahinterliegenden Bedürfnisse sollen transparent gemacht machen, ihre Relevanz erläutert und auf ihre Auswirkungen auf die Gott-Mensch Beziehung hinweisen werden.

Die Erläuterungen zum Forschungsziel sind gerade aus den angeführten Gründen von persönlichem Interesse aber möglicherweise auch für manchen Leser interessant. Durch die Masterarbeit können neue Erkenntnisse gewonnen werden, die wesentlich zur Optimierung des Islamischen Religionsunterrichtes beitragen können. In einer weiteren Arbeit wäre es sicherlich bereichernd, das theoretische Unterrichtskonzept mittels Interviews von SchülerInnen oder im Unterricht mittels der Aktionsforschung praktisch zu erproben.

2 Die Macht der Gefühle

In diesem Kapitel soll belichtet werden, welche Einflüsse Gefühle der LehrerInnen auf den Unterricht haben. Dabei behandelte Watson als erster Lerntheoretiker systematisch den Einfluss der Emotionen bezogen auf den Lernprozess des Menschen. Er war aufgrund seiner Beobachtungen von Neugeborenen zur Erkenntnis gelangt, dass Menschen drei angeborene emotionale Reaktionsmuster aufweisen: Wut, Furcht und Liebe.8

Diese unkonditionierten Emotionen werden durch bestimmte Reize ausgelöst, wobei sich im Heranschreiten des Alters das Emotionenzeigen zunehmend ändert und gehemmter abläuft. Emotionen dienen also dazu, die Bedeutsamkeit von Reizen zu signalisieren, indem die Bedürfnisse des Menschen gestillt werden. Watsons Theorie zufolge trifft ein Reiz einen Menschen und dieser bewirkt eine Reaktion des Menschen. Was jedoch im Organismus eines Menschen während des Lernens passiert, wurde nicht erforscht, wobei Watson jedoch die inneren Prozesse als Blackbox beschrieben hat. Was also im Inneren passiert, dazu haben wir keinen Zugriff und können demnach von außen betrachtet nicht viel sagen. Demnach soll die Arbeit einen Blick darauf werfen, was Koranverse im Menschen auslösen können. Die Koranverse, die von Gott stammen, sind der Reiz, das Endprodukt die Reaktion des Menschen und alles, was dazwischen liegt, sind emotionale und innere Prozesse. Diese sollen im Rahmen der Arbeit beleuchtet und transparent gemacht werden.

Durch positiv und negativ gefärbte Gefühle wie Mitgefühl oder Zorn sind die meisten Menschen leichter steuerbar, als durch die Vernunft. Aus diesem Grund legte man bei Machthabern großen Wert darauf, dass diese ihre Gefühle regulieren können, um von außen nicht angreifbarer zu sein, aber auch, um die Gefühle ihrer Untertanen besser nutzen zu können. Das gesamte Spektrum der Gefühle wie Neugier, Angst und Wut spielt in unserem Alltag eine große Rolle, wogegen sich nur sehr wenige Menschen ihrer emotionalen Macht überhaupt bewusst sind.9 Dahingehend können LehrerInnen, die ihre emotionale Intelligenz bewusst im Unterricht anwenden, auch den Unterrichtsfluss positiv und lernfördernd steuern. Wenn davon ausgegangen wird, dass Lernen auch die inneren Prozesse eines Menschen aktivieren muss, damit geistiges Wachstum passiert, dann darf dieser Prozess im Rahmen dieser Arbeit nicht ignoriert werden.

Lange Zeit hat sich die Trennung in der Betrachtung der menschlichen Hirnentwicklung und dem menschlichen Verhalten und Fühlen gehalten, wogegen Gerald Hüther betont, dass jedes Kind „das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, um neue Situationen und Erlebnisse als Bedrohung, sondern als Herausforderung bewerten zu können“ 10 braucht. Vom Begriff der „Sozialen Resonanz“ sprechen Hirnforscher hier, wenn eine Verstärkung von wechselseitigen Gefühlen zutage tritt.

Sobald SchülerInnen ihre Aufmerksamkeit auf eine Lehrperson richten, bauen sie eine Beziehung auf, die auf Anziehung oder Abstoßung basiert.11

Denk- und Lernprozesse sind demnach auch von Gefühlen und Stimmungslagen aller Beteiligten im Lernprozess abhängig. Diese Tatsache zu vernachlässigen würde bedeuten, dass Emotionen kein Regulativ auf unser Verhalten haben können. Der Schulunterricht hat nicht nur zur Aufgabe, seine SchülerInnen kognitiv zu fördern, sondern sie auch in der Entwicklung ihrer emotionalen Intelligenz zu begleiten.

Das bedeutet, dass SchülerInnen im Rahmen des Schulunterrichtes die Möglichkeit bekommen sollen, „ihre Gefühle bei sich und anderen adäquat zu erkennen, sie zu interpretieren, die eigenen Gefühle und Stimmungslagen effektiv zu regulieren und sie für das Denken, Lernen und Problemlösen produktiv zu nutzen.“12 Für die kognitive Leistungsfähigkeit sind Gefühle und Stimmungen wichtige Funktionen in der Anpassung des Denkens und Verhaltens. Denken und Fühlen bewusst im Unterricht zu ignorieren, macht es den SchülerInnen aber auch den Lehrpersonen unnötig schwer. Emotionalem Ausdruck sollte genauso viel Raum wie dem kognitiven geboten werden.13

Vor allem in komplexen und unüberschaubaren Situationen sind Menschen dazu angewiesen, sich von ihren Gefühlen steuern zu lassen. Dieter Zimmer spricht hier von der „Vernunft der Gefühle“.

Lernen wird von emotionalen und kognitiven Prozessen beeinflusst. Beim Menschen gibt es keine rein emotionalen Prozesse, da die emotionale Erregung kognitiv interpretiert wird und diese zusammenwirken. Emotionales Erleben bleibt ohne kognitive Interpretation unbestimmt und wenig psychisch. Positive Emotionen fördern kognitive Prozesse, wobei negative Emotionen das Denken hemmen. Bei langfristigen Prozessen üben Emotionen einen großen Einfluss auf unser Verhalten aus.14

Soziales Verhalten ist also untrennbar mit der Persönlichkeitsentwicklung verbunden, wobei der Kommunikation eine bedeutende Rolle zukommt, da sie Verständigung mittels Signale möglich macht. Durch die Gesten und Mimiken, die LehrerInnen senden, haben sie bestimmte Wirkungen auf ihre SchülerInnen, die für Außenstehende womöglich unlogisch erscheinen mögen, doch von innen heraus ihre Berechtigung haben. Das Gleiche passiert auch mit den LehrerInnen, die, wenn sie bestimmte Ausdrucksweisen wie Langeweile oder Desinteresse bei ihren SchülerInnen wahrnehmen, dem entgegensteuern können, damit die Aufmerksamkeit im Unterricht aufrecht erhalten werden kann. Emotionen bilden einen Mechanismus, der uns dabei hilft, Entscheidungen zu treffen.15

2.1 Aufbau von Emotionen durch Konditionierung und Verstärkung

Emotionen entstehen als Reaktionen auf bestimmte Reize und Signale. Sie werden durch neutrale Reize konditioniert. Emotionales Lernen besteht darin, dass bestimmte Situationen bestimmte Erregung wecken.16 Wenn anfänglich eine Erregung neutral war, dann wird sie mit der Zeit entweder mit Lust oder Unlust assoziiert. Die spontanen Kräfte der SchülerInnen wie auch ihre intuitiven Fähigkeiten sollen in der Schule ihren Ausdruck finden können, da diese unbedingt den Schulstoff in ihrer Wirklichkeit begreifen wollen. J. Gläser belegt dies mit einem Zitat: „Der Mensch ist mehr als Verstand; in seinen Tiefen ist er Gefühl…“17

Das, was wir Menschen erleben, ist eigentlich das Wesentliche, also das, was wir begreifen können. Wenn wir in der Folge SchülerInnen im Unterricht erreichen möchten, dann müssen wir sie in ihrem Inneren emotional bewegen. Fischer spricht hier von der „Selbstenträtselung des eigenen Lebens“ 18 Die SchülerInnen müssen in Situationen gebracht werden, in denen sie sich selbst erfahren können.

Nicht die Menge des inhaltlichen Wissensstoffes ist für den Wissenserwerb maßgebend, sondern der Grad der inneren Beteiligung der SchülerInnen im Religionsunterricht.19 Kritisch anzumerken sei jedoch, dass man keineswegs nur mehr auf die Befreiung der Lebenskräfte fokussiert sein darf, da sie sonst auch zu einem chaotischen und unkontrollierten Phantasieren ausarten können. Der reine Subjektivismus und Irrationalismus beansprucht somit die SchülerInnen unnötig emotional, was weniger zielführend und authentisch ist. Der Unterricht soll nicht zu einer permanenten Unterhaltung werden, da dies bei SchülerInnen auf Dauer zu einer emotionalen Abstumpfung führt.

Goleman geht von der These aus, dass es Menschen verlernt hätten, ihre Gefühle wahrzunehmen. Durch das achtsame Beobachten des eigenen Körpers und der jeweiligen Stimmungen ist der Mensch fähig, seine Emotionen zu regulieren, einzudämmen oder entsprechend einzusetzen. Weiters sieht Goleman die rationale und emotionale Intelligenz nicht als Gegensätze, sondern als ein zusammenhängendes System, welches dem Menschen dient.

Daraus haben sich Einwände erhoben, die besagen, dass es unmöglich für einen Menschen erscheint, sich immer wieder auf seine eigenen Emotionen, wie auch der fremden Emotionen zu konzentrieren, da es zu einer Überforderung des menschlichen Geistes führen kann. Viele Zusammenhänge vom menschlichen Verhalten sind nicht nur durch sein Verhalten selbsterklärend, weil der Mensch auch durch viele unbewusste Kräfte beeinflusst wird, die nicht in seiner ständigen Auseinandersetzung arbeiten können. Selbstbeobachtung und Empathie sind von Zusammenhängen verbunden, die wir objektiv nicht richten können. Es ist für den Menschen kaum möglich, zwischen seelischen Erlebnissen und deren Zusammenhängen zu unterscheiden. Da wir Menschen einen ausgeprägten Selbstschutz in uns tragen, können wir demnach uns selbst und andere nicht ständig beobachten. Der Nobelpreisträger Arno Penzias spricht daher vom emotional intelligenten Denken, das besagt, dass die Urteilskraft und Fähigkeit, in größeren Zusammenhängen zu denken etwas anderes als das abstrakte Denken sei.20

2.2 Emotionale Grundlagen der Erziehung

Nach Spinoza gibt es keine Gefühlsentwicklung ohne geistige Nachfolge und ohne die freiwillige Unterordnung unter Menschen, die geistig weiterentwickelter sind als wir selbst. Dabei unterscheidet er zwischen drei Erkenntnisstufen, denen jeweils bestimmte Emotionen und Handlungen zugrundeliegen.

1. Die erste Erkenntnisstufe und das Zufällige. – Dieses Stadium beschreibt Spinoza als eines, welches sich durch Affekte und hemmende Leidenschaften widerspiegelt. Seiner Meinung nach glaubt ein Mensch, der in diesem Entwicklungsstadium steckengeblieben ist, unkritisch und unreflektiert, was ihm die öffentliche Meinung und seine unmittelbare Umgebung mitteilen. Solch ein Mensch ist nicht imstande, eine kritische Haltung gegenüber seiner Umwelt einzunehmen, jedoch ist er offen für Wunschvorstellungen und leere Hoffnungen. Dadurch wird der Mensch zwangsweise dazu gebracht, ein passives und nicht eigenverantwortliches Handeln an den Tag zu legen. Man legt sein Leben in die Hände von seinen Mitmenschen und ist sich nicht bewusst, dass dies eine Bürde darstellt. Affekte wie Neid, Rachsucht, Hass, Eifersucht, Misstrauen sind vorherrschend, da Affekte im Dienste dieses Lustprinzips funktionieren.21
2. Die zweite Erkenntnisstufe und das Wissen. 22 – Dieses Stadium beschreibt jenen Menschen, der seinen Intellekt professionalisiert, indem er sein Wissen vermehrt und imstande ist, Schlussfolgerungen zu ziehen. Emotionen werden in dieser Entwicklungsstufe als etwas Schwaches und nicht Standhaftes gesehen. Wenn ein Mensch es nicht schafft, diese Entwicklungsstufe zu überwinden und sich weiterzuentwickeln, dann hat dies zur Folge, dass Gefühlskälte vordergründig ist. Man entfremdet dem Menschsein, was sich dahingehend zeigt, dass man weder sich selbst noch seinen Mitmenschen nah sein kann. Zwischenmenschliche Beziehungen leben von Wärme, Zuspruch und Verständnis und Barmherzigkeit. Dies wird jedoch in dieser Entwicklungsstufe herabgewürdigt.
3. Die dritte Erkenntnisstufe oder Selbstgestaltung und Sinnfindung. – Nach Spinoza23 ist dies die zuletzt zu erreichende Erkenntnisstufe. Spinoza spricht davon, dass Gott das Zentrum der Liebe darstellt und der Mensch, der sich auf dieser Stufe befindet, verstanden hat, wie die Welt funktioniert. Illusion hat in dieser Stufe keinen Platz, sondern nur die Vernunft und alles, was den Menschen umgibt: seine Realität. Der Mensch sieht sich zwar als ein Individuum, jedoch als eines, das mit seinen Mitmenschen verbunden ist und sich als ein Teil eines großen Ganzen sieht. Er möchte sich selbst und seinen Mitmenschen nah sein und nützlich sein. Daher sieht er sich nicht als jemand, dem Dinge passieren, sondern als jemand, der aktiv in Eigenverantwortung handeln kann. Spinoza nennt solch einen Menschen den wahren Menschen, da er nicht nur Mensch ist, sondern auch Mitmensch. Diese letzte Erkenntnisstufe ist ein Zusammenspiel zwischen theoretischem Wissen und praktischem Handeln. Vorherrschend auf dieser Entwicklungsstufe sind Gefühle der Dankbarkeit, Wohlwollen, Sympathie, Treue, Vertrauen.

Für die Gefühlsentwicklung haben wir geistige Vorbilder notwendig. Das Gefühl ist ein unverzichtbarer Bestandteil des menschlichen Wesens. Sie zeichnen sich durch eine Öffnung, Entspanntheit, Weite, Wärme und Tiefe aus.24 Im Zentrum der Gefühle steht die Liebe, die die größte und erhabendste Leistung des Menschen darstellt. Wenn Dichter von der Liebe als vom göttlichen Funken sprechen, dann meinen sie die schrankenlose Hingabe, die den Menschen transzendiert und in die Zukunft weist.25

„Die Sprache hat eine überaus tiefe Bedeutung für die Entwicklung des menschlichen Seelenlebens. Logisches Denken ist nur möglich unter der Voraussetzung der Sprache. Auch unser Denken und Fühlen ist nur begreiflich, wenn man Allgemeingültigkeit voraussetzt, und unsere Freude am Schönen erhält ihre Grundlage nur durch das Verständnis, dass das Gefühl und die Anerkennung für das Schöne und Gute Gemeingut sein muss. So kommen wir zur Erkenntnis, dass die Begriffe von Vernunft, Logik, Ethik und Ästhetik nur in einem gemeinschaftlichen Leben der Menschen ihren Ursprung haben können, dass sie aber gleichzeitig auch die Bindemittel sind, welche die Kultur von Verfall schützen zu haben.“26

2.3 Die emotionale Sprache

Aussagekraft der Sprache ist von den Gefühlen der Solidarität, Liebe und Dankbarkeit abhängig. Demnach ist davon auszugehen, dass der Mensch, der wirklich an seinen Mitmenschen interessiert ist, sein Leben lang versuchen wird, seine Sprache zu verfeinern und dass derjenige, welcher es nicht versucht, die Zusammenarbeit mit seinen Mitmenschen sabotieren wird, um Macht und Überlegenheit zu demonstrieren.

Adler27 geht davon aus, dass der seelischen Aktivität in direkter Verbindung zum Gefühlsleben der Wille steht. Wille und Mut sind demnach nur Ausdrücke des Gemeinschaftsgefühls. Bei Menschen, an denen man diese Tugenden beobachten kann, tritt das Ich-Gefühl zugunsten einer höheren Aufgabe völlig in den Hintergrund. Im Willen und im Mut handelt der Mensch eigennützig, indem er seine Minderwertigkeitskomplexe auflöst. Daher agiert er niemals gegen das Gemeinwohl seiner Mitmenschen, sondern immer, um seine Komplexe zu überwinden. Durch die Überwindung der Minderwertigkeitskomplexe schafft es der Mensch, an Selbsterkenntnis und Menschenkenntnis zu gewinnen. Wer unter einem Minderwertigkeitskomplex leidet, hat immerzu das Bedürfnis, wie Gott zu sein, um seine Macht ausüben zu können. Hier dienen dem Menschen zerstörerische Affekte wie Eitelkeit, Wut, Geiz, Neid oder auch Hass, da keine ausreichende Gefühlsentwicklung stattgefunden hat.28

Um ein gesundes Gefühlsleben entwickeln zu können, muss es dem Menschen gelingen, seine animalischen Strebungen mit Maß und Ziel zu imprägnieren.29 Dazu muss der Mensch bereit sein, sein Gefühlsleben zu betrachten, es zu prüfen und es in deren seelischen Aktivitäten in Beziehung zu setzen. Dadurch muss sich der Mensch von der Welt distanzieren, was jedoch keineswegs bedeutet, dass er sich der Nähe seiner Mitmenschen entzieht, sondern nach der Suche nach einer nährenden Intensität von Nähe charakterisiert ist.

„Die Vernunft ordnet das Gefühlsleben des Menschen, seinen emotionalen Bereich. Sofern es nun weiterhin so ist, dass positive Gefühle, angenehme, lustvolle auf Gegenstände der Welt antworten, und diese damit wertvoll werden, ist die Vernunft auch Ordnerin innerhalb des Werterlebens des Menschen.“30

Dadurch kann der Menschen durch sein Gewissen zwischen gut und böse unterscheiden. Immer dann, wenn sich ein Mensch im sittlich-moralischen Konflikt befindet, hilft ihm sein Gewissen in der endgültigen Entscheidung. Dabei geht es bei solchen Entscheidungen nicht um die Angst vor Liebesverlust oder gar um Bestrafung, sondern um das Bestreben nach Stetigkeit, Einheitlichkeit und Ordnung einer Person. Ein gesundes Gefühlserleben kann sich beim Menschen nur dann entwickeln, wenn er es schafft, seine animalischen Strebungen mit Maß und Ziel zu imprägnieren. Dabei ist es wichtig, dass der Mensch bereit ist, sie zu betrachten und zu prüfen und mit deren seelischen Aktivitäten in Beziehung zu setzen. Dafür benötigt der Mensch die nötige Distanz, um bestimmte Zusammenhänge zu erfassen und alles um sich herum so zu sehen, wie es ist.

Schultz-Hencke geht davon aus, dass erst die Synthese von animalischen und geistigem Erlebnis Zeugnis von einem voll integrierten Gefühlsleben ablegt, welches dem Menschen tief ergreift und prägt.31

2.4 Zusammenfassung

Gefühle haben einen großen Einfluss auf das Lernen. Sie zu ignorieren, würde bedeuten, dass man einen großen Teil des Menschseins nicht berücksichtigen würde. Zwar verdeutlichte Watson, dass er die inneren Prozesse nicht beleuchtete, doch gerade dies macht es durch die gewaltfreie Kommunikation möglich, da durch das Ausdrücken der Gefühle klarer wird, woher bestimmte Verhaltensmuster bzw. Konditionierungen herrühren. Durch dieses Wissen können LehrerInnen den Lernprozess bewusst und adäquat steuern und für die SchülerInnen derart gestalten, dass sie einen Mehrwert für ihr inneres Erleben empfinden. Sogar der Neurobiologe Gerald Hüther spricht immer wieder davon, dass der Mensch ohne das Gefühl überhaupt nichts Neues dazulernen kann. Die Art und Weise, wie die LehrerInnen den Unterricht leiten, ist von ihrer Persönlichkeit und Klarheit bestimmt. Reine emotionale Prozesse existieren nicht, wonach auch hier von der Vernunft der Gefühle gesprochen wird. Demnach sollen positive oder angenehme Gefühle eher gefördert werden, weil sie natürlich das Denken fördern, anstatt die unangenehmen Gefühle bei den SchülerInnen zu wecken, da diese das Denken zwar auch fördern, sie jedoch von einer anderen Energie getragen werden. Dies trägt wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung bei, da SchülerInnen dazu ermutigt werden, ihr eigenes Selbst zu enträtseln und sich näher zu kommen. Auch hier agieren LehrerInnen als unterstützende Kraft, die den Lernprozess achtsam begleitet und bei Notwendigkeit einschreitet.

Auch Spinoza postuliert, dass auch hier der Mensch Erkenntnisstufen durchlaufen muss, damit seine Gefühle weiterentwickelt werden können, da es Ziel ist, dass sich jeder Mensch zu einer mündigen, liebenden und wertschätzenden Person entwickelt. Hiermit wird ein grundlegender Stein für die Sprache gelegt, da der Mensch lernen muss, seine Sprache gewählt zu formulieren, damit er den Anspruch das Erkennen des Schönen haben kann. Dies zeigt sich im Interesse oder Desinteresse an seinen Mitmenschen. Wer gelernt hat, seine Minderwertigkeitskomplexe zu überwinden, überwindet auch die zerstörerischen Affekte wie Eitelkeit oder Wut. Um dies zu schaffen, brauchen SchülerInnen Ziele, die sie erreichen können, wodurch sie durch ihr Eigenleben konfrontiert und zum Nachdenken angeregt werden. Diese Konfrontation wird den SchülerInnen helfen, zwischen wesentlich gut und wesentlich schlecht zu unterscheiden.

Im nächsten Kapitel soll - wie bereits erwähnt - der Fokus auf die Wortwahl und Sprache gelegt und der Frage nachgegangen werden welchen Einfluss sie auf uns haben und wie es möglich ist, eine Beziehung zu eröffnen, die von Wertschätzung getragen wird.

3 Die Macht des Wortes

In diesem Kapitel möchte ich den Ursprung der Begriffe erläutern. In den Mittelpunkt soll die Relevanz der Wortwahl und deren Wirkung auf die Kommunikationspartner gerückt werden. Wie kann die bewusste Auseinandersetzung mit der gewaltfreien Kommunikation den Islamunterricht bereichern?

Fachkompetenz ist nicht das Einzige, was in zwischenmenschlichen Gesprächen zählt, sondern die Fähigkeit, sich einzubringen, zuzuhören, Wertschätzung entgegen zu bringen und Konflikte adäquat zu lösen. Worte sind nicht nur leblose Zeichen auf einem Papier, vielmehr sind es Geschichten, die erfahrbar gemacht werden wollen. Historisch betrachtet haben wir über den Propheten Muhammed, Friede sei mit ihm, keinerlei Tonaufnahmen, noch wissen wir wie groß, edel und gut seine rhetorischen Künste waren. Jedoch haben wir etwas von ihm, was bis in die Gegenwart Wirklichkeit ist und Muslime auf der ganzen Welt vereint: das Wort. Es ist eine Kunst, dann ein richtiges Wort auszusprechen, wenn es wirklich gebraucht wird. Dies zu erlernen, befähigt einen Menschen, sozial interzuagieren und sich einzubringen, denn das, was der Mensch ausspricht, kann seine Mitmenschen glücklich oder unglücklich stimmen. Mit der menschlichen Wortwahl sind wir in der Macht, unsere Emotionen mitschwingen zu lassen. Daher kann das menschliche Wort in zwischenmenschlichen Beziehungen niemals ganz neutral gesehen werden.

Immer, auch dann, wenn man versucht, das Wort neutral zu halten, schwingt etwas von unserem Wesen mit ein, welches selbstverständlich seine positiven Seiten wie auch negativen Seiten besitzt. Zunächst sind wir im Stande, durch das Wort zu manipulieren und Menschen zu einem bestimmten Handeln zu bewegen.32 Wir können durch unsere Worte bewirken, dass unsere SchülerInnen bessere Menschen oder aber auch schlechtere Menschen werden.

Der Koran wurde von Allah in einer menschengewordenen Sprache hinabgesandt, um die menschliche Seele zu beruhigen, indem Allah in der Sura al-Fadschr, 89, (deutsch.: Der Tagesanbruch), Vers 27-30, sagt:

„O du Mensch, der inneren Frieden erlangt hat! Kehre du zurück zu deinem Erhalter, wohlzufrieden (und Ihn) zufriedenstellend: gehe denn ein zusammen mit Meinem (anderen wahren) Dienern – ja, gehe du in Mein Paradies!“33

In der Folge kann davon ausgegangen werden, dass Gott im Menschen eine Antwort auf die offenbaren Verse bewirken möchte. Die wichtigsten Beteiligten in einem Kommunikationsmodell sind der Sender und der Empfänger. Im Rahmen dieser Arbeit ist der Sender Gott, der aktiv durch die offenbarten Verse eine Nachricht an den Empfänger sendet. Infolgedessen wird die eigentliche Botschaft verschlüsselt in Worten gesendet. Der Empfänger der Nachricht entschlüsselt die Botschaft, je nachdem, wie die Nachricht verstanden wurde und übersetzt sie in seine Sprache, in dessen Wert- und Normvorstellungen. Dass eine Botschaft beim Empfänger ankommt, das erscheint klar, jedoch nicht, welche und ob sie deckungsgleich mit dem Willen Gottes ist.

3.1 Die Beziehungsebene der Kommunikation

Die Sachbotschaft richtet sich an den Intellekt des Menschen, während die Beziehungsbotschaften die Gefühle eines Menschen aktivieren oder ansprechen sollen. Dabei hat die Beziehungsbotschaft zwei grundlegende Botschaften:

- Du-Botschaft: Was ich von dir halte
- Wir-Botschaft: Wie wir zueinander stehen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sender-Empfänger-Modell34

Auf der Beziehungsebene wird herausgefiltert, wie der Sender der Nachricht zum Empfänger steht. Die Art der Formulierung der Nachricht hat einen großen Einfluss darauf, ob sich der Empfänger respektiert oder vielleicht verachtet fühlt.

Du/Sie Botschaften wirken nachhaltig und sprechen umfassend die Emotionen beim Empfänger an. Auf der anderen Seite wirken sie auch verhaltensändernd, da der Empfänger auf diese Weise erfährt, wie er gesehen wird und er womöglich dadurch auch sein Verhalten verändert. Der Empfänger kann die Botschaft akzeptieren, durchgehen lassen, zurückweisen oder ignorieren.35

„Das Bild, das sich der Empfänger vom Sender macht und umgekehrt, ist für die Ver- beziehungsweise Entschlüsselung von großer Bedeutung. Je besser wir jemanden kennen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir richtig ver.- bzw. entschlüsseln.“36

3.2 Der Zweck der Beziehung

Hazrat Inayat Khan geht davon aus, dass das Wichtigste bezüglich des inneren Lebens, das ist, dass man eine Beziehung zu Gott herstellt, indem man Gott als einen Gegenstand sieht, mit dem man a priori verbunden ist. Dabei postuliert er, dass man sich von der Vorstellung, wie Gott sein könnte, distanzieren und Gott als eine Wirklichkeit betrachten soll. Gott wird nicht mehr in Frage gestellt, da er als eine große Wahrheit, die durch den Menschen hindurch aktiv ist, wahrgenommen wird.

Khans Argumentation geht dahingehend, dass er der Ansicht sei, dass, wenn der Mensch es schafft, eine wirkliche Beziehung zu Gott aufzubauen, die irdischen Bindungen immer weniger bindend werden. Dadurch wird der religiöse Mensch nicht gefühlskalt, sondern viel liebevoller und gütiger zu seinen Mitmenschen, da er es schafft, sich von all den Erwartungen im Leben zu lösen. Für Inayat Khan bedeutet das innere Leben nicht, dass man sein Leben hindurch die Augen für die Außenwelt verschließt und sich nur mehr nach innen richtet. Vielmehr will er zum Ausdruck bringen, dass der religiöse Mensch Gott überall auf der Welt sieht.

„Wer Gott liebt, hat noch etwas anderes mit dem menschlich Liebenden gemein. Er spricht zu niemand über seine Liebe. Er kann nicht darüber sprechen. Der Mensch kann nicht sagen, wie sehr er den Gegenstand seiner Liebe liebt; in Worten lässt es sich nicht aussprechen; außerdem fehlt ihm die Lust, mit irgendjemand darüber zu sprechen.“37

Auch Khorchides These bekräftigt Khans Grundgedanken von der Beziehung zu Gott, wenn er argumentiert, dass Gott den Menschen nicht nur erschafft, damit ihm gedient wird, sondern weil er eine Beziehung zum Menschen aufbauen möchte. Als Grundlage seiner These argumentiert Khorchide hier das Einhauchen des göttlichen Geistes im Menschen, wonach der Mensch eine natürliche Sehnsucht zu Gott habe . 38

„Und wenn Ich ihn vollständig geformt und ihm von Meinem Geist eingehaucht habe…“39

Wenn der Mensch eine Beziehung zu Gott aufbauen möchte, muss dieser zuvor Kenntnisse über diesen Gott haben. Im Rahmen dieser Arbeit geht es auch darum, dass der Leser selbst zu seinen inneren Prozessen alleine vorstoßen kann, ohne dass er dabei einen Theologen bei Seite haben muss, da sich eine Beziehung erst dann natürlich entwickelt, wenn sie von allen äußerlichen Einflüssen befreit ist. Khorchide fährt weiter fort, indem er sagt, dass das göttliche Attribut der Barmherzigkeit am häufigsten im Koran verwendet werde und Gott sich dem Menschen durch diese Eigenschaft offenbare, da die Barmherzigkeit Gottes über allem anderen stehe. Hier widerspricht Khorchide der gängigen Theologie, indem er die Aussage „Gott ist nicht nur barmherzig, sondern auch strafend.“ 40 als falsch einstuft.

Wenn nun Gott Strafmaßnahmen im Koran erwähnt und Belohnungen für den Menschen, dann nur aus dem Grund der Barmherzigkeit und nicht aus der Position der willkürlichen Macht.41 Diese theologische Sichtweise ändert die ganze Perzeption der theologischen Grundlagen im Leben eines religiösen Menschen, denn dann existiert kein schwarz-weiß Denken mehr, sondern ein differenzierteres Betrachten des göttlichen Anspruchs auf den Menschen. Denn, weil Gott den Menschen liebt, verbietet er ihm bestimmte Dinge und weil Gott den Menschen liebt, gebietet er ihm bestimmte Dinge. Der Mensch kann jedoch selbst entscheiden, inwieweit er sich zur Beziehung zu Gott entscheidet oder nicht, da er einen freien Willen bekommen hat und mündig und frei in seinem Handeln ist.

„Je mehr Bewusstsein, desto mehr Selbst, je mehr Bewusstsein, desto mehr Wille; je mehr Wille, desto mehr Selbst. Ein Mensch, der keinen Willen hat, ist kein Selbst; aber je mehr Willen er hat, desto mehr Selbstbewusstsein hat er auch.“42

Eine nahezu gleiche Vorstellung über die Selbstbestimmung des Menschen vertritt Kant, indem er immer wieder den Menschen dazu auffordert, sich seines Verstandes zu bedienen. Dabei betont Kant, dass alleine das Verwenden des eigenen Verstandes keine Schwierigkeit darstellen würde, wenn es dem Menschen gelinge, sich mutig durch seine eigenen Denkprozesse zu begleiten und dem aufzuhorchen, was in einem selbst lebendig wird und vollkommen seine geistigen Kräfte auszuschöpfen.

„Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Erschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“43

3.3 Der Weg zur Beziehung

„Die Beduinen sagen: „Wir haben Glauben erlangt.“ Sag (zu ihnen, o Muhammad): „Ihr habt (noch) nicht Glauben erlangt; ihr solltet (vielmehr) sagen: „Wir haben uns (äußerlich) ergeben – denn (wahrer) Glaube ist in eure Herzen noch nicht eingezogen.“44

Gott kritisiert hier die Beduinen, indem er sie mahnt, sich vor Vorurteilen und falschem Stolz zu hüten, da der wahre Glaube erst dann in einem Menschen Einzug gehalten hat, wenn dieser sein Herz von Übermut und Arroganz gereinigt hat. Dies wiederum fordert den Menschen dazu auf, sein Herz von innen zu sehen, es zu disziplinieren und darüber zu reflektieren, was Gott von einem Menschen wirklich will. Demnach kann ein Mensch nicht umher, als über die offenbarten Worte Gottes nachdenken. Hierzu heißt es Koran:

„Beizeiten werden Wir sie Unsere Botschaften voll verstehen lassen (durch das, was sie wahrnehmen) an den äußersten Horizonten (des Universums) und in sich selbst, so dass es ihnen klar sein wird, dass diese (Offenbarung) fürwahr die Wahrheit ist.“45

Für Toshihiko Izutsu sind die Bedeutungen zu den Versen symbolisch zu verstehen, denn Gott zeigt sich in den Versen dem Menschen sichtbar. Durch das Verstehen seiner Worte kann Gott in die menschlichen Angelegenheiten einwirken.

Das theologische Bemühen geht einher, indem man Gott als Ausgangs-, Bezugs-, und Zielpunkt betrachtet. Damit jedoch der Mensch Gott begreifen kann, muss er sich selbst erst gut kennen. Demnach befinden sich alle Menschen inmitten der göttlichen Symbole, die sie jedoch erst offenbaren müssen. Gott hat zwar die Verse offenbart, doch der Mensch muss die weitere Initiative ergreifen und auch die innere Bereitschaft haben, um sie zu begreifen. Daher ist es nicht möglich, Verse ganzheitlich für sein Leben zu verstehen, ohne sich vorher mit ihnen auseinandergesetzt zu haben. Somit kann der Mensch als verantwortungsvolles Wesen die Offenbarung Gottes ablehnen oder annehmen.

„Wir haben euch fürwahr die Zeichen (davon) klargemacht, wenn ihr doch nur euren Verstand gebrauchen würdet!“46

Die folgende Abbildung soll verdeutlichen, wie eine Kommunikation nach Izutsu erfolgen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Nonverbale Kommunikation47,48

3.3.1 Erklärung zur Tabelle:

Dem Koran zufolge liegt die Quelle des menschlichen Verstehens in der psychologischen Kapazität, genannt das „Herz“.49,50

Alle mentalen Aktivitäten (das Verstehen, Begreifen, Erfassen…) sind nichts anderes als konkrete Erscheinungsformen der geistigen Kapazität. Das Herz also befähigt erst den Menschen, die Bedeutung der göttlichen Verse (arab.: ayat) zu verstehen.

Wenn also dieses Organ (Herz) versiegelt und abgedeckt und nicht richtig funktioniert, dann ist es nicht in der Lage, zu verstehen (3).

„…weshalb ihre Herzen versiegelt wurden, sodass sie die Wahrheit nicht erfassen konnten.“51

Das Herz wurde so erschaffen, dass es auf natürliche Weise die Bedeutung der göttlichen Verse verstehen kann, vorausgesetzt, es funktioniert. Wie kann man nun sicher gehen, ob man die göttlichen Verse verstanden hat? Es geht um die Bedeutung, dass nur ein verständnisvolles Herz offenbart werden kann. Für ein solches Herz sind die Verse hauptsächlich diametral - die Verse sind entgegengesetzt zu verstehen. Beispielsweise symbolisieren einige Verse die göttliche Güte, die unendliche Liebe, das Wohlwollen und die Gnade Gottes, während andere den Zorn Gottes, die unmittelbar bevorstehende Strafe und Rache symbolisieren. Im ersten Fall des göttlichen Handelns spricht man vom Überbringen der guten Nachricht; im letzteren Fall von einer Warnung. Entsprechend ist der Prophet auch so genannt worden, als der Überbringer der guten Nachricht aber gleichzeitig auch als jener Überbringer, der die Warnung ausspricht (4).

Die fünfte Spalte (5) befasst sich mit der Reaktion des Menschen auf die göttlichen Verse. Die grundlegende menschliche Antwort besteht entweder aus der Annahme der göttlichen Verse, indem man sie als richtig bezeichnet auch oder der Ablehnung der göttlichen Verse, indem man sie als völlig unsinnig bezeichnet. Die Verzweigung der menschlichen Reaktion ist sehr wichtig, da es förderlich für den „Glauben“ sein kann, aber auf der anderen Seite auch für den „Unglauben“. Die unmittelbare Folge dieser gegabelten menschlichen Antwort wird in Spalte sechs (6) sichtbar, in der nicht-sprachlichen Kommunikation.

Wenn ein Mensch also die göttlichen Symbole (Verse) als wahr akzeptiert (A +a), als Symbol der göttlichen Gnade: Dann spiegelt sich das Ergebnis an diesem Menschen im religiösen Sinne in Dankbarkeit wider (I).

Wenn er zudem die Symbole (Verse) in der zweiten Kategorie B+a als wahr akzeptiert, ergibt das die Gottesfürchtigkeit des Menschen. Das bedeutet ursprünglich die Furcht vor der Strenge des Herrn am Tage des Gerichtes und Seiner Züchtigung.

Wenn ein Mensch A + als falsch ansieht, und A+b auch, dann ergibt das den Unglauben eines Menschen.

Zum Gegensatz steht Iman hier mit: A B +b52

3.4 Die Beziehung im Unterricht

Im Unterricht kommt man als Lehrkraft nicht umhin, eine Beziehung zu den SchülerInnen aufzubauen, damit Lernprozesse stattfinden können. Lernen funktioniert über Beziehung, weil im Unterricht nicht nur der Intellekt der SchülerInnen angesprochen wird, sondern vor allem im Religionsunterricht das menschliche Herz.

Hier unterscheiden Hart und Hodsen mindestens vier Arten von Beziehungen im Unterricht. Erstere ist jene Beziehung, die die LehrerInnen zu sich selbst pflegen. Die zweite ist die Beziehung, die LehrerInnen zu ihren SchülerInnen haben. Die dritte meint jene Beziehung, die die SchülerInnen untereinander haben und die vierte Beziehung definiert, wie die SchülerInnen zu ihrem eigenen Lernprozess stehen.

Wesentlich für die vorliegende Arbeit ist jene Beziehung, die die LehrerInnen zu sich selbst pflegen sowie auch die Beziehung, die sie zu ihren SchülerInnen haben. Die beiden anderen Aspekte von Beziehung sind zwar auch wesentlich, werden jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt.

„Wahres Mitgefühl erfordert von uns, unsere eigene Menschlichkeit zu beachten, zu einer tiefen Akzeptanz unseres eigenen Lebens zu kommen, so wie es ist. Dafür müssen wir mit dem, was in uns selbst am menschlichsten ist, wirklich in Beziehung treten.“53

Folgende Fragen können für die LehrerInnen hilfreich sein:

1. Welche Qualitäten bewerte ich bei mir selbst am meisten?
2. Welche Qualitäten möchte man bei seinen eigenen SchülerInnen kultivieren?

Anne-Marie Tausch und Reinhard Tausch beschreiben, dass der Unterricht die seelischen Vorgänge durch äußere Bedingungen erleichtert oder auch erschwert werden kann. Die Lernvorgänge werden durch „ das gefühlsmäßige und soziale Verhalten des Lehrers“ 54 ausgelöst. In empirischen Studien wurden die vier förderlichen Verhaltensnormen und Haltungen (methodisch als Dimensionen bezeichnet) 55 zusammengefasst und geprüft. Die folgende Darstellung soll die 4 Dimensionen im Zwischenmenschlichen beleuchten und im nachfolgenden Unterkapitel näher erläutern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Die vier Dimensionen56

Die vier Dimensionen erweisen sich als eine weitreichende Entwicklung der seelischen Grundvorgänge von Kindern und Jugendlichen, wobei auch hier Tausch kritisch anmerket, dass die Lehrperson die anzustrebenden Haltungen im schulischen Bereich nur sehr begrenzt leben kann.

[...]


1 Orth, Gottfried: Friedensarbeit mit der Bibel. Göttingen: Verlag Vandenhoeck & Ruprecht GmbH 2011, S. 7.

2 Datler, Margit: Die Macht der Emotion im Unterricht : eine psychoanalytisch-pädagogische Studie, Gießen: Psychosozial-Verlag, 2012, S.11.

3 Ebd.

4 Vgl.Datler, Margit: Die Macht der Emotion im Unterricht : eine psychoanalytisch-pädagogische Studie, Gießen: Psychosozial-Verlag, 2012, S.11.

5 Vgl. Asad, Muhammad: Die Botschaft des Koran. Ostfildern: Patmos Verlag 2011, S. 24.

6 Von Gizicky, Katja: Kartenset zur Gewaltfreien Kommunikation. Berlin: Spree Druck GmbH, 3. Auflage 2011.

7 Visuell sehen die Kästchen wie folgt aus:

8 Vgl. Baltes, Margret / Reisenzein, Rainer: Emotionen aus der Sicht der behavioristischen Lerntheorien in: Emotion und Reflexivität. München-Wien-Baltimore: Urban & Schwarzenberg 1985, S. 52ff.

9 Vgl. Bauer-Jelinek, Christine: Die helle und dunkle Seite der Macht. Salzburg: Ecowin Verlag GmbH 2009, S. 88.

10 Hüther, Gerald: Mit Freude lernen. Göttingen: Verlag Vandenhoeck & Ruprecht GmbG 2016, S. 105.

11 Vgl. Kramer, Rolf-Ulrich. Emotionen meistern. Ahlerstedt: Param Verlag 2013, S. 8.

12 Hänze, Martin: Denken und Gefühl: Wechselwirkung zwischen Emotion und Kognition im Unterricht. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 2009, S. 9.

13 Vgl. Bundschuh, Konrad. Förderdiagnostik konkret. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhard 2007, S. 191.

14 Vgl. Oerter, Rolf / Weber, Erich: Der Aspekt des Emotionalen in Unterricht und Erziehung. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer 1975, S. 21f.

15 Winter, Eyal: Kluge Gefühle. Köln: Verlag DuMont 2015, S. 26.

16 Vgl. Oerter, Rolf / Weber, Erich: Der Aspekt des Emotionalen in Unterricht und Erziehung. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer 1975, S. 83.

17 Oerter, Rolf / Weber, Erich: Der Aspekt des Emotionalen in Unterricht und Erziehung. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer 1975, S. 35.

18 Oerter, Rolf / Weber, Erich: Der Aspekt des Emotionalen in Unterricht und Erziehung. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer 1975, S. 83

19 Vgl. Oerter, Rolf / Weber, Erich: Der Aspekt des Emotionalen in Unterricht und Erziehung. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer 1975, S. 94

20 Vgl. Stemme, Fritz: die Entdeckung der Emotionalen Intelligenz. München: Verlag Wilhelm Goldmann 1997, S. 23f.

21 Vgl. Fuchs, Irmgard: Eros und Gefühl: Über den emotionalen Wesenskern des Menschen. Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 1998, S. 11f.

22 Ebd. S. 12

23 Ebd. S. 13.

24 Ebd. S. 18.

25 Ebd. S. 19.

26 Zitat von Adler, in: Fuchs, Irmgard: Eros und Gefühl: Über den emotionalen Wesenskern des Menschen. Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 1998, S. 47.

27 Vgl. Fuchs, Irmgard: Eros und Gefühl: Über den emotionalen Wesenskern des Menschen. Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 1998, S. 48.

28 Ebd. S. 50.

29 Ebd. S. 55

30 Zitat von Schultz-Hencke, in: Fuchs, Irmgard: Eros und Gefühl: Über den emotionalen Wesenskern des Menschen. Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 1998, S. 54.

31 Vgl. Fuchs, Irmgard: Eros und Gefühl: Über den emotionalen Wesenskern des Menschen. Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 1998, S. 55.

32 Vgl. Braun, Roman: Die Macht der Rhetorik. FinanzBuch Verlag GmbH München 2012, S. 11.

33 Asad, Muhammad: Die Botschaft des Koran. Ostfildern: Patmos Verlag 2011, S. 1162.

34 Online im Internet: URL: https://dorinaziefle.files.wordpress.com/2010/01/bild-11.png, Zugriff: 11.06.2018.

35 Vgl. Schauer, Manfred: Die Macht des Wortes. Molden Verlag 2013, S. 36.

36 Schauer, Manfred: Die Macht des Wortes. Wien-Graz-Klagenfurt: Molden Verlag 2013, S. 22.

37 Khan, Inayat Khan: Das Innere Leben – Der Zweck des Lebens. Den Haag: East-West Publications 1980, S. 26.

38 Vgl. Khorchide, Mouhanad: Islam ist Barmherzigkeit. Freiburg-Basel-Wien: Verlag Herder GmbH 2013, S. 28ff.

39 Asad, Muhammad: Die Botschaft des Koran. Ostfildern: Patmos Verlag 2011, S. 491.

40 Vgl. Khorchide, Mouhanad: Islam ist Barmherzigkeit. Freiburg-Basel-Wien: Verlag Herder GmbH 2013, S. 45.

41 Vgl. Khorchide, Mouhanad: Islam ist Barmherzigkeit. Freiburg-Basel-Wien: Verlag Herder GmbH 2013, 44ff.

42 Zitat von Sören Kierkegaard in: Hahn, Britta: Ich will anders, als du willst, Mama. Paderborn: Junfermann Verlag 2007, S. 12.

43 Kant, Immanuel: Was ist Aufklärung? Berlin:Dearbooks Verlag 2016, S. 7.

44 Asad, Muhammad: Die Botschaft des Koran. Ostfildern: Patmos Verlag 2011, S. 980.

45 Ebd. S. 913.

46 Asad, Muhammad: Die Botschaft des Koran. Ostfildern: Patmos Verlag 2011, S. 129.

47 Vgl. Izutsu, Toshihiko: God and Man in the Qur’an Weltanschauung. Tokyo: Keio University 1964, S 147ff.

48 Freie Übersetzung der Autorin aus dem Englischen Original.

49 Vgl. Izutsu, Toshihiko: God and Man in te Qur’an Weltanschauung. Tokyo: Keio University 1964, S 147ff.

50 Freie Übersetzung der Autorin aus dem Englischen Original.

51 Asad, Muhammad: Die Botschaft des Koran. Ostfildern: Patmos Verlag 2011, S. 359.

52 Vgl. Toshihiko Izutsu, God and man in the Quran, Keio University Minatoku, 1964, S. 147ff. Freie Übersetzung der Autorin aus dem Englischen Original.

53 Zitat von Remen, Naomi; in: Empathie im Klassenzimmer, Paderborn: Junfermann Verlag 2006, S. 26.

54 Tausch, Anne-Marie / Tausch, Reinhard: Erziehungspsychologie. Göttingen-Bern-Toronto-Seattle: Verlag für Psychologie 1998, S. 29.

55 Ebd. S. 99.

56 Ebd. S. 100.

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten

Details

Titel
Gewaltfreie Kommunikation im Islamischen Religionsunterricht. Wie Sprache und Emotionen das Verständnis von Koranversen prägen
Autor
Jahr
2020
Seiten
121
Katalognummer
V500499
ISBN (eBook)
9783960957683
ISBN (Buch)
9783960957690
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewaltfreie Kommunikation, Islam, Religion, Unterricht, Pädagogik, Exegese, Tafsirwissenschaft, Hermeneutik, Gott, Mensch, Koran, Religionspädagogik, Schule, Glaube
Arbeit zitieren
Maida Causevic (Autor), 2020, Gewaltfreie Kommunikation im Islamischen Religionsunterricht. Wie Sprache und Emotionen das Verständnis von Koranversen prägen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500499

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