Jüngere Entwicklungen im interdependenten Dreieck der Weltwirtschaft


Studienarbeit, 2002

37 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Teil
1.1 Einleitung
1.1.1 "Weltwirtschaft" als Forschungsgegenstand
1.1.2 Historische Eckdaten zur Entwicklung des modernen Weltwirtschaftssystems

II. Teil
2.1 Die weltwirtschaftlichen Akteure
2.1.1 Die Vereinigten Staaten von Amerika
2.1.1.a Der Wandel der Hegemonial-Rolle
2.1.1.a.1 Verlust der Währungskontrolle
2.1.1.a.2 Die USA als Handelspartner
2.1.1.a.3 Investitionen und Finanzströme
2.1.2 Europa
2.1.2a Einführung: Regionalisierung und Regionalismus
2.1.3 Japan und asiatische Schwellenländer
2.1.4 Schwellen- , Reform-, und Entwicklungsländer
2.1.4.1. Schwellenländer: Lateinamerika
2.1.4.2 (östliche) Reformländer (die GUS)
2.1.4.3 Entwicklungsländer
2.2 Schlusskommentar

III. Teil
3.1 Literaturverzeichnis

I. Teil

1.1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den jüngsten Entwicklungen im sog. inter-dependenten Dreieck der Weltwirtschaft und zwar im Zeitraum von 1996 bis in Jahr 2001, wobei auch ein gelegentlicher Blick auf das Jahr 2002 nicht vermieden werden soll. Der Entstehung dieses Dreiecks, gemeint sind die drei grossen "Gravitationszentren" (Link) Nordamerika, West-Europa und der asiatisch-pazifische Raum, soll dabei ebenso nachgegangen werden wie der Frage nach den Machtverhältnissen innerhalb des Dreiecks. Die Antwort auf diese Frage scheint leicht und schon an dieser Stelle zu beantworten, doch geben historische als auch aktuelle Entwicklungen der Frage eine Dynamik, die es zu ergründen gilt. Expliziert zu einer konkreten Fragestellung lässt sich diese wie folgt formulieren: "Auf welche Art und Weise füllen die USA ihre Hegemon-Stellung im Weltwirtschaftssystem aus ?" Der Beantwortung dieser Frage soll in dieser Arbeit im wesent-lichen Rechnung getragen werden.

Da sich die Wirtschaftspolitik der mit dem Dreieck umgrenzten Akteure auf das gesamte Weltwirtschaftssystem auswirkt, bzw. es maßgeblich gestaltet, werden ebenso die Akteure "außerhalb", oder besser: am Rande der jeweiligen "Pfeiler" des Dreiecks betrachtet. Gemeint sind damit die sog. Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländer. Auch hier ergeben sich Fragen: Wie nehmen sie Einfluss, welche tatsächlichen Möglichkeiten der Einflußnahme bieten sich ihnen und wo sind die Grenzen ihrer Interessenvertretung erreicht ?

Um eine theoretische als auch historische Fundierung des oben formulierten Arbeitsansatzes zu leisten, sollen im folgenden der Forschungsgegenstand "Weltwirtschaft" sowie die wichtigsten historischen Eckdaten der Entstehung des modernen Weltwirtschaftssystems in nuce skizziert werden.

1.1.1 "Weltwirtschaft" als Forschungsgegenstand

Bereits die sogenannten liberalen Klassiker wie Adam Smith oder John Stuart Mill betrachteten die politische Ökonomie als Einheit und nahmen keine Trennung zwischen den beiden Disziplinen Politik und Wirtschaft vor. Diese erfolgte erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und hier war es der Marxismus, der, nachdem die liberale Tradition in Politik und Wirtschaft zerfiel, sich dem Feld der politischen Ökonomie widmete. Von der angelsächsischen Politikwissenschaft in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahr-hunderts unter dem Namen Neue Politische Ökonomie wiederentdeckt, wurde sie einige Jahre später auch in Deutschland wieder Forschungsgegenstand, wenn auch mit Einschränkungen. (vgl. Rohde 1996: 414)

Interessant ist zunächst die Tatsache, das Ökonomie und Politik nicht einfach zu trennen sind. Zwar lässt sich durch eine Differenzierung des Gesellschaftssystems in ein politisches und wirtschaftliches Subsystem und die Beobachtung der Interaktion zwischen beiden eine Analyse leichter durchführen. Dabei wird deutlich, dass in beiden Subsystemen Wert-zuweisungen vorgenommen werden. Das politische Subsystem deckt hierbei die beiden Bereiche Sicherheit und Herrschaft ab; die Errichtung von Herrschaft, die Sicherung derselben anhand - im Idealfall - demokratischer Institutionen, das Schaffen von Sicherheit durch Sicherung der Souveränität nicht nur nach innen sondern auch nach außen hin; diese Faktoren sorgen für eine Stabilität und Ordnung die Voraussetzung für die weiterführende Bedarfsdeckung in einem Gemeinwesen ist, i.e. die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger. Die Aufgabe der Wohlfahrtsallokationen kommt hingegen nicht ausschließlich dem politischen Subsystem zu; hier wird eine Schnittmenge mit dem wirtschaftlichen Subsystem gebildet, dass zur Wohlfahrtsallokation den elementaren Grundstein beisteuert. Allerdings geschieht dies nicht in einem völlig politikfreien Raum, da die Marktregulation des wirtschaftlichen Systems in vom politischen System bestimmten und durch Intervention durchgesetzten Rahmenbedingungen stattfindet. (Rohde; ibd.)

Als Betrachtungseinheit ist der Nationalstaat anzusehen. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass die eingangs geführte Argumentation zur Komplementarität von Wirtschaft und Politik gestützt werden kann - wird doch durch den Bezug auf Staaten als politische Einheiten deutlich, dass Weltwirtschaftsfragen nicht bloß als ökonomische Probleme angesehen werden können, sondern als Fragen der politischen Ökonomie (Andersen 2000: S.537) - auch der Aspekt der Analyse lässt sich dadurch vereinfachen. Eine kurze aber dennoch profunde Herleitung der Geschichte und Philosophie des Nationalstaates findet sich beispielsweise bei Werner Link (1999).

Die Aktionen und Interaktionen einzelner Staaten bieten greifbare Anhaltspunkte einer Analyse internationaler (Wirtschafts)-Beziehungen, auch Transnationale Konzerne (TNK) oder - Banken (TNB) als wichtige nichtstaatliche Akteure können anhand der Lokalisation ihrer "Heimatbasis" leichter erfasst werden. Und schließlich tritt auch die Politik einzelner Staaten, die diese zur Wahrung ihrer Eigeninteressen im Rahmen eigentlich internationaler und (pro forma) unabhängiger Organisationen wie z.b. der WTO betreiben, deutlicher hervor, wenn man ihre Urheber gesondert betrachtet.

Der Begriff der Interdependenz der Staaten - gemeint ist damit ihre gegenseitige Abhängigkeit und Verwundbarkeit - tauchte in der Lehre der Internationalen Beziehungen in den 70er und 80er Jahren des 20. Jh. auf. Unterschieden werden in der Forschung drei verschiedene theoretische Ansätze über Wirkungsweise und Nutzen der Interdependenz. Die idealistische Sichtweise erhofft sich von einer zunehmenden internationalen Interdependenz "eine Zivilisierung der internationalen Beziehungen" (Bernauer), also primär eine Verringerung kriegerischer Auseinandersetzungen. Lange Zeit (und das zu recht) dominierend jedoch war die realistische Betrachtungsweise, die sich an machtpolitischen Gegebenheiten orientierte. Die Anarchie der internationalen Staatenwelt führt zu einem allgemein akzeptierten Aufbau militärischen Potenzials mit dem Ziel der um der Selbsterhaltung willen notwendigen Abschreckung, die sich allerdings auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen ausweiten kann. Später hinzu stieß die positivistische Denkart, welche die konkrete Frage nach der tatsächlichen Größe der Interdependenz und ihren Konsequenzen stellte. Historische Wendepunkte die zum positivistischen Ansatz führten, waren u.a. die Erdölkrisen von 1973 und 1979 und das Ende des Bretton-Woods-Systems der festen Wechselkurse, da durch diese Ereignisse weiten Teilen der Öffentlichkeit "die gegenseitige, und nicht unbedingt nur positiv zu bewertende, Abhängigkeit nationalstaatlich organisierter Gesellschaften drastisch vor Augen" geführt wurde (Bernauer 2000: 59).

Dass sich diese Debatten bis in die 1990er Jahre hinein zwischen Neo-Realisten und neoliberalen Institutionalisten fortschrieben, soll und kann an dieser Stelle nicht weiter dokumentiert werden, da hier nur die Grundströmungen aufgezeigt werden sollen. Verwiesen sei aber auf Bernauer (2000: 60 f.) und Czempiel (1996: 2 f.), die der Diskussion dieses Aspektes mehr Raum geben.

1.1.2 Historische Eckdaten zur Entwicklung des modernen Weltwirtschafts-systems

Wie oben angekündigt, soll an dieser Stelle die Genese des modernen Weltwirtschaftssystems aufgezeigt werden; einsetzen möchte ich mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts.

Schon in den 1920er Jahren haben sich weltwirtschaftlich drei Pole herausgebildet, deren Ähnlichkeit mit den Akteuren des interdependenten Dreiecks frappierend ist. Folgende Akteure hatten im Jahre 1928 nachstehenden Anteil am Welthandel; 47 % entfielen auf West-Europa und jeweils 18 % auf Nordamerika (plus Mexiko) und Asien. Insgesamt entfielen also 83 % auf diese drei Regionen (Link 1999: 70). Die Gründe für den weltwirtschaftlichen Rang der genannten Regionen waren vielgestaltig. Als kennzeichnend für den Erfolg lassen sich die Stichworte Kolonialismus, Imperialismus, leistungsstarke Industrien und aufnahmebereite Absatzmärkte anführen. Die systemischen Rahmenbedingungen innerhalb derer die Akteure der "Triade" (Link) agierten, wurden von einem auf Freihandel basierenden Weltwirtschaftssystem bereitgestellt, dass sich größtenteils durch klassisch-liberale Wirtschaftsgrundsätze auszeichnete und nur in geringem Maße durch Zölle oder staatliche Eingriffe beeinflusst wurde. Die Stabilität der Wechselkurse wurde durch einen von der Bank von England garantierten internationalen Goldstandard gewährleistet. Die Schwächen dieses relativ unverbindlichen Wirtschaftssystems: da sowohl die Handels- als auch die Finanztransaktionen nicht vertraglich oder durch Institutionen abgesichert waren, ergab sich eine gewisse Labilität, die von den Akteuren ein hohes Maß an "Systemgehorsam" (Andersen) erforderte und stellenweise weitreichende Konsequenzen für die Weltmarkt-akteure hatte, da "die Einhaltung der Spielregeln zudem mit dem Vorrang der Wechsel-kursstabilität gegenüber anderen wirtschaftspolitischen Zielen, wie Vollbeschäftigung, verbunden war" (Andersen 2000: 538).

Eine epochale Zäsur erfuhr das Weltmarktgeschehen nicht nur durch den 1. Weltkrieg ( hier profitierten schließlich noch die Chemische- und die Rüstungsindustrie ) sondern vielmehr durch die Weltwirtschaftskrise, ausgelöst durch einen einer übersteigerten Spekulation an der New Yorker Börse folgenden Kurssturz im Jahre 1929. Neben den allgemein bekannten historischen Folgen (u.a. für die Weimarer Republik ) brachen auch die bisherig den Weltmarkt stützenden Säulen des Goldstandards ein (1931). Mittels Handels- und Devisen-beschränkungen sowie Wechselkursmanipulationen versuchten einige Staaten der Lage entgegenzuwirken. "In dieser Situation musste man den Zusammenbruch, die Hilflosigkeit der ´freien Wirtschaft´, ihre Unfähigkeit, die Krisis aus eigener Kraft so zu überwinden, daß keine innen- und außenpolitisch gefährlichen sozialen Spannungen entstanden oder blieben, eingestehen" (Treue 1962: 659 f.). Vorrang hatte nun nicht mehr die um jeden Preis zu erhaltene Wechselkursstabilität, sondern eine zunehmende Fokussierung binnenwirt-schaftlicher Ziele, wie beispielsweise die Jahre vorher zurückgestellte Vollbeschäftigung. In der Folge führte dies zu massiven staatlichen Eingriffen in das nationale wirtschaftliche Geschehen, Eingriffe, die jedoch nicht mit anderen Staaten abgesprochen waren und deren Maßnahmen oftmals zuwiderliefen. "Auch wenn diese Übersteigerung nationaler Autonomie-ansprüche zu weltwirtschaftlich eindeutig negativen Konsequenzen führte, so hat die Weltwirtschaftskrise andererseits deutlich gemacht, dass ein System, das solche Krisen zulässt, aus wirtschaftlichen, politischen und humanitären Gründen nicht toleriert werden kann" (Andersen 2000: S. 539).

Diesen Erfahrungen Tribut zollend, ging während und verstärkt nach dem 2. Weltkrieg eine neue weltwirtschaftliche Initiative von den USA und Großbritannien aus. Die Kräfte des freien Marktes sollten weiterhin Kennzeichen der Weltwirtschaftsordnung sein, doch sollten sie neu strukturiert werden. Da man den autonomen einzelstaatlichen Aktionen, die im Zuge der Weltwirtschaftskrise ergriffen wurden, u.a. das Mitverschulden des 2. Weltkrieges zuschrieb, sollte das künftige Weltwirtschaftsgeflecht "vertraglich abgesichert und durch neue internationale Institutionen zumindest ansatzweise international gesteuert" werden können. (Andersen, ibd.). Allerdings verzichtete man auf die Erschaffung einer alle Bereiche abdeckenden "Weltwirtschaftsorganisation" sondern trennte einzelne Sachbereiche. Dies führte 1944 in Bretton Woods (USA) zunächst zur Schaffung eines Internationalen Währungssystems, das seine Institutionalisierung durch die Entstehung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank erlangte. Für den Bereich des Handels wurde 1947 in Genf das General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) unterzeichnet, als deren vordringlichstes Anliegen Zollsenkungen zwischen den Vertragspartnern formuliert wurden. Es sei am Rande bemerkt, dass das GATT lediglich eine Art handelspolitischen Grundsatzkatalog für die damals geplante Internationale Handelsorganisation (ITO) darstellte. Die ITO wurde allerdings von den USA nicht ratifiziert, da man handelspolitischen Forde-rungen einiger Entwicklungsländer nicht nachgeben wollte und so wurde kurzerhand das GATT (und die in ihm festgeschriebenen Zollsenkungen) als Maßstab übernommen (Neuschwandner 2000: 548).

Im Jahre 1995 wurde aus dem GATT die WTO entwickelt, die als World Trade Organisation der Überwachung und Kontrolle des weltweiten Handels dienen soll. Sie stellt eine Weiterentwicklung des GATT dar, da sie um einige Bereiche wie z.b. Dienstleistungen und Wissen ergänzt wurde. Weltweite Geltung in puncto Handelspolitik hat die WTO aufgrund ihrer vielfältigen Funktionen. So ist sie nicht nur ein internationales Forum für Handelspolitik und Handelskonflikte, sondern auch für technische Unterstützung der Entwicklungsländer zuständig. Die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen ist ebenso integraler Bestandteil ihrer Arbeit. Die WTO hat mittlerweile 144 Mitglieder (Stand 1. Januar 2002, Homepage der WTO), die zusammen über 90% des Welthandels abwickeln (Neuschwandner 2000: S. 546).

Abschliessend bleibt anzumerken, dass die ursprüngliche Idee des weltweiten Freihandels, die Ende des 2. Weltkrieges nicht nur formuliert sondern in vielgestaltigen Abkommen auch manifestiert wurde, sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in nahezu perfektionierter Form präsentiert; zumindest für die den Welthandel gestaltenden und von ihm hauptsächlich profitierenden Industrie- und Schwellenländer. Das das Gefälle zwischen diesen und den oftmals als "Verlierern" der Globalisierung bezeichneten Entwicklungsländern im Laufe dieser "Entfaltungszeit" massiv anstieg, sei nur am Rande bemerkt, da auf diesen Punkt im Verlauf der Arbeit noch eingegangen werden soll.

II. Teil

2.1 Die weltwirtschaftlichen Akteure

Im Hauptteil der vorliegenden Arbeit soll der Darstellung und Analyse der am Weltmarkt-geschehen (mehr oder weniger) beteiligten Akteure Raum gegeben werden. Beginnend mit den Akteuren des eingangs beschriebenen interdependenten Dreiecks orientiert sich der Aufbau dieses Teils weitgehend an der Strukturierung eines Beitrages von Reinhard Rode (1996: 413 - 440).

2.1.1 Die Vereinigten Staaten von Amerika

Die USA haben ihre Hegemonial-Rolle seit dem 2. Weltkrieg konsequent ausgebaut. Wie bereits aufgezeigt wurde, gingen von ihnen entscheidende Impulse zur Schaffung einer neuen Weltwirtschaftsordnung aus. Ihrer machtvollen Rolle auf der Weltbühne gemäß, artikulierten sich aber auch ihre Forderungen an den Weltmarkt, die sich hauptsächlich in einem konse-quent bis aggressivem Eintreten für schrankenlosen Welthandel äußerten und äußern. Auf der Haben-Seite ihres Welthandelskontos verbuchen sie ihr kraftvollstes Plus; den grössten und abnahmestärksten Binnenmarkt der Welt, der - wie noch zu zeigen sein wird - für das Wohl und Wachstum der Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung ist.

Die Rolle der USA als sog. "Hegemon" (Rode) wird in der Literatur unterschiedlich betrachtet. Hegemoniebefürworter bewerten die Vormachtstellung der USA in zweifacher Art und Weise als positiv. Einmal natürlich für die USA selbst, da ihnen durch das Innehaben dieser Rolle natürlich andere - und gewichtigere - Handlungsoptionen in puncto wirtschaftspolitischen Fragen offen stehen als anderen Akteuren. Zum anderen sehen die Befürworter einen positiven Effekt auf die Weltwirtschaft insgesamt, da die USA ihrerseits für Stabilität sorgen, ein Aspekt auf den ich eben verwiesen habe und der für die Entwicklung ganzer Regionen von Relevanz ist, wie es noch aufzuzeigen gilt. Den Hegemoniebefürwortern kann in diesem Punkt teilweise zugestimmt werden. Wenn sie allerdings monieren, erst der "Niedergang der hegemonialen Position (der USA) habe zur erneuten Politisierung der Weltwirtschaftsbeziehungen und damit zu Destabilisierung und einem erhöhten Konfliktniveau geführt" (Rode 1996: 417), so muss dem entgegnet werden, dass es (a) einer gesunden Weltwirtschaft nicht zuträglich sein kann, wenn sich Abhängigkeiten von derartigen Größenordnungen ergeben (vgl. das aktuelle Hoffen auf einen Konjunkturanzug des amerikanisches Marktes, z.b.: Caspar: "Joe Sixpack müsste jetzt einen tiefen Schluck nehmen", Frankfurter Rundschau Nr. 192, 20.08.2002, S. 9) und es sich (b) bei den regionalistischen Bestrebungen in Teilen der Welt ja durchaus um die Schaffung von Gegenpolen zum Übergewicht der USA handelt; Gegenpole die nötig wurden, weil sich die USA in ihrer Handels- und Wirtschaftspolitik gegenüber anderen (wirtschaftlich schwächeren) Staaten nicht eben kooperativ zeigten. Dieses Argument schliesst an die Auf-fassung der Hegemoniekritiker an, welche die Weigerung der USA, "sich auf ein multi-laterales Management der Weltwirtschaft einzulassen, als Grund für die Krisenerscheinungen seit Anfang der 70er Jahre" betrachten (Rode 1996: 417).

Die Vormachtstellung der USA hat sich, dass deuten die eben an- und dargestellten Überlegungen an, in den letzten Jahren gewandelt. In den folgenden Kapiteln will ich versuchen, diese Entwicklungen aufzuzeigen.

2.1.1.a Der Wandel der Hegemonial-Rolle

Betrachtet man die Entwicklung der amerikanischen Hegemonialrolle im Verlauf der letzten Jahrzehnte wird deutlich, dass sie Entwicklungen ausgesetzt war, die ihre uneingeschränkte Machtposition stark beeinträchtigten. Diese Entwicklungen sollen an den Bereichen Währung, Handel und Investitionen dargestellt werden.

2.1.1.a.1 Verlust der Währungskontrolle

Wie bereits an anderer Stelle aufgezeigt, wurde 1944 das Währungsregime von Bretton Woods etabliert. Das von den USA maßgeblich mitinitiierte Regime garantierte über das Kernstück des Regimes, des Internationalen Währungsfonds (IWF), auf der Grundlage eines Gold-Dollar-Standards feste Wechselkurse für alle seine Mitglieder. Obwohl die inter-nationale Nachkriegsliquiditätsmenge nicht nur durch den US-Dollar sondern auch durch das britische Pfund Sterling garantiert wurde, kam dem US-Dollar eine Sonderrolle zu. Merkmale dieser Sonderrolle waren beispielsweise der Gebrauch des Dollars als internationaler Handelswährung, der entwickelte Kapitalmarkt und das Produktionspotenzial der USA (Andersen 2000: 214). Darüber hinaus und wohl als maßgeblichstes Argument für die Positionierung des US-Dollars müssen die enormen Geldreserven der Federal Reserve Bank genannt werden. Das daraus erwachsene Selbstbewusstsein veranlasste die USA zu der Garantie, "Dollarguthaben ausländischer offizieller Stellen auf Wunsch jederzeit in Gold zu tauschen" (Andersen, ibd.).

[...]

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Details

Titel
Jüngere Entwicklungen im interdependenten Dreieck der Weltwirtschaft
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Grundarbeitskreis: Einführung in die Internationale Politik
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
37
Katalognummer
V50063
ISBN (eBook)
9783638463652
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jüngere, Entwicklungen, Dreieck, Weltwirtschaft, Grundarbeitskreis, Einführung, Internationale, Politik
Arbeit zitieren
Stefan Laszlo (Autor), 2002, Jüngere Entwicklungen im interdependenten Dreieck der Weltwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50063

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