Hexenverfolgung als Frauenverfolgung


Essay, 2017

9 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

“Während Hexenprozesse auf ein paar Jahrhunderte europäischer Geschichte begrenzt waren, ist die Hexenverfolgung ein fast universelles Phänomen“ (Henningsen 1995: 315). Hexenverfolgungen gab es in jeder Gesellschaft und zu jeglicher Zeit, in der der Glaube an Hexerei herrschte (vgl. Henningsen 1995: 315).

Die krisenhafte Zeit war damals die Ursache für die Hexenverfolgung. „Eine schnelle Rechnung ließe sich aufmachen: Härteres Klima = häufigere Missernten = größerer Wunsch nach Ausrottung der Ernteschädlinge, der Hexen“ (Behringer 2006: 130).

„So war auch die Figur der Hexe – ebenso wie die des Zauberers oder Hexenmeisters - in der 'eingeborenen' Sicht der Landbewohner […] weit eher die alte Magierin und Zauberin traditioneller Prägung denn eine mit übersinnlichen Kräften ausgestattete diabolische Teufelsbuhlerin und Satansverehrerin: eine allen bekannte Nachbarin, Verwandte oder Bekannte aus dem Ort, deren äußere Erscheinung nicht viel Geheimnisvolles oder gar Dämonisches aufzuweisen hatte“ (Labouvie 1995: 217).

Die Verbreitung von Pest und anderen Krankheiten war unter anderem auch eine Ursache für die Hexenverfolgung.

„Im Hintergrund stand aber nicht selten die blanke Angst, machtlos Seuchen und Hungersnöten, Tod und Katastrophen, Unglück im persönlichen Umkreis ausgeliefert zu sein. Für eine Verursachung suchte man Schuldige und nahm nicht nur Einzelpersonen, sondern eine vom Teufel und den Dämonen abhängige Gemeinschaft an.“ (Trusen 1995: 209).

Die Schuldigen waren in diesem Fall überwiegend Hexen, aber auch Hexer und als Ursache für das Böse wurde Satan beschuldigt (vgl. Boveschen 1995: 61). Den Hexen wurde vorgeworfen, sie seien eine Liebesbeziehung mit dem Teufel eingegangen. Oft wurde bloß eine Frau, die sich mit Kräutern auskannte und diese anwenden konnte als Hexe beschuldigt.

„Es war den Menschen im Mittelalter sicher nicht möglich, zwischen der Heilung einer Krankheit durch Handauflegen einerseits und durch Verabreichung eines (pharmakologisch wirksam zusammengestellten) Kräuertrankes andererseits qualitativ zu unterscheiden“ (Bovenschen 1995: 60).

Im Jahre 1484 veröffentlichte Papst Innozenz VIII die sogenannte Hexenbulle, die sich auf die alten Hexenvorstellungen und auf den Schadenszauber beschränkte. Dieser ging von einer großen ketzerischen Verschwörung aus. Heinrich Institoris Kramer und Jakob Sprenger wurden von ihm als Inquisitoren beauftragt gegen Hexen in Deutschland vorzugehen. Diese veröffentlichten dann auch im Jahre 1487 den sogenannten Hexenhammer (lat. Malleus maleficarum), welcher beschrieb wie eine Hexe aussehe und wie sie sich zu verhalten habe. Der Hexenhammer war ein Handbuch für weltliche Richter und Inquisitoren. Er ist eine Sammlung des Hexenwissens, in dem die Vorurteile gegenüber Hexen erläutert werden. Er behandelt die Themen Schadenzauber, Impotenz- und Sterilitätszauber, Kannibalismus, Hexenflug, Wahrsagerei, Tierverwandlung, Sabbat, Teufelsbuhlschaft und Teufelspakt. Der Hexenhammer sollte die Inquisition in Deutschland unterstützen. Denn die Inquisition war gegen die Verschwörung der bösen Seite, welche das Ende der Welt herbeiführen wollte. Der Hexenhammer verurteilte jeden, der die Existenz von Hexerei bestritt, als Ketzer. Heinrich Institoris Kramer behauptete von sich selber, er habe 200 Hexen / Hexer verurteilt.

„Die bisherige Forschung zur Geschichte der Hexenverfolgung geht vom Bild der weiblichen Hexe aus“ (Burghartz 1995: 148). Inwieweit kann demnach Hexenverfolgung auch als Frauenverfolgung angesehen werden? Zu Beginn betrachtet man den Begriff 'Hexe', welcher eine feminine Bezeichnung ist und man davon ausgeht, dass eine Hexe eine Frau beschreibe. Würde man davon ausgehen, dass eine Hexe männlich sei, würde man die Bezeichnung 'Hexer' anstatt 'Hexe' benutzen (vgl. Opitz 1995: 246). Auch das Hexenmuster des Hexenhammers von Heinrich Institoris und Jakob Sprenger geht deutlich von einer Frau als Hexe aus.

Zum typischen Hexenmuster des Hexenhammers gehört immer eine „Verbindung von Elementen des Ketzerprozesses (nämlich Teufelspakt, Teufelsverehrung und Sabbat) mit Schadenszauberpraktiken“ (Burghartz 1995: 150). Eine Frau aus dem Bekanntenkreis, die etwas geheimnisvolles und mysteriöses an sich hatte, galt demnach direkt als verdächtigt (vgl. Labouvie 1995: 217). Bereits im Frühmittelalter wurde den Frauen die Ausübung von magischen Praktiken vorgeworfen (vgl. Burghartz 1995: 150). Aufgrund ihrer weiblichen Natur wurden ihnen eine besondere Anfälligkeit für Dämonen und Machenschaften des Teufels zugesprochen (vgl. Burghartz 1995: 154). Doch wenn man die Hexenprozesse mit den Prozessen in der Dämonologie vergleicht, „entsteht der Eindruck, dass zunächst in der Praxis eine Konzentration der Verfolgung auf Frauen erfolgte, die dann von Dämonologen theoretisch nachvollzogen, systematisiert und erweitert wurde“ (Burghartz 1995: 154). Handelt es sich also mit der Hexenverfolgung um den „Höhepunkt in der Geschichte der Unterdrückung der Frauen“ (Burghartz 1995: 148)?:

„Man unterstellte eher Frauen als Männern, sich mit Hilfe von Salben in Vögel, Eulen, Katzen, Esel und Steine verwandeln zu können, auf Holzstücken, Besen oder dämonischen Tieren durch die Lüfte zu reiten, um auf Geheiß der römischen Göttin Diana Schädigungen an Mensch und Tier, Haus, Hof und Feldern zu begehen. Außerdem, so glaubte man, brauten sie Zauber- und Gifttränke, beherrschten Liebes- und Impotenzzauber, verursachten böse Träume, Unwetter und Tod, ja flogen sogar in Eulengestalt zu den Wiegen der Kinder, um ihnen das Blut aus den Körpern zu saugen“ (Opitz 1995: 259 – 260).

Die typischen Eigenschaften einer Hexe wurden im Hexenhammer systematisch aufgelistet:

„es gebe dreierlei in der Welt, was im Guten und Bösen kein Maß zu halten weiß: die Zunge, der Geistliche und das Weib, die vielmehr, wenn sie die Grenzen ihrer Beschaffenheit überschreiten, dann eine Art Gipfel und höchsten Grad im Guten und Bösen einnehmen; im Guten, wenn sie von einem guten Geiste geleitet werden, daher auch die besten (Werke) stammen; im Bösen aber, wenn sie von einem schlechten Geiste geleitet werden, wodurch auch die schlechtesten Dinge vollbracht werden“ (Sprenger/Institoris 2015: 86).

Mit dieser Aussage wirkt es so, als würde die Frau bestimmt werden. Als hätte sie keine eigene Meinung und keinen eigenen Willen, sondern sie wird entweder von einem guten oder einem bösen Geist geleitet. Weitergehend heißt es im Hexenhammer auch:

„Es ist kein schlimmeres Haupt über dem Zorne des Weibes. Mit einem Löwen oder Drachen zusammen zu sein wird nicht mehr frommen als zu wohnen bei einem nichtsnutzigen Weibe. […] Klein ist jede Bosheit gegen die Bosheit des Weibes. […] Es frommt nicht, zu heiraten. Was ist das Weib anders als die Feindin der Freundschaft, eine unentrinnbare Strafe, ein notwendiges Übel, eine natürliche Versuchung, ein wünschenswertes Unglück, eine häusliche Gefahr, ein ergötzlicher Schade, ein Mangel der Natur, mit schöner Farbe gemalt? Wenn sie entlassene Sünde ist, wenn man sie einmal behalten muss, dann ist notwendig Qual zu erwarten, darum dass wir, entweder sie entlassend, Ehebruch treiben, oder aber tägliche Kämpfe haben. […] Von den guten Weibern aber geht so großes Lob, dass man liest, sie hätten Männer beglückt, und Völker, Länder und Städte gerettet. […] Glücklich ist der Mann eines guten Weibes, denn die Zahl seiner Jahre ist doppelt“ (Sprenger/Institoris 2015: 87 – 88).

Es wird bei den Frauen demnach auch ganz klar zwischen gut und böse unterschieden. Die Männer einer guten Frau kriegen sogar eine Belohnung und zwar, dass sich ihr Leben verlängert. Im Gegensatz dazu werden die Männer mit den bösen Frauen nur bestraft.

Warum die Frauen mehr dem Aberglauben verfallen sind als die Männer, begründet der Hexenhammer mit drei Gründen. Der erste Grund sei, dass Frauen „leichtgläubig sind; und weil der Dämon hauptsächlich den Glauben zu verderben sucht, deshalb sucht er lieber diese auf“ (Sprenger/Institoris 2015: 88). Der zweite Grund ist, dass „sie von Natur wegen der Flüssigkeit ihrer Komplexion leichter zu beeinflussen sind zur Aufnahme von Eingebungen durch den Eindruck gesonderter Geister“ (Sprenger/Institoris 2015: 88). Und der letzte Grund ist, dass

„ihre Zunge schlüpfrig ist, und sie das was sie durch schlechte Kunst erfahren, ihre Genossinnen kaum verheimlichen können und sich heimlich, da sie keine Kräfte haben, leicht durch Hexenwerke rächen suchen“ (Sprenger/Institoris 2015: 88).

Die drei Gründe gehen auch auf Beispiele aus dem Alten Testament zurück, wie zum Beispiel die „erste[n] Sünderin, nämlich Eva und ihre[r] Nachahmerinnen“ (Sprenger/Institoris 2015: 88). Denn Eva hatte sich auch im Alten Testament im Paradies von der Schlange, welche das Böse bzw. den Teufel repräsentiert, beeinflussen lassen und anschließend gesündigt. Der Hexenhammer ergänzt dazu, dass zur Sünde auch immer der eigene Wille gehört. Das heißt, dass die

„Sünde nicht in der Vorstellung, sondern im Willen besteht, deshalb sündigt der Mensch infolge solcher vom Teufel eingegebener Vorstellungen und verschiedener Erregungen nicht, wenn er nicht aus eigenem Willen in die Sünde willigt“ (Sprenger/Institoris 2015: 122).

Die Sünde kann demnach ohne eigenen Willen der Frau nicht ausgeführt werden, was erneut das Böse in der Frau widerspiegelt.

Für Sprenger und Institoris sind aber die sogenannten Hexen-Hebammen die schlimmsten aller Hexen. Denn von ihnen wird gesagt, dass sie die Hexerei so anwenden,

„dass ein Weib nicht empfängt, oder wenn sie empfängt, sie dann eine Fehlgeburt tue; und hinzugefügt wird noch eine dritte und vierte Art, dass, wenn sie keine Fehlgeburt verursachen, sie die Kinder auffressen oder dem Dämon preisgeben“ (Sprenger/Institoris 2015: 127).

Als Ausweg aus der Hexerei schreibt der Hexenhammer den Hexenprozess vor. Wenn man eine vermeintliche Hexe kennt, dann gibt es drei Arten den Hexenprozess nach dem Hexenhammer zu beginnen:

„Unter den drei Arten, die extra de accus., denunt. Et inquisitione berührt werden, ist die erste, wenn jemand des Verbrechens der Ketzerei oder der Begünstigung vor dem Richter anklagt, indem er sich erbietet, es beweisen zu wollen, und sich zur Strafe der Wiedervergeltung einschreibt, falls er es nicht beweist. Die zweite Art, wenn jemand jemanden denunziert, jedoch so, dass er sich nicht erbietet, es beweisen zu wollen, noch Teil an der Strafe haben will; sondern er sagt, er denunziere aus Glaubenseifer oder mit Rücksicht auf das Urteil der Exkommunikation, die der Ordinarius oder sein Vikar verhängt, oder mit Rücksicht auf die zeitliche Strafe, die der weltliche Richter gegen die verhängt, die nicht denunzieren. Die dritte Art ist die durch Inquisition, d.h. wenn kein Ankläger oder Denunziant da ist, sondern das Gerücht in irgend einer Stadt oder einem Orte geschäftigt ist, (zu erzählen), dass da Hexen seien; und dann hat der Richter nicht auf Betreiben einer Partei sondern von Amtswegen vorzugehen“ (Sprenger/Institoris 2015: 368).

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Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Hexenverfolgung als Frauenverfolgung
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
9
Katalognummer
V500658
ISBN (eBook)
9783346028556
ISBN (Buch)
9783346028563
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hexenhammer, Hexenverfolgung, Frauenverfolgung
Arbeit zitieren
Michelle Froch (Autor), 2017, Hexenverfolgung als Frauenverfolgung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500658

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