In seinem Werk "Vom Menschen" untersucht Thomas Hobbes ausführlich den Menschen in seiner natürlichen Konzeption. Mit einer wissenschaftlich-mathematisch orientierten Herangehensweise bestimmt er letztendlich sein klar umrissenes Menschenbild. Seine Meinung, dass der Mensch ein egoistisches Tier ist, manifestiert er in seinem wohl bekanntesten Zitat "homo homini lupus" - "der Mensch ist dem Menschen ein Wolf" - welches gleichsam auf seine weiteren Gedankengänge bezüglich des Zusammenlebens der Menschen hinweist. Hobbes' grundlegende physikalisch-wissenschaftliche Annahmen über den Menschen, der ohne Rücksicht immer nur nach Selbsterhaltung und dem guten Leben strebt, bilden schließlich das Fundament seiner weitreichenden Staatsphilosophie und sind damit notwendig, um die zusammenhängenden Überlegungen nachvollziehen zu können.
Das Menschenbild ist der erste Grundstein seiner politischen Philosophie und ist sowohl deutlich beeinflusst von seinem biografischen Werdegang als auch von den historischen Begebenheiten seinerzeit. Es ist daher unerlässlich, auch einen Blick auf die Geschehnisse und Normen zu seinen Lebzeiten zu werfen. Die anthropologische Basis hat direkte Auswirkung auf seine weiteren Gedanken, die sich von der Vorstellung des Naturzustandes bis hin zu einer eigenen Staatsphilosophie entfalten. Dieser Gedankenverlauf wirft die Frage auf, inwiefern das neu erdachte Menschenbild die Entstehung des absolutistischen Herrschaftsgedankens beeinflusst hat. Um diesen Einfluss des anthropologischen Grundgedankens auf die resultierende politische Vorstellung noch deutlicher darzustellen, bietet sich ein Vergleich der beiden Menschenbilder von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau an, die hierbei von völlig unterschiedlichen Überzeugungen ausgehen.
Um einen Staat aus Menschen bilden zu können, muss nach Hobbes erst der Mensch als Individuum erkannt und in seinen Grundzügen und Sitten untersucht werden. Hobbes' Erkenntnistheorie auf wissenschaftlicher und anthropologischer Basis formt das Rückgrat seiner Gedanken über zwischenmenschliche Handlungen, die zu einer Staatsphilosophie wachsen. Sein Menschenbild gründet auf einer Körpertheorie der Bewegtheit - darauf, dass alle menschlichen Denkweisen und Handlungen ihren Ursprung in von außen zugeführten Bewegungen haben. Sicherlich ist seine Denkweise von den naturwissenschaftlichen Zügen der Neuzeit beeinflusst, eben deshalb erschafft er einen völlig neuen Ansatzpunkt der politischen Philosophie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Menschenbild des Thomas Hobbes
2.1. Wissenschaftliche Ausführungen
2.2. Philosophisch-anthropologische Ansichten
3. Naturzustand des Menschen
3.1. Naturrecht und Naturgesetz
3.2. Historisch-biografischer Hintergrund
4. Der Gesellschaftsvertrag als Konsequenz des Menschenbildes
4.1. Hobbes' negatives und Rousseaus positives Menschenbild im Vergleich
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Menschenbild von Thomas Hobbes, um daraus die logische Notwendigkeit seiner absolutistischen Staatsphilosophie abzuleiten und diese durch einen Vergleich mit Jean-Jacques Rousseau kritisch zu reflektieren.
- Anthropologische Grundlagen und mechanistische Körpertheorie bei Hobbes
- Die Konzeption des Naturzustandes als „Krieg aller gegen alle“
- Naturrecht und Naturgesetz als Fundament staatlicher Ordnung
- Einfluss der Biografie und der Zeitumstände auf die pessimistische Weltsicht
- Kontrastierung des hobbesschen Egoismus-Modells mit Rousseaus Gesellschaftsbild
Auszug aus dem Buch
2.1. Wissenschaftliche Ausführungen
Die wissenschaftlichen Strömungen der frühen Neuzeit beeinflussen den Erkenntnisbegriff des Thomas Hobbes deutlich, weshalb er eine neue Herangehensweise an das Thema der anthropologischen Philosophie bestreitet. „Er versteht sich als Galilei der Staatsphilosophie[...]“5 insofern, dass er die physikalisch-mechanische Betrachtungsweise von Galilei als erster auch auf den Menschen und die Gesellschaft anwendet. Er klagt vorherige Philosophen an, keine wahrhafte Sprache verwendet zu haben, die auf Philosophie und Wissenschaft gründet, sondern lediglich schönes „Gerede und Wortgeklingel“.
Hobbes' Leitsatz lautet, dass nur das Bewegte und der bewegte Körper Wirklichkeit sind. Seiner Meinung nach ist jede Regung des Menschen, sowohl innerlich als auch äußerlich, nur eine Reaktion auf die von Außen einwirkenden Bewegungsimpulse. Somit setzt er sowohl die menschlichen Sinne und Mechanismen, als auch die innere Gefühls- und Gedankenwelt, in einen bloßen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Er sieht den Menschen als eine Art Maschine, die äußere Bewegungen aufnimmt und diese in kleine innere Bewegungen umsetzt, welche verarbeitet werden und auf die Umwelt reagieren, wie es für die Selbsterhaltung am förderlichsten ist.
Die Reaktionskette beginnt bei den Sinnen, da diese die Impulse von außen direkt aufnehmen. Da die Wahrnehmung der Sinne die Ursache der nachfolgenden Seelenregungen ist, müssen beide auf dieselbe Art untersucht werden und diese ist, bezüglich der Sinne, physikalischer Natur. So erkennt Hobbes die menschlichen Empfindungen als eine Reaktion auf mechanisches Einwirken von anderen Körpern auf Wahrnehmungsorgane.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und Hinführung zur Bedeutung des Menschenbildes bei Thomas Hobbes.
2. Das Menschenbild des Thomas Hobbes: Analyse der mechanistisch-physikalischen Anthropologie und der handlungsleitenden Neigungen des Individuums.
3. Naturzustand des Menschen: Darstellung des gesetzlosen Zustands, der durch Konkurrenz und den Wunsch nach Selbsterhaltung geprägt ist.
4. Der Gesellschaftsvertrag als Konsequenz des Menschenbildes: Erläuterung der Entstehung des Staates als künstliches Instrument zur Friedenssicherung und Gegenüberstellung mit Rousseau.
5. Schluss: Zusammenfassende kritische Würdigung der hobbesschen Theorie und Reflexion der Grenzen seines Menschenbildes.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Menschenbild, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Selbsterhaltung, Vernunft, Egoismus, Mechanik, Anthropologie, Absolutismus, Naturrecht, Naturgesetz, Krieg aller gegen alle, Jean-Jacques Rousseau, Staatsphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich der Analyse des Menschenbildes von Thomas Hobbes und zeigt auf, wie dieses fundamentale Verständnis die Grundlage für seine politische Philosophie und Staatslehre bildet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die anthropologischen Grundlagen bei Hobbes, die Beschreibung des Naturzustandes, die Rolle der menschlichen Vernunft sowie den Vergleich mit Jean-Jacques Rousseau.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Hobbes' politische Konzeption eines absolutistischen Staates als logische Konsequenz aus seinem pessimistischen, mechanisch begründeten Menschenbild hervorgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-analytische Methode, indem sie Hobbes' Primärwerke interpretiert und diese in den historischen Kontext sowie in den Vergleich mit gegensätzlichen Theorien setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Menschen als „Maschine“, die Herleitung des Naturzustandes aus dem Naturrecht und die Erörterung des Gesellschaftsvertrages.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Menschenbild, Selbsterhaltung, Naturzustand, Krieg aller gegen alle und Gesellschaftsvertrag gekennzeichnet.
Wie begründet Hobbes die Notwendigkeit einer staatlichen Ordnung?
Hobbes argumentiert, dass der Mensch im Naturzustand aufgrund von Misstrauen und der ständigen Konkurrenz um begrenzte Güter in einem dauerhaften Kriegszustand lebt, der nur durch einen freiwilligen Vertrag unter einem Souverän beendet werden kann.
Wie unterscheidet sich Rousseaus Menschenbild von dem von Hobbes?
Während Hobbes den Menschen als egoistisch und triebgesteuert betrachtet, sieht Rousseau ihn als von Natur aus eher auf Mitleid und Selbstliebe ausgerichtet, wobei erst die Zivilisation bzw. das Privateigentum zu negativen gesellschaftlichen Entwicklungen führt.
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- Josephine Roth (Autor), 2014, Thomas Hobbes' Menschenbild. Von den Bestandteilen des Menschen und deren Auswirkungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501014