Die ökonomische Bedeutung der Biodiversität. Negative wirtschaftliche Folgen durch Artenverlust


Seminararbeit, 2011

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die ökonomische Bedeutung der Biodiversität

2. Die ökonomische Bedeutung der Biodiversität
2.1. Nahrungsmittel
2.2. Medizinische Wirkstoffe
2.3. Rohstoffe
2.4. Wissenschaftliche Erkenntnisse
2.5. Ästhetische Naturerlebnisse
2.6. Ökosystemdienstleistungen

3. Zusammenfassung: Die ökonomische Bewertung von Biodioversität

Literaturverzeichnis

"Biodiversity has been the foundation for the world's economy since the origin of human civilisation" (Pearce 2010, S. 9). Tim Killeen, Conservation International

1. Einleitung: Die ökonomische Bedeutung der Biodiversität

Die Artenvielfalt auf dem Planeten Erde schwindet in einem rasantem Tempo. Die natürliche Aussterberate im Rahmen der Evolution wird dabei durch anthropogene Einflüsse um einen Faktor beschleunigt, über dessen exakte Größe sich Biologen zwar nicht einig sind, der aber selbst bei konservativer Schätzung allermindestens das Hundertfache der normalen evolutionären Aussterberate beträgt (He und Hubbell 2011, S. 368-371 und Hassan 2005: S. 79). Der Begriff Biodiversität umfasst hierbei die Vielfalt der Arten, die Vielfalt innerhalb der Arten durch genetische Abweichung und die Vielfalt der Ökosysteme (Sukhdev 2010, S. 9).

Da die Ökonomie als Wissenschaft den rationalen Umgang mit knappen Gütern betrachtet und der Mensch wirtschaftlichen Nutzen aus der biologischen Vielfalt der Erde zieht, ist folgerichtig der zunehmende Verlust von Biodiversität auch aus einer wirtschaftswissenschaftlichem Perspektive her relevant. Dies bezieht sich offenkundig auf Rohstoffe, Nahrungsmittel und medizinisch wirksame Stoffe, die als direkte Nutzwerte definiert werden können. Hierzu zählen aber auch natürliche Ressourcen, die ihren Nutzwert durch den für den Menschen ästhetischen Wert der Natur beziehen, wie zum Beispiel Erholung in einer natürlichen Umgebung. Dienstleistungen ganzer Ökosysteme, die dem Menschen einen Nutzwert wie etwa saubere Luft bringen, werden hingegen als indirekte Nutzwerte bezeichnet. Die unterschiedlichen Kategorien, in die sich solche Güter sinnvollerweise einordnen lassen, werden in dieser Arbeit weitergehend beschrieben.

Eine besondere Schwierigkeit im Sinne der Wirtschaftswissenschaften ist die teils komplizierte und abstrakte Monetarisierbarkeit der obengenannten Güter, da sich der ökonomische Wert beispielsweise einer einzelnen Spezies oder aber auch der Erholungsfunktion eines Waldgebiets für den Menschen nur schwer exakt berechnen lässt. In der Problematik der schwierigen Monetarisierung liegt auch einer der Gründe für das Versagen des Menschen beim Schutz der biologischen Vielfalt. Auf diesen, als auch auf weitere ökonomische Erklärungsansätze für die Versäumnisse des Menschen und seine außerordentlich destruktive Rolle im Hinblick auf die globale Biodiversität, wird in der vorliegenden Arbeit besonderes Augenmerk geworfen.

2. Die ökonomische Bedeutung der Biodiversität

Die genaue Anzahl der auf der Erde lebenden Arten ist nicht bekannt. Knapp zwei Millionen Arten sind identifiziert, Schätzungen der Gesamtzahl liegen zwischen fünf und dreißig Millionen (Hassan et al. 2005, S. 104–105). Aus dieser biologischen Vielfalt und den Ökosystemen, die von ihr gebildet wird, zieht der Mensch verschiedene Nutzwerte, die sich nach Stefan Baumgärtner und Christian Becker in sechs verschiedene Kategorien einteilen lassen:

1. Nahrungsmittel
2. medizinische Wirkstoffe
3. Rohstoffe
4. wissenschaftliche Erkenntnisse
5. Naturerlebnisse, die das menschliche Bedürfnis nach Ästhetik befriedigen
6. Ökosystemdienstleistungen (Lanzerath et al. 2008, S. 76–85).

Diese Kategorien und ihre Bedeutung im Sinne der ökologischen Ökonomie werden im Folgenden genauer erläutert.

2.1. Nahrungsmittel

Es wird geschätzt, dass zwischen 10 000 und 15 000 der bekannten Pflanzenarten für den Menschen genießbar sind. Von diesen wiederum sind aber nur dreißig für annähernd 90% der weltweiten Kalorienzufuhr verantwortlich (Hassan et al. 2005, S. 213). Diese Konzentration auf nur wenige Kulturpflanzen birgt Problematiken bezüglich der genetischen Vielfalt. Die Hochzüchtung einiger weniger Nutzpflanzen auf bestimmte genetische Eigenschaften wie beispielsweise maximale Ernteerträge bringt ein hohes Risiko mit sich, wenn es Probleme mit Schädlingen, Krankheiten, oder durch die weltweite Klimaveränderung gibt, gegen die eine weitverbreitete Sorte nicht widerstandsfähig ist. Um solchen Entwicklungen entgegenzusteuern, ist die Menschheit zwingend auf Biodiversität angewiesen, denn nur eine ausreichende genetische Vielfalt auch innerhalb einer Spezies stellt sicher, dass genügend unterschiedliches Genmaterial von wildwachsenden Pflanzen vorhanden ist, um es in hochspezialisierte und dadurch anfällige Kulturpflanzen einzukreuzen. (Lanzerath et al. 2008, S. 76–77). Die Errichtung von Genbanken für Kulturpflanzen ist dabei eine wichtige Maßnahme, doch auch die Erhaltung der natürlichen Biodiversität ist essentiell, da in diesem Zusammenhang brauchbare Arten zum großen Teil der noch nicht entdeckten Spezies gehören könnten. Beispielsweise könnte in einer Pflanze noch unentdecktes Potential für die biologische Abwehr von Schädlingen angelegt sein. Dieser Hintergrund zeigt die Bedeutung der Erhaltung der Artenvielfalt für die Ernährung der Menschheit und ist somit ein entscheidendes Argument für weitreichende Schutzmaßnahmen.

2.2. Medizinische Wirkstoffe

Die Wichtigkeit pflanzlicher Wirkstoffe für die Entwicklung von Medikamenten ist enorm hoch, was Zahlen in der vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Auftrag gegebenen Studie Global Biodiversity Assessment: Summary for Policy Makers illustrieren: "In 1993, about 80% of the 150 top prescription drugs used in the United States were synthetic compounds modelled on natural products, semi-synthetic compounds derived from natural products, or in a few cases natural products" (Watson 1995, S. 14). Baumgärtner und Becker zitieren eine Berechnung von Kerry ten Kate, laut der im gleichen Jahr der geschätzte globale Umsatz mit Medikamenten auf Basis pflanzlicher Wirkstoffe bei 59 Milliarden US-Dollar lag (Lanzerath et al. 2008, S. 77). Diese Beispiele illustrieren, welch signifikante ökonomische Bedeutung pflanzliche Wirkstoffe für die Pharmaindustrie haben. Nun könnte man argumentieren, dass dieses wirtschaftliche Potential ja bereits ausgeschöpft ist und somit aus ökonomischer Perspektive in dieser Hinsicht kein Grund für die Erhaltung der Artenvielfalt besteht. Da aber erst ein Bruchteil der Pflanzenwelt auf ihr medizinisches Potential untersucht ist, wird im Rahmen der sogenannten Bioprospektion weltweit nach weiteren medizinisch wirksamen Pflanzenbestandteilen gesucht, es besteht also ein hoher Optionswert und somit eine stichhaltige ökonomische Begründung für den Schutz der Biodiversität.

Der Bereich der medizinisch wirksamen Pflanzen berührt außerdem gleich auf zwei Ebenen die Frage der ökonomischen Gerechtigkeit: Erstens fließt kaum Geld aus den Gewinnen der Pharmaindustrie zurück in die Länder, in denen die Pflanzen entdeckt wurden und wachsen, und deren einheimische Bevölkerung mit ihrem über Generationen entwickelten Wissen über Heilkräfte bestimmter Gewächse zur Entwicklung eines Medikaments beigetragen haben. Dieses Phänomen wird kritisch als Biopiraterie bezeichnet und soll durch das im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt der Vereinten Nationen verabschiedete Nagoya-Protokoll von 2010 eingedämmt bzw. in gerechtere Bahnen gelenkt werden. Es enthält für die unterzeichnenden Länder völkerrechtlich bindende Mechanismen zum access and benefit sharing von genetischen Ressourcen, ist aber zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit noch nicht in Kraft getreten.

Zweitens sind gerade indigene Völker häufig in besonderem Maße auf die regionalen Heilpflanzen angewiesen, da sie keinen Zugang zu industrieller Medizin haben:

Globally some 80 per cent of people in developing countries rely on traditional medicines, the majority of which are derived from plants. Although global data for plants are not available, medicinal plants face a high risk of extinction in those parts of the world where people are most dependent on them for health care and income from wild collection – namely Africa, Asia, the Pacific and South America (Hirsch 2010, S. 30).

Diese Abhängigkeit von Heilpflanzen, die in der tradierten Volksmedizin verankert ist, beinhaltet dementsprechend großes Konfliktpotenzial, etwa wenn Pflanzen durch menschlichen Einwirkung aussterben, oder ohnehin schon seltene Pflanzen für die westliche Pharmaindustrie abgeerntet werden und als Resultat die lokale Bevölkerung leer ausgeht.

2.3. Rohstoffe

Die Natur hat einen essentiellen Nutzwert für den Menschen als Lieferant von fossilen als auch nachwachsenden Rohstoffen. Die Erhaltung von Biodiversität ist vor allem bezüglich nachwachsender Rohstoffe von Bedeutung. Diese Kategorie beinhaltet als offensichtliche Beispiele Holz, verwendet als Brennstoff, zur Papiererzeugung, oder zur Weiterverarbeitung; oder unterschiedliche Pflanzenöle, die als Kraftstoff genutzt werden; aber auch noch viele verschiedene Stoffe darüber hinaus, die land- oder forstwirtschaftlich angebaut werden und nicht der Ernährung dienen. Analog zu Pflanzen, die medizinische Wirkstoffe enthalten, besteht auch hier ein substantieller Optionswert in der Biodiversität, da aller Wahrscheinlichkeit nach weitere Arten existieren, die in der Zukunft Verwendung als industrielle Rohstoffe finden könnten, die aber entweder noch nicht entdeckt wurden, oder deren Potential als Ressource noch nicht weitergehend erforscht ist. Da sich durch menschliche Nutzung die fossilen Rohstoffe bekanntlich in einem Prozess der mehr oder weniger rapiden Verknappung befinden, wird die Bedeutung von nachwachsenden Rohstoffen für die Industrie vermutlich weiter anwachsen.

[...]

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Details

Titel
Die ökonomische Bedeutung der Biodiversität. Negative wirtschaftliche Folgen durch Artenverlust
Hochschule
Universität Rostock  (Zentrum für Qualitätssicherung in Studium und Weiterbildung)
Veranstaltung
Ökologische Ökonomie
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V501024
ISBN (eBook)
9783346034984
ISBN (Buch)
9783346034991
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, biodiversität, negative, folgen, artenverlust
Arbeit zitieren
John Schulze (Autor), 2011, Die ökonomische Bedeutung der Biodiversität. Negative wirtschaftliche Folgen durch Artenverlust, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501024

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