Die Entwicklung des deutschen Rundfunks in der frühen Nachkriegszeit

Ein Vergleich zwischen westdeutscher und ostdeutscher Besatzungszone


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rückblick auf den deutschen Rundfunk in der NS-Zeit

3. Entwicklung des deutschen Rundfunks in der Nachkriegszeit
3.1 Entwicklung in der westdeutschen Besatzungszone
3.1.1 Institutionelle Entwicklungen und Meilensteine
3.1.2 Programmgestaltung
3.2 Entwicklung in der ostdeutschen Besatzungszone
3.2.1 Institutionelle Entwicklungen und Meilensteine
3.2.2 Programmgestaltung

4. Ausblick

5. Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 9. Mai 1945 verkündet Deutschland die bedingungslose Kapitulation im zweiten Weltkrieg. Die nationalsozialistische Phase geht zu Ende. Mit ihr auch der deutsche Rund- funk, der ebenso wie seine Funkhäuser zerrüttet zurückbleibt.1 Doch auch obwohl die zweite Periode in der Geschichte des Rundfunks hiermit ein Ende fand, gab es keinen Tag nach der Kapitulation an dem nichts gesendet wurde.

Der Rundfunk [verwandelte sich] in der Trümmerlandschaft über Nacht mithilfe der Militärregierungen der Alliierten von einem politischen, propagandistischen Füh- rungsinstrument zum wichtigsten Instrument des Wiederaufbaus einer geschlagenen Nation.2

Das Radio etablierte sich in den ersten Jahren der Nachkriegszeit als eines der wichtigsten Massenmedien für die tägliche Vermittlung von Information, hoher Kultur oder leichter Unterhaltungsmusik.3 Blickt man zurück auf die Verwendung des Radios als Propagan- dainstrument Goebbels, so ist es wichtig zu erkennen inwiefern sich der Gebrauch des Rundfunks in der frühen Nachkriegszeit entwickelt und vor allem verändert hat. Hierbei muss man allerdings die Entwicklungen in der westlichen deutschen Besatzungszone von der in der östlichen Besatzungszone klar abtrennen: zwar mag es Gemeinsamkeiten ge- ben, das Vorgehen der Umstrukturierung und des Wiederaufbaus erfolgt in beiden Zonen allerdings unter völlig anderen Bedingungen.4

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den zuvor genannten Entwicklungen in den Besatzungszonen Deutschlands in der frühen Nachkriegszeit und beschränkt sich auf die Jahre bis zur Spaltung Deutschlands 1949. Um die bestehenden Gegebenheiten für die Anfänge des west- und ostdeutschen Rundfunks nachvollziehen zu können, bedarf es einem Rückblick auf die Nutzung des Rundfunks als propagandistisches Instrument wäh- rend der NS-Zeit, worauf eine Darstellung der Entwicklung des Rundfunks in der west- deutschen Besatzungszone folgt. Hierbei liegt der Fokus speziell auf der institutionellen Entwicklung, den einflussreichen Meilensteinen und der Entwicklung des Programms. Die Entwicklung des Rundfunks in der ostdeutschen Besatzungszone wird dann unter den gleichen Gesichtspunkten analysiert, worauf dann ein Ausblick auf die Veränderung des Rundfunks nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik folgt. Nachdem alle Erkenntnisse gesammelt wurden, werden diese schlussfolgernd zusammengefasst.

2. Rückblick auf den deutschen Rundfunk in der NS-Zeit

„Für die Nationalsozialisten stand schon am Ende der Weimarer Republik fest, dass sie dem Rundfunk ihre besondere Aufmerksamkeit widmen würden.“5 Mit dieser Aussage beginnt Hans Sarkowicz 2010 seinen Aufsatz ‚»Nur nicht langweilig werden…«. Das Ra- dio im Dienst der nationalsozialistischen Propaganda.‘ und liefert eine Vorstellung davon, wie der Rundfunk während der NS-Zeit ge- und vor allem missbraucht wurde. Die daraus folgende Umstrukturierung des Mediums zu einem Propagandainstrument erschuf Grundsäulen für die Entwicklung und den Wiederaufbau des Rundfunks in der Nach- kriegszeit. Daher sollte ein besonderes Augenmerk auf der Nutzung des Rundfunks als propagandistisches Medium in der NS-Zeit liegen.

Bereits 1932 hatte Joseph Goebbels als Reichspropagandaleiter der Weimarer Republik das propagandistische Potential des Rundfunks erkannt und sich im Oktober 1932 zum Vorsitzenden des ‚Reichsverbands Deutscher Rundfunkteilnehmer‘ wählen lassen.6

Die Voraussetzungen für die fast reibungslose Machtübernahme im Rundfunk hat- ten die Politiker der Weimarer Republik geschaffen. […] Bereits 1925 hatten sich die regionalen Sender in der ‚Reich-Rundfunk-Gesellschaft‘ zusammenschließen müs- sen.7

Für Goebbels und seine propagandistische Gesinnung war die Entwicklung vom privaten zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Weimarer Republik eine glückliche Fügung, er „musste nur noch zugreifen.“8 Innerhalb kürzester Zeit erkannten große Rundfunkpi- oniere wie Hans Bredow oder Kurt Magnus die missliche Lage und verließen die Sender, 40 Prozent der Mitarbeiter wurden aufgrund ihrer politischen Überzeugungen oder reli- giösen Abstammungen entlassen und durch NSDAP-Funktionäre ersetzt.9 Von nun an ging alles sehr schnell: Der Unterhaltungsgehalt des Rundfunks wurde lediglich zum Lockmittel für die Hörer, „denn nur so war gewährleistet, dass die Verlautbarungen der NS-Regierung von möglichst vielen Menschen wahrgenommen wurden.“10 Mit der Grün- dung der Reichskulturkammer im November 1933 hatte Goebbels die Möglichkeit alle Künstler zentral erfassen und steuern zu lassen, was ihm große Kontrolle über die im Rundfunk verbreiteten Inhalte gewährleistete.11 Um die Hörerzahlen jedoch noch weiter in die Höhe zu treiben wurden unter anderem neue, erschwinglichere Radioempfänger entwickelt und ein Gemeinschaftsempfang errichtet, sodass jeder deutsche Bürger die Möglichkeit erhielt am Rundfunk teilzunehmen.12 Da die Politisierung des Programms jedoch nicht alle Hörer anzusprechen schien, entschied sich Goebbels 1935 dazu, das Unterhaltungsprogramm mittels Kürzungen von literarischen Beiträgen und Erhöhung des Musikanteils umzustrukturieren.13 Weit mehr als die Hälfte des Programms bestand 1938 dann aus musikalischen Beiträgen.14 Zu Beginn des zweiten Weltkriegs erlangte Goe- bbels dann durch die Gründung des ‚Großdeutschen Rundfunk‘ die totale Kontrolle über den Hörfunk. Alle Reichssender waren hier nun vereinigt und sendeten ein Gemein- schaftsprogramm.15. Da der ‚Großdeutsche Rundfunk‘ allerdings fast gänzlich militarisiert war, gründete Goebbels im März 1942, als letzte große Veränderung im NS-Rundfunk, den Berliner ‚Deutschlandsender‘, der sich auf ein leichtes Unterhaltungsprogramm stützte.16 Hier gab es nun propagandistisch geprägte Wortsendungen, Sketche und Musik, die den Hörer beeinflussen sollten.17

Das Ende des nationalsozialistischen Rundfunks ging dann einher mit der bedingungslo- sen Kapitulation des Deutschen Reichs am 8. Und 9. Mai 1945.18 Die Militärregierungen der Besatzungsmächte besetzten die Rundfunkeinrichtungen und „ordneten die Einstel- lung des gesamten deutschen Funkdienstes an“19 „Der ‚Großdeutsche Rundfunk‘ war ebenso vernichtet wie das Deutsche Reich in der schwersten Katastrophe seiner Ge- schichte.“20

3. Entwicklung des deutschen Rundfunks in der Nachkriegszeit

Am 04. Mai 1945, schon wenige Tage bevor das Deutsche Reich kapitulierte und somit das Ende des NS-Rundfunks besiegelt war, besetzten die britischen Besatzungsmächte das Hamburger Funkhaus mit der Ansage: ‚This is Radio Hamburg, a station of the Allied Military Government‘. 21 Neun Tage später übertrugen dann auch die sowjetischen Besat- zungsmächte vom Sender Tegel aus ihren ersten Funkspruch: ‚Achtung! Achtung! Hier spricht Berlin.‘.22

Die Entwicklung [des deutschen Rundfunks] verlief dann in den verschiedenen Be- satzungszonen nicht gleichmäßig, führte aber in allen Zonen dazu, daß alliierte Dienststellen […] zunächst selbst einen deutschen Rundfunkdienst unter eigener Leitung mit deutschen Kräften einrichteten.23

Auch wenn das Ziel aller Alliierten die Einrichtung eines deutschen Rundfunkdienstes unter eigener Leitung war, kam es bei der Umsetzung zu Meinungsverschiedenheiten „Russen und Westalliierte konnten sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen gegenüber den besiegten Deutschen einigen – in der allgemeinen Politik genau so wenig wie im Rundfunk“.24 Die drei westlichen Besatzungsmächte Frankreich, England und Amerika hatten zum Ziel, den Rundfunk in der westlichen Besatzungszone als öffentlich rechtliche Institution zu etablieren, während in der sowjetischen, östlichen Besatzungszone die tra- ditionelle Form des deutschen Staatsrundfunks beibehalten wurde.25 Daher ist es nicht immer möglich die Entwicklung des Rundfunks in den beiden Besatzungszonen Deutsch- lands parallel und gleichwertig zu betrachten, da völlig andere Rahmenbedingungen herrschten.26

3.1 Entwicklung in der westdeutschen Besatzungszone

3.1.1 Institutionelle Entwicklungen und Meilensteine

Die westlichen Besatzungsmächte Frankreich, England und Amerika entschieden sich im Bereich des westdeutschen Rundfunks vorerst getrennt fortzufahren und teilten ihre Be- satzungszone in wiederrum drei Zonen. Die Briten besetzten hierbei den nördlichen Teil und entschieden sich für eine zentrale Zonen-Institution.27 Die Sende- und Produktions- anlagen in Hamburg, die nahezu unversehrt waren, stellten die größte Rundfunkinstitu- tion in der britischen Zone dar und wurde Ende September 1945 dann zu ‚Nordwest- deutscher Rundfunk‘ (NWDR) umbenannt, zu dem später dann noch eine weitere Insti- tution in Berlin zählte.28 Dadurch war der „Keim für die Aufteilung der Zonenanstalt in ihre drei Teile NDR, WDR und SFB gelegt“29. Im Gegensatz zu den Briten, die ein zent- rales Modell verfolgten, sprachen sich die Amerikaner für dezentrale Institutionen im süd- lichen Teil der späteren Bundesrepublik aus und besetzten am 12. Mai 1945 ‚Radio Mün- chen‘, drei Wochen später ‚Radio Stuttgart‘ und am Tag darauf ‚Radio Frankfurt‘. Erst sechs Monate später wurde dann auch ‚Radio Bremen‘ als weitere Rundfunkinstitution in Betrieb genommen.30 Die französische Besatzungszone im Südwesten Deutschlands be- stand aus einem früheren Teil der amerikanischen Besatzungszone, weshalb sie eine klei- nere Fläche aufwies. Aus diesem Grund stellte das ‚Radio Koblenz‘ den einzigen zentralen Radiosender der französischen Besatzungszone dar und etablierte sich wenig später im Winter als ‚Südwestfunk‘ (SWF).31

[...]


1 Vgl. Bausch (1980, S.13).

2 Watanabe (2003, S.95f.).

3 Vgl. Schildt (1999, S.65).

4 Vgl. Dussel (2004, S.131).

5 Sarkowicz (2010, S.205).

6 Vgl. Ebd.

7 Ebd.

8 Ebd.

9 Vgl. Ebd. S.206ff.

10 Ebd. S.209.

11 Vgl. Ebd. S.211.

12 Vgl. Ebd. S.212ff.

13 Vgl. Ebd. S. 217.

14 Vgl. Ebd. S.218.

15 Vgl. Ebd. S.227.

16 Vgl. Ebd. S.128.

17 Vgl. Ebd.

18 Vgl. Bausch (1980, S.13).

19 Magnus (1955, S.24).

20 Ebd. S.13.

21 Vgl. Bausch (1980, S.15).

22 Vgl. Ebd.

23 Magnus (1955; S.24).

24 Dussel (2004, S.188).

25 Vgl. Ebd.

26 Vgl. Ebd.

27 Vgl. Ebd.

28 Vgl. Ebd.

29 Ebd.

30 Vgl. Ebd. S.188f.

31 Vgl. Ebd. S.189.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des deutschen Rundfunks in der frühen Nachkriegszeit
Untertitel
Ein Vergleich zwischen westdeutscher und ostdeutscher Besatzungszone
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Medien, Sprache und Kultur)
Veranstaltung
Radiogeschichte
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V501219
ISBN (eBook)
9783346025838
ISBN (Buch)
9783346025845
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Radiogeschichte, Rundfunkgeschichte, Radio DDR, Radio BRD, Entwicklung Radio, Radio Propaganda
Arbeit zitieren
Nina Stahlberger (Autor), 2017, Die Entwicklung des deutschen Rundfunks in der frühen Nachkriegszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501219

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