[...] Die Organisation versucht durch ihre Struktur das Verhalten ihrer Mitglieder so zu beeinflussen, dass es den Organisationszielen entspricht. Sie ist jedoch nicht in der Lage das Verhalten bis ins Detail zu bestimmen, denn das Verhalten ist nicht vorhersehbar. Durch Arbeitsverträge werden z.B. Rahmenbedingungen für Verhalten festgelegt. Daraus ergeben sich Handlungsspielräume, die die Akteure nach ihren Interessen nutzen können. Dieses strategische Verhalten von Organisationsmitgliedern wird in dem mikropolitischen Ansatz behandelt, dabei wird die Sicht des Akteurs eingenommen und dargestellt, warum Personal strategisch handelt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. [...] „Wir möchten also den Begriff Mikropolitik als ein organisationstheoretisches Konzept verstanden wissen, das konsequent von der Perspektive interessensverfolgender Akteure ausgeht, um das Organisationsgeschehen als Gesamtheit von Struktur und Handlung verknüpfender Prozesse zu erklären.“ (Küpper, Felsch 2000, 152)
Um das strategische Verhalten in Organisationen zu erklären, müssen die Organisationsmitglieder als Akteure verstanden werden. Diese Arbeit beginnt mit der Erläuterung des Begriffs Akteur im mikropolitischen Bezugrahmen. Darauf folgt eine Betrachtung des Machtbegriffes, als zentrale Dimension aller Handlungen und Beziehungen zwischen zwei oder mehreren Akteuren. Hier werden auch die verschiedenen Formen einer Machtbeziehung und die Strategien der Akteure vorgestellt. Die durch unterschiedliche Interessen und Strategien geleiteten Beziehungen führen zum Begriff der Spiele in Organisationen. Akteure treten innerhalb der Organisation in einer Art von Spiel gegeneinander an und versuchen ihre Machtbereiche zu verteidigen oder auszubauen. Ein weiterer wichtiger Bezugpunkt des mikropolitischen Ansatzes ist die Struktur in Organisationen. Die Dualität von Struktur (Giddens z.B. 1976: theory of structuration) wird von Küpper weiter differenziert in Formal-, Verhaltens- und Spielstruktur, die hier ebenfalls dargestellt werden sollen.
Im Anschluss daran soll der Bezug zur Personalwirtschaft an Hand von Beispielen verdeutlicht werden. Als Abschluss der Arbeit folgt eine Zusammenfassung und kritische Betrachtung des Mikropolitischen Ansatzes
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Mikropolitische Ansatz
2.1. Der Akteur
2.2. Organisationale Macht (-beziehungen)
2.2.1. Machtbeziehungen und -strategien
2.2.2. Machtquellen
2.3. Die Spielmetapher (Spiele und Strategien)
2.4. Struktur in Organisationen
2.4.1. Formal- und Verhaltensstruktur
2.4.2. Spielstruktur
3. Bezug zur Personalwirtschaftslehre
4. Fazit.
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhalten von Organisationsmitgliedern durch die Brille des mikropolitischen Ansatzes. Ziel ist es, Personal als strategisch handelnde Akteure zu begreifen, die innerhalb von Organisationen ihre Interessen verfolgen, Machtverhältnisse beeinflussen und durch informelle Spielregeln ihr Umfeld aktiv mitgestalten.
- Grundlagen des mikropolitischen Ansatzes und Definition des Akteurs.
- Analyse von Machtbeziehungen, Machtquellen und strategischem Verhalten.
- Die Metapher des Spiels zur Erklärung organisationaler Prozesse.
- Differenzierung zwischen Formal-, Verhaltens- und Spielstruktur.
- Anwendung des Ansatzes auf personalwirtschaftliche Fragestellungen.
Auszug aus dem Buch
2.2. Organisationale Macht (-beziehungen)
Grundlegend für das moderne Verständnis des Machtbegriffs ist die Definition von Max Weber: „...jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ (Max Weber 1972, 38).
Macht ist im mikropolitischen Verständnis keine Eigenschaft eines Akteurs, sondern vielmehr ein Phänomen zwischenmenschlicher Beziehungen (Friedberg 1992, 41). Küpper und Felsch (2000, 21) „Macht als theoretisches und soziales Konstrukt soll diejenige Dimension sozialer Beziehungen kennzeichnen, die – als gemeinsames Deutungsmuster der beteiligten Akteure – derartige interessenorientierte und gegenseitig aufeinander bezogene Verhaltenseigenschaften konstituiert.“ Macht beinhaltet demnach die Möglichkeit, auf andere Individuen und Gruppen einzuwirken, also andere zu erwünschten Verhaltensweisen bringen zu können. Ein Akteur muss, um seine Interessen zu verwirklichen, Macht erlangen, zumindest solange diese Interessenverwirklichung nicht von ihm alleine abhängt. Dabei geht es auch um die Kontrolle von sogenannten Ungewissheitszonen. Die Möglichkeit stets auch anders Handeln zu können, beruhend auf der oben erwähnten Kontingenz des Handelns, lässt bei den anderen Akteuren eine Ungewissheitszone entstehen. Crozier und Friedberg (1993, 43) definieren Macht als Kontrolle relevanter Ungewissheitszonen. Dabei müssen diese Ungewissheitszonen nach ihrem Verständnis „relevant“ sein, dass heißt, sowohl in bezug auf das Problem als auch hinsichtlich der Interessen der Akteure.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Verhaltenssteuerung in Organisationen und Vorstellung des mikropolitischen Ansatzes als theoretischer Rahmen.
2. Der Mikropolitische Ansatz: Detaillierte theoretische Herleitung der Akteursperspektive, der Machtbeziehungen und der Spielmetapher in Organisationen.
2.1. Der Akteur: Charakterisierung von Organisationsmitgliedern als nutzenmaximierende Akteure mit subjektiv begrenzter Rationalität und spezifischen Handlungskompetenzen.
2.2. Organisationale Macht (-beziehungen): Untersuchung von Macht als soziales Konstrukt, das auf der Kontrolle von Ungewissheitszonen in Austauschbeziehungen basiert.
2.2.1. Machtbeziehungen und -strategien: Erläuterung der reziproken Natur von Macht und der Anwendung strategischer Verhaltensweisen wie Aufklärung und Überzeugung.
2.2.2. Machtquellen: Identifikation zentraler Ressourcen wie Expertenwissen und Kontrolle über Informationskanäle, die als Trümpfe in Machtbeziehungen dienen.
2.3. Die Spielmetapher (Spiele und Strategien): Darstellung der Organisation als Gesamtheit verzahnter Spiele, die menschliches Handeln innerhalb eines Regelwerkes koordinieren.
2.4. Struktur in Organisationen: Analyse der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Ebenen der organisationalen Struktur.
2.4.1. Formal- und Verhaltensstruktur: Gegenüberstellung der offiziell festgeschriebenen Regeln und der tatsächlich gelebten Verhaltensmuster.
2.4.2. Spielstruktur: Definition der Spielstruktur als operative Regeln, die durch Konsens in Machtbeziehungen entstehen und strategisches Verhalten kanalisieren.
3. Bezug zur Personalwirtschaftslehre: Anwendung mikropolitischer Konzepte auf klassische personalwirtschaftliche Themen wie Personalentwicklung und Personalbeschaffung.
4. Fazit.: Kritische Reflexion des Ansatzes unter Berücksichtigung seiner Stärken in der Verhaltenserklärung und Grenzen bei der Gestaltungsempfehlung.
Schlüsselwörter
Mikropolitik, Akteur, Organisation, Macht, Machtbeziehungen, Ungewissheitszone, Spielmetapher, Strategie, Personalwirtschaft, Verhaltensstruktur, Formalstruktur, Spielstruktur, Nutzenmaximierung, Expertenwissen, Interessenvertretung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit behandelt die organisationstheoretische Perspektive der Mikropolitik, die das Handeln von Individuen und Kollektiven in Organisationen als strategischen Prozess begreift.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Rolle des Akteurs, der Dynamik von Machtbeziehungen, der Verwendung von Ressourcen als Machtquellen und der Strukturierung von Organisationen durch informelle und formelle Spielregeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Nützlichkeit des mikropolitischen Ansatzes für die Personalwirtschaftslehre aufzuzeigen, um das Verhalten von Personal bei organisationalen Prozessen besser erklären zu können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die auf den organisationssoziologischen Ansätzen von Akteuren wie Crozier, Friedberg, Giddens und Küpper basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erörtert die theoretischen Grundlagen der Mikropolitik (Akteur, Macht, Spielmetapher, Struktur) und überträgt diese Konzepte exemplarisch auf personalwirtschaftliche Bereiche wie Personalentwicklung und Personalauswahl.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Machtquellen, strategisches Handeln, Ungewissheitszonen, Spielstruktur und Interessenverfolgung.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Formal- und Verhaltensstruktur?
Die Formalstruktur umfasst die offiziell anerkannten und dokumentierten Regeln, während die Verhaltensstruktur die tatsächlich wirksamen, gelebten Handlungsregeln in der täglichen Praxis widerspiegelt.
Warum ist das Konzept der "Ungewissheitszone" für den Mikropolitik-Ansatz entscheidend?
Ungewissheitszonen sind Bereiche, die nicht vollständig durch Regeln determiniert sind. Akteure, die diese Zonen kontrollieren, erlangen Macht, da sie das Handeln anderer durch ihr Wissen oder ihre Ressourcen beeinflussen können.
Inwiefern kann Mikropolitik bei der Personalentwicklung hilfreich sein?
Der Ansatz hilft dabei, Widerstände gegen Personalentwicklungsmaßnahmen zu verstehen, da Akteure ihre erworbenen Machtpositionen (z.B. Expertenwissen) durch Lernprozesse gefährdet sehen könnten.
- Citation du texte
- Kay Rebmann (Auteur), 2004, Personal als strategisch handelnde Akteure, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50121