Gefahren für Kinder und Jugendliche im Web 2.0


Essay, 2017

7 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Gefahren für Kinder und Jugendliche im Web 2.0

Bist du heute Nachmittag online? Treffen wir uns um 16 Uhr im Chatroom? Können wir später bei dir im Internet surfen? Solche Fragen stellte man seinen Freunden nach Schulschluss noch vor 10 Jahren. Messenger Dienste wie ICQ und MSN und Chatportale wie knuddels.de und schuelervz.de waren die Treffpunkte für Jugendliche in der digitalen Welt. Mit dem (Prepaid) Handy wurden hauptsächlich SMS geschrieben, telefoniert, Spiele gespielt oder verpixelte Fotos aufgenommen. Smartphones kannte noch niemand. Die Zeit, die online verbracht werden durfte, war im Gegensatz zu heute, deutlich begrenzt. Maximal zwei Stunden pro Tag durften am heimischen Computer verbracht werden. Surfte eine Person im Internet, war die Telefonleitung besetzt. An eine Internetflatrate war noch nicht zu denken. Die Frage die sich mir nach der ausgiebigen Auseinandersetzung mit dem Netzwerkgiganten Facebook gestellt hat ist, wie es zu einem solchen Wandel kommen konnte? Einem Wandel von strikt begrenzter Onlineverfügbarkeit zur Dauerverfügbarkeit, einem Wandel von anonymen Chatnamen oder ICQ Nummern hin zu der bedenkenlosen Preisgabe von Namen, Handynummern, zahlreichen Fotos aus dem Privatleben und manchmal sogar der vollständigen Adresse. Gerade für Kinder und Jugendliche bringt die oftmals unbewachte Dauernutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook zahlreiche Gefahren mit sich. Vor allem, durch die stetig wachsende Nutzung von Smartphones, haben Kinder und Jugendliche uneingeschränkten Zugang zu sozialen Plattformen via Apps.

In der folgenden Reflexion werde ich mich zunächst mit dem Wandel des Begriffes Freundschaft und seiner Bedeutung im sozialen Netzwerk Facebook beschäftigen. Dabei werden die Voraussetzungen einer Freundschaft im realen Leben mit denen einer Onlinebekanntschaft gegenübergestellt. In einem nächsten Schritt wird der Wandel von Kommunikationsformen bei Jugendlichen kritisch betrachtet und in Bezug zu der Bedeutung des Begriffes Freundschaft gesetzt. Abschließend wird auf die beiden Gefahren des Mobbings und des Stalkings in der virtuellen Welt des Web 2.0, bedingt durch den Schutz der Anonymität des Internets, hingewiesen.

Eine der Grundfunktionen von Facebook ist das Finden von Freunden. Freundschaftsanfragen können mit nur einem einzigen Klick gestellt werden. Nimmt die andere Person die Anfrage an, ist die Freundschaft ,,geknüpft“ und der neue Kontakt hat Zugriff auf sämtliche persönlichen Informationen und Fotos, die man zuvor im eigenen Profil angegeben bzw. hochgeladen hat. Der Begriff Freundschaft wird in der Soziologie als ,,freiwillige, persönliche Beziehung, die auf gegenseitiger Sympathie, Vertrauen und Unterstützung beruht, nicht aber auf Verwandtschaft oder einem sexuellen Verhältnis“ definiert (Spektrum, 2015). Facebook hat es in kurzer Zeit geschafft, diesen emotional besetzen Begriff zu vereinnahmen. Betrachtet man die Anzahl der vorhandenen Facebook Freunde der 12 bis 17-Jährigen in Deutschland, liegt der Durschnitt bei ca. 549 Freunden. Ist es überhaupt möglich, eine solch große Anzahl an Personen als Freunde zu bezeichnen? Da Facebook ursprünglich aus Amerika kommt, ist es wichtig zu erwähnen, dass der Begriff ,,friend“ im englischsprachigen Raum nicht die emotionale Bedeutung wie ein Freund im z.B. Deutschen hat. Hier wird unter einem ,,friend“ auch eine einfache Bekanntschaft verstanden. Bei der Übersetzung der Plattform Facebook ins Deutsche, welche im Jahr 2008 stattfand, wurde dieser Begriff jedoch wortwörtlich übersetzt. Eine passendere Wortwahl wäre hier vielleicht der weniger emotionale Begriff Kontakt gewesen, da es unmöglich ist 5000 Freunde (die von Facebook festgelegte Obergrenze) zu haben. Zuckerberg hat sich natürlich aus dem einfachen Grund, die Nutzer von Facebook auf emotionaler Ebene zu erreichen, dagegen entschieden. Mit Erfolg, denn mittlerweile ist der Begriff Facebook-Freund im Wortschatz von Nutzern des Web 2.0 nicht mehr wegzudenken. Doch selbst die bereits erwähnte durchschnittliche Anzahl von Freunden (ca. 549) die Jugendlichen bei Facebook ansammeln, haben nichts mit einer realen Freundschaft zu tun. Spricht man von Facebook- Freunden, muss klar zwischen echten Freunden und einfachen Online- Bekanntschaften unterschieden werden.

Die Voraussetzungen einer Freundschaft im realen Leben wie die räumliche Nähe der beiden Personen, die Übereinstimmung der Chemie, der Aufwand der in den Kontakt gesteckt wird, sowie die Kontakthäufigkeit scheinen im virtuellen Leben keine übergeordnete Rolle mehr zu spielen. Hier geht es nicht darum, im regelmäßig stattfindenden Austausch mit den Leuten auf der Freundesliste die Geschehnisse eines Tages auszutauschen, über Sorgen und Probleme zu sprechen, oder den nächsten gemeinsamen Ausflug zu planen. Wie auch, wenn sich eine so große Anzahl von Personen auf einer Liste mit dem Titel Freundesliste befinden? Alleine der Zeitaufwand der betrieben werden müsste, um mit all diesen Menschen in regelmäßigem Kontakt zu stehen wäre immens. Doch wie ändert sich das Verhältnis zu den Menschen, die wir auch im realen Leben als unsere Freunde bezeichnen? Heutzutage leider nicht mehr wegzudenkende Szenarien: Jugendliche treffen sich und sitzen gemeinsam in einem Café, verstecken sich jedoch hinter ihren Smartphones um die neuesten Meldungen auf Facebook zu lesen, einen neuen Post bei Instagram vorzubereiten, oder um jeden Schritt der gemacht wird bei Snapchat festzuhalten. Freunde sitzen gemeinsam vor dem Fernseher um einen Film zu gucken, doch die Smartphones in der Hand dürfen nicht fehlen. Nebenbei kann man ja noch ein paar Fotos bei Instagram kommentieren und mit einem Herz versehen, die Snapchatstory eines Freundes verfolgen oder eine Runde Candy Crush spielen. Einer Aktivität die volle Aufmerksamkeit zu schenken ist für viele Jugendliche nicht möglich. Doch nicht nur unter Freunden, auch im Familienleben nimmt das Smartphone einen immer größeren Stellenwert ein. So schreibt der Vater bereits beim Frühstück eine E-Mail, oder gemeinsame Aktivitäten werden nur noch über die Familien WhatsApp Gruppe geplant. Die Kommunikation untereinander ist durch das Medium des Smartphones stark verändert worden. Der eigentlich intendierte Zweck der Plattform Facebook, die Vernetzung mit Freunden und Bekannten, kann auch zu dessen Gegenteil führen: eine Entfremdung von den Mitmenschen. Während man alleine zu Hause vor dem Laptop sitzt und zahlreiche Chatfenster geöffnet hat, wird einem das Gefühl vermittelt soziale Kontakte zu pflegen. Die Tatsache aber, das Posts und Chats persönliche face-to-face Gespräche ersetzten und man obwohl man gerade kommuniziert alleine zu Hause sitzt, bleibt unbeachtet. Der worst case könnte also sein, dass jeder alleine vor dem heimischen Computer sitzt, mit Freunden kommuniziert, jedoch kein praktischer Umgang mit anderen Menschen mehr stattfindet. Ebenso schnell, wie im Web 2.0 eine neue Freundschaft geknüpft werden kann, kann eben diese auch wieder beendet werden. Nur ein einziger Mausklick auf den Button ,,Freundschaft beendet“ reicht aus, um eine Person von der eigenen Freundesliste zu entfernen. Dabei wird die ,,entfreundete“ Person nicht einmal durch eine Benachrichtigung darauf hingewiesen. Erst dann, wenn diese auf das Profil des (ehemaligen) Freundes zugreifen will wird angezeigt, dass die Facebook Freundschaft nicht mehr besteht. Die Bezeichnung dieses Vorgangs ist mittlerweile nicht mehr aus dem Sprachgebrauch wegzudenken. Im New Oxford American Dictionary, einem Wörterbuch für nordamerikanisches Englisch, taucht das Verb ,,to unfriend“ bereits auf um die Tätigkeit, jemanden als Freund in einem Online Netzwerk zu entfernen, zu beschreiben. Kann man wirklich von Freundschaft sprechen, wenn sowohl der Weg dorthin, der sich im realen Leben durch eine Phase des gegenseitigen Kennenlernens auszeichnet, als auch das Ende nur durch einen einzigen Klick besiegeln lässt? Gerade für Kinder und Jugendliche birgt dieser einfache Mechanismus zum Beenden einer Freundschaft Gefahren. Wie lernen diese, mit Konfliktsituationen umzugehen, den Standpunkt anderer zu verstehen, miteinander an einer Lösung eines Problems zu arbeiten oder aber auch zu verzeihen? Durch die einfache Funktion des Entfernens eines Freundes, die ohne jegliche Begründung genutzt werden kann, wird der Stellenwert eines Freundes stark geschmälert. Einer zwischenmenschlichen Beziehung wird durch solche Vorgänge die Komplexität genommen und es erscheint problemlos die Freundschaft mit einer Person ohne eine persönliche Aussprache zu beenden. Es war eben doch nur eine Person von vielen auf der langen Freundesliste. Wird eine Person entfernt, fügt man eben wieder eine neue hinzu.

Betrachtet man den Wandel der genutzten Kommunikationsformen so fällt auf, dass dieser durch zunehmende Digitalisierung geprägt ist. Die Zeiten, in denen man zu Geburtstagen, Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten selbstverständlich Postkarten oder Briefe verschickte sind Vergangenheit. Wacht man heutzutage morgens auf, zeigt einem das Smartphone direkt an, welcher der Kontakte im Adressbuch heute Geburtstag hat. Eine SMS oder WhatsApp Nachricht ist schnell verfasst und die Angelegenheit somit innerhalb weniger Minuten erledigt. Auffällig ist außerdem, dass die schriftliche Kommunikation durch Kurznachrichten oder Chats deutlich im Vordergrund steht. Die wenigsten Jugendlichen nutzen ihre Smartphones tatsächlich zum Telefonieren. Ein neuer Trend sind Sprachnachrichten die aufgenommen und anschließend über Messenger Dienste verschickt werden könne. Der Empfänger hat dann die Möglichkeit die Nachricht zu einem gewünschten Zeitpunkt und beliebig oft abzuhören. Durch diese Form der Kommunikation wird zwar indirekt miteinander gesprochen, die Spontanität und der intuitive Charakter einer Konversation geht jedoch verloren. Jugendliche geben an, dass sie auf diese Formen der Kommunikation bevorzugt zurückgreifen, da sie nicht ihre ungeteilte Aufmerksamkeit darauf richten müssen. Telefoniert man mit einer Person, so kann man das Smartphone nicht mal eben auf die Seite legen, das Chatfenster wechseln oder einfach einige Minuten nicht antworten. Wird durch diesen Wandel der Stellenwert des Begriffs Freundes geschmälert?

Ein weiterer Aspekt, der durch die stetig wachsende Nutzung von sozialen Netzwerken in den Vordergrund tritt, ist das Thema Mobbing. Gerade Kinder und Jugendliche unterschätzen diese Gefahr. Gerade bei jungen, heranwachsenden Mädchen ist das Verlangen nach Anerkennung und Komplimenten groß. Je mehr ,,Likes“ ein hochgeladenes Profilbild bekommt, desto besser ist die Laune. Oftmals wird jedoch vergessen, dass ein Bild, welches einmal in einem sozialen Netzwerk hochgeladen wurde, nur sehr schwer wieder zu löschen ist. Zwar ist es jedem Nutzer selbst überlassen hochgeladenen Fotos wieder vom eigenen Profil zu entfernen, in der Zwischenzeit ist es jedoch frei zugänglich für jegliche Kontakte und kann von diesen ohne Probleme durch eine einfache Tastenkombination heruntergeladen und gespeichert werden. Gleiches gilt auch für Videos die online gestellt werden. Solches Bildmaterial, wird häufig dazu verwendet, junge Menschen online zu mobben. Dabei genießen die sogenannten Bullies (Personen die andere mobben) den Schutz der Anonymität des Internets. Ohne Probleme können Fake-Accounts erstellt werden, die nicht mit den Bullies in Verbindung gebracht werden können. Hinzu kommt, dass die öffentliche Bloßstellung auf Facebook keine Hindernisse mit sich bringt. Es ist jedem frei überlassen, welche Fotos und Inhalte auf der eigenen Profilseite geteilt werden. Die Tatsache, dass Mobbing in der virtuellen Welt rund um die Uhr stattfinden kann, erleichtert das Vorgehen außerdem. Die Bullies können ihre Opfer so auch angreifen, ohne ihnen gegenüberstehen zu müssen. Das unüberschaubar große Publikum eines solchen Onlinemobbings ist ebenfalls nicht außer Acht zu lassen. Da jeder öffentlich gestellte Inhalt ohne Probleme geteilt und so weiter gestreut werden kann, hat man als Opfer keinen Einfluss darauf, welche Ausmaße z.B. das Teilen eines Fotos mit zuvor hinzugefügten Beschimpfungen nimmt. Dadurch, dass die Bullies die Betroffenheit des Opfers in der virtuellen Welt nicht unmittelbar wahrnehmen, ist die Hemmschwelle geringer eine solche öffentliche Bloßstellung zu vollziehen. Anders, als z.B. bei Mobbing innerhalb einer Schulklasse, werden die Reaktionen des Opfers, wenn überhaupt, erst zu einem späteren Zeitpunkt sichtbar. Um die Angriffsfläche von jungen Menschen in der virtuellen Welt möglichst gering zu halten, ist es wichtig Aufklärung darüber zu leisten, welche weitreichenden Konsequenzen es mit sich bringen kann, z.B. Fotos vom letzten Strandurlaub bedenkenlos in sozialen Netzwerken zu präsentieren.

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Gefahren für Kinder und Jugendliche im Web 2.0
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
7
Katalognummer
V501240
ISBN (eBook)
9783346025913
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gefahren, kinder, jugendliche
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Gefahren für Kinder und Jugendliche im Web 2.0, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/501240

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